Phalanx

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Phalangit, 18. Februar 2017.



  1. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Hallo,

    ich mal eine Frage: wie wurde der Gegner "gezwungen", gegen eine Phalanx-Formation anzutreten, speziell gegen eine makedonische?

    In vielen Schlachten war die makedonische Phalanx siegreich aber dass die Gegner auf sie einfach drauf rannten denk ich war nicht der Fall.
     
  2. Tangbrand

    Tangbrand Neues Mitglied

    Die Phalanx ist mit einem Bollwerk vergleichbar, das auf einen zukommt. Sie war in der Antike die "Königin" der Schlachtaufstellungen. Obwohl Hilfstruppen wie Bogenschützen, Schleuderer, Peltasten und Reiter ebenfalls an Seite der Phalanx kämpften, waren sie weniger ausschlaggebend. Doch sie hat selbstverständlich auch Nachteile, besonders die Makedonische Phalanx, die ich hier erläutern werde.
    1.Im Nahkampf und Ansturm war die Phalanx unschlagbar, wenn es jedoch zu keinem Nahkampf kam, war sie aufgrund ihrer Langsamkeit sehr verletzlich.
    2. Eine weitere Schwäche bildeten die Flanken, die durch Reiter oder Überflügelung ausgenutzt wurden. Ihre Wucht entfachte die Phalanx durch Druck nach vorne. Wenn eine Seite angegriffen wurde, ging dieser Druck verloren. Die Hopliten mussten stehenbleiben und sich zur Wehr setzen. Die anderen drückten weiter nach vorne und so kam es entweder zum Stillstand des Anstrums oder zur Zerreissung der Formation.
    3.Ausserdem weist die Phalanx, wie die Römer unter Beweis gestellt haben, eine enorme Empfindlichkeit bei Feindeinbruch auf.
    4.Die Phalanx funktioniert nur auf ebenem Gelände.
    Der Gegner würde nie auf eine Phalanx zulaufen, sondern versuchen, die oben genannten Schwächen ausnutzen. Dennoch konnte man den Gegner in der Regel nicht dazu zwingen, gegen einen anzutreten. Die einzige Möglichkeit die mir einfällt, ist den Gegner in eine ausweglose Situation zu bringen, so dass er sich auf einen Kampf einlassen muss. So war das bewusste Ausweichen oder Abwarten der direkten Konfrontation oft die beste Lösung. Die Schlacht von Kynoskephalai ist ein gutes Beispiel, wie Geduld zum Sieg führen kann.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So richtig beantwortest du die Frage des Phalangiten aber nicht. Der wollte ja nicht wissen, was eine Phalanx ist oder wie sie funktioniert oder mit welchen Truppenkörpern sie kombiniert wurde, sondern warum andere Heere, die keine Phalangen bildeten, sich der vermeintlich überlegenen Phalanx überhaupt entgegenwarfen.
     
  4. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Genau richtig.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine allumfassende Antwort kann ich darauf leider auch nicht geben, nur Ansätze:

    Eine Phalanx konnte man wohl nicht einfach so in nächster Nähe umgehen und von der Seite her angreifen. Bei diesem Versuch hätte sich das marschierende Heer selbst höchst angreifbar gemacht.

    In erster Linie funktionierte die Phalanx aber im Kampf gegen eine andere Phalanx. Die meisten Schlachten, aus denen eine Phalanx siegreich hervorging, waren solche Schlachten. (Man sollte nicht vergessen, dass auch in den Schlachten zwischen Griechen bzw. Makedoniern und Persern oft eine griechische Söldnerphalanx den Kern der persischen Armee bildete.) Entwickelt wurde die Phalanx vermutlich etwa im fortgeschrittenen 7. Jhdt. v. Chr. in Kriegen zwischen griechischen Stadtstaaten, also Gegnern, die auf dieselbe Taktik setzten und sie jeweils zu perfektionieren versuchten. Sobald man auf Gegner mit anderen Truppen (insbesondere einer starken Kavallerie wie die Perser oder in Griechenland die Thessalier) und Taktiken traf, hatte man in der Tat ein Problem - und verlor oft. (Das zeigte sich überdeutlich, als im Korinthischen Krieg der Athener Iphikrates mit seinen Peltasten eine spartanische Hopliten-Mora aufrieb.) Nicht grundlos kam sie außer Gebrauch.

