Mythos Rommel

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 19. Juli 2007.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Die zweiteilige Dokumentation ist ein Porträt Erwin Rommels. Der Generalfeldmarschall, auch `Wüstenfuchs` genannt, gelangte während des Zweiten Weltkrieges durch seine phänomenalen militärischen Erfolge in Nordafrika zu Weltruhm.
    Der erste Teil beleuchtet das Leben Rommels von seiner Geburt an im Jahr 1891 bis zu seiner Abfahrt nach Afrika im September 1942.
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der zweite Teil folgt gleich danach:

    Mittwoch, 1. August 2007 um 21.35 Uhr/Arte

    1943 wird Feldmarschall Rommel aus Afrika abberufen, im Jahr darauf bitten ihn Mitglieder des Widerstands gegen Hitler um seine Unterstützung. Doch Rommel reagiert reserviert, stellt sich aber im Juli 1944 für die Zeit nach dem Umsturz zur Verfügung. Vom Attentat auf Hitler erfährt er im Lazarett, nachdem er bei einem Tieffliegerangriff verletzt worden war. Bald fällt sein Name in den verhören der Gestapo. Hitler schickt zwei Generäle mit Zyankali zu Rommel.
    Home - ARTE
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich glaube, ich habe diese Doku schon einmal gesehen. Teilweise kommt der "Wüstenfuchs" Rommel gar nicht so gut weg. Den Pour le Merite für den Sturm auf den Monte Matajur im Rahmen der Offensive am Isonzo 1917 bekam er erst nah einer Eingabe, denn Oberleutnant Rommel fand, daß seine Leistung nicht angemessen gewürdigt wurde. Zahlreiche Stabsoffiziere waren geradezu entsetzt über seinen Führungsstil, denn Rommel setzte sich häufig an exponierter Stelle Gefahren aus, und er hatte recht hohe Verluste in seiner "Gespensterdivision". Seine untergebenen Offiziere hat er oft schlecht behandelt, er war oft recht barsch und pflegte Offiziere, die ihn, aus seiner Sicht, enttäuscht hatten gnadenlos fallenzulassen. Einer der Zeitzeugen sagte gar, daß eine ganze Reihe deutscher Generale, etwa Guderian, ebenso gute Arbeit geleistet hätten. Rommel war lange Zeit Anhänger des "Führers" und konnte, wollte sicher auch nicht, sich der Vereinnahmung als "Propagandageneral" durch Goebbels widerstehen.

    Insgesamt war Rommel ein charismatischer Kommandant, der die sehr begrenzten Ressourcen überaus phantasievoll nutzte und mit seiner Taktik und Strategie die Briten zeitweilig in arge Bedrängnis brachte. Er war vielleicht von seinen militärischen Fähigkeiten einem Strategen und Generalstäbler wie Manstein nicht ebenbürtig, doch bleibt sein großes Verdienst, daß er Hitlers Wüstenkrieg gemäß den Regeln der Genfer Konvention führte und sich auch um seine Soldaten sorgte.

    Hitlers völlige Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Menschenleben ließ ihn schließlich zum Gegner Hitlers werden, und daß er sich für den Widerstand zur Verfügung gestellt hat, bleibt wohl sein größtes Verdienst. In der Generalität, wo viele Kollegen noch bis zum Schluß verbrecherische Befehle ausgaben, stand er leider ziemlich alleine da.

    Sein Ansehen in der Armee und Bevölkerung hätte eine wichtige Rolle bei einem Gelingen des Attentats vom 20. Juli 1944 spielen können.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Mythos Rommel dreht sich insoweit auch stets um seine "Nähe" zu den Widerständlern.

    In diesem Zusammenhang ist der Plan bedeutsam, durch Teilkapitulation und Übergabe der Westfront den Allierten den Zugang von Westen zu öffnen. Schlüsselfiguren waren hier neben Rommel auch Kluge (ex-Chef von v.Treskow) und Stülpnagel:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinrich_von_Stülpnagel
    http://de.wikipedia.org/wiki/Günther_von_Kluge

    Unmittelbar vor seiner Verwundung in der Normandie durch Tieffliegerangriff soll Rommel eines von mehreren Gesprächen mit Sepp Dietrich
    http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Dietrich
    gehabt haben, dem Kommandeur des I. SS-Panzerkorps in der Normandie.
    Von verschiedenen Stellen ist immer mal wieder kolportiert worden, Rommel habe bei Dietrich die Möglichkeiten eines Umsturzes und die Haltung der SS bei einer Kapitulation im Westen zu ermitteln versucht.

