Zwangsislamisierung

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von HakaN, 17. April 2011.

  1. HakaN

    HakaN Neues Mitglied


    Gab es eigentlich Zwangsislamisierungungen unter den Osmanen wie bei den Christen zu der Zeit?
    Wenn ja,was für Auswirkungen hätte es auf den verlauf der Geschichte gehabt.
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    ja. Es gab (eigentlich unislamische) zwangsislamisierungen. Staatlicherseits bei den janitscharen, selbst wenn vereinzelt stark davon auszugehen ist, dass diese nur oberflächlich bzw. "Pro forma" erfolgte. Ansonsten gab es sie nicht, auch wenn es mal vereinzelt radikale Personen gegeben haben mag, die ihre Nachbarn gewaltsam bekehren wollten. Selten war zudem die aktive Missionierung, z.b. durch geldgeschenke, bodenvergabe, und andere materielle zusatzvorteile.
     
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  3. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied


    Da muss man auch die andere Seite ansprechen .

    Die höhere Besteuerung " ungläubiger " Untertanen , Unterdrückung deren
    religiöser Betätigung , Benachteiligung bei Rechtssprechung etc.
    Von der Bedrückung durch die " Knabenlese " nicht zu reden.

    Insofern bestand schon ein ständiger Druck , den Islam als Religion anzunehmen - um seine persönliche Situation zu verbessern.
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    es wurde hier von zwangsislamisierungen gesprochen. Nicht von Integration, Assimilation, Sozialen oder asozialen drücken und gegendrücken. Das hatten wir alles schon in anderen threads ausführlichst dargestellt. (Und zur "knaben"lese oder "junge erwachsenenlese": schaue mal in Geschichtsbücher rein, wie in christlichen Reichen Soldaten rekrutiert wurden, nicht selten könnte man diese zwangsrekrutierungen ebenso bezeichnen, mit dem unterschied, dass meist keine so umfassende Ausbildung erfolgte.)
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wird die Kritik an der türkischen Knabenlese dadurch entwertet?
     
  6. Osman61

    Osman61 Neues Mitglied

    Es gab keine offizielle Zwangsislamisierung, außer natürlich bei den Janitscharen,
    sie war sozusagen inoffiziell: Nichtmuslime mussten eine spezielle Kopfsteuer zahlen, sie waren vor dem Gesetz den Muslimen unterlegen und waren nicht mit den Muslimen gleichgestellt. Viele Christliche Europäer wie z.B. in Bosnien und Albanien konvertierten zum Islam um so mehr Rechte zu erhalten. Im 19.Jahrhundert jedoch verfügte Abdülmecit I. dass Christen und Muslime gleich sind.
    Ich hoffe ich konnte dir helfen!
     
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  7. HakaN

    HakaN Neues Mitglied

    Danke für eure antworten.
    Es gibt viele stimmen in der Türkei die der Meinung sind,
    hätte man die eroberten gebiete islamisiert und Türkisiert standen wir
    heute viel besser da.:grübel:
     
  8. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Wer ist denn wir? Und was wäre besser?
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Er meint wohl, dass das Osmanische Reich am Balkan vielleicht nicht zerfallen wäre, wenn der Balkan zwangsislamisiert und turkisiert worden wäre. Das würde türkische Nationalisten bestimmt freuen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2011
  10. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Womit er allerdings jegliche inneren Faktoren ausblendet.
     
  11. Daglargibi

    Daglargibi Neues Mitglied

    Es gab während der Osmanischen Zeit keine zwangsislamisierung und das hatte auch seinen gründe. Ich werde erstmal diese gründe nennen dann zu janitscharen kommen. Erstens ist es in koran verboten jemanden mit Buchreligion ( christen,juden ) mit zwang zu konvertieren. Das war aber nicht das einzige grund, noch wichtiger für Osmanen war ciziye (kopfgeldsteuer ) jede die nicht an islam übergetretene mußte diese Steuer bezahlen und mit diese Steuer war der recht und freiheit alle nichtmuslimen garantiert wurde ( natürlich hatten christen und juden nachteile was in der staatangelegenheiten angeht gegenüber muslime aber sie wurden nicht wie in inquistion wegen ihre religion verbrannt oder vertrieben ). Wegen diese steuer haben im balkan albaner pomaken (muslime bulgaren ) und bosnier den islam angenommen . Der übertrat zu islam hatte vorteile damit konnte man auch beamten und andere stellungen in den staat übernehmen also der Weg war offen. Janitscharen wurden von christlichen balkanländern genommen jede Haus mußte 1 kind geben aber das hat nicht mit islam oder zwangislamisierung zu tun diese knaben wurden in Enderun gebildet.Was heute viel mit islamisierung verwechselt wird ist die Apostasi. Es gab in Osmanischen rechtssystem viele todesvollstreckung die mit christen zu tun hat es sind die jenigen die den Islam übernommen aber später ihre eigene religion wieder annahmen. in islamischen recht ist es verboten wenn du den islamischen religion annimst darfst du nicht mehr zurück das waren die jenigen die getötet wurden und nicht die jenigen die christen waren. In kürze gefasst bleib christ zahl deine steuer dann passiert dir auch nichts du hast deine eigene Richter deine eigene rituale aber wenn du den islam übernimmst dan wieder verläßt dann wirst du mit todesstrafe bestraft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2011
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  12. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Auch in Bulgarien, Serbien und Griechenland haben viele Leute den Islam angenommen wurden aber nach den Unabhängigkeitskriegen teilweise vertrieben, teilweise umgezogen um ihren Glauben zu leben, teilwise wurde ihnen die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

