Islamische Märtyrerinnen - Anregung zur Diskussion über Verdienste

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von SRuehlow, 5. Dezember 2006.



  1. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Liebe Forumskolleginnen und Kollegen,
    ich möchte hier nochmal das Thema des Märtyrertums im Islam aufgreifen, auch wenn das schon x-mal an anderer Stelle diskutiert wurde.

    In der islamischen Frühzeit wurde besonders viel Wert auf die Betonung des Gleichberechtigung zwischen dem männlichen und weiblichen Märtyrer gelegt. Wir assoziieren den typisch islamischen Märtyrer aus der heuutigen sichtweise nach dem 11. September und das aus unserer unislamischen Sichtweise. Ich will hier eine Diskussion über die Verdienste der Märtyerinnen anregen, welche Verdienste sie dafür bekam, wenn sie für ihren Glauben starb.

    Zu anfang muss man festhalten, dass es einen Unterschied zwischen der christlichen und islamischen Sichtweise gibt, was das Verständnis zum Märtyrertum angeht. Na christlichem Verständnis stirbt man für seinen Glauben, nach islamischem Verständnis muss man nicht unbedingt sterben. Es reicht, wenn man standhaft bleibt und nicht von seinem Glauben abfällt, egal unter welchen Versuchungen. eine schwangere Frau, die stirbt, ist nach der Schria auch eine Märtyrerin.

    Welchen Verdienst erwartet die Frau im Paradies? Warum sollte sie als Märtyrerin sterben? Was ist heute anderes, als im Vergleich zur frühislamischen Gemeinde?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2006
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Was für islamische Märtyrerinnen gab es denn in islamischer Frühzeit, woher weiß man von ihnen und welche Primärquellen berichten davon? Ich fürchte, hier kann man sich nur im Bereich von Vermutungen und Spekulationen bewegen. Oder ist dir mehr bekannt, SRuehlow?
     
  3. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Verschiedene islamische Quellen berichten davon und ich meine verschiedene wahre Hadithe berichten davon.
    Ich glaube, dass die Leberesserin, Name hab ich vergessen, eine solche sein soll: Ihr Mann wurde ermordet und sie lies den Mörder töten.
    Es werden verschiedene Überlieferungen erzählt, dass in der Anfangszeit verschiedene Frauen zum Islam übergetreten sind, und von ihren Familien bedrängt wurden, dies nicht zu tun, oder ihrem neuen Glauben abzuschwören und in den Familienschoß zurückzukehren, weil ihre Arbeitskraft fehlte. Die Frauen in der frühislamischen Gesellschaft hatten erstaunlich viel Selbstbestimmungsrechte. Sie konnten auch für den Glauben kämpfen, nicht nur die Männer.
    Namendlich sind mir keine bekannt, aber Ibn Ishaq berichtet von solchen Frauen, die Märtyrerinnen geworden sind.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Soweit mir bekannt ist, erwartet einen islamischen Märtyrer - und gewiss auch eine Märtyrerin - in Jenseits sofort das Paradies, das sich Muslime meines Wissens erheblich konkreter vorstellen, als Christen das tun. Welche weiteren Überlegungen könnte man daran anknüpfen?
     
  5. collo

    collo Neues Mitglied

    sind das fragen fürs geschichtsforum?
     
  6. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich wollte auf die historische Entwicklung raus, wie sich die Begrifflichkeit und das Verständnis im Laufe der Zeit gewandelt hat und da ich es in den Themenbereich Religionsgeschichte eingestellt habe: Ja, dieses Thema gehört nach meinem Verständnis hier her! Begründung: Diese religiöse Vorstellung hatte Einfluss auf die historische Entwicklung auf allen Kontinenten und ist heute ein durchaus brisant-aktuelles Thema, das kontrovers diskutiert wird.
     
  7. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Inweit Frauen Verdienste im Jenseits erhalten? Männer erhalten Jungfrauen, die ihnen im Paradies verköstigen und unterhalten sollen (meine hier keine Sexualität). Aber was hatte die Frau zu erwarten? Ansehen und Prestige innerhalb der islamischen Gemeinde? Gibt es da einen Unterschied zu heute?
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn das Paradies für Männer die berühmten Huris mit "unvergänglichen Reizen" bereithält, so dürften wackere Musliminnen vom gerechten Allah doch wohl ähnliches erwarten dürfen, oder?
     
  9. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Das glaub ich eben nicht!
     
