Raucherbestattung 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von dekumatland, 5. September 2018.

  1. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    Ein Kuriosum (?) ist auf Borkum im Turm der alten Kirche / Walfängerfriedhof ausgestellt: Raucherbestattung 1.jpg
    Raucherbestattung 2.jpg
    Raucherbestattung 3.jpg

    manches ist an der Geschichte der Insel Borkum kurios, manches richtig häßlich (man denke an den Bäderantisemitismus) - aber ganz speziell bemerkenswert fand ich diesen "dentistischen" musealen Nachweis, dass das rauchen nicht so ganz gesund war in der guten alten Zeit, als die Walfänger ihre Gartenzäune wenig ökokonform aber durchaus bio gestalteten:
    Walkinnladen Zäune.jpg
    Walkinnladen-Zaun 18.Jh.
     
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  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Mein lieber @dekumatland:

    Damals gab es ja auch noch nicht die Gesundheitspfeife von Dr. Perl.
    Hergestellt von der Pfeifenmanufakturfabrik VAUEN zu Nürnberg, die zu besuchen mir zur Ehre gereichte. Gewissermaßen Erfinderin der Gesundheitspfeife, die 1927 so beworben wird;
    Ein Professor Dr. P.H. in K., einer der „täglich freiwillig“ Preisenden:
    „Früher konnte ich die englischen und amerikanischen Kurzpfeifentabake
    nicht vertragen, jetzt rauche ich oft eine ganze Kette dieser Shags (sic!) aller Sorten ohne Beschwerde.“
    http://www.simplicissimus.info/uploads/tx_lombkswjournaldb/pdf/1/32/32_15.pdf
    PDF-Seite-7 oben rechts.

    Der spätere Gesundheitspfeifer Vauen wurde 16 Jahre nach der Geburt von Wilhelm Bush gegründet.

    Letzerer war auch ein solcher (Gesundheitspfeifer):
    „Drei Tage war der Frosch so krank.
    Jetzt raucht er wieder.
    Gott sei Dank!“

    Und das, obwohl der Frosch zu Buschens Zeiten nicht in den fortschrittlichen Genuss der Gesundheitspfeife gelangen konnte.


    P.S.:

    Interessant finde ich den Zahnbefund. Auf einem Röhrchen aus gebranntem Ton rumzukauen hinterlässt wohl recht typische Spuren.
     
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  3. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied


    Diese Firma hatte ich auch mal besucht. Im Eingangsbereich hängen Bilder von bekannten Pfeife-Rauchern.
    "Gesundheitspfeife" bedeutet "mit Filter", wenn ich mich richtig erinnere. Das ist in der Tat ein Segen, wenn man diesem Laster frönt.
    Leider scheint die Pfeife mehr und mehr auf dem Rückzug zu sein - in Norwegen wüsste ich nicht einmal, wo ich den Tabak dazu herbekommen könnte. Ich kann mich an exakt einen Pfeifenraucher hier erinnern...

    Rauchiger Gruss, muheijo
     
  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    So ein Zufall!
    genau da habe ich zum ersten Mal die "Gesundheitspfeife" gesehen. :D
    So ein Mensch auf einem Bild mit Schieberkappe der, hoho!, eine Gesundheitspfeife gutgelaunt in Händen hält.
    Ich bin da aber nicht aus Norwegen gekommen,
    ..sondern aus Nürnberg und war erstaunt wie zentral in meiner Stadt (Landgrabenstraße) ein doch ziemlich großes Produktionsgelände liegt. Und das wirklich unauffällig. Man kann sich das ja mal auf Google-Earth anschauen.
    Das war wirklich schon auch eine Zeitreise, und als die Fa. 1848 gegründet wurde, befand sich diese wohl eher an der Peripherie der Südstadt.

    Wie Du sagst: es gibt ja keine Pfeifenraucher mehr. Na gut, vielleicht noch einen in Norwegen. ;)
    (Die letzten Pfeifenraucher, die ich erlebte, rauchten nicht "die englischen und amerikanischen Kurzpfeifentabake" sondern nordafrikanische Produkte und solche aus der Levante. Und auch diese, nicht die Produkte, sind fast ausgestorben.)
    Und so kann diese Manufaktur, oder Fabrik, heute tatsächlich nur als Gobal Player existieren.
    Vielleicht ist das der verrückteste Teil der Geschichte, wenn man den Laden gesehen hat.

    Auch rauchiger Gruß, hatl
    Aber wie kommt ein Norweger in die Landgrabenstraße??
     
  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ich habe meine Pfeifen jedenfalls noch nicht weggeworfen, auch wenn ich mir den Genuss wegen meiner angeschlagenen Gesundheit nur noch selten gönne.
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gibt doch sogar seit 1969 einen Preis für den Pfeifenraucher des Jahres, der sich zu seinem/seiner Laster/Leidenschaft bekennt und typische Eigenschaften eines Pfeifenrauchers besitzt: Individualität, Eigenständigkeit im denken, Selbstbewusstsein, Kritikfähigkeit u. a.

    zu den ausgezeichneten gehörten Helmut Kohl, Herbert Wehner, Loriot, Kuli. Golo Mann bekam den Preis 1979, wegen irgendeiner Äußerung erhielt er aber auch von irgendeiner Zeitung das Prädikat einer "Pfeife des Jahres.

    Ausgestorben ist das Rauchen von Tabakpfeifen nicht, verschwunden ist allerdings das Rauchen von Opiumpfeifen. Lediglich afghanische und iranische Immigranten pflegen noch gelegentlich diesen Brauch.

    Opiumpfeifen und Opiumlampen tauchen nur sehr selten im Antiquitätenhandel auf. Mein Großonkel, inzwischen weit über 90 Jahre alt, besitzt noch eine wunderschöne Rauchgarnitur, die sein Vater, mein Urgroßvater vor dem Weltkrieg aus Tsingtau mitgebracht hat. Aber aus dem Teil ist seit 100 Jahren nicht mehr geraucht worden.
     
  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ganz kurz:
    Der "Norweger" ist ja ein Deutscher, und der hat früher mal als Außendienstmitarbeiter für Verpackungen gearbeitet.

    Gruss, muheijo
     
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Edzerdla. :D
     

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