Wannseekonferenz

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Themistokles, 3. November 2006.



  1. Themistokles

    Themistokles Neues Mitglied

    [FONT=Verdana, sans-serif]Im September habe ich den Geschichtsvortrag zum Antisemitismus mit Schwerpunkt auf dem 3. Reich abbekommen. Meine Lehrerin legt Wert darauf, dass ich die Wannseekonferenz miteinbeziehe. Das sehe ich nicht ganz ein. Mein bisheriger Stand ist, dass jenes Protokoll wohl die erste schriftliche Fixierung der Vernichtungsabsicht darstellt und daher ein Schlüsselprotokoll darstellt. Ansonsten wurde doch nahezu nichts beschlossen sondern es ist mehr als eine Informationsveranstaltung für drittrangige Nazis darstellt, die gar nciht die Kompetenz hatten soetwas zu entscheiden. Ihr Argument ist, dass von da an die organisierte Vernichtung begann. Aber deportiert und in Lagern gemordet wurde doch schon seit September. Was änderte sich denn nun konkret mit Wannsee an dem Los der europäischen Juden und wie ist die Rolle dieser Konferenz einzuschätzen?[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Mein wunderschöner Aufgabenzettel enthält außerdem den Vermerk „Holocaust als neue und schreckliche Qualität“. Was konkret ist diese neue Qualität (das Attribut schrecklich ist mir natürlich völlig klar)? Ist es die Absicht zur planmäßigen Ausrottung oder bezieht sich das auf die Methoden?[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich hoffe nichtzuviel Unwissen hiermit gezeigt zu haben.[/FONT]
    Diesen Thread heir werde ich mir natürlich in den nächsten Stunden durchlesen (hoffentlich stehen da nicht schon alle Antworten drin) http://geschichtsforum.de/showthread.php?t=9368
     
  2. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Die Website:
    http://www.ghwk.de
    Was "drittrangige Nazis" angeht, ist zu beachten:
    http://www.ghwk.de/teilnehmer-1.htm

    Insgesamt wird die Bedeutung des Protokolls auf dieser Seite überaus umfangreich dargestellt, auch sind die diversen Begleitdokumente zu finden.
     
  3. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Ich denke das bezieht sich auf die Methoden.
    Vor der Wannseekonferenz waren z. B. fahrbare Gaskammern unterwegs, um die Juden umzubringen, mit den Vernichtungslagern ging der Mord an den Juden in eine ganz neue Dimension.Es ging dabei besonders um die Zahl der ermordeten Juden pro Stunde, bzw. pro Tag, diese erhöhte sich enorm. Ich denke sie meint damit diese "neue und schreckliche Qualität". Allerdings denke ich, dass sie, falls sie das meint den falschen Begriff gewählt hat, müsste es dann nicht Quantität heißen?
     
  4. Themistokles

    Themistokles Neues Mitglied

    Auf dieser Seite lese ich etwas von Vertretern der ministerialbürokratie und der SS. Die Berufsbezeichnungen wirken ncith unwichtig, so dass ich bereit bin den Begriff 2.rangig anzusetzen (gilt nicht für Heydrich) aber es sind eben keine NAzigrößen, wie man sie bei einem wirklich wichtigen Treffen erwartet.
    Ich werde mich noch ein wenig auf de Seite umschauen.

    @Garius Marius
    ich glaube sie meint schon Qualität und hat diese Begriffe nciht verwechselt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. November 2006
  5. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Och, Staatssekretäre sind nicht gerade zweite Garnitur. Sie sind diejenigen, die die Verwaltung des Ministeriums am Laufen halten, quasi Stellvertreter des Ministers. Dazu der Chef der Gestapo, der Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes - das sind keine kleinen Fische. Aber die Seite bietet auch darüber hinaus so ziemlich alles, was Du brauchst: etliche Dokumente als .pdf, Sekundärliteratur, die man frei benutzen darf, Literaturliste etc. Gerade eben erschien übrigens der zweite Band von Saul FriedländersDarstellung "Das dritte Reich und die Juden", in dem die Wannseekonferenz sicher ebenfalls ausführlich besprochen wird.
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Von der Führungsebene der Nazis gibt es zum Holocaust meines Wissens lediglich Himmlers "Posener Rede". Nichts weiter. Gar nichts. Nur einige "nebenbei" Bemerkungen Görings und Goebbels sind nachgewiesen.

