Militärmacht zu Beginn des 1. Weltkrieges

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von T 34, 17. Oktober 2012.

  1. T 34

    T 34 Mitglied


    Hallo welches Land hatte vor dem bzw zu Beginn des 1. Weltkrieges die stärkste Militärmacht?
     
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  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Rußland hatte zahlenmäßig die größte Armee. Das Deutsche Reich rühmte sich selber, die schlagkräftigste und am besten ausgerüstete Armee zu haben, was eine wichtige Rolle spielte, was den Ausbruch des 1. Wk. und die Rolle der deutschen Regierung dabei anging. Frankreich war besonders für seine starke Artillerie bekannt. Großbritannien hatte zweifellos die stärkste Kriegsflotte.
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    In der Art der Antwort von Reinecke kommt bereits die Ambivalenz der Thematik schon heraus.

    Die Antwort lautet m.E. die USA. Militärmacht kann in einer Zeit der Mobilisierung von Ressourcen nicht primär als Potential definiert werden, wieviele Kanonen man hat oder Schlachtschiffe. Wenngleich natürlich auch dieses ein Aspekt ist.

    Die Beschränkung auf militärische Hardware wäre insgesamt eine verkürzte Sicht auf das militärische Potential eines Staates. Dieser Aspekt ist primär wichtig, um Schlachten zu gewinnen. Um einen Krieg als Militärmacht zu gewinnen ist diese erweiterte Sichtweise wichtig.

    In diesem Sinne ist Militärmacht vielmehr die Fähigkeit, einen langen Krieg erfolgreich durchzustehen. Und deswegen war die USA die stärkste Militärmacht auch zu diesem Zeitpunkt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2012
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  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Mein Mitdiskutant Reinecke hat die Ambivalenz der Fragestellung in seiner Antwort angedeudet, Thanes Meinung schließe ich mich an, die USA. Wahrscheinlich haben die Führungseliten der USA dieses 1914 selbst nicht gewußt, da der ungeheure Ressourcenverbrauch im I. WK 1914 bei Kriegsbeginn kaum denkbar war und auch nicht der notwendige Mobilisierungsgrad der jeweiligen Volkswirtschaften.

    M.
     
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  5. T 34

    T 34 Mitglied

    Hatte nicht England durch seine Kolonien das Potential den Krieg am längsten durchzustehen. Bzw war der Kriegseintritt der Usa im 1 Weltkrieg überhaupt notwendig für die Entente?
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Interessant, die USA sind mir bei der Fragestellung nicht eingefallen, denn 1914 hatten die USA sicherlich die kleinste und schwächste Armee aller genannten Staaten. Ihr habt natürlich Recht: Bei einem langen Krieg war das industrielle/militärische Potential der USA sehr hoch anzusetzen. Das zeigt ja u.a. der Kriegsverlauf (und noch stärker der des nächsten WK....). Für das Bewusstsein der Mächte bzw deren Regierungen bei Kriegsausbruch ist mE aber das veraltete Denken "Wer hat den lä... äh, die stärkste Armee" durchaus wichtig und bedeutend. Wenn man annimmt, das der Krieg eh bis Weihnachten entschieden ist, werden halt andere Maßstäbe angelegt als bei einem 4 Jahre dauernden "Erschöpfungskrieges".
     
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Kolonien boten damals selten das, was für die Führung eines modernen Krieges wesentlich ist: Industrie zur Produktion von Waffen. Allerdings boten die Kolonien Großbritannien ein sehr großes "Reservoir" an Menschen bzw neuen Rekruten. So dienten im 1. Wk. Menschen aus Indien, Afrika, Australien etc. in der britischen Armee. Mindestens ebenso wichtig wie die Kolonien selber war allerdings die Seeherrschaft, ohne die die Kolonien nicht zu halten waren.

    Die Entente hätten den Krieg vielleicht auch ohne den Kriegseintritt der USA gewonnen, aber dann hätte der Krieg mE noch länger gedauert. Für die Entscheidung der deutschen Militärs, den Krieg verloren zu geben, waren die schier unerschöpflichen Reserven der USA ein wichtiger Grund. Wirklich schwer wäre es geworden, wenn die USA die Entente nicht schon vor dem eigentlichen Kriegseintritt unterstützt hätten, bspw mit Krediten.
     