  10. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Wenn darauf geachtet wird, dass die aktuelle Brisanz ausgespart wird, kann der Pfad vorerst so weiterlaufen.
     
  11. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich habe im Islam-Lexikon von Khoury einen knappen Beitrag dazu gefunden, dass in der Frühzeit des Islam, also um das 7. und 8. Jahrhundert herum, viele islamische Frauen zu Märtyrerinnen wurden. Die Hauptargumentation war schon, wie oben diskutiert, das Festhalten am islamischen Glauben und seinem Propheten, trotz aller, sich auftuhenden, Wiederständen.

    Außerdem wird erwähnt, dass die muslimischen Frauen an verschiedenen Schlachten teilnahmen und dies nicht unbedingt in altruistischer Form, sonder anscheinend mit in den Kampf aktiv eingriffen. Ich weis nicht, ob er da eine offensive oder eher devensive Position inmitten der Kämpfe meint. Könnte mir aber vorstellen, dass Frauen sowohl am aktiv-offensiven Kampf teilnahmen, als auch in der Verteidigung taktischer Stellungen aktiv waren. Diese Frauen könnten wegen ihren Handlungen, die ja durchaus religiös begründet waren, später zu Märtyrerinnen ernannt worden sein, seien es, im Kampf, Verstorbene, als auch Überlebende.

    Quellen für meine Behauptung habe ich nicht gefunden.
     
  12. Ssubotai

    Ssubotai Neues Mitglied

    also, es ist schon 6 jahre alt, aber ich möchte trotzdem was dazu sagen. im Islam sind Märtyrer => Shahid. Shahid kommen in den siebten Himmel(das höchste), das ist die Belohnung. Der erste Shahid, war eine Frau namens Sumaya. Diese wurde gefoltert und aufgefordert ihren Glauben aufzugeben, was sie nicht tat, so wurde sie von seinen Folterern erschlagen.
    Und noch was zu den Jungfrauen. Im Koran werden Jungfrauen als Belohnung für die Männer NICHT erwähnt! Die deutsche Übersetzung ist an vielen Stellen falsch, das sollte eig. schon jedem klar sein. Anstatt Jungfrauen, werden dort Geschöpfe erwähnt die kein Geschlecht haben.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also wenn ich der arabischen Wikipedia zum Thema folge, dann heißt es direkt im ersten Satz, dass die ḥūrī eine sehr weiße Frau ist:
    ...الحوراء هي الإمراة شديدة البياض
     
  14. Kurde

    Kurde Neues Mitglied

    Es gibt diesen Kerl, Christoph Luxenberg nennt er sich. Das ist ein Pseudonym für einen Koranforscher. Könnt ja mal googlen wenns interessiert.

    Ihm zufolge wird der Koran missintepretiert und falsch übersetzt. Er begründet dies damit, das der alte mekkanische Dialekt in dem der Koran verfasst wurde eine Art arabisch-aramäische Mischsprache sei.

    Dieser Mann behauptet das aus dieser Lesart heraus weder eine Zahl noch Frauen erwähnt werden. Die Huri seien nichts anderes als perlengleiche Trauben bzw. Früchte. Mit dem Verschwinden des mekkanischen Dialekts verschwand auch das Wissen über die korrekte Übersetzung gewisser Koranstellen. So soll angeblich auch das Tragen des Kopftuchs durch Falschübersetzung erst später eingeführt worden sein.

    Was denkt ihr darüber? Eine Syro-aramäische Lesart des Koran. Warum eigentlich nicht. Aramäisch war einst eine bedeutende und weitverbreitete Sprache die sicher auch das alte Mekka beeinflusst haben könnte, eine bedeutende Stadt im alten Arabien.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Dezember 2014
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    soeben absolviert: Christoph Luxenberg ? Wikipedia
    aber was dem nicht zu entnehmen ist: schreibt der/die irgendwas über islamische Märtyrerinnen und deren (spezielle?) Verdienste?
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist er das? Leider wissen wir nichts über ihn, als dass er latent islamfeindlich ist und dass seine Hypothesen von der semitistischen Fachwelt abgelehnt werden. Ein Pseudonym hat eben keinen Lebenslauf und kann keine Studienzeugnisse vorlegen. Im Netz kursieren allerlei Behauptungen über ihn, feststellbar ist nur, dass er zumindest zu Anfang noch keine semitistischen Kompetenzen hatte, die aber notwendige Grundlage seiner Behauptungen wären.
     

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