Unsere Mütter, unsere Väter

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Jacobum, 16. März 2013.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Zustimmung. Dem kann man wohl wenig hinzuzufügen!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Fast wie bei Erdoğan

    Es wäre fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre: Die polnische PiS-Regierung, die ihrerseits von dem antijudaistischen/antisemitischen Sender Radio Maryja gestützt wird, will nun per Gesetz die Behauptung unter die Strafe stellen, Polen hätten im Zweiten Weltkrieg die Nazis bei der Sho'a unterstützt. Ja, 1/4 der als Gerechte unter den Völkern in Jad wa-Shem Geehrten sind Polen gewesen. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit, der demnächst in Polen unter Strafandrohung nicht mehr sagbar sein wird, ist, dass der exterminatorische Rassenantisemitismus auch in Polen verbreitet war und auch nach der Befreiung von der deutschen Besatzung noch Opfer forderte - und damit sind jetzt nicht Personen gemeint, die noch nach dem Mai 1945 an den Spätfolgen (Entkräftung, Typhus etc.) ihres KZ-Aufenthalts starben.
     
  3. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

  4. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Zugebenermaßen habe ich weder den dreiteiligen Spielfilm gelesen, noch die 24-seitige Diskussion gelesen.

    Trotzdem will ich auf den Artikel "Hybride Geschichte und Para-Histotie: Geschichtsaneignungen in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts" bei der Bundeszentale für politische Bildung Hinweisen.
    Konkret geht um die Wirkung von Spielfilmen auf das Geschichtsbewusstein. Insbesondere Junge Erwachsene könnte zwischen Fiktion und Historie, die in den Spielfilmem vermischt werden, nicht unterscheiden.

    Interessant ist natürlich auf das Fazit. Wenn Filme für eine europäische Öffentlichkeit produziert werden, müssen auch die Geschichtsbilder der jeweiligen Länder berücksichtigt werden.
    Der deutsche Opfermythos ist bereits ziemlich flach. Die Topoi von den bösen Juden, Polen und Russen, sind in Polen nicht gut angekommen - in den USA auch nicht. "Unsere Mütter, unsere Väter" war aber noch nicht vereinfacht genug für eine internationale Anerkennung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2017
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich weiß wirklich nicht, welchen Film die Leute da gesehen haben. Ich habe einen Vierteiler gesehen, in dem vor allem Deutsche zu Tätern wurden. Und zwar nicht die hundertfuffzigprozentigen Nazis, sondern ganz normale Männer (und Frauen). Und eben, dass es Antisemitismus/-judaismus auch in Polen gab und gibt. Eine Wahrheit, die man in Polen nicht aussprechen darf, obwohl sie überall in Polen offenbar wird (ich möchte damit den deutschen Antisemitismus, der jüngst ja auch wieder offener zu Tage tritt nicht relativieren). Die "Russen" waren in UMUV eigentlich in erster Linie Opfer. Erst gegen Ende des Films/Vierteilers, als das Lazarett überrannt wurde, waren Sowjetsoldaten auch als Täter zu sehen. Nachdem drei Teile lang vor allem Deutsche als Täter und Mörder gezeigt wurden, gab es eine oder zwei Szenen mit Sowjetsoldaten als Täter. Auch wenn die deutsche Zivilbevölkerung oft unschuldig zu Opfern wurde, so trifft doch hier wieder das alte Wort zu, wer Wind säht, wird Sturm ernten. Genau das ist Dtld. de facto passiert auch wenn der Sturm nicht unterscheidet zwischen Tätern und Nichttätern. Und genau das zeigt auch UMUV. Ich kann nur mein altes Unverständnis wiederholen: An UMUV ist viel zu kritisieren, aber es werden immer die Dinge kritisiert, wo der Film/Vierteiler die Geschichte durchaus angemessen darstellt.

    In den siebziger Jahren waren die VR Polen und die Bundesrepublik, trotzdem sie unterschiedlichen Lagern angehörten, mitden deutsch-polnischen Schulbuchgesprächen wesentlich weiter als heute in einer Verständigung auf ein gemeinsames Geschichtsverständnis.
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Spielfilme sind wahrscheinlich noch nicht mal das Problem, sondern das Framing mit Dokumentationen und Talkshows, die kaum zur Dekonstruktion des Films beitragen, sondern auch nur zur Bühne werden, auf der Schauspieler und Revisionisten die Filmhandlung am besten gleich gegen die Zeitzeugen verteidigen und auch eine Geschichtsdeutung des Films vorgeben.

    Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp hat die Talkshow Lanz zum Film kommentiert. Im Zentrum seiner Kritik steht Talkshowgast Arnulf Baring, ebenfalls Politikwissenschaftler. Deutsche Geschichte bei Lanz: Zu wenig Kolonien, zu viele Juden
    Man beachte hier, dass Baring den Film gleich als Quelle verwendet. Das verrückte ist, dass seine Argumentation auch noch geglaubt wird.
     

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