Folge dem Video um zu sehen, wie unsere Website als Web-App auf dem Startbildschirm installiert werden kann.
Anmerkung: Diese Funktion ist in einigen Browsern möglicherweise nicht verfügbar.
ich meine, dass es nicht so einfach ist, ein "Urteil" zu finden, wie du es da aussprichst.juristisch gesehen recht einfach:Varus handelte bei Kenntnis fahrlässig.
na ja, beileibe nicht jede Warnung ist als solche ernst zu nehmen. Varus war Profi in seinem hohen politischen und militärischen Amt, und zu seinem täglichen Job gehörte es, politische Partner einzuschätzen und im Sinne Roms zu binden. Wenn die spärlichen, teils viel später verfassten Quellen bzgl der Warnung erst genommen werden sollen (es sich also nicht um ein Narrativ handelt, das später als Erklärungsmodell eingesetzt wurde) dann müssen auch die Protagonisten (von denen wir nicht allzu viel wissen) ernst genommen werden: Segestes und Arminius zählten mit Segimer, Inguiomer und Flavus im Umfeld von Varus politischer Aktivität zu den "Großen" auf germanischer Seite; und wenn einer der Großen zu intrigieren anfängt, dann musste Varus entscheiden, wie er damit umgeht. Da Arminius wie auch sein Bruder Flavus als ductor popularium quasi im Dienst des römischen Militärs stand (zumindest kooptiert) ist Varus Entscheidung nachvollziehbar, der intriganten Warnung nicht zu glauben:die Ignorierung der Warnung
Die Warnung des Fürsten Segestes noch am Vorabend des Aufbruchs, Arminius in Ketten zu legen, da er Verrat an Rom plane, nahm Varus nicht ernst.[10] Der Vorwurf naiven Vertrauens und mangelnder Vorsicht des Varus gegenüber Arminius, den manche Quellen erheben,[11] wird in der modernen Geschichtswissenschaft teilweise relativiert. Varus handelte wie gewöhnlich bei der Provinzialisierung eines eroberten Gebietes. Arminius wurde aufgrund seines römischen Bürgerrechtes und seines Ritterranges von Varus wohl als römischer Verbündeter angesehen, der als Anführer der dringend benötigten germanischen Hilfstruppen helfen konnte, die Lage ruhig zu halten.[12]
Also im militärischen Bereich Fahrlässigkeit nachzuweisen ist schon eine schwierige, nur in wenigen Fällen, mögliche Anklage. Bei Varus halte ich dasjuristisch gesehen recht einfach:Varus handelte bei Kenntnis fahrlässig.Der Schuldvorwurf entsteht durch die Ignorierung der Warnung und fehlendes adäquates Handeln.
Denn so locker, wie es hier gesehen wird, kann Varus nicht exculpiert werden.
Ja.1. stellt sich die Frage, ob Fahrlässigkeit in unserer heutigen juristischen Bedeutung zu Augustus Zeit ein Kriterium in der römischen Rechtsprechung war,
Doch, kann er, mit Leichtigkeit! Nach juristischen Standards hätte Varus angesichts dieser unlösbaren Aufgabe eine Überlastungsanzeige schreiben müssen. Da diese Möglichkeit nicht bestand, nicht publiziert war und auch nicht dokumentiert ist, besteht eindeutig ein Organisationsversagen seines Arbeitgebers.Denn so locker, wie es hier gesehen wird, kann Varus nicht exculpiert werden.
culpa lata? Und auch schon zu Augustus Zeit? (ich kenne mich nicht in römischer Rechtsgeschichte aus)
richtig zu sein.auch wenn noch ein paar Jahrhunderte bis zum Corpus Iuris Civilis vergingen, hatte Augustus versierte Juristen zur Hand: ein juristischer Nachweis, dass Varus es verbockt hatte, wäre schnell erbracht gewesen
Eine Süffisanz kann ich aus Strabons Schilderung aber nicht herauslesen, jedenfalls nicht zwingend.Und auch Strabon schreibt süffisant, dass Segestes "hoch geehrt" mit ansehen musste, wie seine "geliebten Verwandten" (zwei seiner Kinder, ein Enkel) von ihm im Triumphzug vorgeführt wurden.
Selbst wenn das als Fingerzeig Tacitus‘ gemeint sein sollte, dass man die Geschichte nicht glauben solle (einige Sätze vorher, in Kap. 55, hatte er sie noch als Tatsache erzählt):Diese ganze Geschichte, dass Segestes Varus gewarnt habe, stammt doch von Segestes selbst, der sie 15, also sechs Jahre nach der Schlacht, Germanicus auftischt. Tacitus gibt uns Hinweise: Testis illa nox: Jene Nacht war Zeuge (nicht etwa überlebende Römer). Das ist Leserlenkung!
Wir wissen einfach zu wenig!
