Tankwaffe...

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Adolina, 6. Januar 2017.



  1. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Warum haben dann die anderen Mächte ebenfalls den mobilen Einsatz von Panzern entwickelt?

    Die Umsetzung der Pläne geschah in Deutschland eher zufällig, die Mehrheit der Generalität war dagegen bzw. indifferent. Erst der Mechelen-Zwischenfall führte letztlich zum Sichelschnitt-Plan.

    So ähnlich hätte es auch in anderen Ländern kommen können.
     
  2. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    War nur so eine Idee, ob anfängliche Einschränkungen nicht manchmal später zu Vorsprüngen führen können. Würde ein fiktiver Staat heute eine Luftwaffe neu aufbauen, hätte er bei ausreichenden Ressourcen wohl einen im internationalen Vergleich hohen Anteil Stealthflugzeuge und eine Doktrin welche dem von vornherein Rechnung trägt.
    Aber ich hatte TPs Beitrag zu spät gesehen, das Thema ist im Forum längst absolut hinreichend erörtert. Bitte ignorieren.
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Wenn das als Spezialfall gemeint ist, stellt sich die Frage, was die Formulierung bringen soll.

    Wenn es eine Korrektur sein soll, hast Du keine Ahnung, was Wissenschaft ist.

    Wenn es politisch gemeint ist, bist Du ziemlich naiv, wenn Du glaubst, dass das in diesem Forum verfängt.

    Wenn Du andeuten willst, dass die herrschende wissenschaftliche Meinung Affekte nutzt, stimmt es nicht. Affekte sind für sich genommen unwissenschaftlich und eine Meinung, die Affekte zur Begründung nutzt, ist per definitionem unwissenschaftlich.

    Nehmen wir nochmal den Fall des Spezialfalls. Denn in dem Fall ist die Aussage entweder eine Beschreibung des praktischen Wissenschaftsbetriebs oder Du landest bei dem zuletzt behandelten Fall, wenn es keine logische Spielerei sein soll. Dann wäre es aber als Kritik zu verstehen. Damit landeten wir aber dabei, dass eine herrschende Meinung zur Abwehr neuer Ideen auf Affekte setzt. Und auch das wäre nicht wissenschaftlich.

    Da Du die ganze Zeit schon eine Verschwörung des Mainstreams zur Abwehr Deiner Ansichten vermutest, muss ich also sagen: Nein, der Formulierung kann nicht zugestimmt werden. Nicht subjektiv, sondern objektiv, da es aus der Definition von Wissenschaft folgt.

    Wir versuchen hier freundlich zu sein. Aber wir sind nicht blöd. Du solltest sachlich argumentieren. Politische Rede und Propaganda kommen hier nicht gut an.

    Wir wollen auch Niemanden abschrecken. Aber aus Erfahrung sei gesagt, dass politische Agitation und Trollerei hier zumeist zu Sperren führen.
     
  4. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    @Adolina: Die geplante Verwendung als besserer Pionierpanzer ist kein entscheidender taktischer Fortschritt. Dafür waren Zuverlässigkeit, Bewaffnung, Panzerung und Geschwindigkeit viel zu gering. Der erste Graben und ein paar Stacheldrahthindernisse reichen im Stellungskrieg eben nicht.

    Du wirst Dich drehen und winden können wie Du willst, die 25 Jahre Entwicklung der Panzerwaffe kannst Du nicht wegdiskutieren.
    Abgesehen davon wäre bei erfolgreicheren Panzern schnell auch die Entwicklung der PaK in die Gänge gekommen...
     
  5. Adolina

    Adolina Gesperrt

    Mein Gott, Solwac, ich wollte doch ganz einfach nur durch ein Zitat darauf verweisen, daß schon v o r 1920 versucht wurde, Panzer taktisch einzusetzen. Von "besser als" und Pionierpanzern sprach ich doch garnicht.

