Stammeszeichen der Germanen

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Kurt, 10. August 2018 um 19:57 Uhr.

  1. Kurt

    Kurt Gast


    Ich suche die Stammeszeichen der einzelnen Germanen Stämme. Hauptsächlich das Zeichen der Brukterer.
    Kann mir jemand dabei helfen?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Mir ist neu, dass die Brukterer und die anderen Germanenstämme jeweils eigene Stammeszeichen gehabt hätten.
    Wenn es dafür konkrete Anhaltspunkte gibt, helfe ich gern beim Suchen.
     
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  3. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied


    Wenn Germanen im größeren Stil gegeneinander zu Felde zogen müsste/sollte/könnte es doch irgendetwas Erkenntliches gegeben haben, was verhinderte, das im hitzigen Getümmel nicht versehentlich einer aus den eigenen Reihen angegangen wurde.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du meinst, weil die alle zottelig im Bärenfell mit Keulen aufeinander eingeschlagen haben? ;)
     
  5. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Genau so meine ich das - ob nun keulenbewehrt im Zottelpelz oder anderweitigem Modetrend.

    Ich habe mir schon öfter die Frage gestellt, wie in etlichen Kampfgewühlen unterschieden werden konnte, wer da Freund und wer Feind ist, gerade wenn die Gegner kulturell nah beieinander lagen und gerade wenn auf beiden Seiten Kontigente gleicher Zugehörigkeit fochten.
    Ein: “Sag mir wer du bist, und was dich bewegt, dann zeig ich dir was ich tue.“ erscheint mir eher unpraktikabel. Irgendeine Form von Uniformität muss doch Sinn gemacht haben.
     
  6. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Geht mir auch so.

    Ein paar “haarige“ Ansätze:

    Der “Suebenknoten“ fällt mir als ein äußerliches Erkennungsmerkmal ein, der sich jedoch nicht auf einen Stamm reduzieren lassen dürfte. Zudem wäre zu fragen, inwieweit er kultureller Differzierung diente, oder vielleicht auch innergesellschaftlicher Statusausdruck war, der sich nicht an Stammes(verbands)grenzen orientierte. Gleiches könnte für kleidende Accessoires wie Gewandfibeln gelten, da kenne ich mich aber so gar nicht aus.

    Ansonsten fällt mir noch die von Tacitus überlieferte Angewohnheit chattischer Krieger ein, sich Haupt- wie Baarthaar nicht zu scheren bis der erste Feind getötet wurde.

    Die Verwendung von “spuma chattica“, einem rötlichen Haarfärbemittel, lässt sich womöglich nicht nur auf Chatten und Bataver reduzieren. Bei dieser Bezeichnung könnten vielleicht Kontaktnähe und -intensität der beiden Stämme zum römischen Reich eine Rolle gespielt haben.
     
  7. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Bei den keltischen Stämmen gibt es Hinweise auf ihre Feldzeichen, ob diese jedoch politische Zugehörigkeiten symbolisch vermittelten? Eber - und Pferdestatuetten als Standarten sind so weit verbreitet, dass sie kaum als Abgrenzung gedient haben können. Auf einem Münzbild der Veneter aus der Aremorica findet sich eine Feldzeichen mit einem X (Siberstater, Castelin 235), jedoch, ist das ein politisches Zeichen? Auf den keltischen Münzbildern ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei den Statuetten: Pferde, Reiter, Eber, und andere Beizeichen: ein explizites Symbol eines Stammes ist nicht zu erkennen, die Münzen lassen sich durch Fundort und individuellem Münzbild Stämmen zuordnen, aber die Zeichen scheinen kein Alleinstellungsmerkmal einer Gentes zu sein. Die Etymologien der Stammesnamen kann zu Spekulationen führen, ob z.B. die Eibe bei den Eburonen eine besondere kultische Bedeutung gehabt hat; bei vielen Stammesnamen ist die Etymologie jedoch unsicher (die Treverer: "die sehr Tüchtigen /Kräftigen" oder "die, die Flüsse überqueren"?) oder weisen eher auf Herkunft (Allobroger - die nicht im eigenen Land wohnen) oder andere Attribute hin (Haeduer - die Feurigen). Unten ein Teil eines Frieses vom Triumphbogen von Orange/Provence, der den Sieg der Römer über die Gallier verherrlicht, auf den Reliefs siegen die behelmten und mit Kettenhemd gerüsteten Römer gegen die behosten Gallier, zahlreiche Waffen und Tropeia sind auf den Flächen abgebildet. Auf dem Bild sind neben Tierstandarten auch Stoff-Tücher/ Fahnen an Querstangen zu sehen. Falls diese Feldzeichen keltisch sind, sie sind in der Sammlung gallischer Waffen, Schilde, Kriegstrompeten mittendrin, dann bleibt jedoch offen, ob dies Signa einzelner Gefolgschaften/Truppenteile waren, ähnlich wie bei römischen Armee, oder kultische Bedeutung hatten, bzw. Stammessymbole trugen. Zur Frage von Lukullus, wie man sich in der Schlacht unterschieden hat: vielleicht anhand der Schilde? Mir fiel auch auf, dass manche Schilde unten sogar beschriftet sind, klar sind diese als gallische Skutumschilde zu erkennen an der ovalen Form und den Schildbuckeln, umfangreich ist jedoch auch dort die Symbolik, und wahrscheinlich waren sie auch bunt bemalt.
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    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2018 um 13:38 Uhr
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  8. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Ich habe mir auf wikipedia einmal die Marc-Aurel-Säule mit dem Markomannenfeldzug angesehen. Mir ist keine Standarte aufgefallen, die ich den germanischen Markomannen zuordnen konnte (Im Gegensatz zu deutlich römischen Standarten). Gibt es denn Hinweise in den Schrift- und Bildquellen oder archäologische Funde, die germanische Feldzeichen /Stammessymboliken zeigen?
     
