Unterrichtsbesuch - Politische Partizipation in der Republik

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von lynkovski, 1. September 2018.

  1. lynkovski

    lynkovski Neues Mitglied


    Hallo Geschichtsfreunde,

    ich bin Geschichtsreferendar und mein erster Unterrichtsbesuch steht in einer 11. Klasse an. Zuvor habe ich noch eine Doppelstunde, um grundlegendes Wissen zu erarbeiten. Nun spüre ich jedoch die Auswirkungen meines Studiums, das mich durch die Vermittlung von Inselwissen leider überhaupt nicht auf Quellen zur römischen Republik und ihr didaktisches Potenzial in der Schule vorbereitet hat. Ich meine mich zu erinnern, dass ich alleine nur ein Seminar in der Epoche der Antike hatte, und das handelte über den griechischen Oikos. Klasse. Darüber hinaus liegt mein Interesse wirklich in anderen Epochen. Aber vorab: Keine Angst, ich erwarte keine didaktische und methodische Beratung, lediglich eine fachliche.

    Nun sitze ich hier und überlege, was ich tun könnte. Vom Curriculum ist politische Partizipation in der Republik als Thema vorgeschrieben und der Kurs und ich haben zunächst das "Erbe Roms" erarbeitet, bevor eine Zeitleiste für die Zeit der Republik und des Kaisertums erstellt wurde. Nun ist es klar, dass ich in der Besuchsstunde den Konflikt zwischen Plebs und Patriziern thematisieren bzw. vertiefen möchte, und das möglichst arbeitsteilig. Vor der Besuchsstunde habe ich wie gesagt noch eine Doppelstunde, in der ich die Zeit der frühen Republik thematisieren und die politischen Wirkungsämter einführen möchte, sprich Senat, Magistrat und die Volksversammlungen. Quellen dazu habe ich bereits recherchieren können.

    Meine Überlegung für den UB ist bisher die folgende: Ich muss zu Beginn ein Problem eröffnen, das dann in 45 Minuten von den Schüler*innen untersucht werden soll. Wenn ich davon ausgehe, dass der frühe Konflikt zwischen Plebs und Patriziern und der Zusammenschluss als Concilia Plebis in der vorbereitenden Doppelstunde erarbeitet wurde, könnte ich doch mit dem SPQR Symbol starten und die Frage thematisieren, inwieweit das Volk und der Senat in der Zeit der frühen Republik wirklcih gleichberechtigt waren.
    Nun bin ich verzweifelt auf der Suche nach Quellen bzw. Darstellungen, die sich genau mit dieser Frage beschäftigen. Ich dachte da beispielsweise an die Schuldknechtschaft, zu der ich bereits die Zwölf-Tafel-Gesetze gefunden habe. Es gibt auch eine Darstellung eines Historikers, der die 'demokratische Institution' der Volksversammlung als gänzlich undemokratisch ansieht, da kaum Gesetzesbeschlüsse abgelehnt wurden und die Möglichkeit der Diskussion und Erörterung von Beschlüssen fehlte. Mehr finde ich dazu leider nicht.
    Macht diese Problematisierung mit den Quellen Sinn?

    Alternativ habe ich daran gedacht, in der vorbereitenden Doppelstunde die Ämter und ihre Funktionen einzuführen und darüber hinaus den Ständekampf zu thematisieren, um dann im Besuch mit den Zwölf-Tafel-Gesetzen zu starten. Die Frage wäre dann, ob die Zwölf-Tafel-Gesetzte nun endlich eine Verbesserung der Situation vieler Plebs darstellte, da ja Rechtssicherheit und Rahmenbedingungen für Alle ersichtlich waren. Dann würde ich mittels Quellen zur Schuldknechtschaft diese Fragestellung widerlegen wollen.

    Ich glaube, dass ich die Problemstellungen der Ständekämpfe zur Zeit der römischen Republik nicht wirklich durchdrungen habe und diese dann folglich nicht mit Quellen oder Darstellungen erarbeiten kann. Deshalb wollte ich euch fragen, ob ihr mir sagen könnt, inwieweit meine Planung vom rein fachlichen überhaupt sinnig ist. Vielleicht wisst ihr ja auch Quellen oder andere Darstellungen, die mit diesen Themen zu tun haben? Ich bin für jeglichen Input dankbar und hoffe, euch nicht durch zu viele didaktische Überlegungen verwirrt zu haben. Ich benötige eben nur eine Problemstellung, die ich durch Quellen oder Darstellungen eröffnen und anschließend arbeitsteilig erarbeiten lassen kann.

