Schattenseiten der goldenen 20er

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von napoleonsguurl, 5. April 2018.

  1. napoleonsguurl

    napoleonsguurl Neues Mitglied


    Hilfe wir müssen ein Referat über die Schattenseiten der goldenen 20er halten und haben keine Ahnung worüber wir reden sollen und brauchen hilfe von Leuten die sich damit auskennen denn wenn man z.b. nach Drogenkonsum in den goldenen 20er googled dann findet man nichts dazu. Bitte helft uns worüber wir dieses Referat halten sollen.:(
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Arbeitslosigkeit, gallopierende Inflation, Erstarkung der radikalen, demokratiefeindlichen Parteien von rechts und links, das sind die wichtigsten Schattenseiten der Goldenen Zwanziger. Der Drogenkonsum ist in erster Linie ein Avantgarde- und kein Breitenproblem. In den frühen 1920ern erleben noch die letzten Zuckungen der "grünen Fee" (Absinth/Thujon [mittlerweile in geringeren Konzentationen wieder erlaubt]) und einige Gelehrte experimentierten mit Drogen, etwa Walter Benjamin mit Haschisch. Wobei man auch sagen muss, dass das Haschisch der 1920er Jahre (und auch das der 1960er - 80er Jahre) in der Wirkung schwächer war, als das auf THC-Gehalt hochgezüchtete Zeug von heute.
     
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  3. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied


    Guckt mal auch unter »Great Depression«, um deren Ursachen zu erfahren. Die Krise hatte auch Auswirkungen auf Deutschland.
     
  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ein paar Gedanken zu den 20ern, die für die Amis die „Tollen“ (roaring twenties) waren, für die Franzosen die „Verrückten“ (Années folles) und im deutschen Sprachgebrauch die „Goldenen“.
    Man hat gerade kurz vorher eine Generation verbrannt.
    Und riesige Reiche sind zerfallen in neue, fast durchgehend instabile Nationen. Das geht von Afrika bis zum Polarkreis.
    Die Welt gärt nach der „Ur-Katastrophe“ des Ersten Weltkriegs und tanzt „auf dem Vulkan“.
    Und eine (europäische) Nation nach der anderen fällt den Autokraten anheim, während die verbliebenen Glutnester des großen Krieges weiterhin schwelen.

    Ich denke nicht, dass es eine erhebliche Wahrnehmung eines Drogenproblems gab, außer natürlich Alkohol in den fernen USA.
    'Speed' konnte einfach erworben werden und Heroin wurde erst 1931 aus dem Handel genommen.
    Aber wer kann sich das damals leisten?
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    El Quichote deutete schon an, dass die 1920er Jahre von einer starken Inflation und Arbeitslosigkeit überschattet waren, ebenso von einer Stärkung von extremen Parteien auf dem rechten und linken Rand.

    Doch zum Thema Drogen! Die meisten illegalen Substanzen, die heute auf dem Markt eine Rolle spielen, waren in den 1920er Jahren noch legal. Erst 1929 wurde das Reichsopiumgesetz erlassen. Die Pharmadrogen Heroin und Kokain sollten endlich auch in ihrem Herkunftsland kontrolliert werden. Während des Krieges war es zu einem relativ starken Anstieg des Alkohol-, Opiat- und Kokainmissbrauchs gekommen. Es gab weder Rezeptpflicht noch Betäubungsmittelrezeptpflicht. Bereits um die Jahrhundertwende kamen eine Fülle von Präparaten auf den Markt, die Morphin oder Kokain enthielten. Erst nach dem Weltkrieg wurden Hersteller dazu verpflichtet, die Inhaltsstoffe und den Wirkstoffgehalt anzugeben. Die Belastungen des Krieges und die Verwerfungen, die der Krieg mit sich brachte, trugen dazu bei, dass viele Menschen mit Rauschdrogen experimentierten. Es gab einen Schlager mit dem Titel "Mama, der Mann mit dem Koks ist da." Der Dramatiker Carl Zuckmayr betätigte sich eine Zeit als Verteiler. Zu einem regelrechten Massenphänomen entwickelte sich Kokainismus interessanterweise in Russland nach der Revolution und im Bürgerkrieg.
     
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  6. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Manche Historiker bezeichnen die Goldenen Zwanziger in Deutschland als "Scheinblüte", da sie z.T. auf Krediten aufbauten, die man irgendwann mal wieder zurück zahlen musste ... evtl. meint Dein Lehrer sowas?
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gegen die ungelöste deutsche Reparationsfrage war die steigende deutsche "Restverschuldung" eher ein Klacks.
    Ich würde oben - für die deutsche Sicht - dem Ansatz folgen, die goldenen Jahre in den 20ern einzukreisen auf den Teil der 20er, die überhaupt für eine Blüte in Frage kommen, und die Jahre rauszustreichen, die nicht.

    Dann wäre auch das Deutsche Reich nicht der Nabel der Welt.
    Welche Party wurde nämlich jenseits des Atlantiks gefeiert? Und wie lange dort? Auf einem Boom gebaut, den - was genau - getragen hat?