    Der Schutz der Flanken war tatsächlich heikel. Man versuchte sie zu schützen, indem man an den Flanken entweder Kavallerie und/oder leichte Fußtruppen aufstellte oder ein entsprechend enges Gelände wählte. In ersterem Fall kam es oft rasch zu Kämpfen zwischen diesen Deckungseinheiten, indem jede Seite versuchte, die des Gegners auszuschalten, um ihm dann in die Flanken fallen zu können.
     
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  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Nun, wenn der Gegner das Heer mit Phalanx auf dem Schlachtfeld schlagen wollte, musste er sich auch mit der Phalanx auseinandersetzen. So bspw Darius bei Issos oder Gaugamela: Er wollte den Invasoren Alexander besiegen, also musste er seine Armee schlagen, also i-wie auch die makedonische Phalanx. Wie hat er es versucht?

    a) Eigene Phalanx (gebildet va aus griechischen Söldnern).
    b) Die klassischen persischen Bogenschützen.

    Betrachten wir zunächst b) genauer, va dessen Vorgeschichte. Die persischen Heere, die 490 und 480 in Griechenland eindrangen, verfügten noch nicht über eine Phalanx. Die perischen Truppen mögen auch hin und wieder in ein dichten Formation gekämpft haben, wenn die Lage es erforderte, aber in dieser Disziplin waren sie schon von der Ausrüstung her unterlegen. Was war also der Plan, bspw bei Marathon? Vermutlich etwa folgendes: Eine Phalanx, die in der Flanke angegriffen oder beschossen wird, kann selbst nicht oder nur schwer selber angreifen. Also wird sie über kurz oder lang dem Beschuss aus Flanke und Front erliegen. Die Athener stellten ihre Truppen daher so auf, dass die Flanken gedeckt waren (durch Berghänge), verstärkten sie noch zusätzlich, und konnten so selber angreifen, den persischen Beschuss unterlaufen und in den Nahkampf gelangen, der dann für die Perser unglücklich endete.

    Nun zu a): Zu der Zeit, in der sich die makedonische Phalanx durchgesetzt hatte, war die Phalanx von vielen anderen Völkern übernommen worden; Etrusker, Karthager, oder eben die Perser, va in Form griechischer Söldner. Ist wohl ein deutlicher Hinweis darauf, dass es ohne Phalanx (oder andere Form eines geschlossenen Truppenkörpers für den Nahkampf) kaum noch möglich war, eine rangierte Schlacht zu schlagen. Die Frage, wer sich dann der gegnerischen Phalanx in den Weg stellt, erübrigt sich dann auch: Vornehmlich das eigene schwere Fußvolk.

    Was passiert, wenn sich einer Phalanx nur leichte Truppen entgegenstellen, kann man wohl in der Anabasis des Xenophon nachlesen (ich kenn aber nur Zusammenfassung uä). Ebenso wie beim Kampf auf der Insel Sphakteria war die Phalanx weitgehend nutzlos. Unübersichtliches, bergiges Gelände versetzte leichte Truppen in die Lage, eine Art Guerilla-Krieg zu führen, und dem Angriff der Phalanx auszuweichen. Das Fazit: Ohne eigene leichte Truppen, die bspw Höhenzüge besetzen bzw Feinde von diesen vertreiben können, geht es auch nicht. Daher die Entwicklung verbundener Waffen, dh verschiedener Truppentypen, bei dem jeder die Schwächen der anderen ausgleicht.

    Allerdings muss man bedenken, dass in einem solchen Guerilla-Krieg keine Positionen gehalten werden können, wenn man nicht selbst über schwere Truppen verfügt, die dazu in der Lage. Und da sind wir wieder bei der Situation, mit der sich Darius konfrontiert sah: Ohne sich Alexander und damit auch seiner Phalanx direkt zu stellen, war der nicht bereit, auf die Eroberung des Perserreiches zu verzichten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2017
  7. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Obwohl man nicht vergessen darf, dass die Griechen, die mit den Persern als Söldner zusammen kämpften, warscheinlich die Hopliten-Phalanx eigesetzt hatten und nicht die makedonische, zumal ja diese Einheiten aus dem Süden Griechenlands stammten, wo noch in der Hoplitenphalanx gekämpft wurde.

    Ich weiss nicht wie effektiv eine Hoplitenphalanx gegen 6 m Speere gewesen sein soll. Auf jeden Fall aber etwas besser, als die östlichen Panzerungen der Perser.

