Luftbildarchäologie und Google Earth

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Keltoi, 14. Januar 2009.



  1. Keltoi

    Keltoi Neues Mitglied

    Hallo, ich hätte mal eine Frage die mich ein wenig beschäftigt.
    Taugt Google-Earth für den Einsatz (zusätzliches Hilfsmittel) in Bereich der
    Luftbildarchäologie, oder ist das Quatsch? Ich denke z.B. an Probleme wie
    die Auflösung der Satelitenkameras, an optische Verzerrungen, oder gar
    Scanfehler (habe einmal auf einem Google Earth Bild von einer Seeoberfläche
    die Leiterbahnen des Chip-Optik des Sateliten erkennen können).

    Ich kenne mich natürlich nicht mit der Luftbildarchäologie und deren
    technischen Anforderungen aus, aber könnte Google Earth eventuell
    doch dabei helfen, oder wird es sogar bereits dafür genutzt?

    Vielen Dank und beste Grüße
    Carsten
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  3. Trajan

    Trajan Neues Mitglied


    Ave Carsten,

    also Google-Earth taugt auf jedenfall, natürlich mit spezifischen Einschränkungen.

    GoogleEarth enthält keineswegs nur Satellitenfotos, im Gegenteil sind es in den dichtbesiedelten gebieten meistens Luftaufnahmen, die weit besser aufgelöst sind. Z.B. auf der Luftaufnahme, die mein Zuhause zeigt, kann ich bei Google sogar bis auf meinen, leider unaufgeräumten Schreibtisch, im Dachgeschoss gucken.

    Es ist auf jedenfall ersteinmal kostenlos und flächendeckend! D.h. man kann da ungestört schauen. Im Prinzip kann man zwar auch zu den Landesvermessungsämtern gehen, dort gibt es jede Menge Material. Ist aber zeitaufwendig und kostet dann auch noch 20 bis 40 euro für jede Kopie, die du da ziehst. Und wenn dann noch eine Landesgrenze genau durch dein Gebiet läuft, kannst du auch noch eine Reise zum nächsten Vermessungsamt einplanen.

    Man kann sich auch einen Flieger mieten, kostet ca. 3 Euro/Minute=180 Euro/h pro Stunde, dass habe ich auch schon gemacht. Das Problem bei allen vermessungstechnischen Luftaufnahmen ist halt, dass sie unter Bedingungen entstehen, die nicht immer optimal sind für archäologische Zwecke. So fliegen die Landesvermessungsämter i.d.R. bei Sonnenhochstand und schönem Sommerwetter. Für Bodenmerkmale zu erkennen ist aber häufig flacher Sonnenstand oder Übergangswitterung, freie Felder, geringfügiger Schnee, etc .pp. günstiger.

    Also mein Tip: Erstmal GoogleEarth, und falls man wirklich einen begründeten Verdacht nach geht, muss man besseres bzw. ergänzendes Material dazu besorgen. Dass ist auch deshalb wichtig, da man unter den verschiedenen Bedingungen, sei es nun der Aufnahmetechnik (Wellenlänge) oder der Witterung und Tages/Jahreszeit, unterschiedliche und sich ergänzende Informationen bekommt. Es kann sein dass man auf dem einen Bild einen Brandhorizont und keinen Graben, auf dem anderen Foto den Graben aber dafür keinen Brand sieht.

    Wenn du Material für Veröffentlichungen brauchst, kannst Du im Prinzip bei Google nachfragen. Die antwort kann ich dir schon sagen: Für private Webseiten kannst du screenshots gerne verwenden, für Publikation musst du aber an die Rechteinhaber der Bilder direkt heran treten. Hier in Deutschland ist dass meist die Firma Geocontent. Bei deren offizieller Preisliste für kommerzielle Zwecke setzt du dich erstmal hin. Für wissenschaftliche Publikationen machen Sie dir aber sehr viel bessere Konditionen, das ist dann bezahlbar.

    Beste Grüsse, Trajan.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2009
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  4. Keltoi

    Keltoi Neues Mitglied

    Luftbildwunderwelt

    @ Trajan

    Hey, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, das beeindruckt mich
    doch schon sehr! Ich bin ja noch nicht lang hier im Forum und "tapse" auch
    noch etwas unsicher hier herum, denn bei dem grossen Wissenstand mancher
    Mitglieder, komme ich mir dann doch erstmal etwas "dämlich" vor. ;-)