    Aber Verzeihung bitte, wenn ich Mißverständnisse ausgelöst habe.
     
  6. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    So wie ich die Panzerwaffe des Ersten Weltkriegs immer begriffen habe, handelte es sich dabei im Prinzip um eine bewegliche und gepanzerte MG-Stellung. Panzer waren im Ersten Weltkrieg ohne begleitende und schützende Infanterie nicht vorstellbar und konnten deshalb gar nicht unabhängig von Sturmangriffen der Infanterie zum Einsatz kommen.

    Wie schon ausreichend beleuchtet wurde, steckte die Entwicklung der Panzer damals noch in den Kinderschuhen, sodass man wohl eher von einer moralischen, als von einer taktischen Bedeutung der Panzerwaffe für den Kriegsverlauf ausgehen muss.

    Ein Urteil darüber zu fällen, inwiefern eine frühere Entwicklung der Panzer durch die Deutschen den Krieg eventuell für Deutschland entschieden haben könnte, traue ich mir nicht zu. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass der Vorteil an Material und Personal auch im oben genannten Fall immer noch deutlich bei der Entente und den Amerikanern lag. Ich wage also mal zu oraklen, dass Deutschland selbst mit einem ausreichenden und frühzeitigen Panzerarsenal nicht in der Lage gewesen wäre, einem langen Krieg mit den Engländern, Franzosen und vor allem Amerikanern standzuhalten.

    Ich möchte aber nochmals betonen, dass ich solche Fragestellungen für nicht sinnvoll halte, weil Deutschland den Ersten Weltkrieg nun einmal verloren hat - aus welchem Grund nun auch immer.
     
  7. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Dazu kommt dann noch, dass die Panzerwaffe nur eine der zahlreichen Ideen war, mit denen man die Probleme des Stellungskrieges zu überwinden versuchte. Die deutsche Seite war ja in diesem Bereich auch nicht untätig, und auch die Entente-Streitkräfte hatten noch andere Ideen. Chemiewaffen wurden auf beiden Seiten verwendet und es wurde ein effektiverer Einsatz der Artillerie ausprobiert. Sturmtrupps wurden stärker von der deutschen Armee gebildet und eingesetzt.

    Die englisch-französische Seite neigte vielleicht etwas mehr zu einer technischen und die deutsche eher zu einer taktischen Lösung, aber am Ende dürfte eher das allgemeine wirtschaftliche und bevölkerungsmäßige Übergewicht der Westmächte den Ausschlag gegeben haben. Alle "Wundermittel", die den Krieg auf einen Schlag entscheiden sollten (wie der Schlieffen-Plan oder der uneingeschränkte U-Boot-Krieg) blieben demgegenüber relativ erfolglos.
     
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es gab ja nicht das was man mit späteren Panzer hätte gleichsetzen können und daher hätten solche Konzepte keinen Sinn machen können.
    Vielmehr stellte sich heraus, dass sowohl der Apparat selbst, als auch die Mannschaft, zu spontanem Kollaps neigten. Viele erreichen nicht einmal die Startlinie, obwohl sie durch Züge (oder LKW, ich versuch mir das mal vorzustellen) herbeigeschleppt wurden. Und auch in den späten fortgeschritteneren Modellen (Mark V) fielen Mannschaften regelmäßig durch Kohlenmoxidvergiftung aus.
    Die waren zudem untermotorisiert*,
    und auch der Mark V konnte sich nur sich wenig schneller als übliche Fußgängergeschwindigkeit fortbewegen. Seine maximale Einsatzzeit betrug 2 – 3 Stunden, die Verluste waren hervorgehoben.
    … Ich folge hier im wesentlichen der Darstellung von David Stevenson (1914 1918 – Seite 188ff und Seite 444)

    Ich denke das war net ganz so.
    Nicht der Panzer (Tank) benötigte eine „ schützende Infanterie“, sondern seine vorgesehene Aufgabe war es der vorrückenden Infanterie Schutz zu geben (Ausschalten von Maschinengewehren), Hindernisse zu beseitigen (Stacheldraht) und womöglich gar Gräben zu überwinden.
    Aber richtig ist , denke ich, dass der „Kinderschuh“-Panzer ohne gleichzeitigem Einsatz von Infanterie damals noch keinen Sinn machte.