  9. edgar

    edgar Aktives Mitglied

    Plutarch erzählt was von einem ehernen Stier bei den Kimbern. Der Bericht wird aber sehr skeptisch gesehen.
    Und dann noch "Ihre Helme glichen dem aufgesperrten Rachen reißender Tiere oder zeigten sonst ein eigenartiges Tiergesicht, darüber ragten Federbüsche".
    Dazu fällt mir noch der Benty-Grange-Helm(Eberkammhelm) ein, der aber womöglich auch nur durch römische Einflüsse entstand. Diese Helme sind auch auf den Helmplatten von Torslunda zu sehen.
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Auf einigen römischen Münzen finden sich Abbildungen von Feldzeichen und Schildzeichen und es gibt ein paar Bemerkungen zur Schildbemalung. Die Kimbern sollen weiße Schilde gehabt haben, Franken weiß-gelbe und Harier schwarze. (Wobei die Schilderung der Harier bei Tacitus schon zeigt, dass solche Angaben mit Vorsicht zu genießen sind. Und auch Besonderheiten der lateinischen Sprache, wie das Fehlen von Artikeln, vergrößern die Unsicherheiten.) Das Nebeneinander von Kimbern und Franken zeigt hier dann auch gleich wieder die Wichtigkeit der zeitlichen Differenzierung.

    Bis zur Erfindung der Uniformierung in der Frühen Neuzeit standen etliche Armeen vor dem Problem und haben es durch improvisierte Schildzeichen, die Verwendung von Pflanzenbestandteilen wie in Macbeth oder schlicht einem Schlachtruf gelöst. Das 19. Jahrhundert ging davon aus, dass 'die' Germanen im Sippen- oder Siedlungsverband kämpften, die unmittelbaren Mitkämpfer also bekannt waren. Dies ergab sich durch damalige Theoriegebäude zur politisch-sozialen Organisation. Heute könnte ein Vergleich mit anderen schriftlosen Gesellschaften angeführt werden, um zu ähnlichen Ergebnissen für die Kampfhandlungen zu kommen, während die Organisationsformen weitgehend unklar sind. Doch für die Frage nach Unterscheidungsmerkmalen ist dies nicht nötig. Denn da die Notwendigkeit der Uniformierung wegfällt, braucht man weder nach dem Grund für das Fehlen derselben suchen, einen solchen zu konstruieren oder nach Erkennungszeichen suchen.

    "Die Stammeszeichen" im Sinne eines Systems von Zeichen, womöglich noch von einer genau abgegrenzten Anzahl von germanischen Ethnien anerkannt, gab es jedenfalls ganz sicher nicht.

    Das schließt natürlich nicht aus, dass es Merkmale gab, die für einen Stamm / Ethnie oder für eine Gruppe von Stämmen typisch waren oder dort als modern galten. Und solche sind ja auch vereinzelt überliefert. Für die Brukterer ist mir ein solches Merkmal nicht bekannt.
     

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