Überlegenheit der Preußen im Siebenjährigen Krieg

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Freund07, 8. November 2006.

  1. Freund07

    Freund07 Mitglied


    Hallo Leute,
    ich wollte hier mal die Frage diskutieren, warum die preußische Armee, unter Friedrich dem Großen, trotz starker zahlenmäßiger Unterlegenheit, ihren Gegnern Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, Sachsen und dem H.R.R.D.N. im Siebenjährigen Krieg Paroli bieten konnte. Hier einige Zahlen zur Verdeutlichung dieser Situation.
    Es wurde 26 Schlachten geschlagen. In 23 dieser Schlachten waren die Preußen und Ihre Verbündeten zahlenmäßig unterlegen, in nur 3 Schlachten zahlenmäßig überlegen.
    Alle Schlachten mit zahlenmäßiger Überlegenheit konnten die Preußen und ihre Verbündeten für sich entscheiden. Von den 23 Schlachten in zahlenmäßiger Unterlegenheit, konnten die Preußen und ihre Verbündeten 12 für sich entscheiden, 11 Schlachten haben die Preußen verloren. In insgesamt 3 Schlachten erhielten die Preußen Unterstützung durch Ihre Verbündeten.
    Ich sehe eine Reihe von Faktoren die dafür Verantwortlich waren, das Preußen seinen Gegnern Paroli bieten konnte.

    Preußen
    Die preußische Armee wurde, in den meisten Feldzügen, von Friedrich den II. selbst geführt. Er war niemanden Rechenschaft schuldig, außer seinem eigenen Gewissen. Er konnte frei über alle zur Verfügung stehenden Ressourcen verfügen und musste keine Bittschriften an einen König, eine/einen Kaiserin/Kaiser oder einer/einem Zarin/Zar verfassen.
    Seine Armee war erfahren und durch den bekannten harten Drill, incl. eines erstmals durchgeführten Manöver, bestens vorbereitet (Das sprichwörtliche schnelle Schießen der Preußen rührt wohl aus dieser Zeit). Die preußische Armee war mobiler als Ihre Gegner. Die Husarenregimenter wurden zu vollwertigen und schlachtfeldtauglichen Kavallerieeinheiten um- und weitergebildet. Neben Friedrich gab es einige hervorragende kommandierende Offiziere, Generäle und Feldmarschälle in der preußischen Armee. Die häufigen Aufenthalte des Königs bei seinen Truppen erhöhten die Disziplin und den Kampfwillen in diesen. Englische Zahlungen halfen, den Zustand der Armee, bis zu einem gewissen Grad, aufrecht zu erhalten.

    Österreich, Frankreich, Russland, Sachsen, H.R.R.D.N., Schweden
    Die Armeen seiner Gegner wurden von Generälen und Marschällen kommandiert, die immer jemanden Rechenschaft geben und benötigte Ressourcen beantragen mussten. Die Ausbildung der meisten gegnerischer Regimenter blieb hinter der der preußischen Regimenter zurück. Ihren König, Kaiser usw. hatten viele der Soldaten nie zu Gesicht bekommen, eine Vorbildwirkung wurde somit nicht erzielt. Die Verbündeten waren sich nicht wirklich einig. Die russische Armee wurde in den 1720-Jahren von preußischen Offizieren geschult. Die Stimmung in der russischen Armee war eher preußenfreundlich. Die logistischen Probleme der russischen Armee (große Entfernung von Ihrer Heimat) erschwerten deren Operationen. Österreicher und Franzosen misstrauten sich gegenseitig. Frankreich hätte sich lieber mit Preußen verbündet (wie in 1. und 2. schlesischen Krieg). Lediglich eine unglückliche Außenpolitik Preußens (die sich später, Dank der englischen Überlegenheit in den Kolonien, als doch glücklich herausstellen sollte), zu schnelles Bündnis mit England, brachten Frankreich und Österreich zusammen, deren Interessen bis dahin eher konträr waren. Die Franzosen sahen den Schwerpunkt Ihres Engagement eher in den Kolonien (Nordamerika und Indien) als in Europa. Viele der in Europa eingesetzten Regimenter waren nur zweitrangig. Die österreichische Armee kämpfte eher konventionell, ihre Regimenter waren in Ausbildung und Disziplin (mit einigen Ausnahmen) den preußischen unterlegen. Die sächsische Armee war der preußischen zahlenmäßig deutlich unterlegen, die Kampfmoral niedriger. Die schwedischen Truppen waren schlecht ausgebildet und schlecht geführt. Schweden und Russen misstrauten sich außerdem gegenseitig, da Sie beide um die Vorherrschaft im Ostseeraum stritten. Die Truppen des Reiches setzten sich aus vielen kleinen Kontingenten diverser reichsunmittelbarer Stände zusammen. Die Ausbildung und Ausrüstung war schlecht, die Offiziere unerfahren und die Versorgung von Anfang an schlecht.
    Für alle Seiten gilt, dass die Qualität der Truppen und Ihrer Offiziere, besonders die der österreichischen, französischen und preußischen Armee, im laufe des Krieges abnahm.
    Teilt Ihr meine kurze Einschätzung, oder seht Ihr das anders?
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die meisten Gründe für Preußens Gloria hast du schon genannt. Hinzuzufügen wäre, dass das Instrument einer Interventionsarmee bereits vom "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. geschliffen wurde, auch wenn es kaum zum Einsatz gelangte. Ausgerechnet unter ihm kam das Wort auf: "So schnell schießen die Preußen nicht." Erst der ins Regierungsamt gekommene Friedrich II. war offenbar von Anfang an entschlossen, die von seinem Vater hochgerüstete Armee als Instrument preußischer Machtpolitik einzusetzen. Nach dem Tod Kaiser Karls VI. sah Friedrich eine plötzliche Chance, Österreichs reiche Provinz Schlesien zu erobern. Eine Denkschrift zu den Kriegsvorbereitungen deutet bereits an, worauf sich die künftigen Erfolge der preußischen Armee gründeten:

    "Die Überlegenheit unserer Truppen, die Schnelligkeit, mit der wir sie in Bewegung setzen können, mit einem Wort: der klare Vorteil, den wir über unsere Nachbarn haben, gibt uns in dieser unerwarteten Glückslage eine ungeheure Überlegenheit über alle anderen europäischen Mächte:"

    Antrieb des Preußenkönigs war der politische Wille, Preußen die Stellung einer europäischen Großmacht zu verschaffen. Um diesem weit gesteckten Ziel näherzukommen, musste er schließlich alle Reserven des Staates aufbieten, um die Hohenzollernherrschaft vor dem Untergang und das Land Preußen vor völliger Zerstörung zu bewahren.

    Vielleicht liegt das "militärische Wunder" Friedrichs II. darin, dass Soldaten, Bauern und Bürger die Bedrohungen und Belastungen der königlichen Kriegsführung hingenommen und ausgehalten haben.
     
  3. collo

    collo Neues Mitglied


    so überlegen war preussen nicht, seit 1759, spätestens seit 1760 war es in der defensive und mehrfach am rande einer katastrophalen niederlage. es lag eher am unvermögen der gegner als am können der preussen, dass es nicht so kam.

    entscheidend ist aber das ausscheiden der russen zum jahreswechsel 1761/62 (schweden folgte kurze zeit später), das sog. "mirakel des hauses brandenburg", es blieben ein durch die kolonialkriege geschwächtes frankreich und ein ebenso kriegsmüdes österreich als gegner (man möge mir verzeihen, aber die reichstruppen zähle ich mal nicht mit).
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mit einem Rundumschlag kann man das nicht behandeln. Bei vielem greifst du, Freund07, etwas daneben und überschätzt heutige Ansichten.
    So war es im Zeitalter der Allianzkriege realtiv unerheblich, welcher Seite nun die Soldaten eher zugewendet waren in ihrer Sympathie und dass sich ein einfacher russischer Soldat für Preußen interessierte ist schon sehr abstrus, die meisten Russen wussten nichtmal was Preußen war und woher auch? Für die allermeisten Preußen war ja auch Russland etwas ziemlich barbarisches und unbekanntes.

    Nacheinander müssen die verschiedenen Armeen behandelt werden, da die Probleme, die sie hatten jeweils andere waren.

