Voynich Manuskript

Ich wollte hier lediglich über das Manuskript diskutieren und mitteilen, welche Beobachtungen ich für mich gemacht habe. (...) Ich würde gerne weiterhin ausschließlich über dieses Buch diskutieren.
methodisch wie faktisch ist es unerlässlich, dass "dieses Buch" auch im Kontext seiner Zeit und seines geistigen Umfelds betrachtet wird - das kannst du schön daran sehen, dass deine "botanische Geheimwissenschaft (verschlüsselte Veredlung zur Superpflanze)" in sich zusammenfällt, sowie die realen Quellen berücksichtigt werden (allerlei "botanisches" war nun einmal keine Geheimwissenschaft/Alchemie)

Wenn du rein textimmanent "ausschließlich über dieses Buch" diskutieren willst, dann hat eine solche Diskussion recht schlechte Karten, denn:
1. der Text ist schlichtweg unbekannt, da noch nicht (und eventuell nie) entschlüsselt
2. die Abbildungen sind verglichen mit ähnlichen Produktion des Spätmittelalters nicht sonderlich kunstvoll, d.h. kunsthistorisch bietet auf dieser Ebene das Buch nicht viel
 
Es mag sein, dass dies so in Büchern oder anderen Quellen beschrieben wird. Wenn wir jedoch annehmen, dass man herausgefunden hat, dass Veredelungen eine Pflanze robuster, leistungsfähiger oder widerstandsfähiger machen können, ergibt sich ein interessantes Bild.
Frage: was haben seit der Antike die Weinbauern gemacht, immer nur dieselbe Wildtraube geerntet? Allein die Geschichte des Weinbaus sollte dir zu denken geben.
 
Es ergäbe also absolut Sinn, solche funktionierenden „Rezepte“ für Superpflanzen in einer Geheimschrift zu sichern, damit Konkurrenten oder die Kirche das Wissen nicht stehlen konnten.
Gerade die „Kirche“ war die Trägerin des Wissens über Heilkräuter und Nutzpflanzen. Vor allem Klöster verfügten über die Möglichkeit, einerseits anzubauen und zu experimentieren, andererseits das Wissen auch in Wort und Bild zu dokumentieren. (Und tatsächlich sind zahlreiche botanische Schriften aller Art erhalten.) Wer, wenn nicht sie, hätte Rezepte für „Superpflanzen“ entwickeln sollen?
 
Was wäre, wenn...
Vielleicht sollen....
Du bildest Hilfsyhypothesen. Wissenschaftstheoretisch ist das unzulässig. Eine Hypothese (also eine Annahme) sollte durch etwas Konkretes begründet sein. Bislang hast du da noch nichts vorgelegt. Eine Annahme kann nicht durch weitere Annahmen gestützt werden.

Beobachtung > Hypothese > Falsifizierung der Hypothese > Theorie - so läuft das Spiel.
 
@Ravenik Das ist historisch absolut richtig: Die Klöster waren die Bewahrer des offiziellen, dogmatischen Wissens. Aber genau da liegt der entscheidende Knackpunkt, warum dieses Manuskript im Verborgenen entstehen musste.

Es gibt einen fundamentalen ideologischen Konflikt zwischen der Kirche des 15. Jahrhunderts und der alchemistischen Naturphilosophie:

1. Die Ablehnung des 13-Monate-Zyklus: Die Kirche wachte streng über den offiziellen Kalender. Die Zahl 12 war heilig und stand für die göttliche Ordnung (12 Apostel, 12 Stämme Israels). Ein System, das auf 13 Mondmonaten basierte – der wahren, ungezähmten Zeitrechnung der Natur –, galt theologisch als chaotisch, heidnisch und wurde von der Kirche aktiv abgestritten und unterdrückt. Wer den Kosmos und die Biologie nach einem 13er-Muster berechnete, stellte sich außerhalb der kirchlichen Ordnung.

2. Schöpfung vs. „Gott spielen“: Für die Klöster war die Botanik eine Dokumentation der göttlichen Schöpfung. Das gezielte Erschaffen von künstlichen Chimären-Pflanzen (wie den dokumentierten Wurzel-Knollen-Veredelungen) durch das Abpassen exakter, astrologischer Saftdruck-Phasen grenzte für die damalige Amtskirche an Blasphemie. Man griff damit aktiv in die Natur ein, um eine eigene „Super-Lebenskraft“ (die alchemistische Quintessenz) zu erzeugen.