    Wenn ich also Deinen Infos folge (nein nicht bis zum Schreibtisch), dann kann
    man also schon einiges mit G-E anfangen. Ein konkretes Thema dazu habe ich
    dann auch ( siehe hier: http://www.geschichtsforum.de/383109-post7.html ).
    Gegenüber einer historischen Burganlage im Südharz, wo man sogar Spuren
    keltischen Wirkens fand, haben ich und meine Begleitung im Bereich des zum
    Harz aufsteigenden, auf der anderen Talseite liegenden Geländes, in einem
    kürzlich zuvor bestellten Feldstück eine fast kreisrunde Bodenerscheinung
    sehen können, die an eine Art kleine Wallanlage oder einen Siedlungsplatz
    erinnert. Leider haben wir dummerweise keine Fotos aus der Ferne gemacht,
    und aus der Nähe betrachtet, war dann dort nichts mehr erkennbar. Der Zeit-
    punkt der Sichtung von der anderen Talseite war etwa gegen 17 Uhr (Jahres-
    zeit Mitte September). Mit Google-Earth war diese Erscheinung nicht auffind-
    bar.

    Noch eine Frage, darf man eigentlich hier im Forum Links zu Google-Earth
    setzen, oder nur die Koordinaten? Vielen Dank.

    Und nocheinmal Danke an Trajan !!

    Beste Grüße
    Carsten
     
  5. Trajan

    Trajan Neues Mitglied


    Ave Carsten,

    nun, ich bin kein Keltenexperte, dazu kann ich also wenig sagen. Also kann ich dir nur grundsätzliche Ratschläge geben.

    Erstmal: Ein 50 m durchmessender Ring kann tatsächlich was interessantes sein, vielleicht ist es aber auch nur das ehemalige Fundament eines Getreidesilos oder sowas ähnliches. Bei allen Bodenmerkmalen ist immer die Frage: Menschlicher oder natürlicher Ursprung? welche Zeitstellung? Ad hoc kann man dazu kaum etwas sagen.

    Ein halbwegs perfekter Ring ist immer interessant, da er nur selten natürlichen Ursprungs ist. Letzteres kann aber auch sein. So erinnere ich mich an einen Fall, den ich im Web zufällig sah, muss mal schauen ob ich den noch finde. Jedenfalls war da auf Luftbildern eine perfekte mehrfach konzentrische Struktur zu sehen. Das sah dermassen antropogen aus, dass tatsächlich die Landesarchäologie ausgerückt ist, was wirklich ausserordentlich selten vorkommt. Man hatte Schnitte gebuddelt, und es war natürlichen Ursprungs! Eine seltene geologische Anormalität.

    Also ich würdemal sagen: Falls du in der Nähe wohnst, kannst du versuchen der Sache auf den Grund zugehen. Frag den Bauern mal was dass sein könnte, mach Fotos. Aber sei nicht enttäuscht, wenn es was völlig triviales ist.

    Andererseits, wenn du auf "Grundeis" stösst, kann es ein interessantes Hobby für dich werden. Hast du erstmal Belege für einen interessanten Hintergrund, besorge dir eine Grabungsgenehmigung für z.B. Metalldetektoren. Dann schaut man weiter. Wenn du was findest, wird sich dein Kreisarchäologe dafür interessieren, vorher wohl ehr nicht.

    Nur vorab eins: Häng dich nicht vorzeitig mit wackeligen Vermutungen aus dem Fenster, sonst manövrierst du dich in eine eventuell peinliche Situation. Ansonsten, gib mal die Google Koordinaten, dann werf ich mal einen Blick darauf.

    Beste Grüsse, Trajan.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sowohl als auch.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Den meinst Du aber nicht, oder? Denn da ist es tatsächlich anthropogen:
    http://www.gefao.de/images/literatur/AiO5/AiO5-03.pdf
     
  8. Trajan

    Trajan Neues Mitglied


    Nein, den nicht, aber den habe ich auch schon gesehen.
     
  9. Keltoi

    Keltoi Neues Mitglied

    Danke Trajan !

    Alos ich bin echt beeindruckt von Deinen guten Infos, vielen Dank dafür !
    Leider wohne ich nicht in der Nähe des genannten Fundortes, habe aber im
    Frühjahr evtl. die Möglichkeit, zu einem erneuten Besuch dort. Aber die Idee
    mit dem Getreidesilo (oder ähnliches) ist natürlich schon naheliegend, da es
    sich im Randgebiet von Ortschaft (Osterode) und Land befindet.

    Ich möchte auch noch sagen, dass ich nicht vor habe, dies professioneller zu
    betreiben, aber es reizt schon, wenn man sich etwas mehr mit diesen Dingen
    befasst. Dennoch danke für die Tipps!

