Österreichische Kolonie auf den Nikobaren

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Eise, 22. Januar 2007.

  1. Eise

    Eise Neues Mitglied


    Bei Wikipedia bin ich im Artikel über die Nikobaren (Inselgruppe im Indischen Ozean) auf folgende Passage gestoßen:

    Zwischen 1778 und 1784 waren die Nikobaren erste und einzige österreichische Überseekolonie, wurden jedoch gleichzeitig von Dänemark beansprucht.

    Weitere Recherchen im Internet blieben weitgehend erfolglos, nur die Jahreszahlen variieren zwischen 1781 und 1785.

    Weiß hier jemand mehr über diese Kolonie? Was wollten die Habsburger dort? Waren jemals überhaupt österreichische Beamte oder Soldaten vor Ort?
    Warum wurde die Kolonie nach so kurzer Zeit wieder aufgegeben?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    leider doppelt...
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2007
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    EDIT: die Insel Tarása=Teressa soll nach Maria Theresia benannt worden sein. Vielleicht hilft das weiter.
     
  4. Eise

    Eise Neues Mitglied

    Danke für den Hinweis. Ich habe in einer Diplomarbeit nun folgende Passage gefunden:

    Österreich als Kolonialland
    Auch Österreich versuchte, sich am kolonialen Handel mit Übersee zu
    beteiligen. Am 5. Juni 1775 erhielt William Bolts, ein ehemaliger Beschäftigter der britischen East India Company, von Kaiserin Maria Theresia die Genehmigung, eine Österreichisch-Ostindische Handelskompanie zu gründen.
    Das in London erworbene Schiff „Joseph und Theresia“ verließ den Hafen von Livorno am 24. September 1776 mit dem Vorhaben, in Goa eine österreichische Faktorei zu errichten. Dies wurde durch britische Kriegsschiffe verhindert und so wurde stattdessen am 12. Juli 1778 auf der Insel Nankauri (Nikobaren) schließlich die dort wehende dänische Flagge eingeholt und dafür die österreichische gehisst. Da der lebensnotwendige Nachschub aus Europa aber ausblieb und die harten Lebensumstände den SiedlerInnen schwer zu schaffen machte, wurde die österreichische Handelskompanie 1785, also 10 Jahre nach Gründung, wieder aufgelöst.

    Es bleiben trotzdem noch viele Fragen offen, das interessiert mich jetzt wirklich.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hallo Eise,

    ich weiss zwar nicht, was das Monarchistenforum so für Inhalte hat, aber da gibts ein Thema dazu:

    ... link entfernt, das scheint problematisch zu sein ...
    Kommt bei google raus, Stichworte: teressa österreich nikobaren

    Grüße
    Thomas
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2007
  6. Eise

    Eise Neues Mitglied

    Nochmal danke, in dem Forum wird das Thema ausführlicher behandelt.
    Allerdings ist das Forum wirklich mit Vorsicht zu genießen...
     
  7. Rovere

    Rovere Premiummitglied

  8. Eise

    Eise Neues Mitglied

    Im Buch "Welt-Reisende" von Kirchner/ Pfeiersinger (Hrsg.) schreibt Franziska Kasper ein Kapitel über die Österreichisch-Ostindische Handelskompanie und die Reise von William Bolts.

    Im Rahmen dieser Reise nahm Österreich auch die Nikobaren in Besitz, lies die 6 Siedler, die dort unter der Führung des Deutschen Gottfried Stahl geblieben sind, dann aber komplett im Stich. Die hochtrabenden Pläne (Ansiedlung von 200-300 Kolonisten) wurden nie umgesetzt, Stahl starb 1783 und mit ihm endete diese Episode österreichischer Kolonialgeschichte.

    Bei dieser Reise wurde auch ein Fort an der Delagoa-Bucht in Ostafrika erbaut und mit 10 Soldaten benannt. 4 Jahre später (1781) schossen 2 portugiesische Fregatten das Fort in Stücke und beendeten auch in Afrika die kurze österreichische Anwesenheit.
     