    In Bulgarien gibt es noch immer Pomaken und aus Serbien sind die meisten nach Bosnien gezogen wie z.B Alija Izetbegovic.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Du hast in deinem Beitrag sehr objektiv dargestellt, warum es in der Regel keine Zwangsislamisierung im Osmanischen Reich gab. :winke:

    Im Hinblick auf die Janitscharen bin ich allerdings nicht deiner Meinung. Wenn christliche Knaben unter Zwang rekrutiert wurden und im Rahmen ihrer Ausbildung den Islam übernehmen mussten, so lässt sich das nur als "Zwangsislamisierung" bezeichnen. Ich empfinde das so, wie es dieser Beitrag von Wikipedia beschreibt:

     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich will das nicht in Abrede stellen, Dieter, aber du weißt ja selbst, dass die Geschichte des Balkan aus politischen Gründen bis heute ein völlig vermintes Feld ist und auf Wikipedia jahrelang regelrechte Grabenkämpfe in Form von Edit Wars ausgefochten wurden. Das hat sich zwar auf Kosten des basisdemokratischen Elements bei Wikipedia (welches aber in Grundzügen noch immer existiert) gebessert, dennoch würde ich gerade Themen mit Bezug zur Geschichte des Balkan und der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan nur mit alleräußerster Vorsicht genießen.
     
  15. Daglargibi

    Daglargibi Neues Mitglied

    Erstens ist es in koran verboten jemanden mit Buchreligion ( christen,juden ) mit zwang zu konvertieren. Das war aber nicht das einzige grund, noch wichtiger für Osmanen war ciziye (kopfgeldsteuer ) jede die nicht an islam übergetretene mußte diese Steuer bezahlen und mit diese Steuer war der recht und freiheit alle nichtmuslimen garantiert wurde ( natürlich hatten christen und juden nachteile was in der staatangelegenheiten angeht gegenüber muslime aber sie wurden nicht wie in inquistion wegen ihre religion verbrannt oder vertrieben
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal unterscheiden sich in dieser Beziehung Islam und Christentum nicht sonderlich, auch im Christentum ist die Zwangskonversion nicht erlaubt - problematisch wurde es dann bei der Renegation. Also jemand, der getauft war oder die šahāda ausgesprochen hatte kam aus der Religion nicht mehr heraus, auch dann, wenn die Taufe z.B. als Zwangstaufe nicht rechtmäßig war.

