Wie ist das jetzt mit den Keltiberern?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Riothamus, 28. November 2017.

  1. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied


    Wenn Hallstatt in Iberien nicht nachweisbar ist, dann frage ich mich, was genau meint denn preceltic in den Karten?
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Damit ist die Bevölkerung gemeint, die schon vor einer angenommenen keltischen Einwanderung im später keltischen Gebiet, bzw. von Kelten umschlossen dort gewohnt haben soll. Lusitani und Vettones z.B., obwohl ja keinesfalls gesichert zu sein scheint, dass die keine Kelten waren.
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied


    Nachdem ich die Wikipedia zu den sprachlichen Vermutungen referiert habe, nun was ich dort zu den archäologischen Hintergründen gefunden habe. Im Iberienabschnitt des allgemeinen Kelten-Artikels nennt die englische Wikipedia -ich referiere wieder nur - abgesehen von einigen gallischen Einwanderern die:
    • Keltiberische Gruppe, die mit dem Verbreitungsgebiet der mit der keltiberischen Schrift geschriebenen keltiberischen Sprache anscheinend übereinstimmt.
    • Vettonische Gruppe.
    • Vacceische Gruppe.
    • Castro-Kultur in Galicien. Einige lateinische Inschriften weisen keltische, einige Lusitanische Einflüsse auf.
    • Asturer und Cantabrer, wobei nicht ganz klar ist, ob diese wegen ihres langen Widerstands gegen Rom getrennt aufgezählt werden.
    • südwestlichen Kelten, im von Strabo Celtica genannten Gebiet.
    • Es wird erwähnt, dass John T. Koch Tertessische Inschriften des 8. Jh. v. Chr. für keltisch hält.
    Im selben Artikel wird das Gebiet der hispanischen Kelten und der Lusitanier als Einflussgebiet der Hallstatt-Kultur, aber nicht von La Tène auf den Karten gezeigt.

    Der Abschnitt stützt sich vor allem auf diesen Band von dem hier an der University of Wisconsin. Dann gibt es noch einen Verweis auf diese Seite mit einer sehr informativen Karte und die folgenden Angaben:
    • Coutinhas, José Manuel (2006), Aproximação à identidade etno-cultural dos Callaici Bracari, Porto.
    • John T. Koch, Tartessian: Celtic From the South-west at the Dawn of History, Celtic Studies Publications, (2009).
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das erwähnt auch George Broderick, Die vorrömischen Sprachen auf der iberischen Halbinsel. In: Uwe Hinrichs (Hrsg.): Handbuch der Eurolinguistik, Wiesbaden 2010.
    Weiter schreibt er aber: "... viele der tartessischen Schriftzeichen sind in ihrer Geltung noch umstritten, und es ist noch nicht möglich, irgend etwas Sicheres über die sprachliche Struktur oder gar den Inhalt der Texte auszusagen. Man muss damit rechnen, dass hier eine Sprache bezeugt ist, die mit keiner der bisher genannten hispanischen Sprachen identisch ist."

    Koch vertritt bekanntlich die These, das Keltische sei "an der Atlantikküsten entstanden und habe sich von dort nach Osten ausgebreitet" (Bernhard Maier); wir hatten es von dieser These schon in einem anderen Thread:
    Vorgeschichte der Kelten

    Da man nichts Genaues zur Sprache sagen kann, besteht natürlich nach wie vor die Möglichkeit, dass das Tartessische irgendwie mit dem Iberokeltischen verwandt sein könnte.

    Auch Jürgen Untermann (Die vorrömischen Sprachen der iberischen Halbinsel, Wiesbaden 2001) stellte sich "die Frage, ob nicht die Sprache der tartessischen Inschriften dieser [indogermanischen] Sprachfamilie zuzuweisen, vielleicht sogar in die Nähe der hispano-keltischen Dialekte, also des Lusitanischen und des Keltiberischen zu rücken ist.
    Noch ist aber nicht zu sagen, ob uns diese wenigen Indizien in die richtige Richtung oder in die Irre führen. [...] Es ist also noch durchaus möglich, dass wir mit dem Versuch, das Tartessische als indogermanische oder gar keltische Sprache zu verstehen, in eine Sackgasse geraten sind."
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2017
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Trotzdem noch eine kleine Randbemerkung:

    Wenn auf der Karte die frühen Sprachverwandten der Basken nicht nur nördlich, sondern auch südlich und westlich der Pyrenäen gezeigt werden, dann bewegen wir uns auch schon auf dünnem Eis.

    George Broderick:

    "Niemand weiß, wann und auf welchem Weg ihre Sprecher in die heutigen Wohnsitze gekommen sind; es liegt also nahe anzunehmen, dass sie in antiker Zeit bereits dort gewohnt haben. Aber so wahrscheinlich das ist, so schwer ist es nachzuweisen. Das einzige, was über isolierte Personennamen hinaus erhalten ist, ist eine lateinische Inschrift aus der Provinz Navarra mit Personennamen, die weder iberisch noch keltiberisch sind, die aber baskisch sein können. Außerhalb des heutigen baskischen Sprachgebiets wurden im oberen Garonnetal - zwischen den heutigen Orten Bagnères-de-Luchon und Saint-Bertrand-de-Comminges - lateinische Inschriften gefunden mit Weihungen von Personen, die baskisch aussehende Namen tragen, an Götter, deren Namen man ebenfalls mit Hilfe des Baskischen zu deuten versucht; einige weit verstreute Zeugnisse ähnlicher Art sind im französischen Pyrenäenvorland zutage gekommen, in einem Gebiet, für das die antiken Geographen den Volksstamm der Ausci erwähnen. Man nimmt an, dass die Sprache dieser Ausci eine frühe Stufe der baskischen Sprache gewesen ist. Ob sie in vorrömischer Zeit auch südlich der Pyrenäen und westlich des Biskayawinkels gesprochen worden ist, lässt sich nicht ermitteln. So muss man vielleicht annehmen, dass das Baskische nicht zu den althispanischen Sprachen gehört: vielleicht ist es erst mit römerzeitlichen oder frühmittelalterlichen Bevölkerungsverschiebungen in die Halbinsel hineingetragen worden."
     

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