    -------------
    * ca. 100 PS auf ca. 30t, (während WW2-Panzer bereits eine vier bis fünffache Motor-Leistung bei ungefähr gleichem Gewicht hatten.)
    Übertragen auf einen PKW, wie wir ihn fahren, würde das heißen mit 5 PS, und weit überladen, durchs Gelände. … (oder besser gesagt, durch die Todeszone :winke:)
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wie Halder das später mal zutreffend analysierte, fehlte den WK-I-Modellen jede Eigenschaft an Reichweite und Geschwindigkeit, erfolgte Durchbrüche schnell und mit operativer Wirkung auszunutzen. Im Prinzip zielte er damit auf den Träger im Bewegungskrieg.

    Speziell die Rote Armee nutzte auch die "zweite" Aufgabe, nämlich den operativen Durchbruch der ersten Phase gegen tiefgestaffelte Linien, und brachte bestimmte Modelle (angefangen beim KW-1 bis zum JS-III) - soweit man das bei der gestiegenen Abwehrkraft überhaupt sagen kann - zur Perfektion.
     
  10. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Neben Kohlenmonoxidvergiftung drohte den Besatzungen auch Überhitzung, da wurde es auch bei nur 20° Umgebungstemperatur im Inneren weit über 50°, teils über 70° heiß.

    Die Panzer hätten aber auch mit besseren und größeren Motoren, anderen Fahrwerken und größerer Reichweite Probleme gehabt: Stellungskrieg ist nicht das Terrain für Panzer, Panzer wollen vorher durchs Gelände huschen und den Gegner schlagen. Denn Bombentrichter und komplett durchgepflügter Boden sind auch für heutige Fahrzeuge nicht trivial. Zudem hätten die Gräben relativ schnell auch gegen Panzer gesichert werden können. Dies hätte die Entwicklung und Ausrüstung von Panzerpionieren nötig gemacht.

