U-Bootkrieg im 1WK

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Köbis17, 12. März 2008.



  1. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Hallo Zusammen,

    da hier doch ein hohes Interesse besteht, über den Handelskrieg deutscher U-Boote im 1WK zu diskutieren, nehme ich gleich die Frage von silesia um hier die Wissenschlacht der Interessierten zu eröffnen.

     
  2. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Versenkungserfolge der U-Boote der Zentralmächte im Handelskrieg 1914-1918

    1914 3.3382t
    1915 1.193.004t
    1916 2.209.709t
    1917 6.256.399t
    1918 2.814.132t

    Diese Zahlen sind zusammengefasst. In der Aufstellung werden die Zahlen je Monat und Jahr angezeigt, aufgegliedert in U-Boote der Hochseeflotte, Marinekorps, Mittelmeer dt. U-Boote, Mittelmeer ö.-u. U-Boote, Konstantinopel, Ostsee, U-Kreuzerverband.

    Für 1916 sind es bei der dt. Mittelmeerdivision allein 1.045.058t versenkte Handelschifftonnage.
    Im Jahr 1917 versenkten die Boote der Hochseeflotte 2.895.983t, Marinekorps 1.607.389t und dt. Boote im Mittelmeer 1.514.501t.

    Somit war das erfolgreichste Jahr des U-Boothandelskrieg 1917.

    Meine Quelle:
    Seeherrschaft-Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt bis zur Gegenwart, Band 2; Helmut Pemsel
    Quellenangabe in diesem Buch
    Der Krieg zur See 1914-1918, der Handelskrieg mit U-Booten, Band 5
    Österreich-Ungarns U-Boote, eine Dokumentation, 1976
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Gegen Kriegsschiffe operierten die dt. U-Boote auch recht erfolgreich.

    1914 61.820t mit 8 versenkten Kriegsschiffen
    1915 54.930t mit 5 versenkten Kriegsschiffen
    1916 39.290t mit 5 versenkten Kriegsschiffen
    1917 64.150t mit 5 versenkten Kriegsschiffen
    1918 25.850t mit 2 versenkten Kriegsschiffen
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Zahlen hängen nun einerseits am aufundab der Strategie, zum anderen an den Einsatzzahlen und Bauprogrammen.
    Mich würde konkret der Übergang zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg interessieren, d.h.
    Okt-Dez 1916 (Trend?)
    und dann Jan-Juni 1917.

    Hast Du dazu noch die Zahlen? Das wäre klasse.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich muss Silesia beipflichten, ein interessantes Thema, @köbis!

    Leider ist meine Vorstellungskraft bei Tonnageverlusten nicht so arg lebendig angelegt. Was mich interessieren würde, ist wie sich das Geleitzugssystem und die Rudeltaktik en detail entwickelt hat.
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Also das Geleitssystem oder besser Konviosystem hat sich schon Mitte des 1WK entwickelt, die Rudeltaktik beim Angriff au die Geleitzüge gab es m.E. damals noch nicht, da die U-Boote und auch die Kommunikation zwischen den operirenten U-Booten noch nicht so weit entwickelt war, wie im 2WK.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Mit den Zahlen über die Monatsversenkungen/Einsatzzahlen könnten dann die Thesen der Marineleitung zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg eingeschätzt werden.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich habe kürzlich auf Youtube ein Interview mit Otto Kretschmer gesehen. Der sagte, dass seiner Meinung nach viele U- Bootkommandanten abgesoffen seien, weil sie zuviel gefunkt hätten. Es war, glaube ich auch in diesem Interview die Rede davon, dass die Alliierten schon im 1. Weltkrieg den Funkkontakt entschlüsseln konnten.

    Ich habe mich vor Jahren mit großem Interesse durch Lothar Günther Buchheims "Das Boot" geschmökert. Hochinteressant fand ich die Passagen, in denen der "Alte" auf Taktik und Gegentaktik eingeht und darauf, wie schnell ein operativer Vorteil durch Gegenmaßnahmen des Gegners sich wieder auflöst.

    Hatten die Alliierten 1916/17 auch schon ein Sicherungssystem durch Korvetten und Zerstörer entwickelt, die als "Feger" die U- Boote auf Distanz halten sollten und gab es schon so etwas wie ein "Handbuch" des Konvoisystems und der gezielten U- Bootbekämpfung?

    Im Roman das "Boot" ist der "Alte" immer wieder frustriert, dass das Boot nach Tauchfahrt einen Konvoi nicht mehr einholen kann. Wenn ich mich recht entsinne, lief das Boot maximal 16 Kn und bei Tauchfahrt etwa 6 kn. Wie sah das im 1. Weltkrieg aus?
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehr richtig,
    technisch bedingt (ich habe aber keine Statistik) müßte die Masse der Angriffe im Ersten Weltkrieg als Überwasserangriffe gefahren worden sein.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das ist richtig. Gilt aber glaube ich auch für den Anfang des 2. WK.
    Ein Torpedo war "Schweinisch-teuer" und auch noch relativ unzuverlässig, lohnte für ein Handelsschiff eigentlich gar nicht. Bordkanone, Sprengpatronen, öffnen der Bodenventile waren die gebräuchlicheren Kriegsmittel.

