1448 Skanderbeg gegen seine Osmanen

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von naissus, 16. April 2008.

  1. naissus

    naissus Gesperrt

    Gjergj Kastrioti, groß geworden unter osmanischer Herrschaft, aufgestiegen zum osmanischen General, Beiname Iskender Beg (wegen seinem Mut und Geschick nach Alexander, dem Großen bennant).
    1448 erfährt er, dass er albanischer Herkunft ist und wendet sich gegen seine Ziehväter und verteidigt albanisches Territorium gegen die Invasoren
    und bleibt ungeschlagen bis zu seinem natürlichen Tode im Jahre 1468.
    Woraus bestand seine Armee, welche den Osmanen unterstand? Waren es
    ebenfalls Albaner oder setzten sie sich auch aus anderen Nationen zusammen. Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aber wer weiß...
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Zumindest habe ich gelesen (Wo, müsste nachsehen?), dass er Hilfe (Geld, aber keine Truppen) aus Venedig bekam.
     
  3. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Sein Vater war ein byzantinischer Fürst, der von den Osmanen besiegt wurde. Georgios Kastriotis (übersetzt soviel wie Georg von der Festung = castrum - lat. oder kastron - griech.) musste mit seinen Brüdern als Geisel in den Sultanshof. Dort nahm oder musste er den islamischen Glauben annehmen und schaffte es aufgrund seines Mutes und seiner Intelligenz zu hohen militärischen Posten zu kommen. Daher auch die Ehrenbezeichnung Iskender Bey. Skanderbeg ist nur eine westliche Verballhornung davon.
    Die Annahme des Islams war aber wohl nur sehr oberflächig, den bei passender Gelegenheit ging es wieder zurück in die Heimat wo er mit Unterstützung der einheimischen albanischen Bergstämme über viele Jahre die Osmanen ordentlich vermöbelte.

    Nicht nur die Venezianer sondern auch der Papst unterstützte Ihn.
    Natürlich aber vor allem die albanischen Stämme, die er einigen konnte, was wohl nicht so einfach war in dieser chaotischen Zeit. Ich vermute mal, dass auch andere Romäer unter seinem Kommando kämpften, weis es aber nicht sicher.

    M.E. sehen die Albaner zu Recht Skanderbeg als ihren großen Nationalhelden an. Mich persönlich fasziniert auch die ganze Story :winke:

    Einen sehr spannenden Roman, welcher in der Zeit spielt, ist von Ismail Kandare (?) geschrieben worden, ich meine er heisst "Die Festung". Wirklich lesenswert !
     
    Gentius und Turgot gefällt das.
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich denke, dieser Thread gehört in den Bereich Osmanisches Reich?

    Ihr, oder du willst Infos? Gut, ich gebe dir Infos, mecker aber dann nicht rum, wenn sie nicht den Geschichten entsprechen, die du vielleicht in albanischen Nationalromanen gelesen hast...

    Wieso schreibe ich was? Weil ich mit Grausen die Wiki dazu angeschaut habe, besonders die Diskussion... Immer das gleiche Bild dort... *würg*

    Lexikon des Mittelalters:

