Rüstungspolitik des Hitler Regimes

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von hausmoning, 5. Mai 2016.



  1. hausmoning

    hausmoning Neues Mitglied

    Hallo,

    könnt ihr mir bitte eine grundlegende kurze Zusammenfassung zur Rüstungspolitik der NS-Zeit schreiben?
    Bzw. ein paar sehr nützliche Links geben?

    Ich wäre Ihnen sehr dankbar. :winke:
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Lass mich das für Dich googlen

    Wenn du dann konkrete Fragen hast, kannst du die natürlich gerne stellen. Dann helfen wir auch sehr gerne.
     
  3. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Hitler betrieb eine kontinuierliche Aufrüstung der Reichswehr (ab 1935 Wehrmacht) gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages. So bekam die Wehrmacht besonders ab 1936 (s. Vier-Jahres-Plan) die verbotenen Panzer-, See- und Luftstreitkräfte zurück. Zudem führte Hitler die Wehrpflicht wieder ein, sodass die Wehrmacht sehr bald weit mehr als nur 100 000 Berufssoldaten umfasste. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Regierungen Weimars und die Führung der Reichswehr auch schon vor Hitler alles getan hatten, um diese Vertragsregeln zu umgehen.
    Das brachte Hitler enormen Rückhalt in der Rüstungsindustrie (die ihn auch schon vor 1933 mit massiven Spenden ausstattete) und in Offizierskreisen. Außerdem schaffte es die Grundlage für Hitlers Außenpolitik, die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrags nach und nach rückgängig zu machen. Die großen Blitzkriegerfolge 1939/40 lassen sich u.a. auch auf die frische Aufrüstung der Wehrmacht mit modernster Militärtechnik zurückführen.
    Soweit eine sehr kurze Zusammenfassung der wichtigsten Dinge.

    Gruß
    Goldkrone
     
  4. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Für Heer und Luftwaffe ist dies sicherlich zutreffend. Bei der Marine verhält es sich anders. Richtig ist, dass - unter Verletzung des Versailler Vertrages - der U-Boot-Bau heimlich aufgenommen worden war. Durch den Deutsch-Britischen Flottenvertrag von 1935 wurde jedoch dieses Projekt legalisiert. Bis etwa 1939 wurde der deutsch-britische Flottenvertrag formal eingehalten.

    Problematisch war, dass die nach dem Flottenvertrag gebauten Schiffe durchgängig die Beschränkung hinsichtlich der Verdrängung nicht einhielten. Ob dies nun von Anfang an so beabsichtigt war oder nicht, ist für mich auch heute nicht entschieden. Bei den Schiffsentwürfen wurden wohl die durch den Flottenvertrag vorgegebenen Verdrängungen berücksichtigt. Dann wurden durch weitergehende Forderungen der Marineführung an die Konstrukteure die Verdrängung immer weiter gesteigert. Insbesondere bei den Schweren Kreuzern war die Überschreitung sehr gravierend. Dies unterschied sich deutlich von der britischen Vorgehensweise. Dort wurde die erlaubte Verdrängung je Schiff wohl penibel eingehalten.

    Generell muss man jedoch die dem Deutschen Reich auferlegte Rüstungsbeschränkungen kritisch hinterfragen. Gerne vergessen wird heute in der Wissensvermittlung, dass diese Rüstungsbeschränkungen ja durch die Siegermächte argumentativ begründet worden waren. Demnach sollte die Abrüstung der Mittelmächte eine eigene Abrüstung ermöglichen. An diese Absichtserklärung erinnerte die demokratischen Regierungen der Weimarer Republik die Briten und Franzosen wiederholt. Nur interessierte man sich in London und Paris nicht für sein Geschwätz von gestern. Auch sonst ist man auf Seiten der Sieger relativ großzügig mit der Vertragsauslegung umgegangen. Was nicht im VV drin stand, wurde mal kurzerhand als neues Recht kreiert. Wenn sich eine Vertragspartei offensichtlich wenig an das Papier hielt, wieso sollte die andere Partei dies dann tun? Auch wenn die Weimarer Republik nicht untergegangen wäre, hätte sich Berlin früher oder später von diesen Bedingungen gelöst. Das hätte sich m. E. einfach schon durch die massive Aufrüstung Stalins ab den 30er Jahren ergeben.
     
  5. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Das betraf nicht so sehr die Technik wie die Taktik. Die Hardware war gar nicht so überlegen wie das gern dargestellt wird.
    Aber die WM konnte sozusagen die Taktik von Grund auf neu erfinden. Obwohl sie zum Beispiel Manöver durchführen musste, in welchen aufgrund der Restriktionen des WV die noch nicht vorhandenen Panzer durch bewegliche Pappmodelle ersetzt waren.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    In einer Reihe von Punkten würde ich den aktuellen Stand in der Forschung anders bewerten.

    Der VV ist durch Zeitgenosse, wie Keynes kritisiert worden. Diese Kritik findet sich in der aktuellen Forschung bei Marks oder MacMillan oder Sharp auch wieder. Insgesamt kann man sagen, dass der Vertrag nicht hart genug war, um abzuschrecken und nicht ausreichend kompromissorientiert, um einen Neuanfang in Europa zu ermöglichen. Und darunter litt die Periode bis zum WW2 in den außenpolitischen Beziehungen der ehemaligen Konfliktparteien.