    Das war eher nach Alexander und Phillip. Die Frage war, mit welcher Taktik die ganzen anderen Völkern,wie Perser, Inder, Thraker, Illyrer usw, die mit Alexander zu tun hatten, und die keine Sarissen hatten, sie sich ihnen entgegenwarfen.

    Vermutlich wollte man mit Masse(insbesondere die Perser), die makedonische Phalanx auch von vorne so heftig beschäftigen dass die ersten Reihen der Phalanx nicht mehr klarkommen konnten (oder sie an einer Position binden) plus sie noch von den Flanken anzugreifen, sofern man die makedonischen Reiter und/oder leichtere Truppen erst besiegte. Das konnte man auch mit Bögen oder Wurfspeere(bei Wiki steht in Charoneia war dies der Fall), ich weiss aber nicht wie effektiv das sein sollte, denn die hinteren Reihen der Phalanx sollten ja die Sarissen ja so bedienen, um die ganze Formation auch vom Fernkampf zu schützen. In Gaugamela durchbrach ja ein Teil der persischen Kräfte Parmenions Seite und die Streitwagen, die Dareios frontal gegen die Sarissen hetzte, sollten , denke ich, die Phalanx binden/beschäftigen , obwohl einige Pferde zu Grunde gehen würden.

    Natürlich war ein Frontalangriff auf die Phalanx natürlich sehr verlustreich, aber die Perser hatten ja unzählige an Männer und speziell eher auch Sklaven als Soldaten, die sich in irgendeine Weise, opfern sollten.

    Der psychologische Anteil spielte auch eine grosse Rolle: wenn eigene Reiter/leichte Truppen nicht gegen die gleichen makedonischen die Oberhand gewannen, so gab es auch keinen Grund, die fürchterliche Phalanx mehr zu beschäftigen, und schnell brach eine Flucht aus. Das passierte desöfteren, plus die Verluste der wichtigen Kommadanten der Perser(am Granikos) oder die Flucht des Königs bei Issos und Gaugamela.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Februar 2017
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ist eine etwas antiquierte Ansicht. Das Schwergewicht der persischen Armeen bildeten die Kavallerie (u. a. aus dem persischen und baktrischen Krieger-Adel) und mit Fernwaffen ausgerüstete Einheiten. Aber auch für den Nahkampf zu Fuß hatten sie durchaus hochwertige Truppen wie die Unsterblichen und die Sparabara. Dazu kamen anscheinend Truppen, die aus den wilderen Völkerschaften des Perserreiches angeworben wurden und bei der Aussicht auf Beute nicht lange überredet werden mussten. Alles in allem handelte es sich um durchaus zumindest semi-professionelle Truppen und keine de-facto-Sklaven.
     
  9. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Die Phalanx-Taktik wurde bereits fast zwei Jahrtausende früher in Sumer praktiziert. Die Geierstele (um 2500 BCE), ein Dokument der Auseinandersetzung zwischen dem König von Lagasch, Eannatum, und der rivalisierenden Nachbarstadt Umma, zeigt eine Gefechtsformation der Armee von Lagasch im Stile einer Phalanx, siehe angehängtes Bild.

    Dazu auch:

    https://archive.org/stream/WarfareInTheAncientNearEastTo1600BCBySamySalah/Warfare%20in%20the%20Ancient%20Near%20East%20to%201600%20BC%20By%20Samy%20Salah_djvu.txt

     

    Anhänge:

  10. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Vorgestern war der Tag, an dem 168 v. Chr die Schlacht von Pydna stattgefunden haben soll.

    Die Römer versuchten anfangs dort, die Spitzen der Sarissen der Phalanx abzuschneiden,oder die Sarissen herunterzudrücken, was beides aber nicht gelang. Es ist gut möglich, dass andere Heere das auch versucht hatten.

    Ausserdem, in der Schlacht am Hydaspes , hatten die Elefanten durchaus die Phalanx frontal durcheinander gebracht und konnten sie teilweise zerbrechen.
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Phalanx war über Jahrhunderte die Ultima Ratio der antiken Kriegskunst. Epaminondas verbesserte sie bei Leuktra durch die "schiefe Schlachtordnung" Statt wie üblich auf dem rechten Flügel die besten Truppen zu konzentrieren, verlegte er den Schwerpunkt auf den linken Flügel und ließ diesen besonders tief staffeln. Philipp und Alexander verlängerten die Länge der Spieße und kombinierten die Phalanx mit einer schlagkräftigen Kavallerie. Pferde wird man kaum dazu bringen können, in einen Wald aus Lanzen zu stürmen, bei Kriegselefanten kamen die Makedonen durchaus in Verlegenheit.

