Kinder, Geister und Viehzucht

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Nergal, 18. März 2017.



  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Ich habe ja mal vor längerer Zeit nachgefragt was man über das Wissen der Steinzeitmenschen im Bereich Fortpflanzung weiß.
    Es hieß ja mal die Menschen damals hätten das mit der Vaterschaft nicht recht begriffen und gedacht das erzeugen von Nachkommenschaft sei reine Frauensache, höchstens Geister sollen dabei eine Rolle spielen usw.

    Nun kommt in einem Text der Feministin Kate Millett vor das man das mit der Vaterschaft nicht wußte bevor der Mensch Tiere züchtete und dann von diesen auf sich schloß was dann, ihrer Meinung nach im Patriarchat mündete.

    Was meint die ernsthafte Wissenschaft dazu?
    Wenn das so ist dann dürften Jäger und Sammler eigentlich kein Konzept von Vaterschaft haben und imme rnoch das mit den Geister usw. glauben, oder?
     
  2. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    vielleicht haben die Steinzeitmenschen die Theorie nicht begriffen aber die Praxis haben sie offensichtlich beherrscht.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Davon habe ich nie etwas gehalten. Abgesehen davon, dass Kinder häufig Ähnlichkeiten zum Vater aufweisen (und damit zumindest den Gedanken der Vaterschaft aufkommen lassen könnten) lebten die frühen Menschen von der Naturbeobachtung. Es gibt im Jahreskreislauf Zeiten der Brunft und Zeiten der Niederkunft, gerade bei Großwild ist das gut zu beobachten. Dass den Menschen entgangen sein soll (wir reden hierbei ja zudem über die längste Zeit in der Menschheitsgeschichte und ich beschränke mich dabei auf den HSS), dass dazwischen ein Zusammenhang besteht oder dass nur Frauen, die bereits Sex hatten, Kinder bekamen, ist schlicht unglaubhaft.

    Wir haben keine schriftlichen Überlieferungen aus dieser Zeit. Insofern sind alle Thesen, was die frühen Menschen über die Fortpflanzung wussten, nichts weiter als Mutmaßungen.
     
  4. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Haben wir heute eigentlich mit div. noch steinzeitlich lebenden Stämmen eine Möglichkeit zu untersuchen wie das Damals vielleicht verstanden wurde?
    Was haben diese Stämme Ethnologen beim Erstkontakt erzählt?
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  6. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Das macht es ziemlich kompliziert.
    Der Mensch ist ja, in diesem Fall, leider nicht nur rein biologisch unterwegs, und zB ein Sohn/eine Tochter kann dann auch Jemand sein der adoptiert wurde usw.
    Da solche Völker keine Geschichtsschreibung haben können wir nicht auf bessere Einblicke hoffen.

    Ich frage mich ob zB die Bewohner der Sentinelinseln, die ja angeblich noch kein Feuer nutzen über vaterschaft bescheidwissen.
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Nun gut über die Steinzeit wissen wir gar nichts und da kann jeder seine Wünsche hinein projektieren, auch Feministinnen und Feministen.

    In einer Doku habe ich von einem Fund einer Familie bei den Neandertalern gesehen eine Mutter und ihre drei Söhne, mit Schwiegertöchtern und ihren Kindern.

    Was jetzt für mich wie eine patriarchalische Familie klinkt.
     
  8. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Es gibt keine aus der Ethnologie bekannte Jäger-und-Sammler-Kultur, die in dem Fall für einen ethnologischen Vergleich geeignet ist. Alle aus der Ethnologie bekannten Jäger-und-Sammler-Kulturen waren auch Tierzüchter, wenigstens Hundezüchter. Lediglich von den Ureinwohnern Tasmaniens wird angenommen, dass ihnen der Hund unbekannt gewesen sei. Die Tasmanier wurden jedoch quasi unerforscht ausgerottet.

    Als Arugment gegen Millets These kann man durchaus das angebliche Matriarchat auf den Trobriand-Inseln heranziehen.
    Die Ureinwohner der Trobriand-Inseln züchten Schweine und bauen Yams, Taro etc. an. Das sind ganz eindeutig Bauern!
    Die ungewöhnlichen Gender-Konzepte in der Trobriand-Kultur (z.B. Konzept der biologischen Vaterschaft quasi unbekannt) entstanden, obwohl die Inselbewohner Schweine züchteten. (Spannend finde ich die Frage, ob sie ihre Eber kastrieren.)
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die "ernsthafte Wissenschaft" würde zunächst nach einem Beleg für die Behauptung fragen. Wo wurde es behauptet [also Buchtitel, Seitenzahl etc.]? Was wurde konkret behauptet [sinngemäß oder präzise Zitation]? Und durch welche Bezüge auf andere Studien [auf welche Theoretiker und welche Studien bezieht sie sich] fühlte sich Millett berechtigt, eine derartige These aufzustellen?

    Zumal sie definitiv keine ausgewiesene Anthropologin ist und somit kaum auf Ergebnisse eigener Studien aufbauen kann. So mein oberflächlicher Kenntnisstand.

    Vor diesem Hintergrund einer nicht geklärten Ausgangssituation wäre es wohl ein Akt der Redlichkeit, das vorschnelle Bashen von Thesen, die dem "Feminismus" zugerechnet werden, ein wenig vorsichtiger zu betreiben.

    Es könnte so wirken als wäre eine "Strohfrau" [man beachte den Wortwitz] aufgebaut worden, die eher zu einer Polemik gegen Feminismus einladen soll.
     

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