Klöster durften anbauen und heilen, aber sie durften nicht die Grundlagen der Schöpfung manipulieren oder mit verbotenen, astrologisch getakteten Mondzyklen experimentieren. Ein Gelehrter, der dieses tiefere, biologische System der Veredelung im Einklang mit den 13 Mondphasen perfektionieren wollte, musste seine Arbeit zwingend vor der Kirche verstecken – andernfalls drohte ihm der Vorwurf der Ketzerei.
 
@El Quijote Da hast du völlig recht: Eine Hypothese darf nicht rein spekulativ durch die nächste gestützt werden. Mein Fehler war hier vermutlich die rhetorische Formulierung mit „Vielleicht“ und „Was wäre wenn“.

Tatsächlich befinde ich mich aktuell genau in dem von dir beschriebenen ersten Schritt: der reinen Beobachtung der empirischen Daten im Dokument.

Die primäre Beobachtung, von der ich ausgehe, ist rein visueller Natur und lässt sich direkt am Manuskript prüfen:
1. Botanische Anomalien: Es gibt im botanischen Teil zahlreiche Darstellungen von sogenannten Chimären-Pflanzen (z. B. Folio 67v2), die anatomisch exakt die Merkmale historischer Wurzelpfropfungen und Veredelungen des 15. Jahrhunderts zeigen (wie abgesetzte Pfropfrisse und unnatürliche Gewebeübergänge).
2. Kosmologische Anomalien: In den astronomischen/kosmologischen Kreisdiagrammen finden sich mathematische Asymmetrien, die systematisch von einer klassischen 12er-Teilung abweichen.

Meine daraus abgeleitete Arbeitshypothese lautet schlicht: Das Manuskript codiert das technologische und naturphilosophische Wissen um biologische Veredelungszyklen.

Der Verweis auf die zeitgenössische Alchemie und den Konflikt mit den dogmatischen Kalendermodellen der Kirche war kein Bauen von Hilfshypothesen, sondern der Versuch, diese visuelle Beobachtung historisch zu kontextualisieren. Jede Hypothese braucht einen plausiblen historischen Rahmen, um überhaupt falsifizierbar zu sein.

Ich sammle gerade genau die konkreten Belege und Bildvergleiche, um diese Beobachtungen hier sauber zur Diskussion zu stellen.
 
sondern nur eine genannt.
schon das ist doch hilfreich (und ein Nachweis)
Nicht dass jemand verzweifelt nach dem Link sucht.
De proprietatibus rerum – Wikipedia von @El Quijote genannt, nicht verlinkt
Das Buch der Natur – Wikipedia (mir egal, ob ich das verlinkt oder erwähnt hatte)
ach ja, Pflanzenzeugs von Albertus Magnus hatte ich auch noch genannt
beide Tante Wiki Artikel bieten Anlass zum Weiterschmökern.
 
Das ist historisch absolut richtig: Die Klöster waren die Bewahrer des offiziellen, dogmatischen Wissens. Aber genau da liegt der entscheidende Knackpunkt, warum dieses Manuskript im Verborgenen entstehen musste.

Es gibt einen fundamentalen ideologischen Konflikt zwischen der Kirche des 15. Jahrhunderts und der alchemistischen Naturphilosophie:

1. Die Ablehnung des 13-Monate-Zyklus: Die Kirche wachte streng über den offiziellen Kalender. Die Zahl 12 war heilig und stand für die göttliche Ordnung (12 Apostel, 12 Stämme Israels). Ein System, das auf 13 Mondmonaten basierte – der wahren, ungezähmten Zeitrechnung der Natur –, galt theologisch als chaotisch, heidnisch und wurde von der Kirche aktiv abgestritten und unterdrückt. Wer den Kosmos und die Biologie nach einem 13er-Muster berechnete, stellte sich außerhalb der kirchlichen Ordnung.