    Dann ist natürlich auch der Vergleich mit dem Absturz 1929 in die 30er interessant. Gegen Krisen und Katastrophen gestellt, wird im Nachhinein erst richtig glänzend, was "gut" lief.

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    zum Song und der Altfassung über Kokslieferanten, die angabegemäß nichts mit Falcos Version zu tun hat.
    Mutter, der Mann mit dem Koks ist da – Wikipedia
     
  8. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Eben. Ich sehe die 1920er insgesamt nicht so negativ, denn durch den Aderlass des I. Weltkrieges fand eine Verjüngung der Gesellschaft statt, die dann auch Einiges an Veränderungen bewirkte, die zuvor undenkbar waren. Ich denke hier an das Frauenwahlrecht, das Abwerfen des Korsetts, Abtreibungen wurden nicht mehr so hart bestraft, Lockerung der Sexualmoral, FKK-Bewegung fand immer mehr Anhänger, Kunst und Kultur kamen zu einer neuen Blüte, weil die Zensur abgeschafft wurde bzw. mildere Formen annahm, usw. Klar, es gab Hyperinflation und Arbeitslosigkeit, aber deren Ursachen lagen in den Zeiten davor, waren größtenteils Folge des Krieges.

    Die 1920er waren – im Unterschied zu der Zeit davor und danach – eine permissive Gesellschaft, an die erst die „1968-Revolution“ wieder anknüpfen konnte.
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Was sehen wir in den Goldenen 20‘ern? Partys und Rausch. Was hat den dazu geführt? Ein Krieg der lange nicht gekannte Greuel für alle Greifbar machte. Hunger zu Hause. Verstümmelte Menschen. In Massen umgekomme Soldaten. In fast jeder Familie sind Soldaten verschollen oder gefallen. Und bei den Überlebenden Soldaten waren etliche traumatisiert.
    In Deutschland und Österreich war die alte Ordnung hinweggefegt worden durch die Ereignisse. Das hat die gesamte Gesellschaft zerrüttet.
    Frankreich und Großbritannien war bestimmt auch erschüttert, das sie den Krieg, trotz der Kolonien, nicht ohne die Hilfe der USA gewinnen konnten.
     
  10. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Den von mir hervor gehobenen Textabschnitt bezweifle ich. Welche Generation ist den in Verdun verheizt worden? Das waren die jungen Männer. Hinterher sah die demographische Bevölkerungspyramide doch stark verändert aus. Bei den Männern war diese Pyramide im zweiten und dritten Fünftel reduziert. Dadurch war der Anteil der alten Männer gestiegen. In den goldenen Zwanzigern hat sich dieser kriegsbedingte "Ausfall" nur um 10 Jahre nach oben geschoben.

    Zudem ist der Bild auf die 20er Jahre doch arg durch die Bevölkerung der Metropolen geprägt. Waren die Zeiten in mecklenburgischen Dörfern oder westerwäldischen Weilern wirklich rauschend. Oder ging es auf dem Land nicht so zu, wie 100 Jahre früher?
     
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  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Rauschend wäre geprahlt.
    Die 20er auf dem Land waren von explodierender Verschuldung und laufenden Kreditkrisen der Höfe geprägt. Und idF auch eine Ursache von Arbeitslosigkeit und Mangel für die nicht-landbesitzende Bevölkerung.
     
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  12. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Eben. Im I. Weltkrieg wurden männliche Jahrgänge 1869 bis 1900 eingezogen. Sie waren es, die im Krieg millionenfach umgekommen sind. Damit waren die späteren Jahrgänge in den 20er Jahren alle unter 30, während die über 30 bis 60 stark unterrepräsentiert waren. Aufgrund dessen konnten diese zuletzt genannten Älteren den neuen Zeitgeist, der ja immer von der Jugend bestimmt wird, wenig entgegensetzen, was zu den von mir oben angeführten dramatischen gesellschaftlichen Veränderungen führte.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Auf dem Land und in der Provinz waren es aber vielfach die alten Eliten, die wieder den Ton angaben oder immer noch den Ton angaben. Regimenter und Divisionen wurden häufig innerhalb einer bestimmten Region rekrutiert und aufgefüllt. Wurde eine Einheit, wie es oft vorkam, dezimiert und aufgerieben, kam es nicht selten vor, dass ein Dorf, eine Kleinstadt an einem einzigen Großkampftag auf einen Schlag einen Großteil der jungen Männer zwischen 20-25 Jahren verlor. In manchen Dorfschulen mussten längst pensionierte Lehrer wieder aktiviert werden, um überhaupt Schulunterricht organisieren zu können. In der Beamtenschaft, in den Betrieben und im Wirtschaftsleben und nicht zuletzt in den Kirchen verfügten die alten Eliten nach wie vor über starken Rückhalt, und sie waren auch keineswegs geneigt, auf wirtschaftliche und ideologische Führungsrollen zu verzichten.
     

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