    Die fehlende taktische Grundlage für Bewegungskrieg mit Panzern wurde schon angesprochen, während die Panzerabwehr schon während des Krieges entstand. Seien es "Panzerbüchsen", also Handwaffen oder auch die Verwendung von konventioneller Rohrartillerie oder sogar die Entwicklung spezialisierter Artillerie (nicht nur gegen Panzer sondern auch gegen Flugzeuge).
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Tanks waren seit ihrem ersten Einsatz 1916 bei Flers in der Picardie häufiger auf den Schlachtfeldern aufgetaucht. Im Schlamm der 3. Flandernschlacht waren sie buchstäblich stecken geblieben, ihr erster Einsatz in größeren Massen Ende November hatte erstmals seit der Osterschlacht bei Arras 1917 größere Geländegewinne gebracht. Stellenweise waren deutsche Truppen demoralisiert. Der "Tankschrecken" hielt aber nicht lange an. Es zeigte sich, dass die Tanks zwar Befestigung und Mobilität vereinten, dass sie aber auf sich allein gestellt-ohne Unterstützung durch Infanterie im Bourlon Wald oder den Dörfern leichte Ziele abgaben. Sie konnten mit geballten Ladungen, Flammenwerfern und leichter Artillerie wirksam bekämpft werden. Geriet die Besatzung in Giftgas oder wurde mit Flammenwerfern bekämpft, musste die Besatzung qualvoll ersticken. Geballte Ladungen setzten das Benzin und die Munition im Inneren in Brand. Auf Fotos sind zum Skelett verbrannte Leichen zu sehen, und es lässt sich rekonstruieren, dass die Besatzung noch versuchte, die Türen zu öffnen, bevor sie qualvoll verbrannten. Im Bourlon Wald und im Dorf Bourlon waren die Tanks ohne nachfolgende Infanterie zu leicht verwundbar. In seinen Weltkriegsmemoiren "In Stahlgewittern" erinnert sich Ernst Jünger an die Beute Zigaretten, Lebensmittel, Schokolade etc., die in zerstörten Tanks zu finden war. Wie die Deutschen 1916 nach Einnahme Fort Douaumonts hatten auch die Briten die Glocken von St. Pauls zu früh läuten lassen. Im Gegenangriff im Dezember 1917 konnten die Deutschen fast das gesamte Gelände zurückerobern. Die Briten machten auch den Fehler, Reservefahrzeuge zu sparsam einzusetzen und Wartungsarbeiten an den lädierten Tanks nicht konsequent durchzuführen. Dennoch erwiesen sich die Tanks trotz aller Kinderkrankheiten, die die neue Waffe noch hatte, als effektives Mittel, Stacheldrahthindernisse und Gräben zu überwinden. Die Tanks schützten die nachfolgende Infanterie und entfalteten eine beachtliche Feuerkraft. In den Schriften des Reichsarchiv, die sich mit den Weltkriegsschlachten beschäftigten, kommt ein Militärschriftsteller sinngemäß zum Schluss, die Briten hätten im Zeitalter der Materialschlacht eher die Zeichen der Zeit erkannt, während die deutsche Führung zu lange ihr Vertrauen in die menschliche Schlagkraft der einzelnen Soldaten gesteckt habe.

    Eine gut aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit von Artillerie, Infanterie und Tanks stellte die Abwehr vor Probleme. Da wo Tanks in größerer Zahl auftauchten und von gut koordinierten Infanterieverbänden, gut schießender Artillerie und Schlachtfliegern begleitet wurden, zeigte sich, dass die Artillerie allein mit der Bekämpfung der Tanks überfordert war.
     
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  12. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Im Angriff gab es noch nicht das Konzept des Kampfs der verbundenen Waffen. Das haben die Briten ja selbst im zweiten Weltkrieg erst nach und nach hinbekommen.
    Die ersten Panzer waren nicht schneller als die Infanterie, konnte aber Feuerkraft schneller verlagern als die Artillerie.

    Insgesamt sehe ich die Panzer im ersten Weltkrieg als eine innovative neue Waffe, deren Wirksamkeit pro Aufwand aber auch nicht anders als andere Waffen war. Innovationen wie das Stoßtruppverfahren waren ebenfalls effektiv, dies zeigt die Wirksamkeit neuer und gut in die Truppe eingeführter Kampfweisen. Aber bei aller Länge, so war der Krieg zu kurz für eine grundsätzliche Neubewertung der verfügbaren Technologien. So wurden zwar in den vier Jahren einigen Technologien kräftig weiter entwickelt (z.B. das Maschinengewehr), aber es reichte nicht für eine grundsätzliche Neuausrichtung. Selbst im zweiten Weltkrieg dauert es noch vier bis fünf Jahre bis aus der gepanzerten Kavallerie (1940 sehr innovativ) eine komplette gepanzerte Truppe wurde.
     
  13. hatl

    hatl Premiummitglied

    Der Panzer-Dolchstoß?

    Klingt absurd und ist es wohl auch...

    Nun, Ludendorff veröffentlicht nach dem Krieg „Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18“
    In seinem Vorwort nimmt er hier Bezug auf seine „Kriegserinnerungen“ und gibt seinem Wunsch Ausdruck: „Mögen diese Urkunden, wie es meine „Kriegserinnerungen“ getan haben, das deutsche Volk mit neuem nationalen Wollen erfüllen und ihm die Augen für die Wirklichkeit der Dinge öffnen.
    Die gesamten hier wiedergegeben Schreiben werden ein neuer Beweis dafür sein, daß das Vertrauen begründet war, das das deutsche Volk in seiner Mehrzahl dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg und mir während des Krieges geschenkt hat.
    Berlin, im Mai 1920. Ludendorff“

    Soweit die Intention des Verfassers/Herausgebers.