    Nun noch zwei Dinge zu Kirche und Inquisition. Es gibt weder die Kirche, noch die Inquisition. Für die Inquisition(en) war die römisch-katholische Kirche zuständig. Zunächst einmal ist die Inquisition des Mittelalters - etwas was viele Menschen auch aufgrund unzureichender oder gar falscher Information nur ungern hören - als ein Fortschritt in der Rechtsgeschichte zu betrachten, der auch den Beklagten eine Form von Sicherheit gab, die sie zuvor nicht hatten. Nur mal als Beispiel Bernardo Gui, ein dominikanischer Inquisitor, der durch Buch und Film Der Name der Rose zu Berühmtheit gelangte. Von Bernardo Gui sind 900 Prozessakten erhalten: Darunter viele Freisprüche. Todesstrafen (die nicht von der Kirche, sondern von der weltlichen Macht vollzogen wurden) gab es etwa 40, also etwa 5 %, meist Wiederholungstäter. 5 % zu viel, keine Frage, aber bei weitem nicht dem entsprechend, was viele Menschen sich für ein Bild von der Inquisition machen und was auch durch den Namen der Rose weitertradiert wird - wobei auch hier übersehen wird, dass das Buch und selbst der Film sehr viel vielschichtiger sind.
    Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab: In der Frühen Neuzeit gab es zwei Inquisitionen, die Römische und die Spanische Inquisition.
    Die Römische Inquisition hat sehr viel mit der Inquisition des Mittelalters gemein. In den etwa 120 Jahren ihres Bestehens gab es relativ wenig ausgesprochene Todesstrafen, diese standen zudem immer im Zusammenhang mit Verbrechen, die auch vor weltlichen Gerichten mit dem Tode geahndet worden wären. Dass sie vor dem Kirchengericht verhandelt wurden, lag daran, dass die Verbrechen in einem kirchlichen Kontext begangen wurden, also z.B. der Mord an einem Priester oder einer Nonne.
    Im Übrigen aber war sowohl die Inquisition des Mittelalters als auch die Römische Inquisition nicht so sehr in die Händel mit Juden und Muslimen involviert. Es ging stattdessen gegen innerchristliche Abweichler. Die Römische Inquisition war außerdem für den Schutz der römischen Juden verantwortlich und es finden sich in ihren Archiven etliche Flugblätter, die sich gegen die Inquisition genau deswegen richten, weil sie Juden vor der Zwangstaufe schützte.
    Etwas ganz anderes ist nun die Spanische Inquisition, die sich gegen Neuchristen, die unter dem Generalverdacht standen, nach wie vor heimlich dem Judentum bzw. dem Islam anzugehören, richtete. Die Spanische Inquisition war allerdings weniger ein Instrument der Kirche - wobei natürlich die Inquisitoren Kleriker waren - sondern vielmehr ein Instrument der spanischen Könige, die sich der Inquistion auch bedienten, um ein homogeneres - katholisches - Spanien zu schaffen, was einher ging mit der Vertreibung der Juden (1492) und Muslime (ab 1492, so richtig aber erst ab 1570), sowie schließlich auch der Neuchristen (1608/09).
    Letztlich war aber die Schaffung eines homogeneren Spanien auch die Konsequenz aus berberischer Piraterie und dem Vordringen der Türken in Europa und Afrika.
     
  17. Femostan

    Femostan Neues Mitglied

    wurden bestimmte Völker Zwangsislamisiert ?

    Beispielsweise auf dem Balkan ?

    Gibt es da Quellen für systematische Vorgehensweisen ?

    lg
     
  18. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Für das Balkangebiet vor und nach dem langen Türkenkrieg kann ich nach meinem Wissenstand sagen: Nein. I.d.R. konnten andere Glaubensrichtungen (Christen/ Juden etc.) in islamischen Herrschaftsgebieten relativ unbehelligt ihr Leben leben, gegen eine "Schutzsteuer" (der Fachbegriff ist mir gerade entfallens ollte aber zu recherchieren sein) konnte man seinen eigenen Glauben ausüben und ion manchen Fällen seine internen Streitigkeiten selber regeln. (diese Schutzsteuer galt allerdings nur für die sogenannten Buchreligionen). Zum Islam zu Konvertieren war für Christen im OR mitunter aber sehr verlockend, da nach der Konvertierung 1. die Schutzsteuer wegfiel und man weitere Aufsteigschancen hatte. Man konnte als Konvertit in nahezu alle großen Staatsämter aufsteigen (auch hier gab es Beschränkungen die ich erst wieder recherchieren müsste).
     
  19. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    In späteren Zeiten war es sogar Recht schwierig Moslem zu werden da die Muslime ihre Privilegien nicht noch weiter teilen wollten.

    Und die Islamisierung hat nicht bestimmte Völker betroffen sondern alle von den Albanern bis zu den Bulgaren. Freilich nennen sich die muslimischen Bulgaren nicht Bulgaren sondern Pomanken und haben die skurilsten Ideen über ihre Abstammung entwickelt. Und da der bulgarische Staat wegen der EU eine immer weniger starke nationale Assimilierungspolitik machen kann, wird sich wohl die Zahl der Pomanken weiter erhöhen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis man in Bulgarien die Pomanken auch wirklich zählt wenn sie sich so bezeichnen und nich als Bulgaren islamischen Glaubens.

    Komisch ist freilich das sich Pomanke als Selbstbezeichnung durchgesetzt hat. Wenn man das frei übersetzt heißt es Helfer, Kolabeurateur oder Verräter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2011
  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ein Beispiel für eine Zwangsislamisierung sind die Nuristani in Afghanistan 1896.
     

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