    Vielen Dank im Voraus!
    Chris
     
    thanepower gefällt das.
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich will dich nicht verprellen, aber folgende Passage evoziert natürlich Kritik:

    Dass du im Studium nicht jedes erdenkliche Thema durchkauen kannst, sollte dir doch spätestens nach zwei Semestern klar gewesen sein. Mich wundert auch, dass du nur ein Seminar zur Antike (Interesse hin oder her) hattest. Zumindest solltest du doch eines im Grund- und eines im Hauptstudium gehabt haben. In diesen solltest du ein gewisses Know Hoch erworben haben; neben dem Methodenwissen in erster Linie, wo man benötigte Informationen findet. Ich lese aus deinen Worten eine gewisse Bitterkeit, dass dir die Uni nichts oder nicht genug zur römischen Republik beigebracht habe. Aber das - und da endet auch meine Kritik - liegt in deiner eigenen Verantwortung.

    Ich halte vermeintlichen Anspruch der Formel SPQR und Wirklichkeit für keinen geeigneten problemorientierten Einstieg. Und wann ist die Formel überhaupt erstmals belegt? Du sprachst ja über "den frühen Konflikt" (welcher auch immer damit gemeint ist).

    Vielleicht hilft dir ja Karl Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt 1984 (2., verbesserte Auflage)? Ich würde mal in Richtung Konflikt zw. Volksversammlung und Senat schauen und mal nachschauen, ob es da nicht aussagekräftige Quellen gibt.
     
  3. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied


    Ingemar König, Der römische Staat, Reclam 2007, ist ein ganz gutes Standardbuch.
    Bei SPQR ist meines Wissens ein Mißverständnis häufig zu beachten: Es ist weder ein Symbol noch eine Formel, sondern die für Inschriften übliche Abkürzung, die einen Senatsbeschluß verkündet.

    Insgesamt halte ich das für eine Schulklasse für ein recht anspruchsvolles Programm - damit könnte man ein ganzes Seminar bestücken. Man muß bedenken, wie wenig wir eigentlich über die römische Frühzeit wissen und wieviel da in der Regel interpretiert werden muß.
     
  4. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Also bin ich nicht der einzige, der das identisch verstanden hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem Geschichtsstudium keine Quellenarbeit erlernt wird - das ist doch das A und O eines Geschichtsstudiums!

    Und grundsätzlich finde ich die Idee zu anspruchsvoll für eine Schulklasse. Mir kam eher die Wahlkämpfe in der römischen Republik und die Frage, ob sie wirklich im heutigen Sinne demokratisch wären in den Sinn. (Klientelsystem, Schlägerbanden, etc.)
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ich finde die umfangreiche Darstellung Deines "Problems" gut. Ansonsten: Wenn es die Darstellung eines "Historikers" gab, dann wäre es normal, diesen auch zu benennen.

    Zu den Quellen. Es sind die "üblichen Quellen", die Du bei einer schnellen und oberflächlichen Durchsicht eines Lehrbuchs schnell finden kannst (vgl. den Hinweis von hjwien zu dem entsprechenden Standardwerk). Ich habe einfach das nächst beste Buch im Regal gegriffen, Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms, S. 389, (die Quellen) und es sind Polybios, Livius, Cicero, Dion und Plinius auf die sich die Darstellung der republikanische Phase normalerweise bezieht. Ich schenke mir die Verweise auf die entsprechenden konkreten Bücher bzw. Abschnitte.

    Ansonsten ist der Begriff der "politischen Partizipation" ein Konstrukt, das moderne Phänomene beschreibt und für die Analyse des antiken Roms nicht hilfreich ist.

    In diesem Zusammenhang wäre es wohl zentral, den antiken "Demokratiebegriff" immanent zu nehmen und retrospektive Projektionen unserer heutigen Demokratievorstellungen zu vermeiden. Das antike Weltbild ist komplett anders gewesen wie das heutige, inklusive der Rolle der römischen Mythologie.

    Das hat zentrale Auswirkungen für das Verständnis von "Politik" und die Frage, was an den damaligen politischen Entscheidungen "demokratisch" war.

    Das können wir heute ganz anders sehen, aber die Bewertung kommt nach dem immanenten Verständnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2018

Diese Seite empfehlen