    Die Russische Armee siegten ja bis auf Zorndorf eigentlich immer, also wo soll man bei ihnen Schwächen finden? Bei Jägersdorf war der Kampf relativ ausgeglichen, da die Russen sich nicht in Ordre de Bataille gestellt hatten, sondern noch ungefähr in Marschposition waren, dennoch war ein Sieg unmöglich wegen der gewaltigen russischen Übermacht. Bei Kay wurden die Preußen entscheidend geschlagen. Das mir vorliegende Buch macht auch Mangel bei der preuß. Aufklärung dafür verantwortlich, vor allem weil ein Mentalitäts und Sprachunterschied, das Überlaufen erschwert hätte (also wieder entgegen Deiner preußenfreundlichen Russen die Aussage). Na ja und bei Kunersdorf der Sieg ist schon fast legendär oder die preußische Niederlage, wie man gerade will. Herbei geführt wurde er jedenfalls durch die Hartnäckigkeit der russischen Infanterie, welche die Preußen im Kuhgrund sich festlaufen ließ. Besonders die russische Artillerie galt als gefährlich. Scheinbar brachen die Russen die Feldzüge immer wieder recht früh ab, was an den langen Nachschubwegen gelegen haben mag. Nur das bewahrte Preußen vor dem Untergang nach all den schweren Niederlagen gegen die russische Armee.


    Die Sächsische Armee hatte durch die Politik Brühls schwer gelitten und war von 32.000 Mann auf unter 20.000 verkleinert worden. Wirklich entscheidende Aktionen oder gar sich, wie noch bei Kesselsdorf, den Preußen allein in den Weg zu stellen, war eigentlich undenkbar. Bei den Sachsen würde ich am ehesten noch von einem Heimatbewusstsein sprechen, da sie, nachdem sie in Pirna in die preußische Armee gezwungen wurden, relativ schnell zu großen Teilen dessertierten. Die sächsische Führung erwies sich ebenso wie schon im 2. Schlesischen Krieg als recht unfähig und der preußischen schlichtweg nicht gewachsen. Ein Rückzug rechtzeitig nach Böhmen, hätte die Armee gerettet und Österreich einen starken Alliierten erhalten. Dass die Sachsen aber nicht widerstandslos ihre Heimat räumen wollten, ist allerdings auch verständlich, zumal die preußischen Plünderungen rund um Dresden, die Ahnungen bestätigten.


    Die Österreichische Armee hatte scheinbar aus dem Debakel im Österr. Erbf.krieg nicht gelernt und besetzte manche Kommandostellen wiederum ungeschickt, was besonders bei Leuthen im Falle des Prinzen Karl von Lothringen zum Tragen kam. Daun erwies sich immer auf der Höhe der Zeit und Friedrich II. stets als ebenbürdig. Bei Kolin und Hochkirch siegte er auch aus eigenem Vermögen, nicht nur wegen Unzulänglichkeiten der Preußen. Die Österreicher hatten ihre Armee nach den ersten 2 Schlesischen Kriegen reformiert, die Artillerie verbessert. Auch geschicktere Befehlshaber wie Lacy bekamen eine Chance.


    Ohne den König zeigten sich bei Maxen wie Breslau, dass die preußische Führung auch Probleme hatte, nämlich kaum sich frei entfalten konnte, die Befehlshaber manchmal, wenn sie allein ein Kommando bekamen eben auch mal falsche Entscheidungen trafen. Vielleicht war da die Übervorsichtigkeit durch die kurze Leine, an der Friedrich seine Befehlshaber hielt, vom König selbst verschuldet. Kamen keine Befehle konnte das Verharren am selben Ort gefährlich werden.


    Zu den Franzosen kann ich wenig sagen. Sie kämpften zwar auch mehrfach gegen die Preußen, besonders in Westdeutschland, aber der Krieg verlief dort recht wechselhaft, da zum einen die alliierten Preußen und Engländer/Hannoveraner ihre Erfolge nicht ausnutzten, wie die Franzosen ihr zahlenmäßiges Übergewicht nicht entscheidend in die Waagschale warfen. Die Niederlagen gerade bei Minden und Rossbach trafen Frankreich schon hart und führten nach dem Krieg zu wichtigen Reformen, die Frankreich die modernste Armee ihrer Zeit gaben. Hier ein ganz guter Link mit einer Aufschlüsselung der eingesetzten Armeen und Befehlshaber auf dem westlichen Kriegsschauplatz, auch wenn etwas britisch gefärbt: http://www.britishbattles.com/


    Den Schweden gelang im Norden kaum einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die Preußen frötzelten gern über die Schwäche der Schweden und dass ein Husarenregiment ganz allein sie habe angeblich abhalten können, Preußen gefährlich zu werden. Eigentlich hatte Schweden die strategisch beste Ausgangsposition für eine Invasion auf Berlin zu, scheint aber die Chancen nicht genutzt zu haben und opperierte auch nicht abgestimmt mit den Russen, was einen schnellen und unumkehrbaren Erfolg gebracht hätte.

