Major Fritz von Forell

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von corto, 5. März 2019.

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  1. corto

    corto Aktives Mitglied


    Guten Tag werte Mitforisten,

    im Nachlass meine Großvaters befindet sich unter anderem das Buch "Mölders und seine Männer" von Fritz von Forell mit persönlicher Widmung. Darauf angesprochen sagt mir mein Vater das ein Mann dieses Namens auch kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs bei uns auf dem Familiensitz (einer Mühle) zur Genesung war und er sogar diese Mühle gemalt und das Bild meinem Großvater geschenkt hat - dieses Bild ist auch noch mit Widmung erhalten.

    Ich bzw mein Vater interessiert sich jetzt für die Geschichte diese Mannes, und ich konnte ihm da kaum weiterhelfen im Internet.

    Erfahren hab ich lediglich das der Mann Offizier im ersten Weltkrieg war, Schriftsteller und Zeichner ebenfalls - und zum Ende des zweiten Weltkrieges Widerständler.
    Ist das so korrekt und hat jemand von euch eventuell einen Tipp wo ich mehr Erfahren könnte ?

    MfG
    Corto
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Corto,

    ich will dir auf gar keinen Fall zu nahe treten, verstehe also die kommenden Worte bitte nicht böse.

    Das Problem mit dem Begriff Widerständler ist, dass sich nach dem Krieg sehr viele Leute mit diesem Lemma geschmückt haben, ohne es jemals gewesen zu sein. Und es mag auch schmückend gewesen sein, wenn man nach dem Krieg einen "Widerständler" bei sich zuhause aufnahm. Damit ist nicht gesagt, dass Forell keiner gewesen sei, ich wäre nur vorsichtig damit, zumal es ein oder zwei kontraindizierende Momente gibt:

    Die Erinnerungsbücher von und über Angehörige der Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg sind i.d.R. straight nationalsozialistisch. Das zumindest spricht nicht gerade dafür, dass Forell ein Widerstandskämpfer war, gar noch, wenn er nach Ende des Krieges seine Bücher handsigniert verteilte, da war er ja offensichtlich nach wie vor stolz auf sein Werk. Letzteres wäre zumindest ein Indiz dafür, dass er die geistige Kehrtwende, die in deiner Familie tradiert wurde, nicht vollzogen hat.

    Der Name Forell hat im Übrigen Anklänge an (Alexander) Schmorell, was vielleicht im Unterbewusstsein zu einer Namensvermischung geführt hat und eine Nähe zur Weißen Rose suggerierte, die gar nicht existierte. Wobei, dann hätten ja deine Großeltern den Namen Schmorell kennen müssen und ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich nicht weiß, wann die Weiße Rose wirklich bekannt geworden ist. Das waren ja keine Stauffenbergs oder Rommels oder von Galens. Ich weiß nicht, wie sehr im Rahmen ihres Prozesses die nationalsozialistische Presse berichtete, so dass die Namen in der Bevölkerung hätten bekannt werden können. Die hypothetische unterbewusste Namensvermischung Schmorell und Forell müsste also zunächst einmal daran gemessen werden, ob der Name Schmorell überhaupt 1943 in den Medien vorkam.
     
  3. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied


    Der Mann hat nach dem 2. Weltkrieg u.a. Kinder- und Jugendbücher geschrieben, einige davon standen bei meinen Großeltern in den Regalen rum.
    Hier eine kleine Übersicht seines Schaffens:
    Forell, Fritz von – Deutsches Jagd Lexikon - Wissen über Jagd, Natur, Naturschutz, Hunde und Outdoor
    Weitere Werke lassen sich via googeln finden, kann ich aber nicht verlinken da kommerzielle Seiten.

    Und so hat der Mann in jungen Jahren ausgesehen:
    Foto Leutnant Fritz von Forell
     
  4. corto

    corto Aktives Mitglied

    @Lukullus
    ja das Foto hab ich bei der Netzrecherche auch gefunden

    @El Quijote
    Alles gut, ich bin je selbst skeptisch bei solchen Bezeichnungen als "widerständler"

    In meiner Familie wurde da garnichts tradiert, das habe ich im Internet gelesen auf irgendeiner Seite auf der die Bücher die Lukullus ansprach antiquarisch vertrieben werden. Dort war es als kurzer Steckbrief angegeben.
    Das einzige was da für mich plausibel klingt ist das meine Urgroßmutter wohl einen linientreuen Offizier nicht im eigenen Haus zur Genesung geduldet hätte, zumal der Krieg ja schon aus war und da kein Druck mehr bestanden hätte so jemanden zu dulden.

