Regenbogen und ihre Wahrnehmung in der Geschichte

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von El Quijote, 8. August 2018.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Ich befinde mich dieser Tage in den Highlands und wir sichteten heute zwei Regenbogen. Vor allem der erste war außerordentlich schön. Ich witzelte, dass wenn wir in Irland wären, wir jetzt auf die Suche nach dem Goldtopf gehen könnten. Kaum hatte ich das gesagt, war es um den Historiker in mir geschehen:
    - Wo kommt das eigentlich her mit dem Goldtopf und dem Kobold, ich kenne das eigentlich nur aus dem amerikanischen Fernsehen - handelt es sich dabei wirklich um irische/inselkeltische Mythologie oder eine Zuschriebung?
    - Was haben eigentlich andere Völker mit dem Regenbogen angefangen? Ich will mich da gar nicht unbedingt auf die europäischen oder mediterranen Völker beschränken oder auf Antike und Mittelalter, aber gerade dort ist mir noch nie bewusst untergekommen, dass ein Regenbogen mal thematisiert worden sei. Er ist zwar alles andere als selten, aber eben auch nicht alltäglich. Nicht, dass ich Plinius' Naturalis Historia jemals in Gänze gelesen hätte oder Isidors Etymologien - aber findet sich dort etwas zum Regenbogen? Das wären ja zumindest - neben der Bibel (die Etymologien waren das neben der Bibel meitverbreitetste Werk im lateinischen Mittelalter) - für das MA anschlussfähige Quellen. Klar, die Bibel nimmt den Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen Gott und Noah bzw. dem Menschen. Hat das christliche (also auch byzatinische) MA das darauf beschränkt? Oder fallen euch Erwähnungen des Regenbogens und ihre Deutung über die biblische Geschichte hinaus ein? Sagen wir mal bis ca. 1650. (Danach werden interessante Quellen natürlich nicht ausgeschlossen, aber ich nehme mal an, dass etwa in dieser Zeit eher physikalische Erklärmodelle - ob richtig oder falsch ist dabei egal - wichtiger werden.
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In der griechischen Mythologie war die Götterbotin Iris die Göttin des Regenbogens.

    In der nordischen Mythologie sind Midgard und Asgard durch den Regenbogen Bifröst verbunden, der vom Asen Heimdall bewacht wird.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Danke sehr. Aber wie reagierten "die Griechen" auf die Sichtung eines Regebogens? Nahmen sie ihn als Zeichen wahr? Oder als erklärbares Naturphänomen?
     
  4. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    In der Mythologie der Mayas tritt der Regenbogen in Erscheinung bei der Gottheit Ixchel, eine Erd- und Mondgöttin. Sie ist Schutzgöttin des Wassers, des Regenbogens und der Schwangeren.

    Bei den Inka ist der Regenbogen die Gottheit K'uychi.

    In der Schöpfungsgeschichte der Aborigines wird eine Regenbogenschlange als Schöpfer der Welt und aller Lebewesen verehrt.

    In der chinesischen Mythologie wird der Regenbogen als ein Riss im Himmel gesehen, der von der Göttin Nüwa mit farbigen Steinen geschlossen wird.

    Bei den Babyloniern hält Marduk seinen Bogen zum Zeichen des Sieges (über die Göttin Tiamat, die alle anderen Götter durch eine Flut vernichten wollte) hoch und platziert diesen im Himmel. Ein bogenförmiges Sternenbild soll daran erinnern, dass er die Gefahr der Flut gebannt hat.
    Diese Vorstellung findet Eingang im Alten Testament, wo nach der Sintflut der Regenbogen als Zeichen des Bundes gilt den Gott mit Noach und den Menschen schließt.

    In der indischen Götterwelt nutzt Indra, Gott des Himmels, des Sturmes und des Regens, den Regenbogen um die Dämonenschlange Vritra mit Blitzen zu töten.
    Auch in Person der Göttin Maya tritt der Regenbogen in Erscheinung, ihre Symbole sind neben Spinnennetz und Schleier die sieben Farben des Regenbogens.
     
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  5. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Eine Version der Goldtopfgeschichte hängt mit den keltischen Münzprägungen der sogenannten Regenbogenschüsselchen zusammen - nach Vermutungen von Historikern (Quelle muss ich schauen, bin auf dem Sprung zur Arbeit) könnte es damit zu tun haben, dass die Regenbogenschüsselchen nach starken Regenereignissen auf Äckern freigespült worden sind, und daher am Ende des Regenbogens tatsächlich ein Goldschatz wartete - also eine Volksmythologie aufgrund tatsächlicher Goldfunde.
     