    Dass die Preußen hauptsächlich unter Friedrich II. selbst siegten, liegt auch daran, dass die besten Regimenter meistens beim König waren wie das Garde du Corps. Gerade kavalleristisch scheint tatsächlich Preußen was die Schlachtenkavallerie betrifft eine große Überlegenheit besessen zu haben. Die Kavallerieattacken bei Rossbach, als auch Prag waren oftmals kaum für die gegnerische Kavallerie zu parieren. Die Infanterie behielt auch in Krisensituationen zumeist die Nerven, ein gutes Stück mag auch Sturheit bei den preuß. Offizieren hinein gespielt haben. Die preuß. Generäle siegten, wenn die Koordinierung der verschiedenen Flügel und unterschiedlichen Waffengattungen klappte. Das klingt ganz einfach, aber Kolin ist das beste Beispiel dafür, dass die Abstimmung von Kav. und Inf. eben doch schwierig ist.

    Insgesamt kann ich bei Russen und Österreichern keine Ursachen für ein angebliches Scheitern feststellen, ich denke mal, dass collo die eigentlichen Gründe für den Ausgang des Krieges nannte. Österreich hätte allein nicht weitermachen können, was schon die Niederlage bei Freiberg recht eindrucksvoll bewies. Frankreich hatte kein Interesse an einem Erstarken des Hauses Österreich, trotz aller Verbundenheit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. November 2006
  5. AndreasKlammer

    AndreasKlammer Gesperrt

    Selbst bei den einzelnen Waffengattungen kann man nur schwer sagen welcher Staat überlegen war, z.B war Österreich in folgenden Bereichen zumindest der preuß. Armee ebenbürtig: leichte Kav. (ungarische Husaren), leichte Inf. (Panduren, Jäger) oder später bei der Art., die stets der Stolz der österr. Armee blieb.
     
  6. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Da gebe ich Dir recht. Friedrich II. hat ja aus den Erfahrungen des 1. und 2. Schlesischen Krieges gelernt. Ihm war aufgefallen, das vorallem die ung. Husaren relativ kampfstark waren. Daraus resultiert dann auch ein besonderes Programm, mit dem die preußischen Husarenregimenter fitt gemacht wurden. So wurden Offiziere aus Husarenregimentern zeitweilig zu den Dragonern und Kürassieren geschickt. Wenn man sich mal anschaut, in wievielen Schlachten des Siebenjährigen Krieges, die preußischen Husaren erfolgreich auf dem Schlachtfeld agiert haben, wird deutlich, wie erfolgreich das war.
    Auch in Sachen Artillerie haben die Preußen gelernt, hier vor allem von den Russen. Die russische Artillerie, die vor allem durch Ihre große Stückzahl in Erscheinung tratt, stellt F. II vor Problemen. Interessantes Detail, in den 1720-Jahren wurden die russischen Artillerieoffiziere von Preußen geschult. F II. massierte, wie die Russen, seine Artillerie und erzielte damit eine stärkere Wirkung. Um die mobilität der Artillerie zu verbessern, erfand er die berittene Artillerie.
    Brissotin, Du erwähntes das frühe abbrechen der russischen Feldzüge. Die Russen hatten natürlich immer wieder Versorgungsprobleme, aber die Bevölkerung in Ostpreußen erlebte ja des öffteren wie sich die russischen Truppen doch Verpflegung etc. beschafften. Das der einfache russische Soldat nicht besonders preußenfreundlich war, denke ich auch. Aber im Offizierskorps soll es anders gewesen sein. Da gab es wohl einige Freunde Preußens. Oft kann man lesen, das die Russen die Preußen im letzten Augenblick dann doch geschont haben. Den russischen Offizieren war ja durchaus bekannt, daß der Thronfolger Peter offen für Preußen Stellung nahm, und kein russischer General wollte sich durch einen entscheidenden Erfolg über die preußische Armee der Gefahr aussetzen, bei ihm in Ungnade zu fallen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. November 2006
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die Russen sind sicherlich sehr interessant, um die tatsächliche Schlagkraft der preußischen Armee zu ermessen. Bei Jägersdorf wie Kay griffen die Preußen trotz erheblicher nummerischer Unterlegenheit an und wurden daher geschlagen.
    Angeblich soll Friedrich II., die Überlegenheit einer guten Artillerie überschätzt haben. Dennoch tat er viel zur Modernisierung und die Verbesserung und Vermehrung der preußischen Artillerie, vor allem der sogenannten "Brummer", das war ein Schritt in die Richtung. Darüber hinaus wurden leichte Infanterietruppen aufgestellt, die Freibataillone. Die neuesten Aufstellungen so auch eine ganze Einheit aus ehemalig britischen Soldaten wurden nach dem Krieg wieder aufgelöst. Spezielle Fremdregimenter, wie Frankreich sie hatte, sollten in der preußischen Armee auch später keine Chance haben, außer den Bosniaken.