    An anderer Stelle las ich das er wohl auch gegen Ende des Krieges inhaftiert gewesen sei aufgrund der kritischen Haltung zum Krieg- aber wie gesagt alles nur kurze Halbsätze und keinerlei Quellenbelege.

    edit: habs gefunden, ist in einem Welt Artikel:
    Fall Mölders: Fregattenkapitän gibt seinen Orden zurück - WELT

    Daher suche ich ja bei euch nach handfesten Informationen, weil ich nichts außer das Wenige was mein Vater über diese Geschehnisse die allesamt weit vor seiner Geburt stattfanden erzählt bekam weiß.

    Ich weiß nichtmal ob mein verstorbener Großvater da selbst dabei war, der schlug sich nach Kriegsende durch Südeuropa Richtung Heimat soweit ich weiß.

    In meinem Personenlexikon zum dritten Reich wird auch nichts drinstehen oder ? sonst such ich das mal raus...

    edit2: Im Personenlexikon ist er nicht drin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2019
  5. Bantelli

    Bantelli Neues Mitglied

    Friedrich "Fritz" von Forell (1893-1991). Ausbildung zum Soldaten beim 5. Jägerbataillon in Hirschberg/Schlesien und Anklam/Pommern 02/1913-08/1914. Zu Kriegsbeginn Ernennung zum Leutnant. Zugführer in der 4. Kompagnie des Reservebataillons, Teil des 5. Reserve-Armeekorps („Armee Deutscher Kronprinz“).
    Kriegseintritt am 21.8.1914 an der Westfront (Fillieres).

    Hier ein Bericht "Auf dem Schlachtfelde von Fillières“:

    Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers/Auf dem Schlachtfelde von Fillières – Wikisource

    4 Kilometer südlich von Fillières befindet sich die Ortschaft Joppécourt und 12 Kilometer westlich die Ortschaft Baslieux. Dort geschahen Dinge, die sich nicht im obigen Bericht finden lassen. Forell befand sich um die Zeit dort und gehörte zu den Infanterieregimentern der Schlesischen Reserve:

    Août 1914, l'horreur dans le Pays Haut ! Une partie de ma famille et bien d'autres civils sont massacrés par l'occupant - La Lorraine dans le temps

    Mit DeepL übersetzt:

    "Am 4. August 1914 traf die deutsche Armee in Belgien und Luxemburg ein. Einige Tage später wurde bekannt, dass diese Truppen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begehen würden. Brände, Plünderungen, gesammelte Hinrichtungen, Vergewaltigungen, Massaker an Kindern scheinen sich beim Durchmarsch der Eindringlinge zu vervielfachen."

    "Am 7. August, als sie in Joppécourt ankamen, präsentierten sich die Deutschen im Gemeindehaus, und in Abwesenheit von Herrn Renauld, Bürgermeister, der außerhalb der Hauptstadt lebte, baten sie die Lehrerin, Frau Baijot, ihnen die Papiere aus dem Rathaus zu geben und ihnen die Räumlichkeiten zu zeigen. Während ihrer Suche, als sie die Waffen sahen, die die Gemeinde gesammelt hatte als Vorsichtsmaßnahme, benutzten sie diese Entdeckung als Vorwand, um Frau Baijot, die Sie mit dem Tode bedrohten, vorzuwerfen, eine Kompanie von Partisanen organisiert zu haben. Sie ließen dann den Bürgermeister suchen, forderten ihn auf, jederzeit zur Verfügung zu stehen, und am 9. erschossen sie ihn, nachdem sie ihn in einen Garten gebracht hatten und ihm die Hände gefesselt hatten."

