Makkabäer-Aufstand und Schlachten - Quellen?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von El Quijote, 19. September 2012.



  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Makkabäer-Bücher berichten ja von dem Versuch, die Juden zu hellenisieren, quasi um das seleukidische Staatsvolk, wenn man so will, zu vereinheitlichen. Dies wird, wenn man den Makkabäer-Büchern folgt, sehr brutal vollzogen und mit - euphemistisch - wenig Sensibilität für die Religion und Gebräuche der Juden.
    Irgendwann steht der Priester Mattathias auf, erschlägt einen seleukidischen Beamten und einen Juden, der bereitwillig die eigene Religion verrät, um dann mit seinen Söhnen in die Berge zu fliehen. Als die seleukidische Armee dann die in die Wüste geflohenen Juden am Sabbat angreift, weil diese sich am Sabbat nicht wehren, beschließt Mattathias mit seinen Gefolgsleuten, dass das Verbot zu arbeiten sich nicht auf die Verteidigungsbereitschaft auswirkt.
    Irgendwann stirbt Mattathias dann, jedoch nicht ohne zuvor die Führung an seine Söhne Simon und Judas weiterzugeben, Simon soll nun der Vater sein (also wohl so etwas, wie ein geistiger Führer), Judas dagegen soll der militärische Führer des Aufstandes sein. Es gelingt den Makkabäern dann immer wieder, deutlich größere Armeen zu schlagen, was die Makkabäer-Bücher teilweise religiös erklären, teilweise aber auch motivatorisch. Sie befreien nicht nur Jerusalem sondern fallen auch in Gebiete ein, die nicht zu Judäa gehören, um dort gegen verschiedene Statthalter (und unabhängige Könige?) zu Felde zu ziehen. Sie gehen dabei nicht weniger zimperlich vor, als ihre Feinde, da nimmt der Verfasser kein Blatt vor den Mund.

    Mich würde nun interessieren, ob es außer den Makkabäer-Büchern auch andere Quellen gibt, welche einigermaßen deutlich von den Geschehnissen berichten. Insbesondere, was die Hellenisierung Judäas und was die militärischen Erfolge angeht.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    der Wiki Artikel nennt ansonsten nur Flavius Josephus, der ja viel später schrieb; von antiken/spätantiken Quellen bzgl. der Hellenisierung weiß ich auch nichts.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine deutlich knappere Darstellung findet man am Beginn von Flavius Iosephus' "Jüdischem Krieg", eine ausführlichere Darstellung natürlich im 12. und 13. Buch seiner "Jüdischen Altertümer". Allerdings wird er sich dabei auch auf die biblischen Makkabäerbücher gestützt haben.
    Andere Quellen sind mir leider auch nicht bekannt.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich dachte v.a. an außerjüdische Quellen, seien sie von den Seleukiden, seien sie von konkurrierenden Diadochen.
     
  5. hjwien

    hjwien Neues Mitglied

    Du legst den Finger in zwei kochende Wunden: einmal der Hellenismus selbst, der uns in vielen Bereichen viel zu wenig bekannt ist, und dann, noch schlimmer: Syrien. Jeder, der versucht, sich mit dem hellenistischen Syrien zu beschäftigen, wird irgendwann nur noch weinend dasitzen (ich weiß, wovon ich spreche).
    Einen kleinen Hinweis hätte ich noch gefunden, allerdings ungeprüft von mir. Bei Justinus 36, 3, 9 soll von einer Gesandschaft des Judas Makkabaios nach Rom die Rede sein.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich hab mal schnell reingelesen, scheint mir leider keine unabhängige Quelle zu sein, da im vorherigen Kapitel die Bücher Genesis und Exodus referiert werden.
    Justin XXXVI
    Der angegebene Satz lautet: "A Demetrio cum descivissent, amicitia Romanorum petita primi omnium ex Orientalibus libertatem acceperunt, facile tunc Romanis de alieno largientibus."
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das glaube ich eher nicht. Wenn Du Dir das vorangehende 2. Kapitel genauer durchliest, wirst Du feststellen, dass es bzgl. der jüdischen Ursprungslegenden an mehreren Stellen deutlich von den Büchern Genesis und Exodus abweicht. Hätte Pompeius Trogus (den Iustinus im Wesentlichen nur exzerpiert hat) tatsächlich die biblischen Bücher als Quellen benutzt, wäre ihm das wohl nicht passiert. Er wird sein "Wissen" über den Ursprung der Juden also eher aus anderen Quellen geschöpft haben. Wie man auch an Tacitus' Judenexkurs erkennen kann, war in der römischen Welt offenbar eine Menge Halb- und Falschwissen über die Juden verbreitet.
    Somit müssen Iustinus bzw. Pompeius ihre Information über die Makkabäer auch nicht zwangsläufig aus dem 1. Makkabäerbuch haben.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Okay, der Exodus ist um einige Jahrzehnte verkürzt und die Anzahl der Brüder des Joseph ist etwas reduziert worden. Der Verfasser dieser Zeilen hat die Bücher der Torah sicher nicht selbst gelesen, aber im Grunde ist es die gekürzte biblische Vätergeschichte.
     
