Ich habe zwei dicke Biographien ueber Franklin, aber nirgends findet sich auch nur ein Wort davon.
Und das belegt was? Also jetzt abgesehen davon, dass es dem jeweiligen Biographen nicht relevant genug erschien, um es zu erwähnen, was jetzt nicht verwunderlich wäre, weil jemand, der sich zum Ziel setzt das gesamte Leben einer bedeutenden Person zu beschreiben zwangsläufig eine Auswahl von Schlüsselinformationen treffen muss, weil die Biographie sonst Regale füllen würde?
Es gibt den neueren Begriff "redneck", der hat seine Herkunft auf Landarbeiter die hinten im Nacken von der Sonne gebraeunt waren und immer noch werden. Ditto fuer damalige Iren, die wochenlang auf Haenden und Knien Kartoffeln mit der Hand aufgesammelt hatten.
Und da schliesst sich der Kreis wieder: im 18. Jahrhundert arbeiteten die meisten Leute in der Agrarwirtschaft, ergo 'braungebrannt.
Schaut man sich nur einen Teil der unzaehliegen Gemaelde damaliger und frueherer Aristokratie an, so sieht man dort keine 'swarty' Aristokraten...weil... die nicht von frueh bis Abend auf den Feldern gewirtschaftet hatten. Waren Queen Victoria oder Albert oder sonst irgendjemand deutscher oder franzoesischer od. hollaendischer Aristokratie 'dunkelhäutig' oder hatten eine 'swarthy complexion?"
Das ist allerdings im oberen Zusammenhang offensichtlich nicht gemeint gewesen, weil dann die nationale/regionale Zuschreibung keinen Sinn ergeben hätte.
Die meisten Briten, die in den Nordamerikanischen Kolonien siedelten, waren ja keine Aristokraten, die für sich arbeiten ließen, sondern selbst Farmer und Kleinfarmer, die ihr eigenes Land bearbeiteten, dementsprechend genau so "braun gebrannt" oder sogar noch brauner waren, weil Pennsylvania und die Regionen, in denen sich aus den deutschen Gebieten stammtende Personen ansiedelten, ja eher im Norden lagen und es relativ wenige dieser Leute (dafür aber viele Briten) in die Kolonien verschlug, die dann ab Virginia eher dem Süden zuzurechnen sind und die, zum Teil (etwa ab North Carolina) geographisch schon auf der Höhe Nordafrikas gelegen, deutlich mehr Sonnenstunden haben.
Die Vorstellung, Franklin würde Deutsche in eine "rassische" Kategorie mit anderen, tatsächlich dunkelhäutigen Völkern stellen lese ich da auch nicht heraus, und sie erscheintr auch reichlich albern.
Nunja, Rassismus an und für sich hat ja insgesamt reichlich alberne Blüten getrieben.
Meine Lesart davon wäre, dass sich das nicht im wörtlichen Sinne auf eine tatsächlich dunklere Hautfarbe bezieht, sondern dass das eher als Abqualifikation auf kultureller Ebene zu verstehen ist, dergestalt, dass zwar die europäische Herkunft konzediert wird, auf der anderen Seite durch Assoziation mit den mit entsprechenden Stereotypen belegten Afroamerikanern ihnen Zivilisation abgesprochen und ihre Kultur herabgewürdingt wird.
Und dass dann in diesem Sinne Deutsche und andere Gruppen in diesem Zusammenhang nicht im rassistischen Sinne (so stark ausgeprägt war ja der biologische Rassismus zu Franklins Zeit noch nicht, der war ja auch von seiner Lebensspanne her sehr deutlich ein Mensch des 18. Jahrhunderts) unter "dunkelhäutige Völker" qualifiziert, sondern eher als eine Art zivilisatorischer Übergangszustand betrachtet werden, der allerdings unter dem eigenen Niveau liegt.
Ich bin nun mit dem theoretischen Werk von Benjamin Franklin nicht so unbedingt vertraut, wie ich zugeben muss. Was aber, denke ich im Zusammenhang mit Nordamerika durchaus verstanden werden muss, (darauf weißt unter anderem Hochgeschwender in seinem Buch zur amerikanischen Revolution und der Entstehung der Vereinigten Staaten durchaus verdienstvoll hin), ist dass im Gegensatz zur Französischen Revolution von 1789, die vorrangegangene Amerikanische noch nicht auf der Fiktion universeller Rechte aufgebaut war, sondern zu einem erheblichen Teil noch auf einem vormodernen Fundamet stand, insofern in ihrer Entstehung, als rechtfertigendes Fundament sehr oft wohl nicht auf allgemeine Naturrechte, sondern die sogenannten "Rechte freier Engländer", als Rechtsfiktion in der Tradition der Magna Charta, der Bill of Rights von 1689 und die philosophischen Ansätze von John Locke rekuriert wurde.
Nun ließen sich mit dem Beruf auf diese Fiktion, seitens der Kolonialeliten nicht nur Ansprüche gegenüber dem britischen König und dem Westminsterparlament begründen, weil man ja als Angehöriger der amerikanischen Großgrundbesitzer in der Regel Engländer war, sich also darauf beziehen konnte, dass diese Fiktion auch außerhalb Englands Gültigkeit habe, da sie nicht an ein Territorium, sondern an eine Personengruppe gebunden sei.
Sondern es ließen sich damit natürlich auch nach innen Partizipationsansprüche derer, die nicht im engeren Sinne zu dieser Gruppe gehörten zurückweisen.
In diesem Sinne ergab es für Personen, die ein Interesse daran hatten das Recht auf politische Teilhabe bei der eigenen Gruppe zu monopolisieren durchaus Sinn, zu versuchen, diesen Anspruch, dass sich ein neuer Staat in Nordamerika, oder auch die Kolonialgesellschaft dort auf die überkommenen Rechte freier Engländer gründen solle, hoch zu halten und mal ganz genau zu definieren, wem man zugestand ein freier Engländer (oder dem gleichwertig zu sein) und wem nicht.
Ich würde spontan vermuten, dass es vor allem in diese Stoßrichtung ging und dass der Begriff "Swarthy" als Fiktion vor allen Dingen dazu dienen sollte, diese Grenze zu markieren.
Möglicherweise handelte es sich auch einfach um den Versuch ein Update für diesen Anspruch zu schaffen, weil der Beruf auf mittelalterliches und von Königs Gnaden getiftetes Recht für einen intellektuellen Rezipienten der Aufklärung irgendwo einfach peinlich geworden war, auch wenn der Inhalt den eigenen Interessen entsprach.