    Ist das eines der vielen Gerüchte um Rommel?
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Den "Blauen Max" gab es für den gleichen Berg wie Schörner!

    Bei der Einschätzung Rommels darf man nicht außer Acht lassen, dass seine Karriere ohne Hitler gar nicht möglich gewesen wäre. Rommel wäre, da keine Generalstabsausbildung als Major in den Ruhestrand gegangen.

    Hat eigentlich einer hier eine Ahnung, ist Rommel durch die Prüfung zur Generalstabsausbildung gefallen, oder hat er sie gar nie abgelegt?

    Er hatte also noch eine zusätzliche persölnliche Bindung zu hitler, über den Eid hinaus, der wohl für alle diese Offiziere ein großes Problem darstellte.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Den Major hat er schon 1935 hinter sich gelassen:

    Im September 1935 wurde Rommel im Rang eines Oberstleutnant zum Leiter der neuen Infanterieschule in Potsdam ernannt. Hier entstand 1937 das Buch Infanterie greift an, welches eine halbe Million mal verkauft wurde und auch die Aufmerksamkeit Adolf Hitlers erregte. Weitere Stationen seiner Karriere waren im Oktober 1938 die Beförderung zum Oberst, seine Ernennung zum ersten Kommandeur des von ihm aufzustellenden Führer-Begleitbataillons, als Teil des „Wachregiments“, das später Regiment „Großdeutschland“ hieß, und die kurzzeitige Übernahme der damaligen Kriegsschule (heute wieder: Theresianische Militärakademie) in Wiener Neustadt im November 1938 als Kommandeur.

    Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Rommel zum Kommandanten des Führerhauptquartiers ernannt, das während des Polenfeldzuges in einem Eisenbahnzug untergebracht war. Rückwirkend zum 1. August 1939 wurde Rommel zum Generalmajor befördert. Der Zug folgte dem Frontverlauf und Rommel begleitete Hitler oftmals bei Ausfahrten mit dem Auto vom Zug zu den Führungsstäben der Truppenteile. Er hatte somit direkten Kontakt mit Hitler.
    Erwin Rommel - Wikipedia
     
  7. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Und dann ist ja noch die Ernennung zum Divisionskommandeur der 7. Panzer-Division zu nennen. Bis hierhin nahm die Karriere Rommels einen durchaus normalen Gang. Der große Sprung erfolgte dann erst mit der Übernahme des Afrika-Korps.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Als Kommandierender General, eben auf Korpsebene. Das war wohl üblicherweise mit einer Generalstabsausbildung verbunden. Für das DAK war doch auch zunächst ein anderer vorgesehen, wer hat denn Rommel ausgesucht bzw. bestimmt? Das Halder-KTB habe ich leider zZt. nicht zur Hand, das müßte aber etwas dazu hergeben.

    Nochmal zurück zu meiner Frage: Gibt es irgendwelche Quellen zu seinen Kontakten mit Sepp Dietrich, der ihm als Kommandierender des I. SS-PK unterstellt war?
     
  9. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Eine Netzsuche ergibt nur, dass Rommels Adjutant Helmuth Lang diese Konversation überliefert haben soll:

    New Page 0

    Dies wird allerdings angezweifelt (btw.: in dieser Diskussion sind ein wenig merkwürdige Teilnehmer):
    Axis History Forum :: Sepp Dietrich declaring support for Rommel on July 17

    Leider fehlt der Zusammenhang, in dem Lang diese Aussagen überliefert hat. Ich besitze zwar das Buch von Remy, in dem diese Begebenheit auch geschildert wird, habe es aber gerade nicht in meiner Wohnung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2007
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    OK. OK. konnte man damals sogar Oberst werden ohne Generalstabsausbildung. zZ ist jedenfalls beim Oberstleutnant definitiv Schluss.

    General wäre Rommel jedenfalls ohne Hitlers Protektion NIEMALS geworden. Also nix mit Divisionskommandeur. Solche Karrieren sind überhaupt nur in Diktaturen möglich.