  9. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    ja Eise, dieses historische kuriosum finde ich auch interessant! das waren noch zeiten als Österreich in der kolonialszene wichtig machte!

    die europäischen handelskompanien waren einander spinnefeind. Östereich hatte ja auch eine. die hieß Zweite Orientalische Handelskompanie. weil sie den sitz in Ostende hatte - der Nordseehafen Ostende war ja nach dem Spanischen Erbfolgekrieg an Österreich gefallen. - wurde sie auch Ostender Kompanie genannt. gegründet wurde sie 1719.

    Kaiser Karl VI. mühte sich redlich, aber einen stammhalter konnte er nicht hochzwirbeln. also gut, dann eben erbfolge dem geschlecht über die Pragmatische Sanktion von 1713 sichern. absicht der PS war es auch den habsburgischen mädels den weg auf den thron zu ermöglichen, wenn ein thronfolger gerade mal nicht bei der hand war. die großmächte ließen sich die anerkennung der PS und somit die stärkung der Habsburger fürstlich entlohnen.

    England und Holland gaben ihre anerkennung erst 1731, neun jahre vor dem tod von Kaiser Karl dem VI. im gegenzug mussten die Habsburger die Ostender Kompanie liquidieren und einen verzicht auf überseeische handelskompanien abgeben.

    umso überraschender, dass sich dann Kaiserin Maria Theresia auf das Kolonialabenteuer einließ. aber die alte Merkantilistin Maria Thersia suchte nach dem verlust von Schlesien im Siebenjährigen Krieg nach neuen Absatzmärkten.

    uiii schon halbasiebene! jetzt aber schnell auf ein bier und ein gulasch zum Heidinger! morgen setze ich fort.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Februar 2007
  10. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    ich setze morgen fort. jetzt bin ich einmal eine runde sauer. schreibe eine abhandlung und dann stürzt mir der computer ab! alles weg! so geht es ja wirklich nicht!

    morgen schreibe ich das zuerst auf ein word-dokument. damit nix passieren kann.

    und jetzt gehe ich zum Haidinger auf grammelknödel mit sauerkraut. sauerkraut, frisch gestampft von nackten mädchenfüßen aus dem wiener becken.. vielleicht spendet mir das ja trost. dazu werde ich ein viertel welschriesling trinken.

    also bis morgen!

    mos
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast


    Das ist auf jeden Fall eine gute Idee.



    Das hört sich auch nach einer guten Idee an.
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  13. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    @ brissotin:
    habe mir den link angesehen: historischer diskurs auf höchstem niveau!

    @hyokkose:
    freut mich. morgen mache ich weiter. jetzt geh ich noch kurz zum <i>Haidinger</i>, morgen schreibe ich noch etwas zu dem thema, das eigentlich verbüchert gehört!

    mos256
     
  14. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    komme gerade vom <i>Haidinger</i> zurück (linsengulasch). und mir fällt ein, dass ich meine hausaufgaben noch nicht gemacht habe. shame on you, mr.mos256!

    also, die geschichte war die - und die kann man nicht ergoogeln, sie schlummert tief in den archiven:

    1774 wandte sich <i>William Bolts</i>, ein beamter der <i>Britisch-Ostindischen Kompagnie</i>, der aber wegen drogenhandels von der <i>Kompagnie</i> geschasst wurde an die <i>Habsburger</i>, ob sie nicht lust auf ein östliches kolonialabenteuer hätten.

    die <i>Habsburger</i> hatten schon. als 16-fache mutter hatte sich <i>Maria-Theresia</i> ja schon als ausgesprochen abenteuerlustig hervorgetan. also gut, ließ sie ein wenig verdeckt ein schiff in <i>England</i> kaufen, die <i>„Earl of Lincoln“</i>, du darfst ja <i>Pragmatische Sanktion</i> und deren absichernde bemühungen durch <i>Karl VI.</i> nicht vergessen, also quasi zusicherung an die engländer keine österreichischen handelsstützpunkte im osten zu haben, schon gar nicht irgendwelche habsburgischen kolonialreiche.

