Die punischen Kriege - Auswirkungen?

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Hallöchen !
Ich hätte da eine Frage: Wie wirkten sich die punischen Kriege speziell auf die Sozialstruktur Roms aus? Ich hab schon ausgiebig im Internet gesucht, aber nie mehr als 2 Sätze darüber gefunden. Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar (;
Lg

Edit: Bis jetzt habe ich das herausgefunden:
Es bildete sich eine Adelspartei unter der Führung berühmter Geschlechter und eine Volkspartei. Nach Ausdehnung der römischen Macht über Italien hinaus, wurden in den unterworfenen Gebieten Provinzen gebildet. Die Verwaltung erfolgt durch Prätoren als Statthalter des römischen Volkes. Ausbeutung der Provinzen durch fanden durch Verpachtung, Steuern und Zoelle an Steuerpaechter, die dem Ritterstand entstammten, statt. Als Folge des 2. Punischen Krieges kam es zur Entstehung einer Kriegsindustrie durch Einsatz von Sklaven. Des weiteren verlor der altroemische Agrarstaat an Bedeutung. Der Fernhandel im Mittelmeergebiet spielte eine zunehmende Rolle.

-ist das soweit richtig?
 
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Beim ersten punischen Krieg würde ich mal Überlegungen bzgl. der römischen Flotte anstellen, und nachdenken, was für Menschen aus welchen Schichten dort eingesetzt wurden.. dann würde ich im Rahmen der weiteren punischen Kriege mir die Landreformen bzw. deren Versuche ansehen.

Weiterhin gilt: Nur das Internet hilft selten weiter, aber die Wikipediaartikel in englischer Sprache könnten dir weiterhelfen.
 
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Schau mal hier rein:

Basiswissen Römer

Der Punkt "Rückwirkungen der Ausbreitung Roms im 2. Jh." könnte intressant sein. Für diese Ausbreitung waren die punischen Kriege (v.a. der 2.) sehr wichtig, auch wenn der genau genommen im 3. Jh. statt fand.
 
Zum 2.Punischen Krieg:

Die Bauern mußten, da sie als Soldaten dienten, ihre Bauernhöfe verlassen und somit vernachlässigen. Ihre Familien gerieten durch die lange Abwesenheit des Mannes häufig in Not.
Die Großgrundbesitzer kauften Land, welches sie beispielseise zur Viehzucht benötigten, im großen Umfang vom Staat oder nahmen es sich einfach, in der Hoffnung es nicht wieder zurückgeben z müssen.
Zusätzlich setzten den Großgrundbesitzern die ärmeren Bauern unter Druck und bedrohten sie sogar. bedroht. Die ärmeren Bauer gaben auf und gingen in die Städte. So wurden die Reichen also imme reicher. Der Verlierer war die übrige Bevölkerung Italiens, die an Stärke verlor und an den Abgaben, der Armut und den Kriegsdienst zu leiden hatte.

Die Not der Bauern wurde durch die gewonnen Kriege verschlimmert, denn dadurch strömten Hundertausende von Sklaven nach Italien, die von den Großgrundbesitzern aufgekauft worden. Sklaven waren billige Arbeitskräfte und ersetzen die Bauern, die so versucht haben zu überleben.

Die Hoffnungen der armen Bauern, dass es ihnen in den Städten besser gehen würde, erfüllten sich häufig nicht. Sie mussten Gelegenheitsarbeiten annehmen. Es gab zu wenig Wohnraum und die Mieten waren teuer. Diese Schicht der armen Bürger wurde Proletarier genannt.

Diese Situation war nicht ungefährlich, denn wenn wenn Truppen für einen neuen Krieg ausgehoben worden, gabn es immer weniger Bauern, die auf eigene Kosten in den Krieg ziehen konnten. Das war eine ernste Gefahr für den römischen Staat.
Tiberius Grachus schlug deshalb 133 v.Chr. vor, große Gebiete des Staatslandes an die ärmeren Bauern zu verteilen. Der Senat lehnte dies ab. Die Volksversammlung der Plebejer beschloss aber ein entsprechendes Gesetz. Als Tiberius Grachus im nächsten Jahr erneut verfassungswidrig für das Amt des Volkstribunen wählen zu lassen, wurde er mit 300 seiner Anhänger ermordet.Einige Senatoren haben sich bei dieser Ermordung beteiligt.Als sein Bruder Gaius Grachus noch einmal den Versuch startete, Staatsland an ärmere Bauern zu verteilen, wurde auch er ermordet. Gegen 3000 seiner Anhänger wurde das Todesurteil verhängt.
 