    "G. (Gjergj) Kastriota,
    gen. 'Skanderbeg', Fürst im nordöstl. Albanien, Vorkämpfer des Widerstands gegen die Türkenherrschaft, * um 1405, † Jan. 1468 in Lezha. G. entstammte der Adelsfamilie der Kastrioti, die seit dem Ende des 14. Jh. zw. Drin und Mati auftreten und um 1417 in das nordalban. Küstengebiet ausgriffen: 1420 gewährte Jon (Ivan) Kastriota, G.s Vater, der Seerepublik Ragusa (Dubrovnik) ein Privileg für das Gebiet von der Mündung des Ishmi bis nach Prizren. Im Vordergrund seiner Politik stand von dieser Zeit an der Versuch, die ven., ragusan. und türk. Interessen gegeneinander auszuspielen. 1419-21 kämpfte Jon Kastriota wie die anderen Fürsten gegen den Sultan, dem er 1423 seinen Sohn als Geisel ausliefern mußte. G. wuchs am osman. Hof auf und zeichnete sich im Heer aus (Beiname Skanderbeg 'Herr Alexander'). Während seine in den Aufstand von 1429-30 verstrickte Familie ihre wichtigsten Güter einbüßte, stieg G. in osman. Diensten auf: 1438 subasi v. Kruja, 1440 sangaqbeg v. Dibra. 1443 fiel er jedoch ab, entfachte einen antitürk. Aufstand und machte Kruja zum Herd des Widerstandes. Er gründete 1444 gemeinsam mit anderen alban. Fürsten die Liga v. Lezha (Alessio), deren militär. Oberbefehl er als Capitanus Generalis innehatte. Die versprochenen finanziellen Beiträge der Fs.en blieben jedoch stets gering und unregelmäßig. Dennoch beunruhigte die Liga nicht nur den Sultan, sondern auch Venedig, das in Sorge um seine Stützpunkte (Durrës, Shkoder) 1447-48 den Kampf gegen G. eröffnete, mehrere Ligamitglieder zum Abfall veranlaßte und auch vor einem Zusammengehen mit den Türken nicht zurückschreckte. Im Kampf an zwei Fronten verlor G. die Festung Svetigrad (nahe Dibra) 1448 an Venedig; 1450 sah er sich mit dem türk. Vordringen (Einnahme von Berat, Belagerung von Kruja) konfrontiert, konnte den Sultan jedoch zurückschlagen. G. suchte nun die Hilfe König Alfons' V. v. Neapel, mit dem er am 26. März 1451 den Vasallitätsvertrag v. Gaeta schloß. Im Juli 1455 bei Berat besiegt, schlug G. die Türken 1457 bei Albulena (nahe Kruja) vernichtend. Venedig wich auch zurück, was ein Ergebnis der von Pius II. im Zuge seiner Türkenkrieg-Politik 1459 zustandegebrachten Konferenz v. Mantua war. 1461 hatte G. die Hände frei, um Kg. Ferrante v. Neapel gegen seine mit dem Haus Anjou verbündeten aufständ. Barone beizustehen (Übertragung der Lehen Galatina, Galàtone und Soleto, nach 1468 Exilsort seiner Familie). Bei G.s Rückkehr nach Albanien (1462) war jedoch eine Reihe von Fürsten auf türk. und ven. Betreiben von der Liga abgefallen; der türk. Druck hatte sich verstärkt (Errichtung von Elbasan). Doch gelang es G. in seinen letzten Lebensjahren, die Osmanen erneut zurückzudrängen (1466, 1467). Nachdem er verstorben war, zerfiel die Liga in kürzester Zeit. G. hat keinen alban. Staat begründen können; angesichts des Fehlens einer übergreifenden polit. Struktur und eines zentralisierten Steuerwesens war das Oberhaupt der Liga finanziell zumeist auf die eigenen Domäneneinkünfte und den ihm gehörigen Zoll v. Suffada angewiesen. Verelendung und Auswanderung nahmen unter der alban. Bevölkerung bereits während seiner Regierungszeit drastisch zu. Der wirtschaftl. Verfall in Albanien bildet gemeinsam mit der meist illoyalen Haltung der alban. Fürsten die Hauptursache für das Scheitern des heroischen Widerstandes Skanderbegs."
    von A. Ducellier

    Literatur

    * BGLS IV, 134-137
    * A. Gegaj, L'Albanie et l'invasion turque au XVe s., 1937
    * J. Radonic, ÐuraÐ Kastriot Skenderbeg i Arbanija u XV veku, 1942
    * Actes de la 2e Conférence des Études Albanologiques, 2 Bde, 1968
    * T. P. Siokala, Georgior KastriothV ; SkentLrmpehV, 1975
    * A. Ducellier, L'Albanie entre Byzance et Venise, 1987.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zur Arroganz besteht kein Anlass, lynxxx!

    Auch unter der kritischen Lupe eines Lexikon des Mittealters (und anderer quellenorientierter Publikationen) bleiben Mut und Tapferkeit Skanderbegs unbestritten.

    Es ist somit wenig verwunderlich, dass er bereits zu seiner Zeit Berühmtheit erlangte und ein kleines Volk wie die Albaner ihn zu seinem Nationalhelden machte.
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Moderatorenhinweis

    Da Skanderbeg auch mE in den Kontext des Osmanischen Reiches gehört, wird der Thread dorthin verschoben.

    In diesem Sinne

    Timotheus
    Moderator
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. April 2008
  7. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Jeder liest anscheinend das raus, was er rauslesen will...:grübel:

    Niemand hat den Mut infrage gestellt. Von mir aus können alle Völker Achilles zu ihrem Nationalhelden machen.