    1776, also selbes jahr in dem burgtheater in <i>wien</i> fertiggestellt wurde - lediglich 200 jahre später gewann <i>Franz Klammer</i> die skiabfahrt bei den <i>Olympischen Spielen in Innsbruck 1976</i> - stach die <i>Earl of Lincoln</i> in see. auf offener wurde sie dann in <i>Joseph und Theresia</i> umgetauft, obwohl <i>Maria Theresens</i> ehegespons ja <i>Stephan</i> hieß! umindest merkwürdig.

    wie auch immer, in<i>Livorno</i> wurde das schiff dann mit kanonen, gewehren & soldaten kolonieneroberungsadäquat etwas aufgemotzt.

    dann <i>Delagoa Bay, afrikanische Ostküste</i>. 1777, also ein jahr nach eröffnung des <i>Wiener Burgtheaters</i> kauft <i>Boolts</i> von zwei afrikanischen königen namens <i>Mohaar Capell</i> und <i>Chibauraan Matola</i> sowie von einem Häuptling, <i>Bileme Masumo</i> benamst, ein paar grundstücke und schloß freundschafts- und handelsverträge mit ihnen.

    <i>Masumo</i>, der häuptling, war nicht langweilig und leistete sogar einen treueeid auf den österreichischen monarchen, der ja damals kein monarch, sondern die <i>famose Habsburgmorchel Maria Theresia</i> war.

    no, dann <i>Bolts</i> weiter nach <i>Goa</i>, der mann hatte ameisen im hintern, frage nicht! <i>Goa</i< schon immer scharf, <i>Bolts</i> kaufte dort pfefferplantagen und ein schiff, die <i>Fürst Kaunitz</i>, die er samt pfeffer und anderen waren nach <i>good old habsburg</i> zurücksandte.

    die <i>Joseph und Theresia</i> schickte <i>Bolts</i> dann mit einem <i>Kapitän Bennet</i> weiter nach osten, wo sie am <i>1.April 1978</i> also auch das noch! landete.

    der rest der geschichte ist schnell erzählt:

    <i>Bennet</i> holte sich vier <i>nikobarensische bingos</i> und erklärte sie zu häuptlingen. er unterzeichnete er mit ihnen einen sogenannten <i>Zessionsvertrag</i>, der von diesen vier „häuptlingen“ mittels fingerabdruck und ihm mittels eleganter unteschrift unterfertigt wurden.

    und damit wurde das <i>Casa Austria</i> als rechtmäßige eigentümer der <i>Nikobaren</i>, also zumindest ihrer vier hauptinseln, erklärt.

    die armen „häuptlinge“ wussten nicht wie ihnen geschah. war aber auch wurscht. es änderte sich ja nicht viel für sie.

    ein <i>Deutscher</i>, ein gewisser <i> Gottfried Stahl</i> wurde als regent der <i<Nikobaren</i> eingesetzt: klar war das kolonialreich auch militärisch abzusichern, man stellte ihm nicht gerade militär in divisionsstärke, aber doch immerhin 5 soldaten ab.

    geplant war, dass von der <i>casa Austria</i> doch so an die dreihundert kolonialistInnen nach <i>Nikobaren</i> hätten gesandt werden sollen.

    dazu kam es aber nicht mehr. <i>Maria Theresia</i> stirbt 1980. die soldaten auf den <i>Nikobaren</i> auch. stichworte: heiß, schwül, keine medizinische versorgung.

    und dann: <i<Joseph II.</ i> : zero-interesse an den <i>Nikobaren</i>, vielleicht auch schiss vor den <i>Engländern</i>.

    <i>Stahl</i> bleibt hart. aber auch nur fünf jahre. 1983 stirbt er. und mit ihm auch der letzte <i>österreichische</i> kolonialregent. und damit auch das <i>habsburgische Nikobarium</i>

    lg mos 256



    p.s: ich wurde von einer moderatorin namens <i>Mercy</i> aus <i>Unterfranken</i> darauf hingewiesen, dass „eigenwerbung nicht unser metier“ sei.

    ich verstehe das ja. warum eigenwerbung, wenn es so smarte fremdewerbung wie im geschichtsforum.de gibt. wo man kostenpflichtig gefragt wird, ob man mit einstein oder marylin monroe verwandt sein möchte!!!

    also, liebe frau mercy, eine spur zurückschalten. auch wenn über 10,000 eintragungen von durchaus bemühen zeigen. weil gefahr: unglaubwürdigkeit!

