Mönchsgelübde

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Gast, 14. Juni 2018.

  1. Gast

    Gast Gast


    Wenn man im 15./16. Jahrhundert Mönch wurde, musste man ein Mönchsgelübde ablegen. Was beinhaltete es alles? Und warum konnte Erasmus eine Zurückbeorderung ins Kloster ablehnen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch keinen Dispens vom Papst hatte.
     
  2. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Grundsätzlich hatte der Kandidat die Einhaltung von drei Prinzipien zu beschwören (optional zeitlich befristet oder unbefristet):

    (1) persönliche Armut - der Mönch hat auf Besitz zu verzichten, weil ihn solches vom Dienst an ´Gott´ ablenkt.
    (2) Keuschheit - der Mönch hat auf einen Ehepartner und auf Kinder zu verzichten und sich allein dem Dienst an ´Gott´ zu widmen.
    (3) Gehorsam gegenüber dem ´geistlichen Vater´ (ein erfahrener Mönch), der dem Klosternovizen zur Seite gestellt wird.

    Fakt ist, dass er sie dezidiert abgelehnt hat. Mir ist nicht bekannt, dass der Prior seines Ordens ein Recht auf eine zwangsweise Rückführung des Abtrünnigen und auf physische Sanktionen hätte geltend machen können. Als Strafe für Verstöße gegen Ordensgelübde galt in jedem Fall, dass sie im Jenseits von ´Gott´ geahndet werden. Damit konnte Erasmus insofern leben, weil er sich von einem Gelübde gelöst hatte, das er nicht mehr als gottgemäß anerkannte, einfach weil die zeitgenössische Institution des Klosters ihm als nicht mehr gottgemäß erschien.

    Dem seine Rückkehr fordernden Prior antwortete Erasmus sinngemäß, dass er für das gegenwärtige Klosterleben in keinster Weise geeignet sei, da es nicht mehr wie früher dem Seelenheil, sondern dem seelischen Verderben diene. Ein wahres christliches Leben, so Erasmus, sei nicht an einen Orden gebunden, vielmehr sei die ganze Welt ein Kloster, also ein Ort für christliche Lebensführung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2018

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