2. Schöpfung vs. „Gott spielen“: Für die Klöster war die Botanik eine Dokumentation der göttlichen Schöpfung. Das gezielte Erschaffen von künstlichen Chimären-Pflanzen (wie den dokumentierten Wurzel-Knollen-Veredelungen) durch das Abpassen exakter, astrologischer Saftdruck-Phasen grenzte für die damalige Amtskirche an Blasphemie. Man griff damit aktiv in die Natur ein, um eine eigene „Super-Lebenskraft“ (die alchemistische Quintessenz) zu erzeugen.

Klöster durften anbauen und heilen, aber sie durften nicht die Grundlagen der Schöpfung manipulieren oder mit verbotenen, astrologisch getakteten Mondzyklen experimentieren. Ein Gelehrter, der dieses tiefere, biologische System der Veredelung im Einklang mit den 13 Mondphasen perfektionieren wollte, musste seine Arbeit zwingend vor der Kirche verstecken – andernfalls drohte ihm der Vorwurf der Ketzerei.
a) ist das ein KI-Text? Der Stil..... ;);)

b) Albertus Magnus "de mineralibus" war ein alchemistisches Werk - es war nicht verboten, nicht verfolgt, und hauptberuflich war der Albertus Bischof - - wo bleibt denn da der fundamentale ideologische Konflikt?
 
@dekumatland Ja, da hast du vollkommen recht, es ist mit Hilfe einer KI formuliert. Mir fällt es manchmal schwer, meine komplexen Gedankengänge und Beobachtungen auf den Punkt zu bringen, deshalb nutze ich sie als Formulierungshilfe. Die Beobachtungen und die grundlegende These stammen aber komplett von mir.

Zu deinem Argument mit Albertus Magnus: Das ist ein hervorragender historischer Einwand! "De mineralibus" zeigt perfekt, dass die Kirche die Naturphilosophie und das Erforschen der Elemente (Mineralien, Metalle) nicht pauschal verboten hat. Albertus Magnus suchte darin nach den natürlichen Ursachen, die Gott in die Materie gelegt hat.

Der fundamentale Konflikt, den ich meine, entzündet sich aber an einer ganz anderen Stelle als bei der bloßen Mineralogie:

1. Der Kalenderstreit: Albertus Magnus bewegte sich in seinen Schriften absolut innerhalb der kirchlichen Dogmen und der etablierten Zeitrechnung. Ein kosmisches System, das die Natur radikal nach 13 Mondmonaten taktet – und damit den offiziellen, heiligen 12er-Kalender der Kirche als "künstlich" oder unvollständig darstellt –, war kirchenpolitisch eine völlig andere Sprengkraft. Das rüttelte an der göttlichen Ordnung der Zeit.

2. Das "Lebensprinzip" (Veredelung vs. Steine): Es ist theologisch ein riesiger Unterschied, ob ein Bischof die Eigenschaften von leblosen Steinen untersucht ("de mineralibus"), oder ob ein anonymer Gelehrter versucht, durch astrologisches Timing die Schöpfung lebendiger Organismen zu manipulieren (Chimären-Pflanzen durch Veredelung zu erschaffen). Letzteres greift tief in das Vorbehaltsrecht des Schöpfers ein – das Spenden und Verändern von Leben.

Es ging mir also nicht darum, dass Alchemie generell auf dem Scheiterhaufen landete, sondern dass eine so radikal naturnahe, auf einen 13er-Zyklus ausgerichtete Manipulation von Lebewesen (wie wir sie im Voynich-Manuskript visuell angedeutet sehen) definitiv im Verborgenen stattfinden musste.
 
(schon wieder KI...)
ich hatte dich schon mal gefragt: wie machte man es jahrhundertelang im mitteleuropäischen Weinbau? siehe #122 Generationen von anonymen Winzern haben Wein veredelt, ohne deswegen als Ketzer gejagt worden zu sein.
 