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  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Die amerikanischen Truppen waren aber im großen Krieg doch sehr von ihren Alliierten von den Briten und Franzosen abhängig, denn diese versorgten die US Truppen in nicht unerheblichen Ausmaße mit Waffen, Ausrüstung und Ausbildungseinrichtungen.


    In Lothringen operierte die amerikanische Armee bekanntermaßen unter eigenen Befehlshabern. Das war keine Selbstverständlichkeit im Ersten Weltkrieg.


    Als es beispielsweise darum ging den deutschen Frontbogen bei St.Mihel zu verkleinern, es griffen über eine halbe Milion US Soldaten und 100.000 Franzen an, die Deutschen hatten 23.000 Mann zur Verteidigung zur Verfügung, machte das amerikanische Heer machte dabei aber keine sonderliche gute Figur.

    Unter dem Aspekt der Kampfkraft, nicht unter dem des industriellen Outputs, würde ich die US Armee nicht als stärkste Militärmacht bezeichnen wollen.
     
  9. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Ein interessanter Aspekt. Unter der Betrachtung der industriellen Möglichkeiten stimme ich meinen Vorrednern zu (übrigens eine sehr interessante Betrachtung). Wenn man sich die Kampfhandlungen, v.a. 1914, also in der Frühphase des Krieges betrachtet, dann haben sich da einige Armeen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die kuk-Armee hatte in Serbien und auch an der russischen Front ganz erhebliche Probleme. Das Osmanische Reich war eigentlich den ganzen Krieg über mehr oder weniger immer im Rückzug. Die Armeen von von Rennenkampf und Samsonow versagten aufgrund von persönlichen Differenzen in Ostpreußen. An der Westfront dürften sich die Armeen von der Kampfkraft her nicht viel gegeben haben.

    Vor dem Hintergrund der industriellen Möglichkeiten zeichnet sich allerdings ein recht ähnliches Bild. Das Osmanische Reich hatte nur wenig Produktionskapazität. Das Russische Reich verfügte über wenig Kapazität, die auch noch suboptimal genutzt wurde. Bei Österreich-Ungarn muss ich erst nachschlagen, schätze ich aber auch nicht allzu hoch ein. Damit verbleiben für mich in Europa drei maßgebliche Akteure: Frankreich, Großbritannien und das Deutsche Reich. Alle hatten erhebliche Kapazitäten in der Produktion. Wie die Geschichte zeigt, kam es in Folge auch an der Westfront zu den Abnutzungskriegen, die oft genug davon abhingen, wer ausreichend Nachschub an die Front bringen konnte. Von Falkenhayn und auch Nivelle gingen mW davon aus, dass quasi der letzte Soldat über Sieg oder Niederlage entscheiden würde.
     
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  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nicht nur. Die deutsche Funkaufklärung war über die russischen Truppenbewegungen und Absichten, dank der Funkaufklärung, gut informiert und das vereinfachte die entsprechenden militärischen Operationen nicht ganz unerheblich. Die Russen haben, so meine ich mich zu erinnnern, teilweise sogar unverschlüsselt gefunkt.
     
  11. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Sehe ich ähnlich ,Gil-galad.
    Ich würde ,was Kampfkraft und Resourcenpotential betrifft Großbritannien favorisieren.
    Wie oben bereits gesagt hatten die Briten mit ihrem Kolonialreich die Möglichkeit,Menschen und Rohstoffe zu bekommen,das Land selbst war hochindustrialisiert und auch einige Kolonien (Kanada,Südafrika,Australien,Indien) hatten schon ein gewisses industrielles Potential bzw.werthaltige Rohstoffe wie Gold und Diamanten um den Krieg zu bezahlen und schließlich hatte England die Flotte,die nicht nur in der Lage war, die eigene Versorgng aufrecht zuerhalten sondern auch,den Gegner so zu blockieren,daß er von wichtigen Rohstoffquellen und -exporten abgeschnitten war.
     
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  12. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Der 1. Weltkrieg ansicht ist aus militärischen Aspekten ein Krieg mit zwei Seiten gewesen.

