Rotteten die Mongolen Völker aus?

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von Gast, 9. November 2008.

  1. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied


    Die Tanguten sollen angeblich im Jahre 1227 von den Mongolen ausgerottet worden sein. Aber wahrscheinlich überlebte ein Rest der Tanguten. Die Tangutische Sprache war nämlich bis ins 16. Jh. im Gebrauch. Es ist aber auch gut möglich, dass die Tanguten gar nicht ausgerottet, sondern lediglich gewaltsam unterworfen wurden. Weiß jemand genau, was mit den Tanguten geschah?
     
  2. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied

    Nach meinen Informationen war die überwiegende Mehrheit der Krieger Mandschuren.
     
  3. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied



    Das waren die Großseldschuken (1040-1157). Die Rumseldschuken herrschten nur in Anatolien.
     
  4. Dies kann man nicht eindeutig mit ja beantworten.

    Einerseits waren die Mongolen des 13. Jahrhundert schon ein recht barbarischer Haufen - zerstörung Baghdads mit 100 000 bis 1 Million getöteten Menschen, Kiev mit seinem Goldenen Tor wurde zu einem dörfchen reduziert etc- doch dies geht eher auf den "Städtehass" der Mongolen zurück.

    Da diese Nomaden waren - verabscheuten sie Städte und wenn man sich ihnen nicht ergab und wiederstand leistete - waren diese noch zusätzlich erzürnt.
     
  5. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht, ob sie Städte verabscheuten, aber von ihrer Kultur und Lebensform her waren sie wohl kaum in der Lage oder willens, eroberte Städte zu beherrschen. Dazu hätten sie ihre Lebensweise aufgeben müssen und ihre Anzahl war dazu evtl auch nicht groß genug, um in jeder eroberten Stadt eine sesshafte Oberschicht zu stellen.

    Als Alternative blieb also im Prinzip nur, die Bewohner einer eroberten Stadt zu massakrieren, denn sonst hätten sich diese nach Abzug der Eroberer mit anderen Städten verbünden, ihre militärischen Anstrengungen steigern, sich besser befestigen und nicht zuletzt auch an Rache denken können. Da war es einfacher, eine eroberte Stadt so zu schwächen, dass für längere Zeit von dort keine Gefahr mehr drohte.

    Viele Grüße

    Bernd
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der hier unterstellte "Städtehass" der Mongolen ist eine denkbar schlechte Erklärung. Was ist z.B. mit Karakorum?
     
  7. Als von Dschingis Kahn gegründete Hauptstadt des Mongolenreiches war dies natürlich etwas anderes als alle anderen Städte.

    Zudem ist nicht gerade überliefert wie diese "Stadt" genau zusammengesetzt war. Nach den neuzeitlichen Darstellungen macht sie eher den Eindruck eines größeren Dorfes.
     
  8. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    So einiges ist da schon überliefert. Den Vergleich mit Kiew brauchte Karakorum kaum zu fürchten.
    Von der Millionenstadt Khanbalik wollen wir erst gar nicht reden....
     
  9. Mirtos

    Mirtos Mitglied

    Hallo. Laut Wikipedia wurden allein im Umfeld von Merv bei der Belagerung über 1Million Menschen von den Mongolen getötet. Inbegriffen mehrere hunderttausende Flüchtlinge die in den Stadtmauern Zuflucht gesucht haben. Also Menschenleben haben für die echt nichts bedeutet. Solange es nicht die eigenen Leute waren. Echt übel.
     
  10. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Wenn das so stimmt, dann sind die folgenden Berichte der Eroberungen wohl eher schreckliche Visionen der Menschen weiter im Westen die den Ansturm der Mongolen voller Angst noch zu gewärtigen hatten. Das konnte nur immer grausamer werden. Nur Handwerker mußten sich anscheinend keine größeren Sorgen machen.
    Vor allem Grousset und Brent wußten da Genaueres:

    "Der Name Mongole scheint, jedenfalls nach heutigen Aussagen zu urteilen, ein Synonym für Grausamkeiten, Barbareien, Brutalitäten, Massenmorde, Vergewaltigungen, Tötungen von Männern, Frauen und Kindern, sowie Auslöschungen ganzer Städte und Landstriche zu sein."

    "Den Angriff auf die Stadt Urgentsch in Choresam: Schließlich gelang es den Angreifern, den Kampf zu entscheiden: Brennende Naphtabehälter ließen die Stadt in Flammen aufgehen, und nach siebentägigen Straßenkämpfen war der Sieg errungen. Die meisten Einwohner wurden umgebracht, und wer noch am Leben war, mußte ertrinken: Die Eroberer leiteten den Fluß ein weiteres Mal um, und die Wassermassen ergossen sich nun auf die unterirdischen Verstecke der Überlebenden."