Die Kriegsschauplätze waren immer weiter von der Heimat entfernt, man kam seitdem man in Spanien kämpfte, kaum noch in einem Jahr wieder nach Hause (was Aussaat und Ernte angeht) - hier setzt dann ein, worauf mein Vorredner aufmerksam macht.
 
Die Kriegsschauplätze waren immer weiter von der Heimat entfernt, man kam seitdem man in Spanien kämpfte, kaum noch in einem Jahr wieder nach Hause (was Aussaat und Ernte angeht) - hier setzt dann ein, worauf mein Vorredner aufmerksam macht.

Nicht nur das. Bedingt durch die weiten Entfernungen, wurde der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar vorverlegt. Die Truppen währen sonst zu spät am Kriegsschauplatz angekommen, so das die Feldzugsaison fast vorbei gewesen wäre.
Zum anderen hat Rom durch die Punischen Kriege das westliche Mittelmeer im Griff bekommen.

Apvar
 
Die Kriegsschauplätze waren immer weiter von der Heimat entfernt, man kam seitdem man in Spanien kämpfte, kaum noch in einem Jahr wieder nach Hause (was Aussaat und Ernte angeht)
Besonders schlimm erwischte es die Überlebenden der Schlacht von Cannae: Der Senat verfügte, dass sie als Strafe erst nach Kriegsende nach Hause zurückkehren durften. Das traf aber nur die einfachen Soldaten: Der überlebende Konsul Varro, der für die Katastrophe hauptverantwortlich und aus der Schlacht geflüchtet war, wurde vom Senat in Ehren empfangen und erhielt sogar das Prokonsulat.

Generell führte der 2. Punische Krieg zu einer gewissen Professionalisierung des Heeres, da die Soldaten, wie erwähnt, oft mehrere Jahre hindurch dienen mussten, und Scipio Africanus sorgte auch für eine bessere Ausbildung. Trotzdem machte sich die Problematik einer stärkeren Bindung an den Feldherrn noch nicht bemerkbar.
 
Will man den großen Bogen spannen, dann könnte man argumentieren, daß mit den punischen Kriegen bzw. dem Gewinnen derselben, die großflächige Expansion begann. Zuvor beschränkte man sich weitgehend auf Italien, womit die Probleme einer Expansion noch nicht virulent wurden. Mindestens 2 große Veränderungen kann man also auch in der Folge der punischen Kriege sehen: die marianische Heeresreform, womit man zu einer Berufsarmee überging und die römische Revolution insbesondere die gescheiterte Landreform der Gracchen, die diese schleichende Enteignung der Kleinbauern revidieren wollten. Am Ende führte die Expansion, im großen beginnend mit den punischen Kriegen, und die römische Revolution zu einer neuen Gesellschaftsform, dem Prinzipat.

Hätten die Römer ihren Frieden mit Kathagern im Westen und Griechen im Osten gemacht und sich schon früh auf eine Defensivpolitik an den Alpenpässen beschränkt, wie später an Rhein und Donau, so wäre die Geschichte vollkommen anders gelaufen. Vielleicht wären uns die Römer dann als die großen Republikaner in Erinnerung geblieben, die Athens Demokratie noch überflügelten. Aber das war wohl nicht ihre Art ;)

Sollte die Frage des OP einen schulischen Hintergrund haben, wäre ich aber vorsichtig mit Visionen. Lehrer können auf "Was-wäre-Wenn-Geschichte" sehr allergisch reagieren.
 
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Agricola schrieb:
Hätten die Römer ihren Frieden mit Kathagern im Westen und Griechen im Osten gemacht und sich schon früh auf eine Defensivpolitik an den Alpenpässen beschränkt, wie später an Rhein und Donau, so wäre die Geschichte vollkommen anders gelaufen.

Stimmt, denn zwischen Karthago und Rom herrschte sehr lange Zeit gutes Einvernehmen. Die Römer und die Karthager hatten ihre Beziehungen über mehrere Jahrhunderte mehrfach vertraglich geregelt gehabt.
Das änderte sich erst, als die Römer ganz Italien gewaltsam unterworfen hatten, denn die damit einhergehenden Veränderungen der Gesamtlage im westlichen Mittelmeer wurden zu einer latenten Belastung für das Verhältnis zu Karthago.