    Hier noch die Koordinaten des rätselhaften Platzes (leider kann man da nichts
    erkennen, was der von mir erblickten Bodenerscheinung entspricht):

    51°44'52.75"N 10°14'0.50"E

    Hier noch zwei Pics dazu (aus Google Earth):
    - Einmal die Distanz zur Pippinsburg (ca. 1,5km), und die Stelle selbst
    mit dem stilisierten Kreisbogen, den ich so in etwa sehen konnte. -
     

    Anhänge:

  10. Trajan

    Trajan Neues Mitglied

    Ave Keltoi,

    dein Kreis ist tatsächlich da. Was es ist kann man so zwar nicht sagen, aber es war keine Sinnestäuschung. Wie man sieht, ist der Kreis in NW durch die Strasse angeschnitten worden. Baggerführer Willibald hat wohl nichts bemerkt. Frag mal den Bauern, ob da was war.

    Beste Grüsse, Trajan.
     

    Anhänge:

  11. Trajan

    Trajan Neues Mitglied

    Yep, man sieht noch mehr. In NO ist kurz daneben noch eine Kreisstruktur gleicher Grösse. Also es scheinen sogar zwei etwa 75 m durchmessende Kreise zu sein. (sieht man auf erstem Bild gut). Also Rätsel, Rätsel....
     
  12. Keltoi

    Keltoi Neues Mitglied

    Hallo Trajan,
    tja, ich sollte wohl den Optiker aufsuchen. Offenbar hast Du schon weit mehr
    Gefühl für diese Bilder.
    Mir ist jetzt auch klar warum ich meinen Kreis (wie ich eingezeichnet hatte) an
    etwas anderer Stelle sah, es war halt ein anderer Blickwinkel vom gegenüber
    liegenden Hügel; dazu noch die Hanglage des Feldes.
    Zum Glück hatte ich ja noch eine Begleitung, die den Kreis auch sehen konnte.
    Hm, wer weiß, vielleicht habe ich jetzt die Hobbyarchäologen der Gegend in
    Extase versetzt..... :pfeif:

    Ich muß auf meinen nächsten Besuch warten, da ich weit weg wohne (nahe
    Berlin), und dan wird das Gelände wohl bewachsen sein und anders aussehen.

    Beste Grüße
    Carsten
     
  13. decebal

    decebal Neues Mitglied

    es wäre interessant zu sehen wie ein tumulus auf google earth aussieht.könnte man ihn von einem hügel unterscheiden?
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  15. Trajan

    Trajan Neues Mitglied

    Ave, schöne Beispiele. So sehen die Dinger aus, wenn man sie pflegt. Es sind auch ein paar Kreise zu erkennen, die genau die Grössenordnung haben wie der Kreis von Keltoi.

    Vielleicht ist das ja der verpflügte Rest von sowas;). Oder auch nicht:weinen:.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  17. Trajan

    Trajan Neues Mitglied

    Wow, dass sieht irre aus. Imho der sichere Nachweis eines Einhorns.
     
  18. Keltoi

    Keltoi Neues Mitglied

    Auch blinde Hühner finden Körner


    Hallo Trajan, hallo Forum,
    also ichhätte nicht gedacht, dass man als unerfahrener Beobachter der Landschaft tatsächlich mal zum "Finder" werden könnte.
    Ich hatte ja im letzten September mit meiner Reisepartnerin eine Landschaftserscheinung in Osterode am Harz (nahe der Pippinsburg) beobachtet. Und Trajan hatte ja meine Bilder von Google-Earth ähnlich eingeschätzt. Nun hatte meine Bekannte einmal an entsprechende, offizielle Stellen geschrieben, welche dann eine unerwartet, überraschende Antwort schickten (siehe Anhänge). Also scheint es doch möglich zu sein, dass auch ein nicht geschulter Beobachter mal was entdecken kann. :yes:

    Beste Grüße
    Carsten (Jäger der verlorenen Spur)
     

    Anhänge:

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  19. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Boo! Das ist ja Wahnsinn! :yes:

    Na dann sag ich mal Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entdeckung!
    :winke:
     
  20. Trajan

    Trajan Neues Mitglied

    Ave Carsten Keltoi,

    ja herzlichsten Glückwunsch ebenfalls. Möglicherweise handelt es sich somit um einen der vielen Kult-Kreise die in dieser Gegend schon öfters entdeckt wurden. In dem Zusammenhang etwa ist Gosek und auch die Himmelsscheibe von Nebra zu sehen. Wäre nun toll, wenn man da auch noch was gescheites finden könnte.

    Google-Earth ist jedenfalls ein tolles Tool für archäologische Zwecke. Insbesondere Satellitenbilder haben einen Vorteil als Ergänzung zu normalen Luftbildaufnahmen: Für die Aufnahmen muss die komplette Atmosphäre durchblickt werden. Das hat praktisch den Effekt eines Passfilters: Der rote Bereich des Spektrums kommt besser durch, als der blaue. Der Filtereffekt führt dazu, dass man manchmal im Vergleich der Luft- und Satellitenaufnahmen unterschiedliche Strukturen sieht, die zusammenaddiert erst ein komplettes Bild ausmachen.

    Beste Grüsse, Trajan.
    .
     

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