    Somit ist eine Bewertung nach der militärischen Stärke der Teilnehmermächte schwierig.

    Grund ist die Mischung aus traditioneller Kriegsführung bzw. Planung und auch Rüstung bis 1914 und das Unwissen, die neuen modernen Technologie und wirtschaftlichen Aspekte die durchaus schon vor dem Krige vorhanden waren, in diese alten Tradionen mit einzubinden. Von daher erscheinen die Kampfhandlungen der Jahre 1914/15 teilweise unverständlich, vor allem im Vergleich zu Kampfhandlungen zum Ende des Krieges.

    Nicht umsonst wird der 1. WK auch als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet.
     
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  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Sicherlich war GB in der Lage mit einer weiten Blockade die Nordsee komplett abzuriegeln, aber dass konnte GB nicht nur, wegen einer großen Flotte, im Gegenteil, trotz der großen Flotte suchten sie nur die defensive, was in den vielen Seekriegen zuvor nicht der militärischen Tradion der RN entsprach.

    Die RN war sicher zahlenmäßig allen anderen Mächten überlegen, aber bei eine Aufteilung der Flotte zum Schutz aller Kolonien, wäre der Two Power Standard nicht haltbar gewesen. Hier spielen wieder andere Faktoren eine wichtige Rolle, wie z.B. eine geschickte Bündispolitik um ebend dieses Manko mit der RN auszugleichen.
     
  14. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    War denn mehr notwendig nach der Vernichtung des Asiengeschwaders des Admirals Graf Spee? die Deutschen Kolonien in Afrika waren eh abgeschnitten und hatten keine Unterstützung bekommen und konnten das Kaiserreich auch nicht unterstützen. Und Österreich hatte ja seine Nicht-Deutschen Besitzungen eh in der direkten Nachbarschaft. Wobei die KuK-Marine im 1. WK auch keine allzu glückliche Figur machte.

    Apvar
     
  15. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Klar, mit Kriegsbeginn wurde alles anderes, alle Strategien und geplanten Taktiken wurden in wenigen Monaten komplett über den Haufen geworfen.

    Meine Gedanken zur RN bezog sich auf den Blick direkt vor 1914 und ohne Berücksichtigung der Bündnispolitik.

    Um die Eingangsfrage ernsthaft zu beantworten, sollten wir uns auf eine vergleichbare Basis einigen. Oder ist das garnicht möglich und würde ein falsches Ergebnis vorzeigen?

    Die Aussage über die militärische Stärke einer Nation ist in meinen Augen e sehr relativ.

    Bestes Beispiel, das Stärke nicht für Sieggarantie steht, hat gestern z.B. unsere Nationalmannschaft bewiesen.;)
     
  16. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Klar was ist entscheidend? Der gemeine Soldat, oder gar die Masse an Soldaten? Die Ausrüstung? Die Industrie? Das Offizierscorps, seine Ausbildung? Oder gar die Topografie?
    Diese Faktoren spielen alle mit rein, inclusive der Flexibilität sich den Ereignissen anpassen zu können. Und da kann ein Feldherr schon den unterschied machen.

    Apvar
     
  17. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Na so gesehen, waren wohl die Entente und Alliierte die stärkste Militärmacht, immerhin haben die den Weltkrieg gewonnen.

    Oder hat die innere Wehrkraftzersetzung des deutsche Heeres und der Marine dazugeführt, daß Deutschland den Krieg verloren hat? [Ironie]

    Grundsätzlich war keine der Militärmächte die Stärkste, denn dass kann deshalb nicht beantwortet werden, weil es ebend nicht mehr nur ein Krieg zwischen zwei oder drei Armeen war, sondern ein Volkskrieg mit allen seinen neuen Folgen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2012
  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ein Nebenaspekt hierzu:
    im 19. Jh. hinkte der österr. Festungsbau aus finanziellen Gründen hinter dem dt. und russ. und dem franz. (letzterer ab 1871) her - das aber änderte sich Ende des 19. Anfang des 20. Jhs.: mit Krakow, Przemysl, Pula und Kotor verfügte Österreich über vier moderne Großfestungen, welche sich durchaus mit Verdun, Metz oder Modlin vergleichen lassen (Panzerforts, gesplittete Befestigungsgruppen usw.)
    allerdings sagt die Investition in Festungsbau nichts über die tatsächliche militär. Stärke einer Gorßmacht, da Festungen nur an relevanten Kommunikationsknoten sinnvoll waren - mir ging es nur darum, zu zeigen, dass Österreich partiell wohl mitzuhalten versuchte in der Rüstung.
     