    Allerdings haben Elefanten auch viele Nachteile. Sie können auf kurze Strecken erstaunlich schnell laufern, und die psychologische Wirkung auf Truppen, die mit diesen Tieren nicht vertraut waren, muss beachtlich gewesen sein. Sie müssen aber jahrelang als Kriegselefanten trainiert werden, sie sind schlechte Futterverwerter und krepieren leicht, wenn sie falsch gefüttert werden. Sie können leicht überhitzen, wenn sie zu stark belastet werden. Ihre Ausdauer ist geringer als die von Pferden. Ihr Lebenszyklus ähnelt dem von Menschen, es dauerte sicher 16-20 Jahre bis ein brauchbarer, ausgewachsener Kriegselefant herangewachsen war. Jeder Elefant braucht auch einen guten Mahout, der sich um diesen einzigen Elefant kümmern muss. Bis der kampftauglich ist, vergehen sicher auch 17-20 Jahre. die Moghulherrscher verwendeten lange Kriegselefanten, es gab eigene Elefantenpanzer und Stoßzahnschwerter. Elefanten überhitzen aber auch schnell, und sie gerieten wohl relativ leicht außer Kontrolle. In Indien trug jeder Mahout nicht nur einen Ankus, ein bootshakenähnlicher Stab, mit dem der Elefant wie ein Pferd mit Sporen gelenkt wird, sondern auch einen Meißel, mit dem der Mahout einen außer Kontrolle geratenen Elefanten tötete, indem er diesen Meißel dem Dickhäuter ins Genick trieb. Die Besatzung war zwar in den Tragekörben relativ gut geschützt, der Mahout aber ist auf dem Hals des Elefanten sitzend sehr exponiert. Eine Hand braucht er, um den Ankus zu halten. die Römer bildeten Stoßtrupps, die den Dickhäutern die Achillessehnen kappen sollten, und auch durch Feuer, Verletzungen und ähnliches in Panik zu versetzen.
    aber zurück zur Phalanx! Sie hatte ihre Vorteile, Feigheit vor dem Feind war nicht nur ehrenrührig, sie war praktisch unmöglich. Die Vorderen wurden von den Hinteren nach vorne geschoben. Jeder, der schon einmal in einer Warteschlange stand, weiß, wieviel Druck die Masse hinter einem ausüben kann. Der Nachteil der Phalanxformation bestand darin, dass sich die Formation kaum mehr umgruppieren ließ, und sie von den Flanken her verwundbar war. Auch dürfte ein Hagel von Pilumwürfen einer Phalanx Probleme bereitet haben. Die Römer konnten mit ihrer Ausrüstung sich schneller umgruppieren, und im Nahkampf mit Scutum und Gladius waren sie den Makedonen gegenüber im Vorteil.
     
  12. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Ist der Niedergang der Phalanx nur darauf zurückzuführen dass sie zu steif gegen die Römer war, oder dass die Generäle nach Alexander zu unfähig waren sie richtig zu befehligen/kombinieren mit anderen Truppenteilen?

    Ich mein bei Pydna hat es den entscheidenen Stoß der Kavallerie nicht gegeben, sonst würde man heute von einem großen Sieg der Phalanx gegen die Römer sprechen.
     
  13. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Generäle werden nicht besser oder schlechter gewesen sein. ;)
    Eine Phalanx schützt sich selbst, aber halt nur nach vorne. Die römische Infanterie kannte mit der Schildkröte ähnliche Defensivformationen. Allerdings war insgesamt die römische Taktik flexibler und die nötige Ausrüstung etwas besser auf dem Marsch. Letztlich sind es Verbesserungen auf hohem Niveau. Die Römer konnten alles bieten: Ausreichend Geld um ein Berufsheer trainieren zu lassen, genügend große Heere um der Infanterie auch Plänkler, Bogenschützen, Reiterei usw. bei zu geben und letztlich auch eine Wirtschaft, die die Ausrüstung liefern konnte.