    Das ist sicherlich ein wichtiger Punkt, der den Grad der Normalisierung zutreffend beschreibt. In den 30er Jahren – als kontrafaktischer Beitrag – hätte sich die Situation in Europa eher beruhigt als dass sie eskaliert wäre. Zum Nutzen aller Beteiligter.

    Das ist m.E. eine Vereinfachung, in mehrer Hinsicht.
    1. Die Rüstungsbeschränkungen sollten vor allem den legitimen Sicherheitsbedürfnissen Frankreichs gerecht werden. Die Nichteinlösung der Beistandszusagen durch die USA und dann in der Folge durch GB an Frankreich verschärften das Problem der Sicherheit für Frankreich. (vgl. Link zur 3. Republik und die ausführlich literaturgestützte Darstellung)

    2. Die Art der Rüstung in Frankreich und GB veränderte sich strukturell und quantitativ. Im Fall von Frankreich wurde sich defensiv und zunehmend immobil. Im Fall von GB rüstete man ab und hatte in den dreißiger Jahren ein so niedriges Niveau erreicht, dass es seiner Funktion als europäische Großmacht nicht mehr gerecht werden konnte (Vgl. Stresa etc.) Zur europäischen Rüstungspolitik ist nach wie vor Maiolo zu empfehlen.

    3. Ansonsten übersieht diese Sicht die zunehmenden und tiefen Konflikte zwischen F und GB in Bezug auf die durch Wilson geschaffenen neuen Formen der Diplomatie. Die Beiträge in Sharp und Stone (2002) verdeutlichen die Intensität der Rivalität und den Grad des beiderseitigen Mißtrauens zwischen GB und F. Und erklären, dass der Völkerbund aufgrund dieser Rivalität nie die Rolle spielen konnte, die Wilson ihm eigentlich hatte zubilligen wollen.

    Das ist eine verkürzte Sicht auf dieses komplexe Thema. Es berücksichtigt nicht in der sehr kurzen Form der Darstellung die zunehmende aggressive Haltung von Japan in Fernost gegenüber der SU (Mukden-Zwischenfall etc.). Und diese Art der Bedrohung war die Initialzündung für eine deutlich verstärkte - zumindest auf dem Papier - Rüstung in der SU Anfang der dreißiger Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war diese Aufrüstung noch ein Gegengewicht primär gegen Japan und in der Person von Litvinov (Außenminister) stand man noch dem System der kollektiven Sicherheit näher (vg. die entsprechenden 3 Links zu dem Thema)

    Relevante Literatur zu dem Thema:
    Carr, Edward Hallett (1964): The twenty years' crisis, 1919-1939;. An introduction to the study of international relations. 2d ed. New York: Harper & Row (Harper torchbooks, 1122).
    MacMillan, Margaret (2003, c2002): Paris 1919. Six months that changed the world. Random House trade paperback ed. New York: Random House.
    Maiolo, Joseph A. (2010): Cry Havoc: How the Arms Race Drove the World to War, 1931-1941: Basic Books.
    Marks, Sally (2003): The illusion of peace. International relations in Europe, 1918-1933. 2nd ed. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Palgrave Macmillan (Making of the 20th century).
    Sharp, Alan (1991): The Versailles settlement. Peacemaking in Paris, 1919. New York: St. Martin's Press (The Making of the 20th century).
    Sharp, Alan; Stone, Glyn (2002): Anglo-French relations in the twentieth century. Rivalry and cooperation. London, New York: Routledge.
    Steiner, Zara (2005): The lights that failed. European international history, 1919-1933. Oxford, New York: Oxford University Press (Oxford history of modern Europe).
    Tooze, J. Adam (2015): The deluge. The Great War and the remaking of global order 1916-1931. London: Penguin Books.

    3. Republik
    http://www.geschichtsforum.de/f67/frankreichs-weg-den-zweiten-weltkrieg-50401/

    UdSSR
    http://www.geschichtsforum.de/f67/die-au-en-und-sicherheitspolitik-der-udssr-von-1927-bis-1938-a-39517/

    http://www.geschichtsforum.de/f67/die-strategische-konzeption-und-die-r-stungspolitik-der-udssr-1927-bis-1937-a-39596/

    http://www.geschichtsforum.de/f67/ideologie-parteitage-und-konflikte-der-udssr-zwischen-1927-und-1938-a-39718/
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Mai 2016
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Eine ausführliche Diskussion zur Entwicklung militärischer Doktrinen in der Zwischenkriegsperiode findet sich hier:


    http://www.geschichtsforum.de/f68/entwicklung-der-milit-rdoktrin-zwischen-1920-und-1940-a-34204/index2.html
     
  8. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Mein Urgroßvater war Mitglied des 100 000-Mann-Heeres und eine der wenigen Anekdoten, die wir noch von ihm wissen, ist ein Witz aus damaliger Zeit:

    Manöver. Fritz und Hermann treffen im Unterholz aufeinander. "Pöff", ruft Fritz, "du bist jetzt tot." "Falsch!", erwidert Hermann, "tuk tuk, ich bin ein Panzer." :D

    Gruß
    Goldkrone
     
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