    Die Motive und Methoden Skanderbegs sind manchmal allerdings nicht immer die, die eine spätere Geschichtsschreibung ihm zuschreiben will. Das ist alles, was ich ausdrücken wollte. Nähere Infos mittlerweile auch auf diversen Seiten neuerer googlebooks-Scans, auch unter "Iskender Beg".
     
  8. naissus

    naissus Gesperrt

    ja klar, wenn man das so sieht, könnte man hitler auch gute absichten unterstellen, ich meine die welt vor einer verschwörung zu beschützen ist ja auch nicht ohne, oder?
     
  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Auf einem derartigen Niveau "argumentieren" auch die Holocaust-Leugner.

    Solche Beiträge dürfte mE aber niemand interessant finden.
     
  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    naissus. Skanderbeg war sicherlich ein heroischer, tapferer und kluger Mann, der auch strategisch was drauf gehabt haben dürfte. Also durchaus "bewunderungswürdig". Die Motive sind allerdings vielleicht nicht sooo hell, wie sie spätere Heldenverehrung glauben machen wollte. Ich habe die gelesenen Seiten nicht mehr im Kopf, nur mal von oben ein Zitat zur Verdeutlichung: "Verelendung und Auswanderung nahmen unter der alban. Bevölkerung bereits während seiner Regierungszeit drastisch zu."

    Wo Licht ist, ist oft auch Schatten, das gehört für ein komplettes Geschichtsbild immer auch dazu. So wie auch Atatürk helle und dunkle Flecken hat, wobei letztere in der türkischen Hagiographie meist verschwiegen werden/wurden.

    In der Summe aller "dunklen" und "hellen" Seiten der damaligen Zeit kann man durchaus zu einem insgesamt positiven Bild kommen, meinetwegen auch zur Heldenverehrung.

    Das ist alles, was ich anmerken wollte.
     
  11. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Hallo Lynxxx,
    die Infos aus dem Lexikon des Mittelalters finde ich interessant und gut, dass du sie reingebracht hast. Etwas differenzierte Sichtweise kann nie schaden.
    Schade, dass naissus nicht darauf eingeht und uns mit Sachinformationen beglückt. Wie soll man sonst so eine historische Persönlichkeit wie Skanderbeg besser würdigen ? Solche Adi-Sprüche verleiden einem die Lust weiterzulesen...:fs:

    Wenn naissus gute Informationen hat, dann soll er vernüftig argumentieren und sein Wissen weitergeben. Ich würde mich darüber freuen.
     
  12. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Und für die nächsten Tage wird es ihm ehedem unmöglich sein: http://www.geschichtsforum.de/323589-post133.html

    Richtig; und genau deswegen erhält er erst einmal eine Denkpause.
     
  13. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hmm, müssen dann wohl Posts sein, die inzwischen gelöscht wurden. Oder per PN. Irgendwie habe ich öfters das Gefühl, "das mich täglich das Murmeltier grüßt", wenn ich so einige "Diskussionen" verfolge, die öfters leider ähnlich verlaufen... :)
     
  14. Brushian

    Brushian Gast

    [FONT=&quot]Skanderbeg:

    Der Biograph Skanderbegs Marinus Barletius schildert, dass Kastriota großes Vertrauen seitens des Sultans genoss und ihm als logische Konsequenz verschiedene Verwaltungsposten im türkischen Albanien anvertraut wurden, welche er konsequent dazu nutzte, um mit Dubrovnik und Venedig in Kontakt zu treten.
    Die eigentliche Revolte wurde eher durch ein Signal aus dem Norden entfacht, welches durchaus verständlich erscheint, nämlich die Einnahme von Nis durch Johannes Hunyadi im November 1443, diese Offensive war aber, wie sollte es anders sein, nur anfänglich erfolgreich.

    Was natürlich die These untermauert, dass wenn irgendwo am Balkan einer furzt, am ganzen Balkan ein Orkan folgt.

