Island

Dieses Thema im Forum "Nordeuropa | Skandinavien" wurde erstellt von rolo, 24. Juli 2004.



  1. Themistokles

    Themistokles Neues Mitglied

    Ich habe in der von mir erwähnten Zeitschrift die Angabe von 4500 Höfen gefunden. Aber kamen zum Thing wirklich alle, die das Recht dazu hatten? Ich weiß von den Athener Volksversammlungen, dass viele Leute von außerhalb nur bei wichtigen Themen kamen, da sie ihren Hof für 3 Tage (Hin- und Rückweg und 1 Tag Versammlung) nicht alleinlassen wolten. Obwohl Sklaven und die Frau sich darum hätte kümmern können. CIh habe jetzt gelesen, dass ein Thing sogar 3 Tage dauerte und Island ist etwas größer als Attika, da dauert die Reise u.U. nochetwas länger. Wie oft tagte denn so ein Thing?
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. März 2005
  2. fingalo

    fingalo Neues Mitglied

    Das passt ebenfalls nicht mit der Einwohnerzahl zusammen. Dann wären weniger als 6 Leute auf dem Hof gewesen.
    Es gibt aus der vorchristlichen Zeit keine seriösen Bevölkerungsdaten. Der isländische Geschichtsatlas schätzt zwischen 10 000 und 20 000 Einwohnern. Das halte ich für realistischer.
    Das Althing (isländisch Alþingi) fand von 930 bis 1262 in Þingvellir in Island statt. Das Althing war eine Versammlung aller freien und volljährigen Männer. Die Teilnahme war verpflichtend; eine Ausnahme war nur für allein wirtschaftende Bauern, Alte und Kranke möglich. Allerdings konnte man sich auf dem Thing vertreten lassen, und anscheinend ist dies auch häufiger genutzt worden. Um überhaupt rechtsfähig zu sein, musste der isländische Bauer über ein bestimmtes Mindestvermögen verfügen.Das Althing fand jeweils an zwei Wochen um die Sommersonnenwende statt.
    1 x im Jahr in Thingvellir. Daneben gab es aber die Bezirks-Thinge, die öfter tagten. Das thing war gleichzeitig Volksfest und Heiratsmarkt.

    Fingalo
     
  3. Beetlebum

    Beetlebum Neues Mitglied

    "Aus den Anfängen unserer Zeitrechnung gibt es Berichte über Schiffe, die nach Island abgetrieben wurden, darunter sollen auch römische Galeeren gewesen sein."

    Römische Galeeren in Island? Sagt wer?

    "Die ältesten Funde sind römische Münzen aus 300 n.Chr. Es gibt nur wilde Spekulationen darüber, wie die dorthingekommen sind."

    Das ist allerdings aufregend. Kennst du Quellen, in denen dieser Münzfund dokumentiert ist oder weißt du mehr darüber?

    Was die Sache mit dem Thing anbelangt, wäre es überhaupt einmal interessant, die griechische und die römische mit der germanischen Form der antiken bzw. mittelalterlichen Demokratie systematisch zu vergleichen. Weiß irgendjemand, ob so ein Versuch schon einmal unternommen und publiziert worden ist?
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. März 2005
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hierzu gibt es bereits einen Diskussionsansatz. Wenn weiterer Austausch gewünscht wird, wäre es nett, wenn ihr das in dem existierenden Pfad machen würdet :) :

    Vergleich der "Demokratie" zwischen Antike und Wikingern
     
  5. fingalo

    fingalo Neues Mitglied

    keine Ahnung. Also "abgestrieben" nach Island halte ich für wilde Spekulation. Dahin kann man von römischen Expeditionsrouten unter Augustus gar nicht "abtreiben".

    Ich hab's aus einem Buch. Das einzige was ich dazu im Netz gefunden habe, ist
    http://ws3.landmat.is/website/alfaeyjar/eyjar/vefur/byggsafn/munir/annad/rpening.htm

    Fingalo
     
  6. Chriss

    Chriss Neues Mitglied

    Entschuldigung, ich will ja eure Diskussion nicht unterbrechen, aber könntet Ihr mir sagen was Island mit Germannen zu tun hat?
     
  7. fingalo

    fingalo Neues Mitglied

    Na, was denkst Du, welcher Volks- und Kulturzugehörigkeit die norwegischen Aussiedler gewesen sind?
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  9. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Schon etwas angestaubt, die Frage, aber nichtsdestotrotz interessant.

    Es gab tatsächlich eine Handvoll römischer Münzfunde in Island und in der Folge natürlich eine Debatte darüber, wie diese Münzen so weit nach Norden gekommen sein könnten.