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  6. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Wenn die Schüler des Aristoteles aufgepasst haben, dann sollten zumindest “einige Griechen“ den Regenbogen als erklärbares Naturphänomen betrachtet haben können. Aristoteles war in der Lage den Regenbogen in weiten Teilen wissenschaftlich zu erklären.
    Meteorologie, 3. Buch

    Dem großen Freund bedeutungsvoller Zeichen Sueton zufolge, könnte der Regenbogen als etwas Hoffnungsvolles gesehen worden sein. Er berichtet, dass, als Augustus nach der Ermordung Caesers von Apollonia kommend in der Stadt Rom einzog, ein Zirkelreif um die Sonne (Halo) zu sehen war, der wie ein Regenbogen gestaltet gewesen sei.
    Kaiserviten, IV, 95

    Edit:
    Lucius Annaeus Seneca sammelt meteorologische Erkenntnisse und Theorien vornehmlich griechischer Autoren und stellt im Meteorbuch den Regenbogen ins Zentrum seiner Betrachtungen über verschiedene Lichterscheinungen die mehrheitlich durch das Aufeinandertreffen von Sonnenlicht und Wasser (Wolken, Regentropfen, etc.) hervorgerufen werden.
    Naturales quaestiones, I
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2018 um 11:44 Uhr
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Die Regenbogenbrücke "Bifröst" zwischen Midgard und Asgard taucht in Edda und Liederedda auf, musikalisch sehr glanzvoll inszeniert am Ende von Wagners Rheingold. ...ein so poetisches Bild (der Regenbogen als Brücke zwischen Erde und Götterwelt) hätte man den grimmigen fellbehangenen Hörnerhelmrabauken erstmal gar nicht zugetraut ;):D
     
  8. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Cicero lässt in “Vom Wesen der Götter“ den Skeptiker Gaius Aurelius Cotta eine, an den Stoiker Quintus Lucilius Balbus gerichtete, philosophisch rhetorische Frage stellen.

    Wenn Sonne (Sol) wie Mond (Luna) Götter seien, und dies gelte auch für andere Fix-Gestirne, warum nicht auch für den, aufgrund seiner Schönheit, die Menschen in Erstaunen versetzenden Regenbogen? Da dieser aus Wolken entstehe, müssten dann auch diese selbst göttlicher Natur sein, wie auch weitere meteorologische Ereignisse. Das römische Volk würde ja auch die Stürme verehren, und Heerführer brächten den Wogen ein Opfer dar bevor sie in See stächen.
    Des weiteren würden die Erde (Ceres) wie das Meer (Neptun) verehrt, wie auch in den Formeln der Auguren Flüsse wie beispielsweise der Tiber. Eine derartiges Prinzip des Vergötterns sei uferlos und deshalb nicht zu billigen.
    (De natura deorum, III 51-52)

    Vom Wesen der Götter / De natura deorum
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2018 um 14:50 Uhr
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Plinius 2,59:

    Arcus vocamus extra miraculum frequentes et extra ostentum. nam ne pluvios quidem aut serenos dies cum fide portendunt. manifestum est radium solis inmissum cavae nubi repulsa acie in solem refringi, colorumque varietatem mixtura nubium, ignium, aeris fieri. [etc. etc.]
    =
    Was wir Regenbögen nennen, ist häufig und hat weder etwas mit Wundern noch mit Vorzeichen zu tun. Denn sie kündigen nicht einmal regnerische oder heitere Tage mit Zuverlässigkeit an. Es ist offenbar so, dass ein Sonnenstrahl, der in eine hohle Wolke fält, an der Spitze zur Sonne zurückgeworfen und gebrochen wird, und die Verschiedenheit der Farben ergibt sich aus der Mischung aus Wolken, Feuer und Luft ...

     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Immerhin der Versuch einer rationalen Erklärung. Aber steht Plinius damit exemplarisch für Rom?

    Das halte ich für keine zufriedenstellende Erklärung. Die Goldtopfgeschichte verbinde ich vor allem mit Irland wohingegen die Regenbogenschüsselchen doch eher ein kontinentales Phänomen sind - oder irre ich mich in einem oder gar beiden dieser beiden Punkte?
     

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