    Grüße Repo
     
  7. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Hans Frank hat diverses geäußert und ausführliche Tagebücher verfaßt, da ist allerhand zu finden.
     
  8. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Was sollten denn hier wirkliche Nazigrößen?
    Es ging hier doch nicht um eine politische Entscheidung, die war längst gefallen.
    Es ging um die verwaltungsmäßige Durchführung, in die eben neben SS, SD und Polizei alle weiteren betroffenen Reichsministerien einbezogen werden mussten, nicht auf der Ebene der politischen Führung, sondern auf der Ebene der administrativen Umsetzung. Die Konferenz diente genau diesem Zweck und entsprechend war der Teilnehmerkreis zusammengesetzt.
    Dabei kann man wohl annehmen, dass einer Reihe von Teilnehmern erst in dieser Konferenz so richtig aufgegangen ist, was die Worte "Endlösung" und "müssen entsprechend behandelt werden", wie sie im Protokoll vorkommen, bedeuten.
    Was zwar nicht im Sitzungsprotokoll ausgesprochen wird, was sich aber aus den genannten Zahlen und dem Drängen einiger Teilnehmer auf "schnelle Endlösung" ergibt, ist die Notwendigkeit, die "entsprechende Behandlung" massiv zu rationalisieren, das heißt, zu weit höheren Tötungsraten pro Tag zu kommen, als das mit den vor Einrichtung der Vernichtungslager vorherrschenden Erschießungen möglich war.
    Dieser Übergang von der Erschießung zur industriellen Massentötung ist sozusagen erst der Übergang von einer Art von Massenpogrom zum wirklichen Holocaust.
    Und damit beginnt mit der Wannseekonferenz und ihrer notwendigen Folge der industriellen Menschenvernichtung tatsächlich auch eine neue "Qualität", nicht nur "Quantität".
     
  9. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich stelle dir meine Notzien zur Wannseekonferenz zur Verfügung. Diese dienten zur Vorbereitung eines Seminars, sind also nicht ganz ausgefeilt, aber ich denke es könnte dir helfen.

    Am 20. Januar 1942 fand auf dem Anwesen am grossen Wannsee 56 -58 eine Besprechung statt, die als Wannsee-Konferenz in die Geschichte einging. Die Villa in der diese Besprechung stattfand war das Gästehaus der SS. Dieses Datum stellt in der Geschichte der Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa während des zweiten Weltkrieges eine wichtige Zäsur dar. Es gibt einige Irrtümer und Spekulationen um diese Konferenz. Weit verbreitet ist die Ansicht, bei der Wannsee-Konferenz sei die „Endlösung“ beschlossen worden. Die revisionistische und neonazistische Publizistik versucht anhand von pseudowissenschaftlichen Gutachten zu beweisen, dass dieses Protokoll von den Amerikanern nachdem Krieg gefälscht wurde.

    Situation 1941/42

    Bis in die fünfziger Jahre herrschte die Meinung vor, dass an dieser Konferenz der Beschluss gefasst wurde, die europäischen Juden zu ermorden. Diese Auffassung ist aber falsch, wie die neuere Forschung heute weiss. Der Mord an den europäischen Juden begann schon vor der Wannsee-Konferenz.

    Entstehungsgeschichte der „Endlösung“

    Mordaktionen im besetzten Russland. Vor dem Angriff auf die Sowjetunion wurden vier Einsatzgruppen aufgestellt. Auftrag: Ermordung sowjetischer Funktionäre und Ermordung der in Russland lebenden Juden.

    22.6.1941 Operation Barbarossa

    Polen
    Oktober und November 1941 wurden zwei kleine Vernichtungslager errichtet. Tötung durch Motorabgasen.
    Im KZ Belzec wurden Gaskammern errichtet. Vernichtungslager für die Juden der Distrikte Lublin und Lemburg

    Chelmno, umgebaute Gaswagen. Erster Einsatz 8.12.1941

    Und in Auschwitz wurden ab dem 3.9. erste Versuche mit Zyklon B unternommen, an russischen Kriegsgefangenen

    Diese Beispiele aus der Sowjetunion und Polen zeigen deutlich, dass eine Entscheidung im Hinblick auf den Massenmord zumindest an sowjetischen Juden bereits 1941 gefallen sein muss.