    Erst ab diesem Zeitpunkt, der ungarischen Besetzung Nis's, zog unser Held mit dem albanischen Teil der osmanischen Truppen nach Kruja.
    Wird zwar immer so dargestellt, als hätte Skanderbeg völlig ohne äußere Einflüsse agiert, ist aber nicht der Fall, natürlich spielten umliegende Ereignisse eine Rolle.
    Auch war Skenderbeg nicht Beherrscher eines albanischen Staates, sondern als "primus inter pares" militärischer Führer.
    Eigentlich waren alle gleichgeschaltet.
    Skanderbeg versuchte durch eine geschickte Heiratspolitik, einen Gesamtstaat zu kreieren, durch die Verheiratung seiner Schwestern Maria, Vlaika und Mamica war er nicht nur mit den Balsha und Thopia, sondern auch mit den montenegrinischen Crnojevics verbunden, was den Machtzuwachs und die Missgunst Venedigs erklärt.

    Zu einem Nord - oder Kosovoalbaner sollte man natürlich nicht sagen, dass Kastriota damals gute Beziehungen zu den Serben, Montenegrinern und Slawen hatte, denn dann ist man wieder unten durch.

    Ich persönlich glaube, dass das Betreiben der Osmanen und Venezier zur Abspaltung von Teilen der Liga, nicht gefruchtet hätte, wenn die Albaner selber nicht uneins gewesen wären.

    Trotz der Hilfe durch die vielen europäischen Mächte, Kruja bekam unter anderem einen aragonesischen Statthalter, Ramon de Ortafa, inklusive katalanischer Garnison, konnte Skenderbeg, als seine Macht immer größer wurde, nicht verhindern, dass selbst vertraute Heerführer wie Moise Golemi und sein eigener Neffe Hamza sich von ihm abwandten und zu den Türken "überliefen".

    Wenn man sich aber ansieht, wie oft Skenderbeg die Osmanen zurückdrängte, 1462 drei türkische Militärexpeditionen, 1465 konnte G. fünf Einfälle der unter Kommando von Balaban Pascha (ebenfalls gebürtiger Albaner) stehenden Osmanen negieren, 1466 zweite erfolglose Belagerung Krujas durch Mehmed II. himself, 1467 Entsatz vor den Mauern Krujas und Tod Balaban Paschas, danach gleich die dritte Türkenbelagerung Krujas wieder durch Sultan Mehmed, könnte man sich fragen, zu was er noch imstande gewesen wäre, hätte ihn am 17. Jänner 1468 nicht der Tod ereilt.

    Er war ein Held.

    Peter Bartl trifft es in seiner Geschichte Albaniens ausgezeichnet:

    "Die türkische Eroberung machte den relativ bescheidenen Versuchen albanischer Staatsbildungen im Mittelalter ein Ende.
    In der albanischen Historiographie wurde und wird die fast fünf Jahrhunderte währende türkische Herrschaft deshalb durchwegs negativ beurteilt.
    An der Berechtigung dieser Beurteilung sind Zweifel durchaus angebracht.
    Man kann die Eroberung Albaniens in ihren Auswirkungen nämlich nicht mit der Bulgariens oder Serbiens vergleichen:
    Dort löschten die Türken mittelalterliche Hochkulturen aus.
    In Albanien war das nicht der Fall.
    Es gab im Mittelalter weder eine Kirchenorganisation noch eine Staatsreligion, noch eine Kunst oder Literatur, die man als albanisch bezeichnen könnte.
    Die Kanzleien der albanischen Dynastien stellten Urkunden in griechischer, lateinischer und slawischer Sprache aus, aber keine einzige in albanischer.
    Die Albaner waren in Mittelalter griechischen, romanischen und slawischen Kultureinflüssen ausgesetzt, mit den Türken kam nur ein neuer Einfluss hinzu, der die bisher wirksamen zurückdrängte.
    Dank der Tatsache, dass ein großer Teil der albanischen Bevölkerung im Laufe der Jahrhunderte den Islam annahm, hatten die Albaner auch einen bedeutenden Anteil an der osmanischen Reichsgeschichte.
    Albaner waren in der militärischen, politischen und kulturellen Führungsschicht des Reiches in einem Maße vertreten, das in keinem Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsstärke stand.
    Unter der türkischen Herrschaft konnten die Albaner auch ihr Siedlungsgebiet bedeutend erweitern.
    Aus alledem wird ersichtlich, dass die Türkenherrschaft für die Albaner, wenn man von der Zerfallsperiode des Osmanischen Reiches absieht, durchaus nicht nur negative Folgen hatte.
    Die albanische Geschichte hörte mit der türkischen Eroberung nicht auf, um fünf Jahrhunderte später mit der Gründung des Nationalstaates wieder einzusetzen, sie wurde auch nicht die Geschichte eines fortwährenden Widerstandes gegen eine fremde Herrschaft.
    Die albanische Geschichte blieb vielmehr das, was sie bereits vor der türkischen Eroberung weitgehend gewesen war: Volksgeschichte, diesmal im Rahmen eines Vielvölkerstaates, in dem die Albaner ihren anerkannten Platz hatten."