    Vergleicht man die Phalanx in ihren besten Zeiten, dann ist die römische Legionstaktik sicher nicht mehr so überlegen wir später in den Kriegen gegen die Römer.
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Den entscheidenden Stoß der Kavallerie gab es nicht, weil Perseus mit seiner Kavallerie nicht angriff, sondern sich zurückzog (ob aus Feigheit oder aus anderen Gründen, war bereits in der Antike umstritten). Außerdem war die Schlacht eher ungeplant improvisiert begonnen worden, und so fand sich die Phalanx auf ungünstigem Gelände wieder, auf dem sie ihre Formation nicht halten konnte, als sie den bereits zurückweichenden Römern nachsetzte (wobei das Marschieren in breiter Linie schon auf idealem Gelände nicht unkompliziert war). Die Formation zu halten ist aber nun einmal das Um und Auf beim Einsatz der Phalanx; bricht sie auf, kann der Feind in die verwundbaren Lücken dringen. Ob die Schlacht noch zu retten gewesen wäre, wenn Perseus eingegriffen hätte, ist müßig zu spekulieren. Das Hauptproblem war nun einmal das Zerbrechen der Phalanx.
     
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  15. Phalangit

    Phalangit Mitglied

    Alexander nutzte die Phalanx auch auf unebenem Terrain,und meist sogar offensiv, wo man nicht weiß wohin der Weg führen wird-ob die Phalanx nach ein paar Metern sich aufspaltet-trotzdem erfüllte sie immer oder fast immer ihre Aufgabe. Die Römer bei Pydna zu verfolgen war vielleicht nicht eine so schlechte Idee,damit sie sich nicht reorganisieren, sofern aber Unterstützung der Kavallerie sicherzustellen war. Damit kommen wir wieder zur Unfähigkeit/Unstimmigkeit der oberen Generäle.

    Bei Makedonien zur Zeit Pydnas denke ich war das nicht anders , seit Phillip und Alexander.
     
  16. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und die Phalanx war schon vorher gescheitert. Weshalb die Römer sie weiterentwickelten. Da hatte es im Osten an Anlässen gefehlt. Und es war ja gerade die Kriegführung jenseits des Golfrasens zu denen "Bergstämme" und wohl auch Kelten in Italien zwangen. Das Geländer der Schlacht war also das, wofür die Manipulartaktik geschaffen war, während sie für eine Phalanx ungünstig war. Zudem ist die römische Taktik durchaus als flexible Phalanx zu betrachten.
    Vor einiger Zeit gab es ein Video einer übenden koreanischen Polizeieinheit im Netz, das verdeutlicht, was durch eigenständige Bewegungen von Abschnitten einer Phalanx möglich ist. Wenn das noch zu finden ist, sagt es mehr als alle Beschreibungen.
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das Kernproblem der Phalanx war nun einmal, dass sie nur funktionierte, solange sie den Gegner vor sich hatte und solange sie zusammenhielt. Im Einzelgefecht Mann gegen Mann hatten die Phalangiten anderen Infanterieeinheiten wenig entgegenzusetzen. Die Römer hatten in ihren Schlachten anfangs meist große Probleme gegen die gegnerische Phalanx, schafften es aber meist, sie zusammenbrechen zu lassen, oder diese erledigte das gleich von selbst.

    Allerdings glaube ich, das Thema eignet sich nicht wirklich für pauschale Urteile. Sonderlich oft traten gar nicht Legionen gegen die Phalanx an, und es waren stets noch andere Truppengattungen beteiligt. Letztlich müsste man jede Schlacht für sich allein analysieren. Es war ja auch nicht so, dass die hellenistische Armee immer verlor, siehe Pyrrhos. Manchmal war es auch wirklich die Schuld des Feldherrn, siehe insbesondere die Schlacht bei Magnesia, als Antiochos sein Heer faktisch im Stich ließ, um mit seiner starken Kavallerie das römische Lager zu plündern.

    Die Phalanx war keine reine Defensivformation.