    Hitler hat Rommel übrigens als Retourkutsche nach Afrika geschickt. Das Commando Supremo hatte ihm ein früheres Mitglied der alliierten Entwaffnungskommission nach Berlin geschickt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2007
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Man geht davon aus, dass er vom Attentat wusste. Er war aber kein Widerständler und gehörte auch nicht dem militärischen Widerstand an.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2007
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Aus einem Interview mit Manferd Rommel1:


    Zu seiner Haltung zum militärischen Widerstand:


    Aus Unterlagen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand: "Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B soll Rommel die Abwehr alliierter Landungstruppen an der französischen Atlantikküste vorbereiten. Duch seinen Stabschef Hans Speidel wir Rommel in Andeutungen über die Vorhaben der Gegner Hitlers um Henning von Treschow und Friedrich Olbricht informiert. In den Wochen vor dem Attentat rechnen die Verschwörer mit der Unterstützung durch Rommel, erhalten aber niemals absolute Gewissheit."

    1 Die Seite ist online nicht mehr vorhanden, Diskussion kann man hier nachlesen: http://www.geschichtsforum.de/f75/erwin-rommel-1881-1944-a-930/
     
  13. tejason

    tejason Neues Mitglied

    Das würde gut passen! Hat doch Rommel im Ersten Weltkrieg seinen Pour le Merite (höchster Orden) doch gegen die Italiener errungen...

    War das nicht General Ritter von Thoma, der allerdings auf einem stärkeren Korps beharrte?
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das hier habe ich in einem anderen Forum gefunden, zum Zeitraum Oktober 1940:
    "... zu dieser Zeit lehnten die Italiener jede Unterstützung von Seiten der Deutschen ab. General v. Thoma war wohl vor Ort in Afrika und hat ein nicht sehr gutes Besichtigungsergebnis von den Italienern nach Deutschland mitgebracht, so dass Hitler (der eigentlich von Thoma nach Afrika schicken wollte) sich für einen anderen General entscheiden musste."

    (Thoma problematisierte in seinem Bericht insbesondere die Versorgungsfrage für Operationen in Nordafrika gegen Ägypten, was er wohl nahezu für unmöglich hielt; Rommel hat das entgegen seinen Instruktionen im April 1941 wenig gekümmert, weswegen seine Offensive u.a. festlief)
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Auch die Bezeichnung "Deutsches Afrikakorps" sei bewußt in Anlehnung an das "Deutsche Alpenkorps" des 1. Weltkrieges gewählt worden. Als Affront gegen die Italiener.


    Was hier auch erwähnt werden muss: Die Rolle Rommels als Befehlshaber Norditaliens ist zumindest zweideutig.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein großer Anteil am Rommel-Mythos ist auf den Kriegsschauplatz Nordafrika zurückzuführen. Das ist an sich erstaunlich, wenn man die militärischen Auswirkungen betrachtet:

    1. Von Februar 1941 bis Juli 1942 wäre selbst bei einem Verlust der Position in Nordafrika von den alleinstehenden britischen Kräften keine wesentliche Bedrohung des italienischen Festlandes ausgegangen. Der Besitz von Kreta und Malta auf der West-Ost-Route für die britische Mittelmeerposition war bedeutender als der von Tripolis, Benghasi, Tobruk und Marsa Matruk.

    2. die Aktivitäten in Nordafrika hatten eine stetige und erhebliche Sogwirkung auf Luftwaffen- und Heereskräfte (die Luftwaffe war hierdurch inzwischen in einen Dreifrontenkrieg verwickelt, der sie völlig überforderte, mit den 2 Panzerdivisionen waren 10 % der insoweit vorhandenen Kräfte im Sommer 1941 gebunden). Die Sogwirkungen entstanden insbesondere während kritischen Phasen des Hitlerschen Ostfeldzuges (Frühjahr 1941, Oktober 1941-April 1942, Juli-Oktober 1942).

    3. die Verluste auf den Nachschubwegen nach Nordafrika waren beträchtlich, ebenso der Treibstoff- und der Kolonnenraumbedarf bzw. die Bindung von Transportkapazitäten.