    Zur „Tankwaffe“ zitiert er einen Generalmajor von Eulitz, der sich wiederum in einem Schreiben vom 1. August 1919 an „General v. Mertz“ [2], an eine Besprechung mit Ludendorff am 30. September 1918 mit den „drei deutschen Militärbevollmächtigten im „Gr.H.Qu.“ [Großes Hauptquartier in Spa]“ erinnert und dessen Einlassungen u.a. zur Westfront.

    Es also so sei, dass 22 deutsche Divisionen aufgelöst werden mussten, die Kopfstärke der verbliebenen allgemein abnähme, ja manche sogar nur noch „Attrappen“ seien.
    „Es ist aber nicht die geringe Stärke der Divisionen, die unsere Lage bedenklich macht, sondern mehr die Tanks, die in immer größerer Zahl überraschend auftreten. ...
    … Es erübrigt sich auf die Gründe des Versagens näher einzugehen.
    Die Kriegsführung auf der Westfront hat jetzt in erster Linie wegen der Wirkung der Tanks den Charakter des Glücksspiels angenommen. Die Oberste Heeresleitung kann nicht mehr mit sicheren Faktoren rechnen“ [1]

    Mir ist kein Historiker bekannt, der den Tanks im ersten Weltkrieg eine vergleichbar hohe Wirkung zuschreiben würde.
    Stevenson [3] nicht und Wallach [4] nicht der bemerkt, dass sie, „keine Entscheidung bringen konnten“, und Krumreich/Hirschfeld sieht in dieser Darstellung der Tankwaffe „nur einen Baustein einer vom OHL konstruierten Rüchzugslegende“ [5]



    [1] Ludendorff: Urkunden der Obersten Heeresleitung..Seite 524-525
    [2] ich hab mich gefragt wer dieser General von Mertz war. Ist es Herman Ritter Mertz von Quirnheim, der „Ghostwriter“ [Pyta – Hindenburg S. 435] Hindenburgs? Vielleicht weiß jemand mehr..
    [3] Stevenson s.o #68
    [4] Jehuda L. Wallach – das Dogma der Vernichtungsschlacht – S. 243
    [5] Krumreich/Hirschfeld – Deutschland im Ersten Weltkrieg – S. 257
     
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  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Neben dieser Absicht, sich für den verlorenen Krieg und die sinnlosen Opfer zu exkulpieren, gehören die "Publikationen" Ludendorffs von ihrem Wert her ohnehin in die große Kategorie kriegspornografischer Darstellungen (er schrieb die Machwerke übrigens frei "aus der Erinnerung", ohne Quellen und quasi ohne irgendwie bemerkenswerte Kenntnis der Gegenseite)

    Fasse benutzte diese Kategorie in seiner Dissertation über den "Tankdrachen", die online verfügbar ist und im Forum schon zitiert wurde:
    Besonders an Ludendorff ist nur seine Stoßrichtung, nicht die Darstellung des Tankdrachens für eine Ursache des Kriegsverlustes an sich (siehe die einleitenden Kapitel bei Fasse).

    Insofern hat das hatl gut auf den Punkt gebracht. Nochmal der link zur Humboldt-Uni Berlin:

    Im Zeichen des "Tankdrachen"
     
  15. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke silesia und jschmidt für den interessanten Link.

    („Kriegspornographie“ ist übrigens ein richtig guter Ausdruck, der es wert ist in den Sprachschatz aufgenommen zu werden!)

    ich hab das angelesen (einleitende Kapitel).