  19. DerGreif

    DerGreif Mitglied

    Wobei sich das wohl auf die Feldartillerie bezog. Im Bereich der schweren Belagerungsgeschütze hatte Deutschland klar die Nase vorn. Frankreich hatte allerdings im Bereich der neuen Flugzeugtechnik auch mehr investiert.

    Sehr zutreffend!

    Ich würde sagen, das ist letztlich schwer zu beantworten. Die Entente hatte definitiv im Frühjahr 1917 erhebliche finanzielle Probleme. Um es klarer zu formulieren: GB gingen die Sicherheiten aus, um weitere Kredite von den USA zu bekommen, mit denen sie bisher ihre dortigen Einkäufe bezahlt und auch Frankreich mit über Wasser gehalten hatten. Alles hängt davon ab, ob die USA auch ohne ihren Kriegseintritt bereit gewesen wären Kredite ohne Sicherheiten zu vergeben (es gibt Hinweise, dass die USA dazu nicht bereit waren, aber das ist nicht wirklich eindeutig). Oder ob GB in der Lage gewesen wäre in diesem Falle doch noch Sicherheiten oder Geldquellen aufzutreiben. Hier wäre zB an den Verkauf bestimmter Kolonien zu denken. Inwiefern darüber nachgedacht wurde, weiß ich (noch) nicht. Oder ob GB in der lage gewesen wäre, einen eventuellen Einbruch der Importe aus den USA zumindest teilweise mit Importen aus dem Empire zu kompensieren.

    Dazu kommt auch die massive Unterstützung durch die USA bei der Blockade nach dem Kriegseintritt. Nicht nur mit Schiffen und Treibstoff für solche, sondern auch dadurch, dass deutschen Handelsschiffen wichtige neutrale Häfen verloren gingen.

    Noch ein wichtiger Aspekt: die Moral der Truppen, insbesondere in Frankreich. Diese war im Frühjahr 1917 ziemlich am Boden, zumindest was die Offensive anging. Die Aussicht auf Verstärkung bzw. teilweise Ablösung durch amerikanische Truppen hob hier die Moral deutlich. Dies umso mehr, als Russland Ende 1917 aus dem Krieg ausschied. Unterstellt die USA wären da nicht schon auf Seiten der Entente im Krieg gestanden, hätte das von der Moral her wahrscheinlich auch deutlich gravierendere Auswirkungen für die Entente gehabt (wobei vor allem letzteres natürlich Spekulation bleibt).

    Und schließlich auch diplomatisch in zweierlei Hinsicht: Ich bin der Ansicht dass etliche weitere Kriegseintritte auf Seiten der Entente letztlich von dem Kriegseintritt der USA beeinflusst wurden. Und viel wichtiger: Wilsons 14 Punkte haben sicher dazu beigetragen, den deutschen "Friedenswillen" zu bestärken.

    Militärisch waren die amerikanischen Truppen sicher nicht so effektiv, wie die erfahrenen Truppen GBs und Fs, aber Quantität hat ja bekanntlich ihre eigene Qualität - mal ganz abgesehen von der Entlastung der stark beanspruchten Entente-Truppen.

    Genau. Hinzu würde ich auch noch die Rohstoffvorkommen rechnen.

    Sehr wichtiger Aspekt!

    Dem würde ich zumindest Gallipoli, Ktesiphon und Knut entgegenhalten wollen. Defensive trifft es wohl besser. Wobei auch dies ein nicht unwesentlicher Kriegsbeitrag war, weil es Entente-Truppen band. Von großer Militärmacht würde ich aber tatsächlich nicht sprechen wollen.
     
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  20. Zananga

    Zananga Aktives Mitglied

    Und wenn wir alle Großmächte in einem Planspiel eins gegen eins gegeneinander antreten lassen? Da währe das Deutsche Reich wohl Nummer eins, knapp vor Großbritannien.
     

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