    Insgesamt reden wir von sechs Münzen, vier antoniniani und zwei dupondii. Alle stammen aus der zweiten Hälfte des 3. Jhds. Die Fundumstände bei drei Münzen wecken Zweifel an deren Authentizität. Zwei Münzen sind Lesefunde vom selben Bauernhof, nur ein antoninianus stammt aus einer Grabung.

    Ende des 3. Jhds. hat die classis britannica gut zu tun an der britannischen Süd- und Ostküste mit Piratenüberfällen. Durchaus denkbar, daß ein römisches Schiff, womöglich noch im Gefecht beschädigt und nur eingeschränkt manövrierfähig, weit abgetrieben wird. Allerdings scheinen gerade die drei nicht angezweifelten Münzen von Aurelian, Tacitus und Probus ausgesprochen selten gewesen zu sein in Britannien. Unwahrscheinlich also, wenn ausgerechnet drei so seltene Münzen mit der Galeere abgetrieben wären.

    Der einzige kontextualisierte Münzfund stammt aus einer sehr frühen Wikingersiedlung in Hvítárholt. Der Tacitus-Antoninian wurde innerhalb eines Langhauses gefunden. Das ist so außergewöhnlich nicht, römische Münzen waren als Zahlungsmittel bei den Wikingern durchaus gängig. Zwar waren speziell diese Münzen dieser Zeit wegen ihres geringen Silbergehalts wohl nicht sonderlich beliebt bei den wikingerzeitlichen Kaufleuten, trotzdem findet man sie in allen skandinavischen Handelszentren.

    Hier detaillierter zum Nachlesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2016
    1 Person gefällt das.
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Danke für den Hinweis - also über den Ursprung der römischen Münzen kann nur spekuliert werden: einerseits ein Verbringen in der Römerzeit über ein abgetriebenes Schiff oder aber andererseits zur Zeit der skandinavischen Landnahme durch die Wikinger, die die ein oder andere römische Münze, die im Laufe der vergangenen Jahrhunderte nach Skandinavien gekommen ist, nach Island mitgenommen haben.

    Allerdings sind die Münzen im Zusammenhang mit skandinavischen Ansiedlungen gefunden worden, so dass der Zusammenhang mit der skandinavischen Siedlung plausibler erscheint.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wir haben in einer Übung mal polnische Münzschatzfunde ausgewertet (also das gesamte Semester drehte sich um die Münzschatzfunde, wir arbeiteten ein wenig mit den Originalen, hauptsächlich aber mit den statistischen Auswertungen, welche Münzen zu welchem Anteil in den einzelnen Münzhorten vorhanden waren und zogen dann Schlussfolgerungen zu Handelswegen, Zustandekommen des Hortes etc.). Vereinzelt fanden sich in den Horten aus dem 9. und 10. Jhdt. auch römische Münzen aus dem 2. und 3. Jhdt. (ich habe das bereits mehrfach hier im Forum erwähnt). Insofern bedeutet, wie Alfirin schon andeutete, die Anwesenheit römischer Münzen auf Island nicht die Anwesenheit von Römern auf Island oder eine Entdeckung der Insel bereits zu Römerzeiten. Die Frage ist natürlich, wie die Fundkontexte sind, wenn die Funde denn echt und nicht unterschoben sind. Wikingisches Langhaus ist ja schon eindeutig.
    Zwei römische Münzen auf einem Grundstück wäre aber schon außergewöhnlich, v.a. ohne einen Hort.
     
  12. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Auf dem Acker, von dem die beiden Lesefundmünzen stammen, gibt es anscheinend auch wikingerzeitliche Siedlungsspuren. Damit ließen sich auch diese beiden Münzen als späterer Import erklären.

    Andererseits ist schon auffällig, daß alle römischen Fundmünzen in Island aus einem sehr engen Zeitfenster stammen. Die drei Unzweifelhaften wurden innerhalb eines Jahrzehnts geprägt. Nimmt man die anderen drei Münzen hinzu, spreizt sich das Spektrum auf die Zeit zwischen Philippus Arabs und Diocletian auf, was immer noch nur knapp 60 Jahre sind. Hatte sich da ein wikingerzeitlicher Sammler auf das späte 3. Jhd. spezialisiert? Oder deutet das nicht doch darauf hin, daß die Münzen zeitnah nach Prägung durch ein wie auch immer geartetes Ereignis in einen wie auch immer gearteten Hort gelangt sind? Der Hort müßte dann allerdings von den Wikingern später aufgelöst und aufgeteilt worden sein - zwischen dem Acker mit den beiden Lesefunden und der Ausgrabung in Hvítárholt liegen doch knapp 150km.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2016

Diese Seite empfehlen