    Aber der Techniksprung war natürlich groß. U9 (Weddigen mit den 3 Panzerkreuzern) z. B. hatte noch einen Petroleum-Motor, der fürchterlich qualmte. Was 1915 schon zu einem verdammt kurzen Leben geführt hätte.

    Kretschmar hat recht. Wobei ich natürlich nicht weiß inwieweit ihm die Fakten da schon bekannt waren. Die Funkerei 39-45 hat durch die geknackte Enigma die Sache entschieden. Wobei nie ernsthaft deren Entschlüsselung vermutet wurde. Auf den U-Booten war ein Gerät vorhanden, das eine Radarortung meldete, die U-BootKommandanten vermuteten, dass dessen Eigenstrahlung die Boote verrieten, und schalten sie gleich gar nicht mehr ein.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Hallo Zusammen,

    also Geleitzüge oder besser Konvios wurden im 1WK mit der deutschen U-Bootoffensive Feb 1917 eingeführt. Gesichert wurden diese durch kleine Kreuzer, Torpedoboote oder Torpedobootzerstörer. Spiezelle Kampfschiffe zur U-Boot jagt, wie die Zerstörer im 2WK gab es noch nicht.
    Auch waren die deutschen U-Boote bei weitem nicht so stark, bei einem Unterwasserangriff, meist wurden Handelsschiffe über Wasser angegriffen. Bei einem von Kriegsschiffen gesicherten Konvoi, hatten so die U-Boote kaum noch die Möglichkeit, etwas zu versenken.
    Die Petroliumboote waren U1 – U18, ab U19 wurden MAM Diesel zwischen 2x850 – 1500PS eingebaut.
    Als weitere Typen sind die Ms Uboote mit Größen von 725t bis zum Projekt 42, das 1335t verdrängte. Als weiteres wurden die kleinen Uboote UC und UB gebaut, die von der belgischen Küste aus operierten. Diese Boote verdrängten 127t bis 474t und wurden im Baukastensystem auf den Werften gebaut, mit der Bahn in einzelnen Sektionen an die belgische Küste gebracht und dort fertig montiert. Bei den kleinen Ubooten gab es noch eine ganze Reihe sog. Minenboote, die speziell zum Minenlegen gebaut worden sind.
    Die U-Kreuzer vedrängten 1512t bis 2158t und waren meist mit 2 15cm Geschützen, sowie 2 8,8cm Geschützen bestückt. Mit dieser Bewaffnung zeigten die großen Boote, dass die Torpedowaffe nicht unbedingt die primäre Waffe war.
    Reichweiten bei den Ms-Booten lagen bei ca. 8000 bis 12000sm mit 8 Knoten Fahrt, die U-Kreuzer kamen auf bis zu 25000sm mit 5 Knoten Fahrt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. März 2008
  12. Köbis17

    Köbis17 Gast

    @silesia, hier die Zahlen für den Zeitraum Okt 1916 bis Juni 1917

    Versenkte Handelsschifftonnage

    Okt 1916 - 345.662t ( davon 125.152t Mittelmeer )
    Nov 1916 - 326.689t ( d. 166.130t Mittelmeer )
    Dez 1916 - 307.847t ( d. 136.717t Mittelmeer )
    Jan 1917 - 328.391t ( d. 78.541t Mittelmeer )
    Feb 1917 – 520.412t ( d. 105.670t Mittelmeer )
    März 1917- 564.497t ( d. 61.917t Mittelmeer )
    Apr 1917 – 883.461t ( d. 254.911t Mittelmeer )
    Mai 1917 – 629.692t ( d. 170.626t Mittelmeer )
    Juni 1917- 703.619t ( d. 164.299t Mittelmeer )
    Ab Juli 1917 gehen die Zahlen stark zurück, auf die Zahlen von Ende 1916.

    U-Boot Lieferungen/ Verluste

    Okt 1916 - 11 neu / 1 Verlust
    Nov 1916 - 10 neu / 3 Verlust
    Dez 1916 - 14 neu / 5 Verlust
    Jan 1917 – 8 neu / 2 Verlust
    Feb 1917 – 3 neu / 2 Verlust
    März 1917- 5 neu / 4 Verlust
    Apr 1917 - 5 neu / 3 Verlust
    Mai 1917 - 4 neu / 6 Verlust
    Juni 1917 - 6 neu / 4 Verlust
    Juli 1917 - 10 neu / 3 Verlust
    Aug 1917- 14 neu / 6 Verlust
    Danach gehen die Indienstellungen zurück, während die Verluste steigen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. März 2008
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielen Dank für das Material! :winke:

    Der Anstieg ist demnach kaum auf das Bauprogramm zurückzuführen, im Gegenteil, die Statistik zeigt den Abfall der Zugänge nach Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges.