    Die propreußische Haltung der russischen Generalität sieht man ja am besten bei Burkersdorf, wo dann russische Truppen, obwohl Katharina die Große die Allianz ihres Gemahls mit Preußen löste, doch solange bedrohlich vor Ort blieben, wie es eben ging. Sympathien würde ich da ganz sicherlich als Ursache sehen.
     
  8. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Nun, bei Burkersdorf griff Friedrich II zu einer List. Mit der Begründung, er müsse noch für ihren Nachschub sorgen, verstand er es, die Russen (etwa 20.000 Mann) in das Gefecht zu verwickeln. Ihm war klar das die Österreicher unter Daum auch das russische Korp (kurzzeitiger Verbündeter der Preußen von 19. Juni 1762 bis etwa Mitte Juli 1762) angreifen würden, was diese auch taten und sich somit selber schwächten.
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Freund07
    Bist Du Dir sicher, dass die Österreicher die Russen tatsächlich angriffen. Normalerweise hätte das zu einer Kriegserklärung Russlands geführt. Ich dachte nur, dass die Russen eher als Zuschauer während der Schlacht in der Nähe verharrten, ohne einzugreifen, was aber den Österreichern eine recht ungeschickte Stellung behalten ließ, da dieses Verharren der Russen, den einen preußischen Flügel absicherte. Von einem Angriff auf die Russen habe ich noch nichts gelesen, lasse mich aber gern belehren. Aus welchem Buch hast Du die Info?
    Beim Generalstabswerk sind die Russen auf den Karten zur Schlacht bei Burkersdorf garnicht drauf, da sie immernoch zu weit weg von den eigentlichen Kampfhandlungen standen. Sie verhinderten ja nur eine weiträumige Umgehung im Westen durch die Österreicher.

    Aber zurück zu dem Thema.
    Was würdet ihr als die wichtigsten Merkmale der Überlegenheit der Preußen im 3. Schlesischen Krieg ansehen.
    - Leistungen des Generalstabs?
    - oberste Führung durch den Feldherr-König?
    - Ausbildung der Infanterie/Kav./Art.?
    - Organisation der Versorgung?
    - überlegene Strategie/gute Verteidigung?
    ... nur mal so als Beispiele.
    Belege in Zitaten dazu wären ganz nett oder, mehr als ein, Exempel aus Feldzügen oder Schlachten.
    :fs:
     
  10. AndreasKlammer

    AndreasKlammer Gesperrt

    Die momentane österreichische schwäche (vor allem finanzieller Natur) nach dem spanischen Erbfolgekrieg.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vor dem 3. Schlesischen Krieg, waren aber die Kaunitz/Haugwitzreformen in Österreich schon auf dem besten Wege, Erfolg zu zeigen.

    Ich habe mal gelesen, dass das österreichische Offizierskorps an sich in der Militärschule (da diese nur für den Adel zugänglich) relativ wenig durch Ausbildung als durch Abkunft glänzte und dass diese noch zuviel sich in den Beförderungen auch niederschlug. Positiv kam für Österreich sicherlich zum Tragen, dass sich auch Adelige des ganzen Reiches gern bei der österreichischen Armee (wie auch im Staatsdienst) verdingten. Das mag Innovation u.a. auch gebracht haben und die Abwanderung, gerade protestantischer Adelsfamilien durch die religiöse Intoleranz ausgeglichen haben.