    Dann der Blick auf die Teilnehmer der Konferenz: Dieses Gremium konnte keine solchen Entscheidungen treffen. Die ranghöchsten anwesenden Vertreter der zivilen Behörden waren auf der Ebene der Staatssekretäre anzusiedeln, die der SD und SS waren Chef der Hauptämter. Wäre an dieser Konferenz tatsächlich der Entscheid zur Endlösung der Judenfrage gefällt worden, dann hätte Hitler als Reichskanzler, die Minister und Himmler als Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei anwesend sein müssen.

    _ Hitlers Führungsstiel war es nicht grundsätzliche Entscheidungen im Kollektiv und nach einer ausführlichen Diskussionsrunde zu treffen.

    Die Frage lautet also: Wenn der Massenmord bereits ausgeführt wurde, was geschah dann am 20. Januar 1942 am Grossen Wannsee?

    Herbst 1941

    Hitler und Himmler stellen die Weichen zur Deportation der Juden aus den europäischen Machtbereich.

    Sept. 1941
    Juden aus dem Grossdeutschen Reich und der Tschechoslowakei sollten nach Osten deportiert werden. Frankreich gab die Zusage, dass sobald es die Transportkapazitäten zuliessen, die franz. Juden deportiert werden.

    Okt. 1941

    Zusage Hitlers an die slowakische Staatsführung den Transport zu übernehmen.

    15.101941 Deportationen der deutschen, luxemburgischen, österreichischen und tschechischen Juden.
    Ziele waren Lodz, Minsk, Kaunas, Riga und für die tschechischen Juden liess Heydrich ein Ghetto in Theresienstadt einrichten.

    Betroffen waren zwischen dem 15.Oktober 1941 bis Januar 1942 52 000 Menschen, mehrere Tausend wurden bereits vor Beginn der Konferenz ermordet.

    Probleme:
    Aus der Sicht der Täter gab es in dieser Zeit massive Behinderungen bei der Definition, Registrierung und finanzieller Ausbeutung der Opfer, Einsammlung, Verschleppung und Einquartierung.


    Die Deportationen vom November und Dezember 1941 nach Minsk, Kowno und Riga brachten für die Planer unvorhersehbare Schwierigkeiten:

    - Der Generalkommissar für Weissruthenien Wilhelm Kube beschwerte sich nach einem Inspektionsbesuch im Minsker Ghetto, dass sich unter den Mitte November aus Berlin, Bremen, Brünn, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg verschleppten Juden auch Personen befanden, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatten oder deren Verwandte in der Wehrmacht waren. Hier waren bei der Organisation der Transporte durch die örtlichen Gestapo stellen fälschlicherweise Personen deportiert worden, die nach den Richtlinien des RSHA zunächst verschont werden sollten. Aber nicht nur in den Zielorten erhoben sich solche Proteste, auch in den Heimatstädten der Verschleppten versuchten die Arbeitsämter, Rüstungsinspektionen und nicht zuletzt die Betriebe, die Arbeitsjuden von der Liste streichen zu lassen.

    - Die Deportationen nach Kowno war eine Improvisation weil das eigentliche Ziel Riga noch keinen Platz hatte. Die knapp 5 000 Verschleppten aus Berlin, Breslau, Frankfurt/Main, München und Wien wurden am 25. und am 29. November 1941 von den Einsatzkommando 3 in der Festungsgräben des Forts IX in Kowno erschossen. In der Stadt Riga schliesslich befand sich bereits ein Ghetto mit ca. 30 000 lettischen Juden, die am 30. Nov. und am 8. Dez, nur deshalb in den Wäldern um Riga erschossen wurden, um die ankommenden Transporte Platz zu machen. Ein Transport von etwa 1000 Menschen aus Berlin kam genau zu diesem Zeitpunkt in Riga an und auch diese Juden wurden gleich erschossen. Hier muss man davon ausgehen, dass die Erschiessungen nicht zentral geregelt wurden. Denn es gibt eine Telefonnotiz von Himmler vom selben Tag darauf steht: Berliner Juden nicht liquidieren. Auch wurden die Erschiessungen in Riga von der Bevölkerung wahrgenommen worden. Und es gab Proteste.