    „Zur Eroberung einer Stadt rekrutierten die Mongolen die gesamte männliche Bevölkerung der Umgebung, der Dörfer, der offenen Städte, und trieben sie, den Degen im Rücken, gegen die Gräben und Mauern. Was lag daran, daß diese Menschen von ihren eigenen Landsleuten getötet wurden, wenn ihre Leichen nur den Graben füllten und die wiederholten Angriffe die Verteidiger schließlich erschöpften? Manchmal verkleidete man diese Unglücklichen als Mongolen, stellte sie zu Zehnergruppen zusammen und zwang sie, eine mongolische Fahne zu tragen, so daß die Garnison, die diese Massen sich in der Ebene entfalten sah, glauben mußte, es mit einer gewaltigen Dschingiskhaniden-Armee zu tun zu haben. Dank dieser Kriegslist geschah es, daß ein schwaches mongolisches Kontingent genügte, eine Stadt zur Kapitulation zu bringen. Dann metzelte man die überflüssig gewordenen menschlichen Herden nieder.“

    ...qualifizierte Handwerker, wurden in die Mongolei deportiert.

    ...mit Ausnahme der Handwerker, die, wie auch die Frauen unter den Siegern verteilt und in die Sklaverei verschleppt wurden.

    ...mit Ausnahmen der Handwerker, die er in die Mongolei schickte.

    "Tului, der jüngste Sohn Dschingis Khans, eroberte die Stadt Merw. ...fast die gesamte Bevölkerung der Stadt wurde ebenfalls hingerichtet (Ende Februar 1221). Tului saß dabei auf einem vergoldeten Stuhl in der Ebene vor der Stadt und leitete die Massenhinrichtung. Männer, Frauen und Kinder wurden getrennt in Gruppen den verschiedenen Bataillonen zugeteilt und enthauptet. Man verschonte nur 400 Handwerker.'“

    "Besonders erschreckend wirkt die geschilderte Szene, die sich in Nischapur ereignete: „Die Witwe Toqutschars wohnte dem Massaker bei. Um Täuschungen seitens der Opfer zu verhüten, schlug man den Leichen die Köpfe ab und errichtete aus ihnen Pyramiden von Menschenschädeln, getrennt nach Männern, Frauen und Kindern. ‚Man tötete alles, einschließlich der Hunde und Katzen.’“


    Das kann auch alles ganz anders abgelaufen sein, denn es stellen sich Fragen. Wie kann man ein so großes Reich erobern und dann auch zusammenhalten, wenn man jeweils so wütet und damit die Bevölkerung gegen sich aufbringt?
     
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  11. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    oder überhaupt ausrottet
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn ich da nichts überlesen habe, geben weder die deutsche ("nach Historikern bis zu 1 Mio.") noch die englische Wikipedia (700.ooo) Aufschluss über die Herkunft der Zahlenangaben.

    In der Literatur äußert man sich vorsichtig, und weist nur vage auf übliche mittelalterliche Zahlenübertreibungen hin. Eine Quelle habe ich aber auch dort nicht gefunden.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Sicher haben die Mongolen im Zuge ihrer Eroberungen eine Spur von Tod und Vernichtung hinterlassen.

    Dennoch kann man nicht sagen, dass die Mongolen ganze Völker ausrotteten, wie das der Titel dieses Threads nahelegt. Nachdem der Furor der ersten Eroberungswelle vorüber war, ließen die Mongolen Bauern und städtische Bevölkerung in Frieden. Sie mussten allerdings hohe Tribute entrichten und natürlich den Befehlen der mongolischen Führung Folge leisten.

    Sehr gut lässt sich das anhand der Goldenen Horde beobachten, die nahezu 300 Jahre - von der Mitte des 13. Jh. bis etwa 1500 - über Russland herrschte. In dieser Zeit mussten die russischen Fürsten beim Khan regelmäßig um Bestätigung ihrer Ämter bitten, mongolischen Statthaltern Bericht erstatten, Tribut keisten und Truppen für Kriege stellen. Die russische Bevölkrung wurde somit schwer bedrückt, aber keineswegs vernichtet. Ähnlich sah das in den anderen mongolischen Herrschaften aus: dem Khanat Tschagatai, dem Khanat Sibir, dem Krimhanat oder dem mongolischen Reich der Ilchane.

    Schwere Ausschreitungen der Mongolen gab es gegnüber den Tanguten, nachdem diese sich 1226 im Reich Xia gegen ihre Besatzer erhoben hatten, Überliefert ist, dass sie Einwohner der Städte aus Rache massakrierten, doch gibt es keine verlässlichen Zahlen.

    Bekannt ist ebenfalls, dass Dschingis Khan während seines Aufstiegs vier Stämme der Tataren als Vergeltungsnaßnahme nahezu auslöschte. Überliefert ist das in der Geheimen Geschichte der Mongolen bzw. in späteren Versionen davon.
     
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