Also warum sollte ausgerechnet seine mögliche, aber jedenfalls ziemlich verhaltene, Andeutung zu Segestes ein Beweis sein, dass Segestes‘ Geschichte tatsächlich nicht stimmt?
Ja und nein, tatsächliche belastbare Infos gibt es wenig, wie die antiken Autoren da zu bewerten sind, darüber wurde ja hier auch schon diskutiert.Wir wissen viel, können aber die Zitrone nicht beliebig auspressen.
In Germanien?Ich vermute einmal, dass Anschwärzungen und Verleumdungen zum „Tagesgeschäft“ eines Statthalters gehörten. ......
Nibelungentreue?Die Germanen hatten doch, ob berechtigt oder nicht, den Ruf bei den Römern der absoluten Loyalität,
Ausländische Leibgarden waren immer beliebt, das zieht sich durch die ganze Geschichte. Das lag eher daran, dass die Ausländer keine Bindungen im Inland hatten, auch nicht in inländische Konflikte involviert waren, dafür aber angenommen wurde, dass sie (noch) weniger Skrupel hatten, gegen Inländer vorzugehen. Der Herrscher, der sie angeheuert hatte, war ihre einzige Bezugsperson.nicht umsonst waren später viele Kaiserleibgarden Germanen,
Weil die eigene römische Reiterei nichts taugte. Er verwendete aber auch gallische Reiter.Caesar hatte germanische Reiterei im Dienst.
Natürlich ist die Rede fingiert, was sonst?! Umso auffälliger ist es doch, dass Segestes ein testis illa nox untergeschoben wird. Ein "nur" steht da zwar nicht wörtlich im lateinischen Text, aber ich würde das tatsächlich so übersetzen: "Nur jene Nacht war Zeuge". Leserlenkung eben. Hinzu kommen eben die Spolien aus der Varusschlacht, die man bei Segestes findet.Im Übrigen weißt Du natürlich auch, dass die Reden bei Tacitus fingiert sind. Also warum sollte ausgerechnet Segestes' Rede an Germanicus belegen, dass Segestes die Geschichte von seiner Warnung erst zu diesem Zeitpunkt (erstmals) aufgetischt haben soll?
Einige Sätze vorher ist ein wichtiges Wort. Man denke an das Totengericht über Augustus. Zunächst lässt Tacitus die Anhänger des Augustus sprechen, dann die Gegner. Tacitus kann sich so den Anschein von Neutralität geben. Aber - Leserlenkung! - während die Gegner des Augustus etwa den doppelten Raum bekommen, wie die Anhänger und zudem die Gelegenheit haben, den Anhängern zu widersprechen, haben die Anhänger des Augustus diesen Raum nicht. Die Gegner des Augustus haben a) den doppelte Raum, b) Gelegenheit zum Widerspruch und c) das letzte Wort. Das ist kein Zufall, sondern von Tacitus so konzipiert. Tacitus legt Segestes das testis illa nox ja nicht von ungefähr in den Mund, sondern schürt Zweifel an der Darstellung.Selbst wenn das als Fingerzeig Tacitus‘ gemeint sein sollte, dass man die Geschichte nicht glauben solle (einige Sätze vorher, in Kap. 55, hatte er sie noch als Tatsache erzählt):
Du weißt doch selbst sehr gut, dass Tacitus gerne mit Unterstellungen und Andeutungen arbeitet, um Personen in ein schlechtes Licht zu rücken, wobei er mitunter wesentlich deutlicher wird.
"Hoch geehrt" - er war für das römische Volk sichtbar - musste er als pater familias den Triumph über seine "geliebten (philtatein) Verwandten" zusehen. Also der in Gallien angesiedelte Segestes wird extra nach Rom geholt, um auf der Ehrentribüne für das stadtrömische Volk wie auf dem Präsentierteller sichtbar an der öffentlichen Zurschaustellung und Demütigung seiner Kinder teilzunehmen? Ich würde das für eine Gemeinheit Tiberius' halten, nicht für eine echte Ehrung. Wir kennen den Begriff des vergifteten Lobs oder vergifteten Kompliments.Eine Süffisanz kann ich aus Strabons Schilderung aber nicht herauslesen, jedenfalls nicht zwingend.
Ich würde eher an die griechische Tragödie denken: Segestes als tragische Figur, er hatte sich zwar auf die „richtige Seite“ gestellt, musste dadurch aber auch Zeuge des Unglücks seiner Verwandten werden.
@Bockstein das ist wirklich ein origineller Aspekt: Arminius begeht Verrat bzw. eine Täuschung, indem er die Wahrheit sagt - krass.Ein Aspekt bitte ich zu berücksichtigen:
Arminius berichtet über einen Aufstand, der entfernt stattfindet.
Er begeht hier keine Täuschung, da er die Wahrheit spricht.
Wir verwenden essentielle Cookies, damit diese Website funktioniert, und optionale Cookies, um den Komfort bei der Nutzung zu verbessern.
Siehe weitere Informationen und konfiguriere deine Einstellungen