    "aus tausenden alliierter Fahrzeuge, wie sie in Abschnitt 1.2.1. für oft tabellarische Kräfteübersichten bei Kriegsende angeführt sind, werden plötzlich nur einige hundert, von denen im Einsatz der größte Teil –bei Amiens zwischen dem 8. und 11.August 1918 392 von 430 Fahrzeugen verloren ging, ohne einen tatsächlich durchschlagendenden Erfolg erringen oder den Krieg mit gepanzertem Stoß in das deutsch-besetzte Hinterland der Westfront beenden zu können. Warum die OHL, die demgemäß während des Krieges Gründe genug gehabt zu haben scheint, den Tank zu mißachten, sich auf Basis der Aussagen Ludendorffs nach 1918 selbst eines zumindest gewissen „Versagens“ bezichtigte und weshalb die militärische Niederlage bis heute eng mit dem Themenkomplex Tank verbunden bleibt, muß erst einmal schleierhaft sein72" (Seite 35)

    Ouh, der Ludendorff würzt die Darstellung seiner eigenen Vortrefflichkeit mit wohldosierter, wenn nicht gar homöopathischer, Selbstkritik, zumal man ihm doch gerade hier wenig Vorwurf machen kann.

    Und wie gut fügt sich der „Tankschrecken“ dann in die zweite Legende:
    „In der Rolle als Zünglein an der Waage, zwischen allseitiger Überlegenheit der Alliierten und deutschem Durchhaltewillen samt zeitgenössisch apostrophiertem „Heldenmut“, und erst durch wehrkraftzersetzende Einflüsse aus der Heimat 1918 in Wert gesetzt, konnte man der Waffe und ihrer tatsächlichen Unterschätzung singulärrelativierenden Charakter beimessen.“ (Seite 37)

    ...oder auch Krumreich/Hirschfeld (s.o.) „das soldatische „Material“ wäre derart brüchig geworden, dass die Nerven der Männer schlicht versagt hätten.“ (angesichts der Tanks)

    Zugleich will Ludendorff recht offenkundig suggerieren, man, oder er, habe alles bis zum Schluss im Griff gehabt.
    Zurecht habe man ihm dem Machthaber, und seinem „Dioskuren“ Hindenburg, vertraut und dürfe es auch künftig tun.

    ('und so schafft er am sausenden Webstuhl der Zeit,
    Und wirket des Teufels lebendiges Kleid.'
    .. um Goethes Erdgeist im Faust mal sehr frei zu zitieren.
    1923 wird der Ludendorff weitere abseitige Ambitionen (Hitler-Ludendorff-Putsch) entwickeln und, so wie ich es verstehe, einem völkischen Okkultismus anheimfallen.)

    Der verlinkte Autor Fasse kommt in seinem Fazit, ebenso wie Wallach, zu dem Schluss, dass die Tanks nicht kriegsentscheidend waren:
    „Fern ihrer tatsächlichen taktischen Bedeutung, die selbst Foch für begrenzt hielt, lösten die in den letzten Monaten der Kampfhandlungen an der Westfront den alliierten Angriffen vorausrollenden Tanks die das Kriegsbild zuvor dominierende Artillerie in ihrer Symbolwirkung ab und wurden zum Sinnbild alliierter Überlegenheit. Dies geschah mit einiger Berechtigung, aber doch ohne die reale Basis dafür, dem neuen Kriegsmittel darüber hinaus eine dezidiert „kriegsentscheidende“ Bedeutung beimessen zu können. In dieser Hinsicht waren Tanks nur eine einzige militärtechnische Innovation des Weltkrieges, welcher ein Platz neben vielen anderen und nicht vor diesen eingeräumt werden muß."
    (Seite 708-709)
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2017 um 00:01 Uhr
  16. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Wenn die Panzer wirklich so entscheidend für das Kriegsjahr 1918 gewesen wären, warum haben dann so viele die frischen Truppen aus den USA als Grund genannt? ;)

    Und wenn die Panzer entscheidend gewesen wären, hätten das die britischen und französischen Generäle nicht bemerken müssen?
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Argumentation ist, glaube ich, hier nicht das wirkliche Problem. Behaupten kann auch jeder alles.

