Tony Clunn und die drei Schleuderbleie

Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem Schleuderbleifund ziehen?
Daß ein Teil der Auxiliare Blei-bzw. Steinschleuderer von den Balearen waren(könnte sein)

Wurden Auxiliare aufgrund ihrer speziellen Fähigkeiten und in Abhängigkeit von zu lösenden Aufgaben einer Legion zugeteilt?
Wenn Bleischleuderer spezielle Fernwaffenkämpfer waren /sie 9n zur Weser mitzogen/welche Aufgaben waren für sie von Anfang an geplant?
 
"Jemand verbreitet in geselliger Runde ein Gerücht" ist aber doch der denkbar schlechteste Beleg für irgendetwas?

Jetzt einmal ganz davon abgesehen, ob dieses Gerücht überhaupt Sinn ergibt.
macht keinen Sinn, denn wie hätte derjenige, der die Bleie dort ablegte, wissen können, daß es sich um ein Schlachtfeld handelt?
 
Wieviele Schleuderer hatte so eine Legion eigentlich?
Vage aus Studientagen (90er) erinnernd, unter bekannten römischen Auxiliarverbänden der Kaiserzeit gab es keine explizite Schleuderereinheit (funditores), wohl aber Hinweise auf gemischte Verbände, vorzugsweise mit Bogenschützen.
Habe Liste römischer Auxiliareinheiten – Wikipedia eben nur überflogen. Bezeugt sind Bogenschützen-Auxilia in Cohors-Größe (480-600 Mann).

Ich würde spezialisierte Fernwaffenverbände die Legionen zugeteilt waren mehrheitlich eher in Größenordnung eines Numerus annehmen, also so ca. 150 Mann, was jedoch reine Spekulation ist.

In einem Ordner mit Literaturverzeichnissen von einst (was man so alles aufhebt) bin ich auf diese Literaturangabe gestoßen:
Völling, Thomas: Funditores im römischen Heer. In: Saalburg-Jahrbuch Bd. 45, 1990, S. 24–58.

Ansonsten gibt's hier noch einige Infos: RE:Funditores – Wikisource
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich selbst habe in meiner alten Heimat bei Merseburg von 2 Fundorten insgesamt 3 Schleuderbleie detektiert. Siehe Bilder hier im Forum. Sie wurden alle einwandfrei vom LDA Halle als solche bestätigt.

1x rhombisch (Fragment durch Aufschlag!)
1x Dattelform mit Loch klein (um den Gegner akustisch zu beeindrucken)
1x eierförmig (schwere Ausführung wie in Schottland / Antoninisch?)

Alle wurden eingemessen und Foto dokumentiert (wasserdicht).

Begleitfunde waren von Fundstelle 1 ein Thekenbeschlag (jetzt Museum Halle Ausstellung) aus dem frühen 3. Jh. sowie von Fundstelle 2 Hortfund von römischen Denaren (Depot LDA Halle).

Ein weiteres Schleuderblei wurde in Halle-Dölau durch Ehrenamtlichen detektiert (wurde mir mal durch Archäologen gezeigt).

Wurden nicht in Haltern diese als Hort ausgegraben? Ich dächte dem war so…
 
Hier nochmal das bisher Letzte aus 2021 zusammen mit einem der Denare und Vergleich zu Schottland (2.Jh. Antoninisch).
 

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Wurden nicht in Haltern diese als Hort ausgegraben? Ich dächte dem war so…
Nicht alle, aber doch eine große Menge:

"In den vergangenen 150 Jahren haben wir insgesamt 70 Schleuderbleie im Halterner Boden entdeckt - und jetzt auf einen Schlag eine weit größere Anzahl"


Ich selbst habe in meiner alten Heimat bei Merseburg von 2 Fundorten insgesamt 3 Schleuderbleie detektiert. Siehe Bilder hier im Forum. Sie wurden alle einwandfrei vom LDA Halle als solche bestätigt.
Dann wollen wir doch hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, Dir zu unterstellen, Du hättest die Funde von woandersher gebracht, um dem LDA einen Varusschlachtort bei Merseburg unterzujubeln.
 
Gab es noch Schleuderer im 2./3. Jh. ? Eindeutig - JA !

Müssen unbedingt viele Schleuderbleie gefunden werden ? NEIN !
 
Nicht alle, aber doch eine große Menge:


"In den vergangenen 150 Jahren haben wir insgesamt 70 Schleuderbleie im Halterner Boden entdeckt - und jetzt auf einen Schlag eine weit größere Anzahl"



Dann wollen wir doch hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, Dir zu unterstellen, Du hättest die Funde von woandersher gebracht, um dem LDA einen Varusschlachtort bei Merseburg unterzujubeln.

August Benedict Wilhelm ist mein „Zeuge“, auch wenn er schon fast 200 Jahre tot ist. Denn die ersten Denare wurden bereits vor 200 Jahren ausgepflügt. Ich wusste das mit 100% Sicherheit nicht alle gefunden wurden. War ja dann auch so. Praktisch wie bei Clunn. Der ist auch Theodor Mommsens Spur gefolgt…
 
Hat mal jemand mit einem guten Schleuderer unserer Zeit über seiner Meinung
zum Einsatz der Schleuder im Gefecht gesprochen ? Wo ist die Treffer Genauigkeit größer?
Gestreckte Flugbahn auf kürzerer Entfernung oder großer Entfernung mit Ballistischer Flugbahn?
Habe bei einem sehr guten Schleuderer auf der Pfalz Tilleda am Kyffhäuser eine gut geflochtene Schleuder
gekauft, und selbst versucht. Mann braucht nur viel Geduld und Übung.
 