    Leider kenne ich mich mit dem preußischen Offizierskorps nicht so genau aus, der Aufstieg aus dem Freikorporalsstand, der eigentlich dem Adel vorbehalten war, durch die Offizierslaufbahn mag eine praxisorientiertere Sichtweise befördert haben.
    http://www.ingenieurgeograph.de/Unterrichten/Kriegsschule_1765/kriegsschule_1765.html
    (ein Beispiel für die Militärschule in Preußen, man sieht mich auch irgendwo auf den Bildern :D )
     
  12. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Nein sicher bin ich mir da nicht. Habe diese Info aus meheren Internetseiten. Werde mal schauen, ob ich in entsprechender Literatur dazu etwas finde.

    Hier ein Ausschnitt aus Friedrich Engels "Kavallerie"
    Geschrieben Anfang März bis etwa 21. Juni 1858.
    Aus dem Englischen
    "Erst Friedrich dem Großen und seinem großen Kavalleriegeneral Seydlitz war es vorbehalten, die berittene Truppe völlig umzugestalten und sie zum Gipfel des Ruhms zu führen. Die preußische Kavallerie, schwere Soldaten auf plumpen Pferden, nur im Schießen ausgebildet, so wie sie Friedrichs Vater <Friedrich Wilhelm I.> seinem Sohn hinterlassen hatte, wurde bei Mollwitz (1741) im Handumdrehen geschlagen. Doch kaum war der erste Schlesische Krieg zu Ende, als Friedrich seine Kavallerie völlig reorganisierte. Schießen und Fußdienst wurden in den Hintergrund gedrängt und dem Reiten mehr Beachtung geschenkt.

    "Alle taktischen Manöver sind mit größter Schnelligkeit, alle Schwenkungen in kurzem Galopp auszuführen. Die Kavallerieoffiziere müssen die Leute vor allem zu vollendeten Reitern erziehen, die Kürsssiere müssen ebenso wendig und geschickt zu Pferd sein wie ein Husar und mit dem Gebrauch des Säbels wohlvertraut sein."

    Die Männer sollten jeden Tag reiten. Die hauptsächlichen Übungen waren Reiten in schwierigem Gelände, über Hindernisse hinweg, und Fechten zu Pferde. Beim Angriff war der Gebrauch der Schußwaffen gänzlich untersagt, bis die erste und zweite Linie des Feindes völlig gesprengt war.

    "Jede Eskadron, die zum Angriff vorgeht, hat den Feind mit blanker Waffe zu attackieren, und kein Kommandeur darf bei Strafe einer entehrenden Kassation seine Truppen feuern lassen; die Brigadegenerale sollen dafür verantwortlich sein. Beim Vorgehen fallen sie zuerst in schnellen Trab und schließlich in vollen Galopp, und zwar in straffer Ordnung; und wenn sie so angreifen, ist Seine Majestät gewiß, daß der Feind immer geschlagen werden wird.
    Jeder Kavallerieoffizier sollte immer daran denken, daß nur zwei Dinge nötig sind, den Feind zu schlagen: erstens ihn mit größter Schnelligkeit und vollster Kraft anzugreifen und zweitens seine Flanke zu umgehen."

    <298> Diese Abschnitte aus Friedrichs Instruktionen zeigen zur Genüge die völlige Neugestaltung, die er in der Kavallerietaktik durchführte. Er wurde von Seydlitz bestens unterstützt, der ständig die Kürassiere und Dragoner befehligte und solche Soldaten aus ihnen formte, daß - im Ungestüm und in der Geschlossenheit beim Angriff, in der Schnelligkeit der taktischen Manöver, im Bereitsein zu Flankenangriffen und in der Geschwindigkeit beim Sammeln und Neuformieren nach einem Angriff - keine andere Kavallerie der preußischen Kavallerie des Siebenjährigen Krieges je gleichgekommen ist. Die Früchte wurden bald sichtbar. Bei Hohenfriedberg ritt das Dragonerregiment Bayreuth - 10 Eskadronen - den ganzen linke Flügel der österreichischen Infanterie nieder, zersprengte 21 Bataillone, eroberte 66 Fahnen, 5 Kanonen und machte 4.000 Gefangene. Als bei Zorndorf die preußische Infanterie zum Rückzug gezwungen worden war, schlug Seydlitz mit 36 Eskadronen die siegreiche russische Kavallerie aus dem Felde und fiel dann über die russische Infanterie her, die er in einem großen Gemetzel völlig vernichtete. Bei Roßbach, Striegau, Kesselsdorf, Leuthen und in zehn anderen Schlachten verdankte Friedrich den Sieg seiner ausgezeichneten Kavallerie."