@dekumatland Tut mir leid wegen der KI – sie ist lediglich meine Hilfe für die Formulierung, da es sonst Stunden dauern würde, bis ich meine Gedanken genau so auf den Punkt gebracht habe, wie ich sie meine.
Zum Inhalt: Solange man sich innerhalb dieses kirchlichen Prinzips und der erlaubten Dogmen bewegte, war die Veredelung an sich überhaupt kein Problem. Das war ganz normaler Alltag.
Der Konflikt entsteht erst, wenn man dieses Prinzip verlässt und das Ganze mit dem 13-Mondmonate-Zyklus verknüpft. Das Ausbrechen aus der heiligen 12er-Ordnung der Kirche war das Problem. Deshalb musste ein solches Werk im Verborgenen bleiben.
 
Meine daraus abgeleitete Arbeitshypothese lautet schlicht: Das Manuskript codiert das technologische und naturphilosophische Wissen um biologische Veredelungszyklen.
Und diese "Arbeitshypothese" ist in der Sache Mumpitz.

a) Veredelung war unbeanstandete jahrhundertelange Praxis (Ost-, Wein-, Kräuter-, Getreideanbau)
b) einen Konflikt zwischen "dogmatischem 12monatigem" versus "13monatigem-ketzerischem" Pflanzenanbau/veredlung kennt keine einzige antike bis spätmittelalterliche Quelle

Veredlung als codierte Geheimwissenschaft ist ebenso wahrscheinlich wie ein ABCDarium codiert als Geheimwissenschaft: Veredlung war nichts geheimes oder verbotenes.

aber immerhin zeigen deine Reaktionen, dass du nun doch gewillt bist, nicht rein "textimmanent" in das Manuskript zu schauen (wenn auch mittels KI-Unterstützung)

Offen bleiben nach wie vor mindestens drei Fragen zu deiner Veredlung-Überlegung:
1. warum benötigt man da nackert badendes Weibsvolk? Veredelt sich´s dann besser?
2. warum wird solches Weibsvolk von Pflanzen verspeist und mit Rohrsystemen malträtiert?
3. warum ist nur der skurrile Botanikpono von Relevanz, die anderen Abbildungsthemen aber nicht?
 
1. Die Ablehnung des 13-Monate-Zyklus: Die Kirche wachte streng über den offiziellen Kalender. Die Zahl 12 war heilig und stand für die göttliche Ordnung (12 Apostel, 12 Stämme Israels). Ein System, das auf 13 Mondmonaten basierte – der wahren, ungezähmten Zeitrechnung der Natur –, galt theologisch als chaotisch, heidnisch und wurde von der Kirche aktiv abgestritten und unterdrückt. Wer den Kosmos und die Biologie nach einem 13er-Muster berechnete, stellte sich außerhalb der kirchlichen Ordnung.
In ein Kalenderjahr und damit ein Sonnenjahr passen rechnerisch genau 12,36 Mondzyklen. Weder 12 noch 13 Monate passen daher exakt in ein Sonnenjahr, wenn ein Monat immer einem Mondzyklus entsprechen soll. Das System mit 12 Monaten ist aber deutlich dichter dran. Inwieweit stellt also ein System mit 13 Monaten die "wahre, ungezähmte Zeitrechnung der Natur" dar? Man muss jedenfalls so oder so davon abweichen, dass ein Monat immer einem Mondzyklus entspricht, wenn man möchte, dass ein gleiches Datum immer dem gleichen Punkt im Sonnenjahr entspricht, dass also z. B. die Tag- und Nachtgleiche immer um den 20. März bzw. den 23. September stattfindet und ja, das will man, da sich dann Landwirtschaft und Verkehr und heute natürlich Bereiche wie Tourismus darauf einstellen können, dass z. B. ein Juli immer im Sommer liegt und man damit rechnen kann, dass es relativ warm ist, kein Schnee liegt und für viele Feldfrüchte die Erntezeit ansteht und man nicht erst rechnen muss, welchem Punkt im Sonnenjahr der Juli wohl dieses Jahr entspricht, weil sich die Monate jedes Jahr verschieben.