  9. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    „Wie man sieht, sind zusammenfassende Darstellungen der makkabäischen Geschichte nur von der jüdischen Seite erhalten, während die griechischen Werke über die Epoche, z. B. die entsprechenden Bücher des Polybios, verloren sind“.

    So antwortet fachgerecht Elias Bickermann: Der Gott der Makkabäer. Untersuchungen über Sinn und Ursprung der makkabäischen Erhebung, Berlin 1937, 17f.

    Was die jüdische Überlieferung anbelangt, wurde ja in den obigen Beiträgen schon gesagt, dass nur 1. Makk. und 2. Makk. sowie der davon zum Teil abhängige Iosephos zusammenhängend hierüber berichten.
    Nicht unwesentlich für die zeitgenössische oder zumindest zeitnahe jüdische Deutung des Konflikts zwischen Antiochos IV. und den hellenistischen Juden auf der einen Seite und den gesetzestreuen Juden auf der anderen Seite ist das biblische Buch Daniel, Kap. 7-11.
    Ferner gibt es noch einige kurze jüdische Notizen, die im weitesten Sinne die Themen „Makkabäer“ und/oder „Hellenisierung unter Antiochos“ anreißen oder wenigstens anzureißen scheinen:
    … z. B. die Bemerkungen im Megillath Taanith/ Fastenrolle zu in makkabäischer Zeit entstandenen Halbfeiertagen wie den Nikanortag am 13. Adar (die aramäische Grundschrift stammt wahrscheinl. aus der Zeit vor der Tempelzerstörung 70 n. Chr.)
    … oder die wenigen Sätze im 5. Kapitel der assumptio Mosis (eine jüd. Schrift, die wahrscheinl. zur Zeit der Herrschaft der Herodes-Söhne verfasst worden ist), die sich wohl auf die Makkabäer/ frühen Hasmonäer beziehen werden.

    Was die „heidnische“ Überlieferung anbelangt, findet man tatsächlich fast gar nichts,
    … außer vielleicht die paar Sätzchen in Strabons geographica (§ 761f), die man auf die Makkabäer und Hasmonäer beziehen könnte
    … oder Tac.: hist. V 8, 2: „Als die Makedonen die Vorherrschaft besaßen, versuchte der König Antiochos, ihnen [den Juden] den Aberglauben zu nehmen und griechische Gesittung zu geben“.

    Vielmehr schriftl. Quellen scheint es nicht zu geben, sonst hätte einer von uns bestimmt davon gehört.

    Wenigstens gibt es super gute Sekundärliteratur zum Thema, die natürlich das Bild, welches man sich auf Grundlage der eben genannten Quellen machen kann, erweitert, weil sie alles in einen breiteren zeitgeschichtlichen Zusammenhang stellt. Das Werk von Elias Bickermann habe ich oben schon genannt (ein absoluter „Klassiker“ zum Makkabäeraufstand); sehr empfehlen kann ich Bringmann, Klaus: Hellenistische Reform und Religionsverfolgung in Judäa. Eine Untersuchung zur jüdisch-hellenistischen Geschichte (175-163 v. Chr.), Göttingen 1983 (für mich ein „Muss“ bei der Beschäftigung mit dem Thema). Es gibt auch eine gute Arbeit von Tscherikover, deren Titel ich aber gerade nicht parat habe. Ganz neu, von 2012, ist der Titel „The Wars of the Maccabees“ von John D. Grainger (hab's zwar nicht ganz durchgelesen, aber was ich gelesen hab, fand ich nicht so berauschend).
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

Diese Seite empfehlen