    "Die Stadt Baslieux wurde am selben Tag wie Joppécourt überfallen. Als die Truppe drei Häuser in Brand setzte, teilte ein Kommandant des 24. Dragonerregiments dem Bürgermeister, Herrn Remy, mit, dass er ihm in zehn Minuten und nicht in einer Viertelstunde Nahrung für 500 Männer und 500 Pferde liefern müsse. - "Außerdem", fügte er hinzu, "nehme ich dich als Geisel, weil auf uns geschossen wurde.“ Er befahl dann, dass er und zehn andere Bewohner zu einer Mauer gebracht werden, sagte ihnen allen, dass sie erschossen werden sollten und führte ein Erschießungskommando nach vorne. Glücklicherweise war dies nur eine gewisse Einschüchterung; der Befehl wurde nicht erteilt, und die elf Gefangenen, deren Hände hinter ihrem Rücken gefesselt waren, wurden in Gewahrsam genommen. Gegen Mitternacht kam ein Offizier, um Herrn Remy abzuholen und zwang ihn, zwei Häuser mit ihm zu durchsuchen, von denen aus, wie er behauptete, Zivilisten gefeuert hatten, und informierte ihn, dass er hingerichtet würde, wenn eine einzige Waffe entdeckt würde. Aber es wurde festgestellt, dass die Anschuldigung falsch war und dass die der Bevölkerung zugeschriebenen Schüsse das Werk deutscher Soldaten waren."

    "Am nächsten Tag ritt das Regiment ab.
    Am 22., am Ende einer Schlacht, die in der Nähe stattgefunden hatte, zwangen die 21. und 38. Infanterieregimenter der Schlesischen Reserve, die durch das Dorf stürmten, die meisten Bewohner, ihre Häuser zu verlassen und brachten sie in das kommunale Waschhaus. Dort erschossen sie zwei völlig unschuldige junge Männer, die Brüder Petit, in Anwesenheit der Bevölkerung. Einer von ihnen überlebte jedoch auf wundersame Weise seine Verletzungen. Gleichzeitig verfolgten Soldaten Frau Armusiaux und töteten sie in ihrem Flur, während Herr Choisel und Herr Michel in ihren Häusern massakriert wurden.
    Am selben Tag verbrannte der Feind sieben oder acht Häuser."
     
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Bantelli,
    wenn nun jeder Deinem Beispiel folgen würde, wenig zu sagen, aber sehr viel mehr zu zitieren,
    dann könnte der Forumsveranstalter in die Verlegenheit kommen, nachweisen zu müssen, dass sein Hauptzweck nicht im Verbreiten von Inhalten besteht, die einem Urheberrecht unterliegen.
     
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  7. Bantelli

    Bantelli Neues Mitglied

    Ein schrecklicher Gedanke! Aber ich bin sicher, daß eine Mehrheit hier mehr zu sagen hat als ich. Aber warum sollte ich das Zitierte nochmals durchkauen.
    Aber ich sehe, Paragraf 13 hat uns schon alle in seinem Würgegriff.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich weiß nicht, ob die Tochter eine geeignete Quelle ist, wenn es um die Rettung der beschädigten Ehre des Vaters geht. Was nicht automatisch heißt, dass die Beschädigung dieser Ehre gerechtfertigt sei.
     
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  9. corto

    corto Aktives Mitglied


    Das wollte ich so auch nicht gesagt haben.
    Ich will hier keinen Persilschein für den Mann, ich suche lediglich gesicherte Informationen. Nichts weiter.

    Das hab ich ungenau formuliert. Das Buch ist von 1941 und die Widmung ist keine persönliche sondern dort steht:

    F. Forell
    1941

    das scheint auch nichts besonderes, da bei antiquarisch erhältlichen Exemplaren oft dabei steht sie seien Handsigniert.

    Das handgemalte Bild unserer Mühle ist mit

    Forell
    1945

    signiert.

    @Bantelli
    Das sind Kriegsverbrechen nur das wir uns verstehen.
    Aber "massaker an Kindern, die sich häufen" hört sich für mich auch nicht unbedingt realistisch an für die Westfront 1914. Kriegsverbrechen an Zivilisten sind ja im Zusammenhang mit "franc tireuers" belegt, aber das hört sich doch ein wenig übertrieben an.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2019
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  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Keine Sorge, in diese Richtung habe ich nich gedacht.
     

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