    Diese Schwierigkeiten waren der entscheidende Grund für die Sitzung am Wannsee. Denn zwischen den Planungen in Berlin und den Realitäten an Ort bestanden grosse Diskrepanzen.

    Meine Quellen waren, neben dem Protokoll. Folgende Seiten :

    www.ghwk.de/deut/startneu0.htm
    www.shoa.de

    Und diese Bücher:

    Katalog zur Ausstellung:
    Berlin 2006, ISBN 3-9808517-4-5
    (Druckhaus Jütte-Messedruck Leipzig).

    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=2280

    Hannah Arendt
    Eichmann in Jerusalem
    Ein Bericht von der Banalität des Bösen
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. November 2006
  10. collo

    collo Neues Mitglied

    die wannseekonferenz wurde durch ein schreiben görings, der nr. 2 in staat und partei, an heydrich, der nr. 2 in der ss, initiiert. das schreiben görings ist wohl das einzige dokument aus der führungsriege, welches die "endlösung" beinhaltet. insofern hat repo unrecht.

    aus dem schreiben geht auch ganz klar die zielsetzung der konferenz hervor
    wiki

    die konferenz war dann, gemessen an dieser zielsetzung, sehr hochrangig besetzt, eben mit leuten aus der 2. und 3. führungsebene und nicht irgendwelchen referenten.

    ich glaube nicht, dass ein solches gremium, wie du es aufführst, einen beschluss zur "endlösung" gefasst hat. m.w. fanden die letzten kabinettssitzungen schon vor dem krieg statt. das widerspricht auch dem "führungsstil" hitlers, sich in solchen fragen abzustimmen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. November 2006
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das Schreiben vom 31.7.1941 kann man hier im Original nachlesen:
    http://www.ghwk.de/deut/goering.htm


    Stimmt und hier kann man sich die Teilnehmer genauer anschauen:

    http://www.ghwk.de/teilnehmer-1.htm


    Was aber unbestritten ist, ist die Tatsache, dass die Endlösung nicht an der Wannsee-Konferenz beschlossen wurde.

    Ein sehr aufschlussreicher Text:

    DIE WANNSEE-KONFERENZ UND IHRE HISTORISCHE BEDEUTUNG
     
  12. collo

    collo Neues Mitglied

    bestreite ich ja auch nicht, es ist eine "technische" konferenz, die den schon gefassten beschluss in konkrete massnahmen umzusetzen hatte. das ist aber auch keine "informationsveranstaltung" gewesen, wei themistokles es genannt hatte. und drittklassig war die besetzung auch nicht.

    ich würde an seiner stelle die bürokratisch-technokratische seite der konferenz in vordergrund stellen, das war kein antisemitismus mehr, hier ging es um nur noch um organisatorische und technische fragen, die opfer kamen nur noch als zahlenkolonnen vor.
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Genau, so sehe ich das auch.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zwei kleine Anmerkungen am Rande:
    Höhne geht in seinem "Der Orden unter dem Totenkopf" in Kapitel 13 Endlösung, davon aus, dass Hitlers Befehl zum Holocaust im März 1941 ergangen sein muss.

    "Mord durch Motorabgase" Es ist überall in der Literatur von "Diesel-Motoren" die Rede. Was mich sehr erstaunt, die Abgase von "Otto-Motoren" führen meines Wissens viel schneller und "sanfter" zum Tod, da Hochgiftig, während die Abgase von "Diesel-Motoren" eigentlich dagegen "ungiftig" sind.
    Auch war damals der Dieselmotor wesentlich ungebräuchlicher, will heißen Otto-Motoren einfacher verfügbar.
    Kann mir Jemand den Grund, den es ja gegeben haben muss, für die "Verwendung" von Dieselmotoren sagen. (alle verwendeten Begriffe sind Angesichts der Fakten überaus makaber)

    Grüße Repo
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zitat Collo:
    Aber auch dieses Schreiben Görings ist bewußt harmlos gehalten. Was ist eine "Endlösung" unter dem Kenntnisstand des Frühsommers 1941? Auf keinen Fall ein Völkermord. Insbesondere, da im 1. Satz des Schreibens ist von "Auswanderung oder Evakuierung" die Rede.