    des weiteren:

    "Sehr viele Albaner haben dann auch hohe und höchste Ämter im Verwaltungs- und Militärapparat des türkischen Staates bekleidet.
    Von den 92 Großvezieren, die vom 15.-17.Jahrhundert amtierten, waren 25 albanischer (und nur 19 türkischer) Abstammung."

    [/FONT]
    [FONT=&quot]ob gut oder schlecht, irgendwie reden sich viele Leute auf den Kerl aus und beziehen ihn als Referenz für irgendwas, das ist in der Tat immer ärgerlich und hört schwer auf.
    Da kannst du ja gleich sagen, dass ...
    Dann könnte man die Naz...
    Aber Hitler hat auc...

    ich gebe dir vollkommen recht

    [/FONT]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20. April 2008
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Danke für die ausführliche Information! Da bleiben kaum noch Fragen offen! :winke:

    Eine hätte ich noch: Weiß man eigentlich, welchem Volk sich Skanderbeg zugehörig fühlte? Oder, anders ausgedrückt: Gab es zu seiner Zeit schon eine albanische Identität?
     
  16. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  17. Brushian

    Brushian Gast

    Aber gern geschehen !

    Noch heute existieren beispielsweise Stämme in Montenegro, deren Herkunft albanisch-serbisch-montenegrinisch ist.
    Die eine Hälfte albanisch /illyro-thrakisch(oder illyro-slawisch >> spekulativ)(?), die andere eindeutig slawisch/montenegrinisch.
    Die Liga von Lheza darf nicht als rein albanisch angesehen werden, das resultiert genau aus deiner Frage, die Liga war genauso durchsetzt von montenegrinischen Adeligen.
    Dasselbe wie bei der Amselfeldschlacht, bei der auch albanische Verbündete für die Serben eine Rolle spielten.
    Karl Thopia hat ja selber behauptet von Karl dem Großen abzustammen, verheiratet war er mit Voislava Balsic, von den montenegrinischen Balsha (serbischer Fürst), sein Sohn Georg war widerum mit der Serbin Teodora Brankovic verheiratet.
    Die direkten Konkurrenten der Balsic in Zeta waren die Crnojevic, wobei Stefan Crnojevic wiederum Mara, die Schwester Skenderbegs heiratete.
    Skenderbegs Mutter Voisava war ebenfalls eine Serbin, wobei Skenderbegs Sohn Gjon auch eine Serbin, Irena Brankovic heiratete.
    Die Brankovics gelten als eine der einflussreichsten serbischen Familien im Mittelalter.

    eine schrecklich komplizierte Angelegenheit, die viel Stoff für Spekulationen bietet.
    ein Beispiel:ÄuraÄ‘ Branković – Wikipedia

    Was als sicher gilt, ist das durch die Ankunft der Slawen die Romanisierung der albanischen Vorfahren im 6.Jahrhundert beendet wurde und das Gebiet des heutigen Albaniens ab dann durchwegs von slawischen Fürstentümern durchsetzt war, daher auch die interessanten Bindungen zwischen Albanern und Serben/Montenegrinern.

    Es soll eine angebliche Notiz von Ptolemäus aus dem Jahre 168 n. Chr. geben, in welcher "Albanoi" vorkommt, aber dem ist wohl keiner nachgegangen, der byzantinische Geschichtsschreiber Michael Attaleitates erwähnt sie 1079 wieder in seiner Chronik als Arvaniten, knapp tausend Jahre später, da aber alles was mit alp.../alb... anfängt mit dem indogermanischen Wort für Bergland zu tun hat, kann man da vieles drunter auffassen ...
    so sagt Georg Stadtmüller:

    "Der uralbanische Lebensraum war eine sterbende Sprachinsel, ein schrumpfendes Reliktgebiet einer einstmals über weite Teile der Balkanhalbinsel verbreiteten Sprache. Überall sonst hat die römische Reichskultur, Volkstum und Sprache der Provinzialen eingeebnet. Die albanische Sprache spiegelt die Kulturabhängigkeit von Rom in lateinischen Lehnwörtern wieder. Wären nicht die Slawen gekommen, wäre die albanische Sprache von der lateinischen Reichssprache eingeschmolzen worden"

    Die moralischen Regeln der Nordalbaner und der Montenegriner sind nahezu identisch.

    mir sagte mein Spetzi, ein makedonischer Albaner, dass er zu 50% Englisch spreche, wenn man sich den albanischen Wortschatz ansieht, versteht man warum >> lateinische Anlehnung

    Die frühen albanischen Verhaltensregeln, das Leben in isolierten Stämmen und vor allem die Verschwommenheit in Bezug auf die Adelsschichten sowohl auf dem Gebiet des heutigen Serbiens, als auch Albaniens, und nicht zu vergessen die Bindung mit serbischen und bulgarischen Häusern, lassen mich vermuten, dass die albanische Identität, aufgrund der immer häufiger werdenden Erwähnungen und Manifestation in europäischen Übelieferungen, im Begriff war, sich zu konstituieren.
    Thopia nannte sich z.b. "Princeps Albaniae", was dafür spricht, dass man sich der albanischen Wurzeln durchaus bewusst war.
    Die albanisch-slawische Mischkultur erlaubte aber trotzdem keinen speziellen Hang zum Separatismus.
    Die Vorfahren der Albaner waren zwar durch Sprache und Soziales verbunden, die Abstammungsmythen waren sicher gleich, aber das machte sie nicht zu einer Nation, Adlige und Bauern empfanden sich nicht als Gemeinschaft.
    Alles in allem betrachtete sich Skenderbeg mit ziemlicher Sicherheit als Albaner, der Begriff Sqhiptar als Eigenbezeichnung ist eher jüngeren Ursprungs.


    mir fällt der Spruch ein : "die balkanische Rache ist Sache der Sippe"
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20. April 2008
  18. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zunächst besten Dank für diesen sachkundigen Beitrag! Das waren genau die zentralen Punkte, die mich interessierten.

    Diesen Satz fand ich bedenkenswert. Er würde bedeuten, dass sich die Bevölkerung dieser Region noch nicht als "Volk" verstand - oder machst du hier einen Unterschied zwischen "Volk" und "Nation"?

    Damit erhebt sich die Frage, ab wann sich die Albaner als eine Einheit, als ein Volk mit gemeinsamer Sprache und gemeinsamen Schicksal verstand? Doch nicht erst im 19. Jh.?
     
  19. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Man sollte bedenken, dass gerade im Balkan, die Multilingualität oftmals vorhanden war, Mischehen getätigt wurden, gewandert wurde, neue "Identitäten" angenommen wurden, sich angepasst wurde, assimiliert wurde, "Bildung" nicht weit verbreitet war, usw. Siehe mein Link mit den Schwierigkeiten etlicher, sich selbst einer Gruppe zuzuordnen. Es wird oftmals allzu leicht spätere Entwicklungen, spätere Vorstellungen von Identität, spätere "Grenzziehungen" zum Beispiel anhand von vermeintlichen Sprachgrenzen, die manchmal sogar künstlich gezogen wurden, usw. in die Vergangenheit projiziert.
    Dieses ist nicht nur unhistorische Vorgehensweise, sondern diente und dient den Interessen der heutigen oder den im 19. Jahrhundert aufkommenden "Identitätssuchereien".
    Wenn man eines mit einiger Wahrscheinlichkeit sagen kann, dann sind die Vorstellungswelten großer Bevölkerungsteile damals nicht durch Völker, Sprachen, etc. begrenzt gewesen, sondern durch Konfessionen. Da verlief die Grenze wesentlich deutlicher, auch im Bewusstsein des einfachen Mannes, als durch spätere durch Nationbuilding erworbene Grenzen zum "Fremden".
    Und selbst wenn damals Konfessionsgrenzen im Bewussstein geherrscht haben, müssen daraus nicht zwangläufig Konsequenzen im Handeln erfolgt sein, wie z.B. die Christen, die mit den kürzlich oberflächlich konvertierten Muslimen gemeinsam in das erfolgreiche Emirat des Osman einwanderten oder ihre Dörfer dort verließen, um an Raubzügen in Thrakien und später darüberhinaus teilzunehmen, oder nehmen wir etliche Adligen des Balkans, die während der Expansion des Osm. Reiches gemeinsame Sache mit den Osmanen machten. Oder nehmen wir die Byzantiner, die erst die Osmanen auf europäischen Boden geholt haben, die ihnen zum Dank sogar einen Stützpunkt bei den Dardanellen schenkten (Cympe), währenddessen die Osmanen mit den Gegnern der Byzantiner, den Genuesen ein Bündnis eingingen, die ihnen Schiffe zur Verfügung stellten, und so weiter und so fort. Zahlreiche Bruchlinien gab es, aber meistens nicht so klar, wie man heute glauben könnte. Ein Kuddelmuddel... ;)