    Ich denke mal, mit diesen Ausführungen wird schon einiges deutlich. Die gute Ausbildung, hier der Kavallerie, waren ein wichtiges Merkmal der preußischen Überlegenheit. Die ständige Verbesserung der Taktik aber auch der Technik waren weitere Merkmale. Mit dem Hinweis auf den legendären Seydlitz wurde ein weiteres Merkmal angeschnitten. Die Preußen besaßen nicht nur einen Friedrich II sondern auch noch einige hervorragene Kommandierende Offiziere/Generäle. Weiter oben hatte ich ja bereits erwähnt das die reitende Artillerie eine Entwicklung F. II war. Die hohe Mobilität des gesamten preußischen Heeres ist ein weiteres Merkmal.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. November 2006
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Freund07
    Ich denke auch, dass die Stärke der preußischen Kavallerie und hierbei gerade die Reorganisation nach den ersten zwei Schlesischen Kriegen viel zum Erfolg der Preußen beitrug. Mobile Truppen wie die Kavallerie hatten einen imensen Wert zu der Zeit der Allianzkriege, wie auch das handstreichartige Unternehmen der Einnahme Berlins durch den Österreicher Hadik zeigt, der damit viel Geld in die Kassen der Kaiserlichen Armee spülte, ohne allerdings wohl den finanziellen Gewinn der Preußen mit der Aussaugung Sachsens auszugleichen. Obwohl die preußische Infanterie stets eine besonders herausragende Rolle in der Bewertung der preußischen Armee spielte, würde ich hier die Ursache darin sehen, dass sich die preußischen Könige durch das Tragen der Uniform des Regiments Garde (damals noch die Langen Kerls) durch FW I., dann der Gardeuniform des späteren IR 15 durch Friedrich II. und selbst weibl. Mitglieder der königl. Familie mit ihren Uniformkleidern (bei der Gemahlin FW I. die Litzen der "Langen Kerls") mit der Infanterie sehr identifizierten.

    Währenddessen trug ein Joseph II. (1765-1790 Kaiser) die Uniform seiner Chevaulegers.

    Als Paradebeispiel für die Wirkung der Kavallerie kann man Rossbach sehen, wo die Vernichtung der franz.-reichs. Kav. im Vorspiel des Hauptgefechtes eigentlich schon sehr entscheidend war, da ohne Flankensicherung und Augen der Armee, der Angriff Hildburghausens allein durch schlechte Koordinierung zusammenbrechen musste. Außerdem war die Kavallerieabwehr scheinbar bei der Infanterie noch nicht so hoch entwickelt, so dass ganze Infanterieregimenter, selbst welche die in Ordnung den Feind erwarteten durch den Ansturm von Kavallerie zersprengt werden konnten. Bei Mollwitz trugen die eingeschobenen Grenadierbataillone an den Flanken sicherlich viel dazu bei, dass der Angriff und die Übermacht der österreichischen Kavallerie, die preußische schlug sich miserabel wohl auch wegen der unerfahrenen Führung, abwehren konnte, was andererseits die Grenzen der Schlachtenkavallerie schon damals aufzeigt.

    Nicht zu unterschätzen ist teilweise der Vorteil durch die innere Linie aus der heraus sich Friedrich II. verteidigen konnte. Gerade um die Zeit von Rossbach, trotz der Niederlage bei Breslau, erwies sich wie schnell Friedrich mit starken Kräften vom westlichen Schauplatz, dem Unstrutgebiet nach Schlesien eilen konnte, um dann mit Leuthen seinen strahlensten Sieg zu erringen. Trotz der Niederlagen seiner Unterbefehlshaber bei Jägersdorf und Kay hielten diese Angriffe doch selbst die starken Russen auf, also bewährte sich auch hier die relative Deffensive, in welche die Preußen nach dem kurzen Offensivdebüt mit Pirna, Prag und Kolin gedrängt wurden.
     
  14. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    alter Thread, aber dennoch:

    nach wenigen Kriegsjahren, spätestens aber 1759 dürfte das Niveau sich angeglichen haben, schon allein aufgrund der Kriegsverluste.
    Ausser Seydlitz und vielleicht Ziethen, allerdings beide Kavallerie und somit ohne eignes unabhängiges Kommando.
    Anderseits gab's dann noch Finck und
    Bevern...