    4. Die Bindungswirkung für britische Streitkräfte originär in Nordafrika war (mit Ausnahme der Luftstreitkräfte) weitgehend zu vernachlässigen, obwohl es Ende 1941 hier auch Interdependenzen zum Kriegsschauplatz in Fernost gab.

    Rommels erste Offensive erlitt das Schicksal, dass vom OKH befürchtet und prophezeit worden war: sie blieb im Mai 1941 stecken mit der Festung Tobruck als Pfahl im Fleisch (Paulus wurde nach Nordafrika geschickt, um hier nach dem Rechten zu sehen, Ergebnis: die Logistik-Fragen überlagern jede kurzatmige operative Leistung). Die Offensive 1942 mit großer Bindung der Luftwaffe führte zu der entscheidenden Frage: Malta oder Ägypten. Man wählte Ägypten und blieb stecken. Schließlich sind die enormen Verluste an Personal und Material durch die Endphase des Nordafrika-Abenteuers zu erwähnen (bis Anfang 1943 unter Rommels Führung), die die Ausmaße von Stalingrad erreichten bzw. überstiegen und auf das permanente Hineinpumpen von Ressourcen in den Kriegsschauplatz zurückzuführen waren, um zum Schluß hier einige Wochen Zeit zu gewinnen.

    Damit verbleibt ein politischer Grund, Italien bzw. das Mussolini-Regime nach den Krisen Ende 1940 zu stützen. Und es verbleibt das propagandistische Getöse: unbesiegbare deutsche Afrika-Truppen auf Expeditionskurs in imperialer und Blitzkrieg-Manier, den schwachen Bündnispartnern helfend, verteilte Afrika-Karten über deutsche Zeitungen und Erfolgsfähnchen zu Hause an der Wand.

    Und vielleicht ist noch ein weiterer Grund für den Mythos Rommel im Nachhallen der englischen Sichtweise zu entdecken: der große Gegner, mit dem sie soviel Schwierigkeiten hatten, der britische Befehlshaber im Juli 1942 an den Rand einer Angstpsychose führte und den sie schließlich besiegen konnten.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Im Januar 1941 bat Mussolini Hitler um einen "Sperrverband" für Nordafrika.
    Hitler soll gesagt haben, dass der Verlust Nordafrikas militärisch kein Problem wäre, in Italien aber eine politische Kathastrophe wäre, die bis zum Kriegsaustritt gehen könne. Quelle kann ich nachreichen.


    OT: Hitler soll sich in seinem Testament ausgiebig mit der Rolle Italiens im Krieg auseinander gesetzt haben, sie als eine der Hauptursachen für die Niederlage genannt haben. Nun finde ich dazu in seinem "politischen" Testament nichts, gibt es neben dem persönlichen noch ein drittes?

    Siehe hier.
     
  18. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Es gibt ein privates Testament aus dem Jahr 1938 (2. Mai 1938)
    und eines aus dem Jahr 1945 (29. April 1945). Und dann das politische Testament vom 29. April 1945.
    Andere sind nicht bekannt.
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die offizielle Aufzeichnung des Hitler-Mussolini Gespräches vom 24.1.1941 (Gesandter Schmidt, in: ADAP) gibt das nicht her. Politische Gründe werden zwar genannt, aber in anderem Zusammenhang:

    1. die nordafrikanische Position werde später noch benötigt, um auf Frankreich und dessen nordafrikanische Positionen und somit auch indirekt auf das Mutterland Druck auszuüben.
    2. Es ging weitergehend um die Absperrung der Straße von Gibraltar in diesem Zusammenhang (frz. nordafrik. Positionen)
    3. es bestand die (politische) Befürchtung, dass der Sperrverband versagt, wenn "Paradetruppen" wie bei den Engländern im Expeditionskorps geschickt würden. Der Sperrverband müsse effektiv kämpfen und die Situation bereinigen können (also: Tripolitanien gegen englischen Druck halten)

    Ein Vormarsch gegen Ägypten war kein Thema, nach der desaströsen italienischen Niederlage Dez.40/Jan41 auch vorerst illusorisch.


    EDIT: eine Diskussion über Hitlers Ansichten der Verlustursachen des Krieges führt imho zu nichts
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juli 2007
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Danke Ursi.
    Fragt sich noch wo die "Kommunisten-Site" ihre Zitate herbringt.
     

Diese Seite empfehlen