Messiaserwartung: Wie viel Konkurrenz hatte Jesus?

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von Aleph, 23. August 2015.



  1. Aleph

    Aleph Neues Mitglied

    Weiß man, wie groß in etwa die Zahl der Personen ist, die zu Lebzeiten Jesu Christi den Messiastitel oder die Gottessohnschaft für sich beansprucht haben? War das ein Ausnahmeereignis? Oder gab es da eine größere Gruppe von Anwärtern? Der common sense sagt mir zumindest, dass eine Nachfrage üblicherweise ein Angebot erzeugt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. August 2015
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Johannes der Täufer könnte ein heißer Kandidat sein. Die Mandäer sehen in ihm den wahren Messias. In vielen christlichen Kirchen gilt er als Vorreiter von Jesus Christus. Im Koran ist er der drittletzte Prophet, der vorletzte ist Jesus und der letzte Mohammed.
    Er ist außerhalb der Bibel durch Flavius Josephus quellenmäßig verbürgt.

    Vielleicht könnte sich auch Simon Bar Kochba (wörtlich wohl Sohn des Sterns oder Lichts) bewerben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. August 2015
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und bei Flavius Josephus ist noch eine Reihe anderer verbürgt, teilweise eher in einem Nebensatz. Ob er Jesus erwähnte und die Stelle in christlicher Zeit nur verfälscht wurde oder ob sie komplett eine christliche Einfügung darstellt wird immer mal wieder diskutiert. Vielleicht ist die Frage hier in einem entsprechenden Thread schon mal behandelt worden, ohne dass ich mich jetzt daran erinnere.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein common sense würde hier eher dafür sprechen, dass die Nachfrage ein Angebot schafft.:devil:

    Aber im Ernst:

    Es dürfte reichlich gegeben haben, wenn man die Hinweise in den Quellen deutet. Messianismus (der kommende gesalbte König, charismatische Befreier, Führer der zwölf Stämme und des Widerstandes gegen römische Besatzungsmacht), Prophetentum, Endzeit- und Erlöservisionen jeder Art kann man hier wohl zusammenfassen.

    Einen Überblick dazu gibt:
    Horsley/Hanson: Bandits, Prophets, and Messiahs: Popular Movements at the Time of Jesus
    https://books.google.ch/books?id=0m...=gbs_selected_pages&cad=2#v=onepage&q&f=false

    Und speziell zum Messianismus als politischen und ideologischen background der Revolte 66:
    Levine, Messianism in the latter days of the Second Temple. In: Messianism and Eschatology, S. 146.

    Heranziehen lassen sich auch die zeitgenössischen Qumran-Quellen über die Messias-Erwartungen und über "falsche Propheten".
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...die Fragestellung im Titel und das ökonomisch orientierte Zitat legen mir nahe zu vermuten, dass dieser Faden aus dem Geist von "Life of Brian" gespeist ist?... :D
    Informative Literatur hat silesia aufgezählt.
     
  6. Aleph

    Aleph Neues Mitglied

    Besten Dank für die Antworten, werde mich mal etwas einlesen.

    Joa, einige Szenen aus "Brian" kamen mir bei der Frage auch in den Sinn, war allerdings nicht der Anlass für die Frage. :scheinheilig:
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Publikation von Horsley/Hanson ist sehr zu empfehlen, und wird auch häufig in historischen Studien zu diesem Kontext zitiert.

    Was war denn der Anlass, oder der Hintergrund der Frage?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zwischen Jesus und Simon ben Kosiba liegen ja knapp 100 Jahre. Eine direktere Konkurrenz war meiner Auffassung nach der Täufer, der dann allerdings von den Evangelisten, meiner Meinung nach mit dem Ziel, die Anhänger des Täufers auf die Seite der Christen zu ziehen, als Cousin Jesu vereinnahmt und dessen letzter Prophet stilisiert wurde.

    Mehr dazu hier: http://www.geschichtsforum.de/f30/die-rolle-des-t-ufers-44689/
     

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