Sumerisch oder Akkadisch - Wo steckt mehr Forschungspotential?

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von ElComandante, 13. Oktober 2015.



  1. ElComandante

    ElComandante Neues Mitglied

    Suavelos liebe Alle!

    Ich habe in keinem der bereits vorhandenen Themen diese genaue Fragestellung gefunden, daher öffne ich ein neues Thema!

    Ich beginne jetzt mit meinem Studium (Geschichtswissenschaft mit Altorientalistik im Nebenfach) und da ich mich für Sumerisch oder Akkadisch entscheiden muss, folgende Fragen:

    1. Was ist schwieriger? Ich weiß nicht ob jmd beides studiert hat, im Forum hatte ich gesehen, das das Akkadische relativ einfach ist?

    2.Wo werde ich wohl nach Abschluss dieses Studiums noch am meistens Spaß (im Sinne von Tontafelübersetzen etc.) haben?

    3. Wie groß sind die Unterschiede tatsächlich, sprich könnte ich mit dem Sumerischen auch sehr schnell das akkadische später noch erlernen?

    4. Wenn ich die Wahl habe beides zu machen, sollte ich dann zuschlagen?

    ich hoffe ihr könnt mir bei meinen Fragen helfen, würde einen jungen Studenten helfen und sehr glücklich machen!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sumerisch ist eine isolierte Sprache, Akkadisch eine semitische Sprache. Insofern hilft es dir nichts, die eine zu können, um die andere zu lernen.
    Ohne es genau zu wissen, nehme ich allerdings an, dass der Textkorpus des Akkadischen größer ist, als der des Sumerischen.
    Was das Akkadische aber sicherlich interessanter macht, ist seine Einbindung in die semitische Sprachfamilie. Da es eh sinnvoll wäre, eine nahöstliche Verkehrssprache zu kennen (Arabisch, Hebräisch und wenn's denn Assad und den IS überlebt Aramäisch), würde ich mit Akkadisch anfangen. Semitische Sprachen sind erlernbar.
     
  3. Naqia

    Naqia Neues Mitglied

    Ich persönlich fand Sumerisch immer einfacher, aber das ist Ansichtssache. Sumerisch hat verhältnismäßig wenig Grammatik und die Zeichen sind deutlicher zu erkennen. Gerade als Anfänger wirst du ja eher mit gut geschriebenen Königs-/Bauinschriften, vielleicht auch Mythen konfrontiert werden als mit Alltagstexten. Vor ein paar Jahren war das beste Wörter-/Zeichenbuch eine PDF-Datei, die vorhandenen Bücher waren tendenziell wenig brauchbar. Ob sich da was getan hat, weiß ich nicht. Wie El Quichote sagte, sie ist mit keiner anderen überlieferten Sprache verwandt.

    Akkadisch ist als semitische Sprache deutlich komplexer, kann dir beim Lernen von Arabisch oder auch Hebräisch sehr zum Vorteil gereichen. Mir war es zuviel Grammatik, aber das ist Geschmackssache. Hier wirst du nach den Anfangstexten mehr mit Alltagstexten konfrontiert werden, was Vor-und Nachteile hat, die von falsch verwendeten Zeichen bis hin zu größerem Textverlust reichen. Es sind zwar routinierte Schreiber (idR.), aber die Keile sind manchmal dadurch eben nicht wie aus dem Lehrbuch.

    Sumerisch zuerst zu lernen kann insofern hilfreich sein, weil du die frühen Zeichenformen kennst, manche bleiben recht ähnlich, andere ändern sich stärker oder andere Silbenlesungen treten in den Vordergrund, aber das ist rein auf materieller Ebenem wie gesagt, sprachlich ergibt sich kein Vorteil. Es gibt aber auch sog. Sumerogramme im Akkadischen, also sumerische Wörter wie zum Beispiel Dingir (Gott) oder Lú (Mensch), das sind aber nur ein paar, die muss man dann eben einfach lernen und entsprechend transkribieren.

    Wenn du dich an der Forschung orientieren willst, so wirst du bei Akkadisch mehr zu tun haben, schon allein aufgrund der Überlieferungslage.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das bestätigt meine Vermutung aus berufenerer Feder.
     

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