2. Schöpfung vs. „Gott spielen“: Für die Klöster war die Botanik eine Dokumentation der göttlichen Schöpfung. Das gezielte Erschaffen von künstlichen Chimären-Pflanzen (wie den dokumentierten Wurzel-Knollen-Veredelungen) durch das Abpassen exakter, astrologischer Saftdruck-Phasen grenzte für die damalige Amtskirche an Blasphemie. Man griff damit aktiv in die Natur ein, um eine eigene „Super-Lebenskraft“ (die alchemistische Quintessenz) zu erzeugen.
Es wurde doch schon erwähnt, dass das Wissen um die Veredelung von Pflanzen weder geheim noch verboten war, andererseits aber eben nur bei nah verwandten Arten funktioniert (und auch da nicht immer). Da hilft auch kein fünftes Element. Zumal die ganze Vier-Elemente-Lehre der griechischen Philosophie ja von der Wissenschaft ohnehin als fehlerhaft verworfen wurde und eine Erweiterung um ein fünftes Element also kein echtes Wissen darstellen konnte, dass die Veredelung von Pflanzen ermöglichte, bei denen das heute nicht mehr möglich ist. Es gibt ja übrigens auch Lehren mit fünf Elementen, z. B. in der chinesischen Philosophie. Die helfen da aber auch nicht weiter.

Klöster durften anbauen und heilen, aber sie durften nicht die Grundlagen der Schöpfung manipulieren oder mit verbotenen, astrologisch getakteten Mondzyklen experimentieren.
Das Wissen um Mondzyklen war doch nicht verboten; wie hätte das überhaupt funktionieren sollen? Und wie kann man mit Mondzyklen experimentieren? Und inwiefern unterscheiden sich die astrologisch getakteten Mondzyklen von den astronomisch getakteten Mondzyklen?
 
@Nikias Ein Mondzyklus (von Neumond zu Neumond) dauert etwa 29,5 Tage. Rechnet man das auf ein Sonnenjahr hoch, ergeben sich 13 Mondmonate (13 \times 28 = 364 Tage) plus ein Übergangstag. Für Alchemisten war das 13-Monate-Modell daher der einzig wahre, organische Kalender. Wenn man Pflanzen veredelt, erntet oder alchemistische Essenzen braut, musste man sich nach diesen 13 echten Mondzyklen richten, um die maximale Wirkung („Essenz“) zu erzielen.
Die 12 Monate stehen für die irdischen berechnung
Der 13. Monat symbolisiert die Quintessenz (das fünfte Element) oder den Zustand der Transformation. Er steht außerhalb der normalen Zeit – genau der Moment, in dem das Blei zu Gold wird oder die veredelte Pflanze ihre neue „Superkraft“ entfaltet.
 
In ein Kalenderjahr und damit ein Sonnenjahr passen rechnerisch genau 12,36 Mondzyklen. Weder 12 noch 13 Monate passen daher exakt in ein Sonnenjahr, wenn ein Monat immer einem Mondzyklus entsprechen soll. Das System mit 12 Monaten ist aber deutlich dichter dran.
Abgesehen davon, dass ein System mit 12 Monaten in einem Sonnenjahr wesentlich besser mit den Mondzyklen übereinstimmt als ein System mit 13 Monaten, gibt es natürlich auch praktische Überlegungen.

Die 12 lässt sich durch 2, 3, 4 und 6 teilen, die 13 nicht, da sie eine Primzahl ist.

Bei 12 Monaten lassen sich also problemlos Halbjahre und Quartale bilden und man kann das Jahr in vier etwa gleichlange Jahreszeiten einteilen.
 
@Nikias Das ist ein absolut berechtigtes Argument für einen bürgerlichen Kalender. Genau deshalb hat sich die 12 historisch für Verwaltung, Quartale und Wirtschaft durchgesetzt – weil sie sich eben so wunderbar teilen lässt.

Der Autor des Manuskripts wollte aber keinen Staatskalender für Steuern und Jahreszeiten entwerfen, sondern die reale Natur abbilden.
Wenn man mit dem echten Mondzyklus von 29,5 Tagen arbeitet, ergeben 12 Monate genau 354 Tage. Zum vollen Sonnenjahr (365 Tage) fehlen dann exakt 11 Tage.
Der „13. Monat“ in diesem System ist also gar kein klassischer, symmetrischer Monat für Quartale, sondern eine 11-tägige Restphase, die das Mondjahr mit dem Sonnenjahr ausgleicht. Für geheimes Naturwissen war die administrative Teilbarkeit völlig egal – es ging rein um die exakte, organische Taktung der Natur.
 
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