Sowjeträte und Rätesystem: Wie funktioniert´s genau?

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von LAA-Geschichte, 31. August 2016.



  1. LAA-Geschichte

    LAA-Geschichte Neues Mitglied

    Liebe Forum-Mitglieder,
    ich such nach einer möglichst genauen Beschreibung, wie das Rätesystem in der Sowjetunion um 1920 funktioniert hat. Vielleicht wisst ihr aber auch so Rat!
    Besonders beschäftigt mich die Frage, welches pol. Mitspracherecht all jene Bevölkerungs- und Berufsgruppen hatten, die NICHT zur Klasse der Bauern, Arbeiter und Soldaten zählten. Nur diese hatten, soweit ich das verstanden habe, passives und aktives Wahlrecht.
    Hintergrund ist, dass ich meine Schüler mit den politischen Ideen der Weimarer Republik vertraut mache, u.a. Kommunismus. Sie sollen erfahren, von welchem politischem System die KPD träumte. Allerdings können wir nicht komplett in die Russische Revolution eintauchen. Daher möchte ich den Schülern einen kurzen Text geben, in dem das Rätesystem beschrieben wird. Leider finde ich nur knappste, lexikonartige Kurzbeschreibungen, mit denen meine Schüler nichts anfangen können.
    Vielen Dank schonmal an alle Kenner für die Unterstützung![FONT=&quot][/FONT]
     
  2. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    So in der Art wie https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjet
    oder ausführlicher?
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Diese Sicht hat mit der damaligen Situation bis 1923 wenig zu tun, weil es keinen generalisierungsfähigen "Status quo" gab. Bestenfalls Beschreibungen, die temporär und lokal zutrafen. Für den deutschsprachigen Raum würde ich mir zunächst unbedingt das Buch von Hildermeier zu Russischen Revolution besorgen, um den Kontext noch besser zu verstehen.

    Als Ergänzung bieten sich die aktuellen Studien von Alexander Rabinowitch zu dem Themenkomplex an, aber Hildermeier sollte eigentlich reichen.

    Der eigentliche Klassiker zum Regierungssystem ist die Studie von Merle Fainsod: "Wie Russland regiert wird", auch wenn schon etwas älter. Von beispielsweise Gill (The Origins of the Stalinist System, S. 23 ff Cohesive Oligarchy 1917-1922) oder Siegelbaum (Soviet State and Society, S. 67 The Crisis of 1920/21) gibt es beispielsweise Eränzungen zu Fainsod.

    Mein Vorschlag wäre, den Konflikt zwischen den Kronstädter Matrosen und den Bolschewiki an dem Aufruf an die Eisenbahnarbeiter zum Kernpunkt der Diskussion zu machen (vgl. Link, Dok 15.2)

    An dem Konflikt zeigen sich die massiven politischen Probleme, die sozialen und die massiven ökonomischen Probleme. Und es zeigt sich der Widerspruch zwischen dem politischen Führungsanspruch der Bolschewiki und den der anderen Gruppierungen.

    An diesem Konflikt kann man mehr über die damalige politische Situation aufzeigen wie an irgendwelchen, so sollte - angeblich - das System der "Sowjets" im Bürgerkrieg und im Krieg mit den Alliierten funktionieren. Und es zeigt sich auch, welche verheerenden Konsequenzen es für die politische Kultur hat, wenn eine Staatsgründung aus externen Kriegen oder Bürgerkriegen hervorgeht.

    Ansonsten führst Du potemkinsche Dörfer Deinen Schülern vor.

    https://books.google.de/books?id=n9wgvIpexvAC&pg=PA220&lpg=PA220&dq=kronstadt+brother+railway+workers&source=bl&ots=ESsbvuX7IE&sig=YjXSAfuVN9j2VTuzzoTWe3bC-IQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiDrZHxtezOAhXJdpoKHbrkDJgQ6AEIHjAA#v=onepage&q=kronstadt%20brother%20railway%20workers&f=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. August 2016
  4. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied


    Sind A und B nicht zwei ganz verschiedene paar Schuhe?

    Der führende Theoretiker ("Träumer"?) der USPD/KPD war Richard Müller (https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_M%C3%BCller_(USPD)#R.C3.A4tetheoretiker), zu dem es auch neuere Publikationen gibt.

    Der Politologe Paul Kevenhörster hat 1974 die Räte-Theorie nochmals ausführlich dargestellt (Das Rätesystem als Instrument zur Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Macht. Opladen).

    Zur russischen Entwicklung siehe auch Helmut Wollmann (Tendenzen der Sowjetdemokratie, in: Udo Bermbach [Hg.], Theorie und Praxis der direkten Demokratie, UTB 1973, S. 277 ff., hier bis S. 284).

    Oder soll es, wie in #3 anvisiert, doch um einen SOLL-IST-Vergleich (oder "nur" ums IST) gehen?
     

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