Karthago beherrschte mit seiner Flotte das westliche Mittelmeer und übte auch mehr oder weniger die Herrschaft über die Inseln Korsika, Sardinien und das östliche Sizilien aus. Diese Inseln lagen alle in der Nähe der italienischen Küsten und nachdem die Römer nun Herr über das italienische Festland waren, gefiel es Ihnen nicht, eine Großmacht unmittelbar vor der Haustür zu haben.
 
Sollte die Frage des OP einen schulischen Hintergrund haben, wäre ich aber vorsichtig mit Visionen. Lehrer können auf "Was-wäre-Wenn-Geschichte" sehr allergisch reagieren.

Das ist auch richtig so, denn bekanntlich ist der Lauf der Geschichte selten voraussehbar, es gibt die unwahrscheinlichsten historischen Wenden und nur im Rückblick ist vieles scheinbar (!) folgerichtig.
 
Stimmt, denn zwischen Karthago und Rom herrschte sehr lange Zeit gutes Einvernehmen. Die Römer und die Karthager hatten ihre Beziehungen über mehrere Jahrhunderte mehrfach vertraglich geregelt gehabt.
Das änderte sich erst, als die Römer ganz Italien gewaltsam unterworfen hatten, denn die damit einhergehenden Veränderungen der Gesamtlage im westlichen Mittelmeer wurden zu einer latenten Belastung für das Verhältnis zu Karthago.

Karthago beherrschte mit seiner Flotte das westliche Mittelmeer und übte auch mehr oder weniger die Herrschaft über die Inseln Korsika, Sardinien und das östliche Sizilien aus. Diese Inseln lagen alle in der Nähe der italienischen Küsten und nachdem die Römer nun Herr über das italienische Festland waren, gefiel es Ihnen nicht, eine Großmacht unmittelbar vor der Haustür zu haben.

Rom hatte gewaltsam unterworfen und Karthago übte auch mehr oder weniger die Herrschaft aus? :richter:?
 
Das ist auch richtig so, denn bekanntlich ist der Lauf der Geschichte selten voraussehbar, es gibt die unwahrscheinlichsten historischen Wenden und nur im Rückblick ist vieles scheinbar (!) folgerichtig.

Ja, Lehrer können ganz schön gemein sein. Mein LK-Geschichtslehrer war ein großer Fan von Strukturgeschichte, weswegen wir in der Oberstufe nur eines gemacht haben: Revolutionen. Römische, französiche, russische und dann die deutsche inkl. Hitlers Konter; 3 jahre lang, in epischer breite, ohne buch vorzugsweise auf basis zeitgenössischer texte.

Meiner Einschätzung, daß der Untergang des römischen Reiches in Teilen schon begann, bevor das Kaiserreich überhaupt gegründet war, konnte er sich dann aber doch nicht bedingungslos anschliessen. Die gerechte Strafe war dann meine Facharbeit. Er drückt mir schmunzelnd Pirenne in die Hand. Ich war fassungslos, habe dann aber 2/3 meiner Arbeit darauf verwendet, seine Thesen zu widerlegen, bzw. seine Gegner zu zitieren.
 
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Rom hatte gewaltsam unterworfen und Karthago übte auch mehr oder weniger die Herrschaft aus? :richter:?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage und vor allem dein Smiley richtig verstanden habe.

Ich mutmaße einmal, dass du dich an dem Wort „gewaltsam“ in Zusammenhang mit dem Aufstieg Roms stößt. Wenn das unzutreffend ist, dann kannst du das ja kommunizieren.
Nun der Aufstieg Roms war überaus gewaltsam. Erwähnt seien nur die Kriege gegen die Volsker, Latiner und vor allem gegen die Samniten. Als die Römer im Jahre 270 v.Chr. Italien schließlich beherrschten, war eigentlich klar, wer das nächste Opfer der römischen Expansion werden würde.
Dass der Aufstieg Karthagos auch nicht gewaltfrei verlief, ist bekannt. Karthagos primäres Interesse galt aber dem Handel, der die Grundlage für ihren enormen Reichtum und der damit verbundenen Machtstellung bildete. Schon Jacob Burckhard urteilte, das die Karthager „das größte Geschäft der Weltgeschichte gegründet (hätten), denn die Stadt war ohne Zweifel geldreicher als die persische Monarchie.“ Interessant ist beispielsweise auch die Rolle die Karthago auf Sizilien wahrnahm. Karthago stand immer im Lager der Feinde des griechischen Stadtstaats Syrakus, um zu verhindern dass diese zu mächtig wurde. Karthagos Herrschaft war aber weit davon entfernt über Sizilien eine vollständige Herrschaft auszuüben. Karthago hatte m.W. nach kein Problem damit, dass es jetzt eine Großmacht vor der Haustür hatte. Sie haben auch nicht irgendwie signalisiert, dass sie den Römern ihren Besitz streitig machen wollten. Ist mir zumindest nicht bekannt. Es waren die Römer, denen das Kopfzerbrechen bereitete. Die Römer wollten die Vorherrschaft und zwar für sich allein.
 
Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage und vor allem dein Smiley richtig verstanden habe.

Ich mutmaße einmal, dass du dich an dem Wort „gewaltsam“ in Zusammenhang mit dem Aufstieg Roms stößt. Wenn das unzutreffend ist, dann kannst du das ja kommunizieren.

Ich stoße mich überhaupt nicht an dem Wort gewaltsam bei Rom. Die Karthager führten auf Sizilien gut 200 Jahre lang Krieg gegen die Griechen, bis es zum ersten punischen Krieg kam. Die Eroberung der iberischen Gebiete in Süd- und Ostspanien ging ebenfalls kriegerisch vonstatten. Die Karthager waren genauso wenig Waisenknaben, wie alle anderen Mächte dieser Zeit. Ich stoße mich also daran, dass zwei sehr parallel liegende Sachverhalte so unterschiedlich beurteilt werden.

Du betreibst das gleiche Spiel schon wieder. Nun ist Rom "überaus gewaltsam", während Karthago "auch nicht gewaltfrei" agierte, "aber...".
 
Es waren die Römer, denen das Kopfzerbrechen bereitete. Die Römer wollten die Vorherrschaft und zwar für sich allein.

Da muß man aber vorsichtig formulieren. Die Römer hatten vor den punischen Kriegen keinen "Plan" zur Vorherrschaft oder gar ein zielgerichtetes Interesse. Vielmehr war die römische Politik lange eine reagierende, auf Abwehr von Bedrohungen gerichtete Politik, sofern man in dem von ständig wechselnden Konstellationen geprägten römischen Magistrat überhaupt davon sprechen kann. Richtig ist, daß Rom ein Agrarstaat war und Karthago eine im Wesentlichen auf Handel ausgerichtete Macht, doch im Falle Roms frage ich mich, ob man nicht eher von einer sich verselbständigen Kettenreaktion sprechen kann. Zur Sicherung der Grenzen erobere ich Nachbargebiete, schiebe damit meine Grenzen hinaus, die ich nun ihrerseits wieder vor neuen Nachbarn schützen muß. Das Ganze weitet sich dann irgendwann aus, die Möglichkeit zur Umkehr ist nicht gegeben, weil sich mit dem eroberten Gebiet sofort wirtschaftliche Interessen verbinden, die wieder von der entscheidungsbefugten Oberschicht, also den Senatsfamilien, dominiert werden, und weil sich in den entstehenden Leerraum sofort nachdrängende Mächte etablieren, die wiederum als Bedrohung wahrgenommen werden.
Als Rom aber Sizilien als erste Provinz einrichten (muß) will, zeigt sich doch, daß die damit erstmal gar nichts anfangen konnten, sie hatten überhaupt keinen Plan dafür.
 
Mit den punischen Kriegen habe ich mich nicht intensiver beschäftigt. Nach dem, was ich damals (70er) in den Geschichtsbüchern, im Lateinunterricht (Nepos Hannibal) oder auch noch heute in Dokumentationen auf dem Fernseher mitbekommen habe, waren beide Seiten nicht zimperlich.

Den 1ten punischen Krieg habe ich da schon eher als die üblichen Kette von Misverständnissen, Machtgelüsten, Wirtschafsinteressen, Profilsucht und gescheiterter Diplomatie verstanden.
Der 2te wurde dann eher als persönliche Familienfehde / Blutrache des Kriegstreibers Hannibal dargestellt; römische Propaganda?
Und die Gründe für den 3ten, der daherkommt wie ein geplanter Völkermord (Ceterum censeo Carthaginem esse delendam), habe ich nie so richtig verstanden. Es schaut nach reiner Geldgier aus.