    Der von Ursi genannte Kube, Altnazi und strammer Antisemit, hat sich laut Höhne verhältnismäßig massiv gegen den Holocaust gewandt. "Was ist dagegen Katyn" "....Wenn diese Vorkommnisse im Lager unserer Gegener bekannt werden..." Zitate aus Höhne aaO.

    Grüße Repo
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Nimm mich ja wunder woher er diese Erkenntniss hat. Denn da ist er der einzige Autor der ein Datum nennt. Denn es gibt keinen Beweis das es einen Hitler-Befehl gab. Es sind keine Schriftstücke gefunden worden. Und solange es keinen Beweis gibt ist der Forschungstand - Es gab keinen Hitler-Befehl.

    Und zu dem Schreibstil der Naziführung: Sie halten ihre Schreiben immer bewusst harmlos. Auch das Wannseeprotokoll ist im Grunde sehr einfach gehalten.

    Und Kube war nachweislich am Judenmord beteiligt. Er setzte sich "nur" für die Juden ein die im ersten Weltkrieg hohe Auszeichnungen erhalten hatten.


    Die neuste Forschung ist unter anderm in diesem Buch enthalten, dass 2003. auf den Markt kam: Die Entfesselung der Endlösung geschrieben wurde das Buch von einem der besten Holocaustforscher zur Zeit. Steht in meiner Buchempfehlung - wer sich auf den neusten Stand bringen möchte, sollte es mal lesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. November 2006
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Höhne schließt dies aus dem "Kommissarbefehl" der vom März datiert.
    Ein schriftlichen Befehl zum Holocaust gibt es nicht. Den hätte man inzwischen gefunden. Aber dass es den "Führer-Befehl" gab, hielt ich für unbestritten.

    Meine Worte. Die Ober-Zampanos waren sich ihres verbrecherischen Tuns sehr wohl bewußt.

    Laut Höhne hat er von diesem Moment an aber ständig interveniert. Auch zu Gunsten ortsansässiger Juden.

    Mach ich doch direkt. Danke für den Tipp

    Grüße Repo
     
  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Interpretation "auf keinen Fall ein Völkermord" ist völlig unsinnnig. Dieser erste Satz bezieht sich ausdrücklich, klar und eindeutig auf den Erlaß vom 24. 1. 1939, als es um eine "den Zeitverhältnissen entsprechende möglichst günstige Lösung" ging.

    Im Gegensatz zu 1939 geht es jetzt aber, 1941, nicht mehr um eine den Vorkriegs-Zeitverhältnissen angepaßte Lösung, sondern ausdrücklich um die Endlösung.
     
  19. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wie schon gesagt, den gibt es nicht. Vielleicht findet ja mal jemand ein Befehl in den unzähligen Archiven. Ich gehe davon aus, wenn es einen solchen gegeben hat, dann wurde das Papier vernichtet. Auch Goebbels schreibt in seinen Tagebüchern nichts von einem solchen Befehl.

    Das waren sie, keine Frage.


    Er hat sich mit allen angelegt ob Himmler, Heydrich und wie sie alle hiessen. Ausser vielleicht mit Hitler.


    Gern geschehen.

    Noch meine Meinung zu Höhne. Ich bin kein Fan von ihm, er ist wohl eher Spiegel-Journalist als Historiker. Ich halte mich lieber an die renomierten Holocaustforscher. Wie eben Christopher Browning, Wolfgang Benz oder Raul Hilberg

    Raul Hilberg schreibt:
    "Aber was 1941 begann, war kein im Voraus geplanter, von einem Amt zentral organisierter Vernichtungsvorgang. Es gab keine Pläne und kein Budget für diese Vernichtungsmaßnahmen. Sie erfolgten Schritt für Schritt, einer nach dem anderen. Dies geschah daher nicht etwa durch die Ausführung eines Planes, sondern durch ein unglaubliches Zusammentreffen der Absichten, ein übereinstimmendes Gedankenlesen einer weit ausgreifenden Bürokratie".
    (aus Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933-1945, S. 9
    das Zitat steht auch auf Wiki)
     