    Es geht bei Fasse eher um die Rezeptionsgeschichte.
     
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    In Populärwissenschaftlichen Werken ausserhalb Deutschlands wurden und werden auch heute noch die "Tanks" oft als Grund des Alliierten Sieges im ersten Weltkrieg dargestellt. Es wurde damals anscheinend von vielen so rezipiert.
    Da nach dem Krieg alle Armeen sich über kurz oder lang Panzer zulegten und die deutsche Reichswehr es zudem noch verboten bekam, liegt diese Annahme auf der Hand. Dieser Glauben wurde dann offensichtlich noch verstärkt anhand der gewichtigen Rolle des Panzers im 2. Weltkrieg.
     
  19. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Deutschland durfte etliche Waffensysteme nicht bzw. nur sehr beschränkt besitzen. Die Entscheidung dafür fiel sehr schnell nach dem Krieg und ließ keine Zeit für eine große Analyse. Der Einschluss von Panzern unter das Verbot von schweren und modernen Waffen erscheint mir logisch, auch ohne die spätere taktische Bedeutung der Panzer zu berücksichtigen.

    Die personelle Beschränkung der Armee sollte nicht durch andere Maßnahmen unterlaufen werden. Weder durch eine Rotation des Personals (wie durch das Krümpersystem 1808-13) noch durch Technik. Kavallerie wurde wegen der Pferde wohl als unkritisch gesehen, aber Panzer waren entweder schon entscheidend (das wäre der Sicht der einen) oder waren einfach noch nicht richtig erkannt (dies entspricht wohl der Mehrheit der damaligen Experten). Mit dem Personal der sieben Infanterie-Divisionen hätten vielleicht zwölf Panzer-Divisionen mit gesteigerter Kampfkraft aufgestellt werden können. Unabhängig von der Stärke eines Heeres nur mit Panzertruppen, diese Überlegungen hätte ich als Verantwortlicher einfach durch Verbot unterbunden. Deutschland sollte ja eher Truppen aus Prinzip und zum Einsatz im Inneren haben und nicht zum Kampf gegen andere Länder befähigt sein.
     
  20. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ludendorff erkennt 1919 rückblickend an , dass die amerikanischen Truppen "frisch" und zahlreich waren.
    "Die 38 amerikanischen Divisionen haben einen besonders hohen Mannschaftsstand."
    Nur, das hätte er sich ja auch vorher ausrechnen können, tat er aber nicht, so die Kritik der er sich zunehmend formierenden Zweifel an der Sinnhaftigkeit des nun verlorenen Krieges.
    Der starke Mann (Diktator des Ersten Weltkriegs- Manfred Nebelin) fürchtet natürlich um seinen eigenen Hals.
    Hat er denn nicht die Buben der untröstlichen Mütter wie Fliegen hingegeben in den Tod?
    Es muss doch irgendeinen Strohhalm geben, der den Entscheidernden Atem gibt, der so vielen verwehrt wurde.
    Der Tank, der Dolchstoß, was nicht alles, wenn man nicht gehenkt werden will..
    Irgendwie muss man doch rauskommen aus der Falle einer eigenen Schuld.
    Und waren denn nicht Legenden und Mythen seit jeher einSchlupfloch dessen man sich bedienen konnte?
    Ich würde mal das in diesem Zusammenhang sehen.

    Die Kritik jedenfalls wird am Ende der sich abzeichnenden "Urkatastrophe" beissend.
    Vossische Zeitung 1918-10-07 aktuelle Seite: 1
    Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung 1918-10-07 aktuelle Seite: 1
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. August 2017 um 21:40 Uhr
    Sepiola und Matze007 gefällt das.

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