Politische Debattenkultur in der BRD

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von thanepower, 12. September 2017.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Das ist in der Tat bedauerlich. Er war sicherlich eine der interessantesten Personen aus dem Umfeld der CDU. Neben u.a. R. Süssmuth war es eine Generation, die "streitorientiert" war, aber auch einen klaren wertekonservationen Horizont vertraten. Das ist wohl eine der Erklärungen, warum Geißler den Weg vom "Scharmacher" hin zu einem reflektierten und kritischen Politiker - vor allem - im Alter ging. Politiker wie er fehlen der CDU im allgemeinen und der politischen Kultur von Berlin im konkreten. RIP Heiner Geißler! Die politische Historie wird Dir ein wohlwollendes und respektables Denkmal als Andenken setzen, da wird man sich wohl sicher sein können.
     
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  2. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Da war mal was ... Eine Aussage. Die mit dem Pazifismus, der Auschwitz erst ermöglicht habe. Hat mich damals schwer empört, die Friedensbewegung mit den NS-Verbrechen zu verknüpfen. Liest man es in dem Sinne dass man den Faschisten nur mit Gewalt begegnen konnte, sieht es ganz anders aus.
     
  3. hatl

    hatl Premiummitglied


    Das ging mir auch so.
    Und richtig schmutzig war es von ihm, im Rahmen der Pershing2-Diskussion, die SPD als "fünfte Kolonne Moskaus" zu bezeichnen.

    Eine liebe Freundin bezeichnete später gar, den geläuterten Heiner, als "Gottesbeweis".
    Denn dass aus einem "Scharfmacher", wie Thane sagt, später so ein nachdenklicher Mensch werden kann...
    das gibt ja Hoffnung.

    RIP Heiner
     
  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ein der Granden der deutschen Politik und ein unbequemer Mahner über alle Parteien hinweg.

    RIP Heiner Geißler

    Ich höre zum ersten Mal von diesem Zitat: nach ein wenig Gugelei kann ich den Ineressierten hier noch den Link zum entsprechenden Bundestagsprotokoll liefern: S. 755 des Protokolls = S. 69 des PDF-Dokuments

    http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/10/10013.pdf
     
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  5. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ja, solche Sprüche waren heftig. Aber die Gegenreden waren damals auch nicht gerade konziliant :D
    Da war Politik noch Auseinandersetzung um Positionen und Interessen, und kein Beliebtheitswettbewerb. Seufz.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bislang hatten wir keine Diskussionen innerhalb des Themas Nachrufe.

    Soll zu den Geißler-Zitaten, zB die abgeänderte Übertragung der britischen Appeasement-Kontroverse, ein zeitgeschichtliches Thema eröffnet werden?
     
  7. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Willy Brandt nannte ihn ja "den schlimmsten Hetzer seit Goebbels in diesem Land"
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Off-topic: gute Idee, hier bieten sich mehrere Themen an:

    • Bewertung der Appeasement-Poliktik der 30er Jahre
    • NATO-Doppelbeschluß ("atomarer Holocaust" vs. "weltweiter Archipel GULag")
    • "Aus Geschichte lernen"
    • Holocaust- und Auschwitz- und Nazivergleiche (ein überaus heikles Thema)
     
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Eher wohl ein Thread zur Veränderung der Diskussionskultur in der Bundesrepublik Deutschland. Brandt und Kohl, Bahr und Geißler standen ja nicht allein. "Nazi-Sau" und "Kommunisten-Schwein" waren auf tieferer Ebene zu hören und manchmal kam es auch zwischen den Anhängern gemäßigter Parteien noch zum Einsatz der Fäuste. Im Paderborner Land war bei der CDU-Basis ein großes Thema, ob die SPD nicht verboten werden müsse, da sie als Erfüllungsgehilfe der UdsSR galt. Und bei der SPD-Basis gab es andere Einfälle bezüglich der CDU. So etwas brachte die Parteioberen zum Einlenken. Jedenfalls meiner Ansicht nach. Als so die Forderung nach einer gesitteteren Diskussionskultur aufkam, wurde darüber gestritten, ob das mit der Demokratie vereinbar sei. Zustände, die den heutigen nicht unähnlich sind, wurden von beiden Seiten als Horrorvision empfunden. Von mir immer noch. In der Schule ließen die Lehrer uns darüber diskutieren, um das Diskutieren zu lernen.

    Da müsste dann aber eine klare Grenze gezogen werden. Wie ich schon schrieb, ist mir die Diskussion noch immer recht lebendig. Anderen wird es ebenso gehen.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Beiträge aus dem Thema Nachrufe (bezogen auf Heiner Geißler) hierhin verschoben.
     
  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In seiner Rede im Bundestag bezieht sich Heiner Geißler auf ein Interview mit Joschka Fischer und Otto Schily, das diese kurz zuvor dem Spiegel gegeben haben:

    SPIEGEL Gespräch: „Wir sind ein schöner Unkrautgarten“ - DER SPIEGEL 24/1983

    Dabei wurden von den beiden Politikern der Begriff "atomares Auschwitz" (gemeint ist ein nuklearer Schlagabtausch) verwendet.
     
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  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Dass interessante an dem Umgang mit Nazi-Vergleichen in der frühen BRD ist, dass die politischen Akteure den 2. Weltkrieg selbst erlebten hatten und auch die Politik für die Täter und Opfer des 2. Weltkrieges gestalteten. Die Teilnehmer der Debatten wussten ganz genau wovon sie reden.

    Spannend ist hier auch das Fortwirken des von den Nazis aufgebauten russischen Feindbildes, dass durch die Erfahrung von Flucht, Vertreibung und Kriegsgefangenschaft nochmals vertieft wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. September 2017
  13. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Es war wohl gerade deshalb für alle um so wichtiger, den braunen Peter den anderen und sich selbst die Opferrolle zuzuschreiben.
    Was anderes: Dregger erregte mal Aufsehen, als er erklärte er sei stolz darauf, als Soldat die Heimat gegen die Rote Armee verteidigt zu haben (bezog sich wohl auf das Kriegsende). Da wog ihm der Zuspruch ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und Vertriebener schwerer als die zwangsläufig folgende laute Kritik von Leuten, die ohnehin nie CDU gewählt hätten. Es waren wohl auch solche Aussagen, bei denen man zwar den Appetit verliert die aber die NPD klein hielten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. September 2017

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