Wie gesagt, das ist, was bei mir als an ein an dieser Periode Roms nicht weiter interessiertem Laien angekommen ist. Ich befürchte, das ist eine manipulierte Sicht, mit der ich nicht alleine da stehe im deutschen Bildungsbürgertum.
 
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Da muß man aber vorsichtig formulieren. Die Römer hatten vor den punischen Kriegen keinen "Plan" zur Vorherrschaft oder gar ein zielgerichtetes Interesse. Vielmehr war die römische Politik lange eine reagierende, auf Abwehr von Bedrohungen gerichtete Politik, sofern man in dem von ständig wechselnden Konstellationen geprägten römischen Magistrat überhaupt davon sprechen kann. Richtig ist, daß Rom ein Agrarstaat war und Karthago eine im Wesentlichen auf Handel ausgerichtete Macht, doch im Falle Roms frage ich mich, ob man nicht eher von einer sich verselbständigen Kettenreaktion sprechen kann. Zur Sicherung der Grenzen erobere ich Nachbargebiete, schiebe damit meine Grenzen hinaus, die ich nun ihrerseits wieder vor neuen Nachbarn schützen muß. Das Ganze weitet sich dann irgendwann aus, die Möglichkeit zur Umkehr ist nicht gegeben, weil sich mit dem eroberten Gebiet sofort wirtschaftliche Interessen verbinden, die wieder von der entscheidungsbefugten Oberschicht, also den Senatsfamilien, dominiert werden, und weil sich in den entstehenden Leerraum sofort nachdrängende Mächte etablieren, die wiederum als Bedrohung wahrgenommen werden.
Als Rom aber Sizilien als erste Provinz einrichten (muß) will, zeigt sich doch, daß die damit erstmal gar nichts anfangen konnten, sie hatten überhaupt keinen Plan dafür.

Sicher, die Römer hatten keine Roadmap zur Eroberung der Welt. Du sprichst ganz im Sinne der Argumentation von Mommsen, was hier nicht negativ gemeint ist.:) Polybios spricht übrigens von einer zielgerichteten Verwirklichung eines Herrschaftsplans. Aber Polybios ist hier kein guter Berichterstatter, da er ein handfester Anhänger der römischen Sache gewesen war und entsprechend fiel seine Zeugnisse aus.

Das übertriebene Sicherheitsbedürfnis kann man kaum gelten lassen, denn die karthager haben den Römern klar zu verstehen gegeben, das sie anderen Besitzstand nicht rühren wollen. Im Übrigen war man ja über sehr lange Zeit mit den Karthagern freundschaftlich verbunden gewesen, was sich in den verschiedenen Verträgen niedergeschlagen hat.

Aber, das Eingreifen der Römer auf Sizilien war sicher auch nicht von der Sorge um die Freiheit und Sicherheit der Mamertiner bestimmt. Denn die Römer haben nämlich kurz zuvor einem ähnlichen Räuberstaat, ich mich es war Rhegion, im südlichen Italien den Garaus gemacht.
Also worum ging es hier wirklich?

Zunächst könnte der römische Imperialismus genannt werden. Die Römer haben bis zu jenem Zeitpunkt die Besiegten entweder in ihr Bündnissystem eingegliedert oder aber das betreffende Territoriumin ihr eigenes Staatsgebiet einverleibt.
Ein weiterer Grund für das römische Eingreifen dürften auch handfeste wirtschaftliche Interessen gewesen sein, denn Sizilien war reich und die Römer wollten sich dieser Schätze bemächtigen.
Was die Römer nicht ahnten, vielleicht haben sie die Karthager sträflich unterschätzt, war, welche ungeheuerlichen Ausmaße und vielfältigen Belastungen der Krieg, für die ganze römische Gesellschaft, gegen Karthago nehmen sollte.
 
Pyrrhus hatte Sizilien 278-275 v. erobert, es herrschte einiges Chaos, aus dem Hieron II. als Herrscher hervorging. Die karthagische Macht im Westen war kräftig angeschlagen. Wahrscheinlich glaubte man in Rom nach dem Sieg im tarentinischen Krieg, hier einen relativ leichten Sieg mit fetter Beute zu erlangen.
 
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