    schau, es ist so:

    ist die geschichte des grammelknödels jetzt ein historisches thema oder ein kulinarisches?

    ich habe es gerne etwas weiter und nicht scheuverklappt. geschichte passiert nicht im luftleeren raum. da gehören land & leute dazu. sonst kann geschichte nicht verstanden werden.

    die heilige kuh zum beispiel. warum trieben die <i>muselmanen</i> sie in den schlachten gegen die <i>hinduastiker</i> ihren heerscharen voran? hat natürlich überhaupt nichts mit geschichte zu tun!

    genauso wenig, warum leichen in der <i>Ganga</i> herumtreiben. oder warum es fast keine tiger mehr in <i>Indien</i> gibt.

    ich habe es ja nicht immer so mit dem alten <i>Goethe</i>. aber wie er am west-östlichen divan herumgelümmlet hat und sagte: „ wie alles sich zum ganzen webt, eins in dem andren wirkt und lebt.“, das gefällt mir schon!

    werbung ist nichts anders als zusammenführen von angebot und nachfrage. und über nichts anderes berichtet letztendlich geschichte.

    also, sei etwas entspanner, <i>Mercy.</i>

    aber ich respektiere natürlich deinen wunsch! weshalb ich hier nur mehr auf geschichtsforum.de links hinweise:

    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=15272

    mos 256
     
  15. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    sorry, die üblichen programmierbefehle funzen in diesem forum nicht. auch recht.
     
  16. Schiller

    Schiller Neues Mitglied

    Österreichische Kriegsmarine

    Liebe Alle,

    ich empfehle zu diesem Thema die folgende Arbeit:
    GRIN - Die k.u.k. Kriegsmarine als Ausdruck kolonialer Großmachtpolitik Österreich-Ungarns - Hauptseminararbeit 

    Zwar wird hier das Thema Nikobaren nicht angerissen, aber Österreich Ungarn als "Kolonialmacht" untersucht und ein "exotischer" Aspekt der Geschichte sehr angenehm aufgearbeitet.

    (Zählt das jetzt als Werbung???)

    Ansonsten ist es immer wieder schön, sich mit der Österreichischen Gebirgsmarine im 30jährigen Krieg auseinanderzusetzen... ;)
     
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  17. Undine

    Undine Gast

    Ich glaube, das man den Einsatz der k.u.k. Marine im Überseeeinsatz vernachlässigen kann.
    Im Zusammenhang mit der östereichische-ungarischen Marine, macht es mehr Sinn, sich auf das Gebiet im Mittelmerr zu beschränken und anhand der ebenfalls marineführenden Nationen, wie z.B. Italien, Frankreich, Griechenland und der Türkei, die Flottenpolitik zu durchleuchten.
     
  18. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Die k.u.k. Marine zeigte auf allen Weltmeeren Flagge und viel zu wenig ist darüber bekannt. Selbst historisch Interessierte wissen sehr wenig über die österreichische Überseepolitik. Mir selbst war bis vor kurzem nicht bekannt dass Österreich eine Konzessionsgebiet im chinesischen Tientsin unterhielt. Und zu Haus hab ich schon lange (leider noch ungelesen) das Standardbuch über die Beziehungen zwischen dem kaiserlichen Österreich und den USA (von 1776 bis 1918) liegen.

    Ein Thema also das keineswegs zu vernachlässigen ist, ganz im Gegenteil. Hier wäre Recherche erforderlich!
     
  19. Undine

    Undine Gast

    Dazu fallen mir nur Patrouillen außerhalb des Mittelmeeres ein, die zumeist wissenschaftlichen oder diplomatischen Missionen dienten. Markante Schiffsnamen wären die „SMS Kaiserin Elisabeth“ oder „SMS Zenta“ seit den 1870iger Jahren.

    Was für eine Konzession war dies? Bestimmt steht diese im Zusammenhang mit der internationalen Verwaltung nach dem Boxeraufstand.
     
  20. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Concessions in Tianjin - Wikipedia, the free encyclopedia

    Stimmt genau, eine Konzession in Folge des Boxeraufstands.
     

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