    Was den Rest betrifft: Auch die hellenistischen Heere setzten sich meist aus sehr vielen verschiedenen Truppenteilen zusammen und litten - bezogen auf einzelne Schlachten - normalerweise nicht unter einem Mangel an gut ausgerüsteten professionellen Truppen. Im Gegenteil: Zur Zeit der großen Schlachten gegen hellenistische Heere hatten die Römer noch kein Berufsheer. (Das war erst beim Nachspiel, den Schlachten gegen Mithridates, der Fall.) Da waren die Phalangiten oft professionellere Soldaten, wozu dann noch diverse Söldner kamen.
    Was Du schreibst, kam eher erst nach der Schlacht zum Tragen: Im Gegensatz zu den Römern, die auch nach wiederholten Niederlagen weitermachten, gaben hellenistische Herrscher nach ein oder zwei großen Niederlagen auf (bzw. mussten aufgeben, weil ihre Ressourcen, auch an verfügbaren Mannschaften, erschöpft waren), hatten also einen kürzeren Atem. Es erklärt also eher, warum die Römer die Kriege gewannen, weniger die einzelnen Schlachten.
     
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  18. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Natürlich nicht. Aber hier ging es mir auf die Möglichkeiten der Verteidigung. Da waren die Römer flexibler.

    Die Römer haben im vierten Jahrhundert vor Christus die Phalanx durch ihre Manipeltaktik ersetzt. Ich weiß nicht, ob einzelne Ereignisse diese Entwicklung befeuert haben oder ob es eine Verbesserung über mehrere Jahrzehnte war. Aber offenbar lag diese Entwicklung für die Römer auf der Hand und für 300 Jahre der Expansion brauchte es keine Änderungen. Es konnten also Milizsoldaten so schnell von den erfahreneren Soldaten angelernt werden, dass die Ordnung gehalten wurde. Mir erscheint das Marschieren im Manipel auch als einfacher, aber die Bundeswehr liegt bei mir lange zurück... ;)
     
  19. Rhys

    Rhys Mitglied

    Servus,
    ich möchte auch gern meinen "Senf" dazugeben:
    Dazu zurück zur Kernfrage, warum ein Gegner " gezwungen war, eine Phalanx anzugreifen.

    Das war meines erachtens eher eine taktische als eine strategische Frage.
    Erst mal war es wichtig, den Gegner zum Kampf zu zwingen.
    Dies konnte man oft dadurch erreichen, in dem man auf wichtige Wirtschaftszentren des Gegners zumarschierte.( Erzminen, wichtige Siedlungen u.ä. ). Dadurch war der Gegner gezwungen, sich entweder dem Heer zu stellen, oder diese Zentren aufzugeben. Letzteres konnte natürlich nicht allzuoft getan werden.
    Dazu war z.B. eine gute Aufklärung, der geeignetste Anmarschweg und das Gebiet der vorraussichtlichen Schlacht zu beachten. Im Idealfall näherte man sich dem Gebiet, indem man versuchte, die örtlichen Begebenheiten zum Vorteil zu nutzen . Ein schroffer Hang, ein kleiner Fluss oder auch nur dichtes Gestrüpp konnte einem eine Flanke sichern, so das die leichten Abschirmeinheiten auf die andere Flanke konzentriert werden konnten.So blieb dem Gegner nur die Wahl, sich der Schlacht zu stellen oder das Gebiet aufzugeben.
    Auf diese Weise konnte eine Phalax sowohl offensiv als auch defensiv gut zur Geltung kommen.

    Noch was zum Thema Legion gegen Phalanx:

    Ich denke, gerade die Aufteilung in Manipel und deren Vielseitigkeit stellten an sich ( auch ohne die verbesserte Waffen- und Rüstungstechnik) bereits einen immensen Fortschritt dar, da diese einzelnen Segmente einzeln manövriert werden konnten, ohne den Vorteil eines Formantionskampfes aufzugeben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2017
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So etwas hat man ja häufiger - ganz unabhängig von Phalangen - bei Schlachten; eine Schlacht scheint gewonnen, aber als ein Teil der scheinbar siegreichen Streitmacht beginnt das gegnerische Lager zu plündern, gewinnen die zuvor Unterlegenen die Oberhand. Nun ist allerdings zu fragen, ob die Kritik nicht ex post kommt. Versetzen wir uns in die Lage des Feldherren, meinetwegen Antiochos. Der reitet nun mit seiner Reiterei in das Lager der Gegner, um dieses zu plündern. Lässt er damit wirklich seine Phalanx im Stich oder hat er nicht einfach nur Pech bei einem Vabanque-Spiel? Hätte er nicht genauso gut damit rechnen können, dass die Scipionen in Reaktion auf seinen Angriff auf das Lager von der Phalanx abließen und stattdessen versucht hätten, ihr Lager zu retten? Das wäre doch eine erwartbare Reaktion.
     

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