Verwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Kriege

Dieses Thema im Forum "Buchempfehlungen" wurde erstellt von ursi, 22. Oktober 2013.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Englunds Buch zum Dreissigjaehrigen Krieg ist - soviel sei vorweg gesagt - trotz einiger Schwaechen ein aeusserst lesenswertes Monumentalwerk, das sicher kuenftig seinen Platz neben denen der ebenfalls literarisch ambitionierten FachkollegInnen Ricarda Huch, Veronica Wedgewood und Golo Mann - wie unterschiedlich man deren historische Leistung auch einschaetzen mag - behaupten wird. Es unterscheidet sich damit in mancherlei Hinsicht wohltuend von anderen anlaesslich der Friedensfeierlichkeiten erschienenen "trockenen" Publikationen, die vermutlich kaum jemand lesen wird. Englunds Stil ist eindruecklich plastisch und dabei fluessig und verstaendlich. Andernfalls waeren die 652 Seiten Text nach heutigen Lesegewohnheiten auch eine Zumutung. Die stilistische und dramaturgische Kompetenz hat sicher wesentlich damit zu tun, dass der Autor nicht nur Historiker sondern auch Journalist und dabei vor allem Kriegsreporter ist und einen ueber das reine Fachpublikum hinausgehenden Kreis von RezipientInnen ansprechen will, weshalb er bewusst auf Fussnoten verzichtete - was allein ihn in den Augen so mancher PuristInnen schon zum minderwertigen "Belletristen" stempeln duerfte. Der vorliegende Band will aber mehr sein als bunter historischer Roman. Der Autor wollte Geschichte erzaehlen und nicht dozieren. Schon allein dieser Anspruch ist im Fach nicht unumstritten, dabei scheint dies die weitaus schwierigere Methode der Wissensvermittlung zu sein, will sie doch nicht nur Erkenntnisse weitergeben sondern auch fesseln.

    Aus: Peter Englund: Die Verwüstung Deutschlands. Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Stuttgart 1998. - H-Soz-u-Kult / Rezensionen / Bücher


    Peter Englung • Verwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges • rororo • 2. Auflage 2013 • 848 Seiten

    Buchempfehlung von: Brissotin
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Oktober 2013
  2. kowalski

    kowalski Neues Mitglied

    Wedgewood wird ja immer als der Klassiker angeführt. Aber Englund übertrifft sie einfach quantitativ, ist qualitativ genausogut und stilistisch besser.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Mir gefällt das Buch von Herfried Münkler, soweit ich es bisher gelesen habe durchaus besser. V.a. begibt er sich nicht wie Englund mit Themen von denen er keine Ahnung hat (Kleidung, Weltbild etc.) auf glattes Eis, sondern beschränkt sich eher auf die politischen, strategischen und taktischen Momente.
     
  4. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Hat schon jemand das Buch von Peter H. Wilson gelesen und kann etwas dazu sagen?
     
  5. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Wilson steht bei mir seit Weihnachten im Regal. Habs aber noch nicht begonnen.
    Englund liest sich unterhaltsam, aber es sind leider auch sehr viele Fehler drin.
    Münkler soll angeblich die Zeit nach Wallensteins Tod eher stiefmütterlich behandeln. Da ich das Buch aber nicht habe, kann ich das weder bestätigen noch abstreiten.
     
    Brissotin gefällt das.

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