    Das wohl Schlimmste war das Nichtvohandensein eines aliierten Generalstabs.
    Österreich, Frankreich und Russland haben ihre Strategien miteinander nicht abgestimmt. Kein "getrennt marschieren, vereint zuschlagen" wie 1813.
    das würde ich bezweifeln. Die österreichische Artillerie war wohl die beste von allen um nur ein Beispiel zu nennen.
    muss auch nicht sein. wichtiger ist eine klare Hierarchie und nicht andauernd wechselnde Befehlshaber.
    joh. die Anti-Friedrich Koalition war nur auf dem Papier eine Koalition. ansonsten, jeder für sich.
    dem würde ich widersprechen. Die Franzosen haben nicht wirklich viel an Heeresmacht nach Kanada gekarrt. Man hat spätestens seit 1758 mit dem Verlust Kanadas gerechnet und dafür versucht in Deutschland einen Tauschpfand zu gewinnen, um später die nicht zu haltenden Kolonien wieder zurückzukriegen. Der Großteil der französischen Heeresmacht stand nach wie vor in Deutschland.
    der Anfangsvorteil der besseren Armee hat Preussen aber nicht wirklich weit gebracht. Es gab 2 Möglichkeiten Österreich aus dem Krieg zu kicken und beide hat Friedrich höchstpersönlich vergeigt.
    Erste in Böhmen bei Kolin 1757. Zweite, ein Jahr später bei der Mißglückten Belagerung von Olomütz. Dannach gab's nur noch Status-Quo beibehalten.
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gab ja nichtmal innerhalb der französischen Armee eine eindeutige Linie, sondern wie schon im Österreichischen Erbfolgekrieg ständige Probleme.

    Ich denke schon, dass zumindest bei den Franzosen der König bei der Armee einiges genutzt hätte. Franz I. hingegen kann ich nicht so recht einschätzen, da ich von ihm keine größeren militärischen Opperationen kenne. Denkbar wäre er am ehesten als Oberbefehlshaber der Reichsarmee gewesen, aber ob er sich das hätte geben wollen?
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke, im Siebenjährigen Krieg konnte von einer generellen Überlegenheit der Preußen schon keine Rede mehr sein. Der Preußenkönig bekannte, dass die österreichische Infanterie bei Lobositz wesentlich schlagkräftiger geworden war, und die Kavallerie und Artillerie der Österreicher war von hoher Qualität. Die preußische Armee dagegen wurde mit zunehmender Kriegsdauer schwächer. Dass sich der Preußenkönig schließlich dennoch behaupten konnte, lag einerseits am Vorteil der inneren Linie und dass er und seine Generale jeden Fehler der Gegner ausnutzten, andererseits aber auch daran, dass sich die Verbündeten uneinig waren und mit Ausnahme von Österreich auch kein wirkliches Interesse daran hatten, Preußen zugunsten Österreichs völlig zu liquidieren. Bei den Russen war zwar die Zarin Elisabeth einer der gefährlichsten Gegner, der Großfürst aber ein Bewunderer Preußens und Elisabeths Gesundheit nicht die beste.
     
  17. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Richtig.
    Und da wir gestern über Spiele mit historischem Hintergrund gesprochen haben, muß ich hier noch eine Empfehlung loswerden:
    "Friedrich"
    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_(Spiel)

    Friedrich: Das Brettspiel von histogame

    Da wird genau dieses Thema perfekt umgesetzt: Ein Spieler führt Preußen, und muß auf Zeit spielen, d.h. mit Hinhalte-Taktik, aber auch überraschenden Vorstößen, möglichst viele Runden überstehen.
    Und die anderen drei Spieler führen Frankreich, Österreich und Rußland und versuchen jeder auf eigene Faust, ihre persönlichen Ziele (bestimmte Städte zu besetzen) zu erfüllen.

    Funktioniert ganz hervorragend und ist eine der besten historischen Simulationen, die ich kenne.
     
  18. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    ich hab' das spiel auch. nur niemand der gern spielen würde :D
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Für solche netten Tipps haben wir auch einen eigenen Thread im Forum. :cool:
    http://www.geschichtsforum.de/f7/brettspiele-mit-historischem-inhalt-14612/
     
  20. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Klar, da habe ich es ja gestern schon empfohlen ;-)

    Aber hier geht es ja in erster Linie um den Kontext.
    Und eine so gute Spiele-Simulation des siebenjährigen Kriegs wird vielleicht auch Leute interessieren, die nicht im Spiele-Thread vorbeischauen.
     

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