Hat mal jemand eine im horizontalen Flug geschleuderten Kastanienkern abbekommen?
Ich nicht, aber mein Freund. Fand der nicht lustig.
 
Es gibt gute Videos im Internet. Flache Flugbahn, meiner Erinnerung nach Abwurfwinkel 10°.
Es geht ja nicht um maximale Wurfweite, sondern um maximale kinetische Energie beim Auftreffen des Schleuderbleis auf den Körper des Gegners.

Ein schützender Schild wird durchschlagen, selbst ein Kettenhemd kann die Weitergabe der Energie nicht verhindern. Tödliche Milz- oder Leberverletzungen sind möglich, Rippen(serien-)frakturen wahrscheinlich. Ein getroffener Gegner wird auf jeden Fall kampfunfähig: Selbst wenn er wider Erwarten ohne Knochenbrüche bleibt, allein schon durch die Einschränkung der Atmung.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Durchschnittsgewicht der Schleuderbleie scheint grob bei 40-70 gr zu liegen. Die Abwurfgeschwindigkeit grob zwischen 35-75m/s, entspricht etwa 130-270 km/h.

Unter dem Strich entspricht das auf kürzerer Entfernung etwa der halben Leistung einer frühen großkalibrigen Steinschloß-/Radschloßpistole.
Das ist zumindest das was ich "geschwind" eruieren konnte.

Habt ihr da bessere/genauere Zahlen?
 
Es gibt im deutschsprachigen Schweizer Fernsehen einen knapp 5-minütigen und sehr seriösen Beitrag vom 7.11.2024, in der Sendung "Schweiz aktuell", über die 500 gefundenen römischen Schleiderbleie aus einem Schlachtfeld nördlich von Savogny in Graubünden, und einen Wurftest vor Ort, mit dem deutschen Schleuderweltmeister Silvio Vass.
Es sind übrigens Schleuderbleie der XII. Legion.

35 g Gewicht, gemessene Geschwindigkeit 130 km/h:

E = m * v²​

(Zur Umrechnung: 1 Joule
als Kilogramm mal Quadratmeter pro Quadratsekunde,
1 J = 1 kg * m² / s²)

Es ergibt sich hier bei diesen Werten eine Energie von 106 J.
  • Diese Energie trifft auf einer sehr kleinen Fläche auf,
  • wird aber vom ganzen Körper aufgenommen.
 
Auf YouTube gibt es beeindruckende Videos von Tests mit Dummys. Dabei wurden immer wieder der Kopf, als auch der Körper vom Schleuderer präzise getroffen. Die Wirkung war verheerend.
 
Es gibt im deutschsprachigen Schweizer Fernsehen einen knapp 5-minütigen und sehr seriösen Beitrag vom 7.11.2024, in der Sendung "Schweiz aktuell", über die 500 gefundenen römischen Schleiderbleie aus einem Schlachtfeld nördlich von Savogny in Graubünden, und einen Wurftest vor Ort, mit dem deutschen Schleuderweltmeister Silvio Vass.
Es sind übrigens Schleuderbleie der XII. Legion.

35 g Gewicht, gemessene Geschwindigkeit 130 km/h:

E = m * v²​

(Zur Umrechnung: 1 Joule
als Kilogramm mal Quadratmeter pro Quadratsekunde,
1 J = 1 kg * m² / s²)

Es ergibt sich hier bei diesen Werten eine Energie von 106 J.
  • Diese Energie trifft auf einer sehr kleinen Fläche auf,
  • wird aber vom ganzen Körper aufgenommen.
Ja, das ist etwas mehr als bei einer 6,35x15,5 HR Browning Pistolenpatrone oder etwas weniger als bei der relativ jungen 5,45x18 PMZ.

Natürlich sind diese Geschosse sehr leicht, 3,25-2,60 gr.
 
Von beeindruckenden Videos sollte man sich allerdings auch nicht zu sehr beeindrucken lassen. Es gibt ja immer wieder Waffen, die geradezu als Wunderwaffen verklärt werden, was aber mit der historischen Realität nicht ganz in Einklang zu bringen ist. (Man denke u.a. an die englischen Langbogenschützen. Die werden manchmal so gepriesen, dass man meinen sollte, dass eine Salve reichen musste, um ein ganzes gegnerisches Heer zu vernichten, und dass unverständlich wäre, wie sie jemals von Feuerwaffen verdrängt werden konnten.)

Wären Schleudern wirklich so toll gewesen, stellt sich schon die Frage, wieso sie die Römer nicht mehr einsetzten. Dafür wären sie ja nicht auf den begrenzten demographischen Pool der Balearen angewiesen gewesen. Die Schleuder war eine verbreitete Hirtenwaffe. Gute Schleuderer konnte man z.B. auch aus Illyrien beziehen.
(Auf der anderen Seite des Globus gelang es später offenkundig auch den Inka nicht, mit ihren Schleudern die spanischen Konquistadoren zusammenzuschießen.)
 
Danke für die Rückmeldungen. Kann man sich denn hier im Forum auf die Effizienz der Schleuder
in Konflikten einigen? Ich glaube kaum das die Schleuder für größere Distanzen geeignet ist.
 
Das ist generell ein Problem bei Plänklern (wie auch Speerwerfern), dass sie relativ nahe an den Feind heranmüssen. Sie sind zwar leicht genug, um der gegnerischen schweren Infanterie zu entkommen, aber mangels Panzerung selbst anfällig für gegnerischen Beschuss, vor allem aber auch für die gegnerische Kavallerie.
 
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