    Andererseits dürfte die Hochschätzung Ende 1916, etwa 20% Anstieg der versenkten Tonnage zu erreichen, damit viel zu gering gewesen sein. Diese Angabe habe ich Stegemann, Die Deutsche Marinepolitik 1916-1918, entnommen.
     
  14. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Bitte, bitte,

    Achtung, die Indienststellungen weichen teiweise stark von der geplanten Indienststellung ab. So waren für März 1917 14 Boote geplant, Indienst kamen aber nur 5. Dies ist allerdings die Größte Abweichung, sonst entspricht es annähernd der Planung.


    Gut erkennbar ist, das mit Beginn der Feb Offensive, die Verluste bei den Alliierten steigen, die mit der Einführung des Geleitsystems entgegentreten und erfolg haben.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Laut MGFA Militärgeschichte ist der Rückgang in den Versenkungszahlen ab Sommer 1917 nicht nur auf das Geleitsystem zurückzuführen, sonder mehr noch darauf, dass die vorhandenen U-Boote durch Überbeanspruchung "verschlissen" waren. Hohe Zahlen von U-Booten "am Feind" waren nur erreicht worden, indem eigentlich notwendige Werftliegezeiten schlicht gestrichen wurden. Man hatte versäumt rechtzeitig ein größeres Bauprogramm zu beginnen.

    Die Marineleitung, oder jedenfalls die Befürworter des uneingeschränkten U-Bootkrieges, stellten Berechnungen und Planungen auf, dass England, bei geringerer als den tatsächlich erreichten Versenkungszahlen, binnen 5 Monaten geschlagen wäre.

    Im Sommer 1917 stand man dann da, mit einer ausgelutschten U-Boot-Flotte, England war angeschlagen, aber keineswegs besiegt, die USA war zusätzlich zum Kriegsgegner geworden, und das Renommee war für Jahrzehnte versaut.
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich bin wirklich kein Marineexperte, glaube mich aber erinnern zu können, dass die Deutschen auch Handels- U- Boote besaßen, die in den USA Kriegsmaterial und Rohstoffe einkauften, die sie dann nach Deutschland brachten. Diese Fahrten wurden offenbar auch propagandistisch ausgewertet, so hielt u. a. Graf Zeppelin eine Laudatio zur erfolgreichen Fahrt eines solchen U- Boots.
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  18. Köbis17

    Köbis17 Gast


    Ja, es gab zwei Stück, die als Handels-U-Boote in Dienst kamen, die Deutschland und die Bremen. Von deutscher Seite her wurden sie als Handelsschiffe vermessen. Sie hatten 791 BRT. Schon Sommer 1916 ging die Deutschland zur ersten Fahrt nach Amerika. Sie transportierte 163t konzentrierte Farbstoffe nach Amerika, wofür ein Gewinn von ca. 1,4 Mio Dollar erzielt wurde. Nach Deutschland nahm sie 348t Kautschuk ( 257t davon außenbords), 341t Nickel und 93t Zinn mit.
    Die Bremen ging auf ihrer ersten Fahrt Ende 1916 aus unbekannten Gründen verloren. Es wurden 6 weitere Fracht-Uboote auf Kiel gelegt. Doch bevor diese April/Mai 1917 vom Stapel liefen, wurden sie schon wieder einem militärischen Verwendungszweck vorgesehen. Es sollten Artillerie-Uboote (U-Kreuzer) werden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. März 2008
  19. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Zu dem Thema schrieb Scheer am 8. Nov 1917 an den Staatssekretär im RMA: " Der Ubootkrieg tritt in das entscheidende Stadium: Die Gegenwirkung wächst, die Geleitzugorganisation konzentriert die Angriffsmöglichkeiten auf immer weniger Punkte und Straßenm deren wechselnde Lage uns nicht bekannt ist. Alte Kommandanten fallen aus, neue können sie zunächst gleichwertig nicht ersetzen. ....... Das Herabsinken der Gesamtergebnisse kann also nur noch durch Vermehrung der Zahl der für den Ubootkrieg verfügbaren Uboote ausgeglichen werden. Tatsächlich aber haben im letzten Monat bereits die Ubootverluste den Zuwachs übertroffen. ....... Die Entwicklung des Ubootbaus und der Wiederfertigstellung der auf den Reperaturwerften liegenden Booten während der letzten Monate bleibt hinter den Erwartungen zurück. Abhilfe, d.h. schnelle Forderung des Ubootneubaus und der Ubootreperatur muß erreicht werden. ......"

    Danach begann die Zeit der großen Uboot Bauprogramme, die in das Scheerprogramm 1918 mündeten, aber nie richtig zur Ausführung kamen.
     
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Bremer Reeder und Großkaufleute, die in das Projekt involviert waren, hatten allerdings kräftig US-Kapital mit "an bord" genommen, so dass dies auf Dauer wahrscheinlich kein Problem gewesen wäre.


    Zur Deckung/Ablenkung von U-Bremen war übrigens ein normales U-Boot (U 53?) in die USA gefahren, das auf der Rückreise noch im angesicht der US-Marine kräftig englische Handelsschiffe aufbrachte.
     

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