  20. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Einen sehr guten Überblick über die Entwicklung vom Beginn des Ostfeldzuges bis zur Wannseekonferenz bringt
    Ian Kershaw Hitler Bd 2 Kap. 24 S. 612 bis 656.
    Kershaw zeigt hier die Entwicklung von Hitlers Denken in diesen Monaten.
    Der Besuch Himmlers im Führerhauptquartier vom 15.-20. Juli 1941 führte zu einer massiven Ausweitung der Personalstärke der Einsatzgruppen und damit zum scharfen Anstieg der Massenerschießungen, denen schließlich mehr als 500000 Juden in der Sowjetunion zum Opfer fielen.
    Am 31. Juli 1941 ließ Heydrich von Eichmann den Brief entwerfen, den er von Göring, dem offiziell für die Judenpolitik Verantwortlichen, haben wollte und der schließlich der Auslöser der Wannseekonferenz war. Dieser Brief weitete Heydrichs Verantwortungsbereich aus bis zur "Endlösung", aber das Ziel war zu diesem Zeitpunkt immer noch eine territoriale Lösung nach dem Sieg und der Auflösung der Sowjetunion. Der Begriff "Endlösung" hatte noch nicht seine abschließende Bedeutung.
    Am 18. August 1941 war Goebbels bei Hitler und erwirkte die Zustimmung zur Einführung des Judensterns. Goebbels Wunsch, Berlin "judenfrei" zu machen, verschob Hitler auf die Zeit nach Beendigung des Ostfeldzuges. Danach könne Goebbels die Juden in den Osten abschieben.
    Nach verschiedenen Gesprächen zwischen Hitler, Himmler, Ribbentrop und Rosenberg kann man annehmen, dass Hitler etwa Mitte September 1941 seine Meinung geändert hat und am 16. September die sofortige Deportation der deutschen, österreichischen und tschechischen Juden bei Himmler in Auftrag gab.
    Auch im Oktober sprachen Himmler und Heydrich immer noch von einer Deportation der Juden.
    Etwa in dieser Zeit begannen aber auch Massentötungen im Gebiet des ehemaligen Polen, nun Warthegau und Generalgouvernement. Dass dies von Hitler genehmigt wurde, ist nicht belegt, aber anzunehmen, wie man indirekt aus anderen Tötungsaktionen gegenüber tuberkulosekranken Polen schließen kann, für die Himmler's persönlicher Adutant auf die Notwendigkeit einer Führerentscheidung verwies.
    Am 29. November lud Heydrich zur ersten geplanten Wannseekonferenz am 9. Dezember 1941 ein, die am 8. Dezember abgesagt und auf den 20. Januar 1941 verschoben wurde.
    Am 5. Dezember 1941 hatte die große Gegenoffensive der Roten Armee eingesetzt und am 7. Dezember erfolgte der Angriff auf Pearl Harbor, auf den die deutsche Kriegserklärung an die USA folgte.
    Nun war die bis dahin offenkundig geplante Deportationslösung in absehbarer Zeit nicht mehr möglich.
    Am 12. Dezember hielt Hitler eine Rede vor den Reichs- und Gauleitern der Partei. Wie Goebbels berichtete, sprach Hitler dabei von "reinen Tisch machen", "Vernichtung des Judentums", "die Urheber des Krieges müssen mit ihrem Leben bezahlen".
    Generalgouverneur Frank erklärte am 16. Dezember vor Spitzen seiner Verwaltung, mit den Juden müsse so oder so Schluss gemacht werden. Er wußte nur noch nicht wie: " Die 3.5 Millionen ( im Generalgouvernement) können wir weder erschießen, noch können wir sie vergiften, wir werden aber doch Eingriffe durchführen, die zu einem Vernichtungserfolg führen."
    Auch bei der Wannseekonferenz war noch nicht völlig klar, wie diese Vernichtung im einzelnen bewirkt werden könnte, obwohl laut Eichmann Wörter wie "Töten, Eliminieren" verwendet wurden, die man im Protokoll nicht findet, aber diese Konferenz ist doch der organisatorische Aufbruch der Partei (SS, SD) und der Staatlichen Verwaltung in eine Aktion, die in den darauf folgenden Wochen zur endgültigen Definition des Begriffs "Endlösung" führen sollte, als der industriell gestalteten physischen Vernichtung der europäischen Juden. Hatte bis dahin immer noch der Arbeitseinsatz der Juden eine gewisse Rolle gespielt, so trat er nun hinter dem Ziel der Vernichtung völlig zurück.
     

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