Makedonische Phalanx Schutz vor Geschossen

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von name, 11. August 2017.



  1. name

    name Neues Mitglied

    Hallo,

    wie konnte sich die makedonische Phalanx denn eigentlich effektiv vor Geschossen (Pfeile, Steine, Wurfspere etc.) schützen? Ich denke mal die Schilde über den Kopf heben war kaum möglich, da man ja die Sarissen mit beiden Händen führen musste und der Schild lediglich am Unterarm befestigt war.

    Gibt es da irgendwelche Aussagen in Quellen dazu oder vielleicht moderne Forschungen?
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Mit neuen Forschungsergebnissen kann ich nicht dienen, sondern nur mit altem und dem mE offensichtlichen:

    - Die schräg nach oben gehaltenen Sarissen der hinteren Reihen sollen einen gewissenn Schutz geboten haben.

    - Rüstungen und Helme: Wie schon die klassischen Hopliten waren die Phalangiten gepanzert. Die Aspis war zwar größer, aber grade gegen von oben herabregende Geschosse wird der Helm die wichtigste Schutzwaffe gewesen sein.

    - Masse: Einen nach tausenden zählenden, sechzehn Reihen tiefen Truppenkörper per Beschuss derart zu dezimieren, dass er keine Gefahr mehr darstellt, ist nicht so einfach. Brutal gesagt: Ein bischen Schwund ist immer...

    - Offensive: Angriff ist die beste Verteidiung, heißt es. Wenn man erst mal an den Schützen dran ist, sind sie keine Gefahr mehr für eine Phalanx. Alexander bspw setzte seine Phalanx eigentlich immer offensiv ein.
     
  3. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ja, die Aussagen von Reinecke decken sich mit dem, was auch in den einschlägigen Wiki-Artikeln zu finden ist.
    Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass Pfeile grossartig Wirkung auf die Helme+Panzerung+Schilde erzielten, zumal wir nicht einmal von der Durchschlagskraft engl. Langbogen sprechen.
    Oder wie mein Latein-Lehrer mal folgenden Dialog zitierte (ich meine es bezog sich auf die Prahlerei der Perser bei der Schlacht an den Thermopylen):

    "Unsere Menge an Pfeilen werden die Sonne verdecken!"
    "Dann kämpfen wir eben im Dunklen."

    Gruss, muheijo
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das mit den schrägen Sarissen ist auch mein Kenntnisstand. Ich halte es für plausibel, dass sie tatsächlich Schutz gegen Pfeilregen boten, da wohl kaum ein Pfeil oder sonstiges Geschoss seinen Weg durch den Sarissenwald gefunden haben wird, ohne irgendwo anzustoßen und somit zumindest abgeschwächt zu werden.

    Im Übrigen ließ sich die makedonische Phalanx wohl auch gar nicht so einfach beschießen. Im Gegensatz zur klassischen Hoplitenphalanx, die in den früheren innergriechischen Auseinandersetzungen mitunter tatsächlich ohne hinreichende Unterstützungseinheiten eingesetzt wurde, verfügten hellenistische Heere in der Regel über eine starke Kavallerie sowie diverse leichte Infanterie, und Fernkämpfer sind leicht angreif- und verwundbar. Viel Gelegenheit, in aller Ruhe die gegnerische Phalanx zu beschießen, bekamen sie im Idealfall also ohnehin nicht.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja, Polybios 18,30
    Polybius ? Histories ? Book 18
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das was Polybios beschreibt, ist ganz interessant und kann sicherlich zur Rüstung einen zusätzlichen Schutz bieten, jedoch dürften die Zwischenräume zwischen den Sarissen doch in der Praxis größer sein, als der von den Sarissen ausgefüllte Raum und so dürfte doch ein Großteil der Geschosse durch die Sarissen hindurchgeflogen sein und davon wiederum ein Teil zu - teils sicher auch tödlichen - Verletzungen geführt haben. Sicherlich wird ein gewisses Schwanken der schweren Sarissen den Luftraum für durchfliegende Geschosse noch ein wenig stärker beschränkt haben.
     
  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Gab es nicht zum Linothorax einige Experimente, die dessen guten Schutz gegen Pfeile -zumindest jenseits von 20 m- belegen?
     

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