    Man sollte sich auch immer die Quellenlage vor Augen führen, so können wir z.B. bei den Osmanen der ersten drei Sultane (Osman, Orhan, Murad) nicht einmal sagen, ob diese überhaupt ethnische Türken waren, oder nicht vielleicht eingewanderte Iraner oder Araber. Wir können auch gar nichts über deren Charakter sagen, ob die nun mutig, skrupellos, intelligent, blöd, etc. waren. Warum nicht? Weil alles, was wir wissen, leider erst Generationen später verfasst wurde. Und warum wurde es verfasst? Weil man (also ein Sultan) sich in einer glorreichen Genealogie darstellen wollte, und deshalb sein "Erbe" durch diese "Brille" aufschreiben ließ. Das heißt, wir müssen dieses berücksichtigen, und zahlreiche Indizien hinzuziehen, um eine Wahrscheinlichkeit, aber keine Gewissheit, über die ersten Sultane zu erlangen. Dieses gilt sicherlich auch für zahlreiche andere Personen des Mittelalters.
    Und nun die ganze Situation nochmals spärlicher für diejenigen, die nicht geherrscht haben...

    So ähnliche Diskussionen hatten wir auch schon mal.:winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. April 2008
  20. Brushian

    Brushian Gast

    Das ist schon irgendwann angesprochen worden, nur im Bezug auf Serbien.
    Vermutlich haben sich die Albaner als Volk selbst identifiziert, wie gesagt, einige bezeichneten sich selbst als Herrscher der Albaner, jedoch war die Lage viel verschwommener.
    Im Gegensatz zu den Südslawen, bei denen das Volkstum ausgebildeter war, kam noch der Faktor hinzu, dass die Albaner zwei unterschiedliche Dialekte sprachen und sprechen, welche sogar zu Verständigungsproblemen führen können, das kombiniert mir dem albanischen Kanun, dem "Gesetzbuch der Berge", von dem es mehrere Ausführungen gab und die patriarchalisch aufgebaute Lebensweise und Zurückgezogenheit kippten die Sache zu ungunsten einer Nation.
    Jedes Stammesoberhaupt und jeder Dorfälteste agierte wie ein eigener Herrscher.
    Noch dazu lagen die zwei Dialekte früher vermutlich noch weiter auseinander.
    Ihre Sippen bildeten kleinere Stammesstaaten, die sehr kriegerisch sein konnten, aber nie den Weg zu einem Zentralstaat fanden.
    In Albanien existieren noch heute Überbleibsel, welche die älteste statische Gesellschaft unseres Kontinents bilden.
    Auch heute noch ist es schwer die Blutrache und den Kanun in den Griff zu bekommen, die Kommunisten hatten auch größte Schwierigkeiten, die Ehre der Sippe zu bändigen.
    Daher mussten Hoxhas Schergen unzählige Leute köpfen, bevor endlich einer Ruhe herrschte, schließlich produzierten die Geschehnisse des 2. Weltkrieges viele Fälle der Blutrache.
    Es war auch eine Methode von Hoxhas Leuten um Rachegefühle zu unterbinden, dem Rächer den abgetrennten Kopf des Opfers ins Gesicht zu schrauben, sodass sich beide küssten, dieser wurde dann lebendig in ein Grab geworfen, so entschlossen sich viele die Rache zu verschieben.
    1992 wurde ein Mann in einer Hotellobby mit einer Axt enthauptet, es wurde hier ein Mord gerächt, der 40 Jahre zurücklag.
    Nach dem Ende des Kommunismus zählte man 2000 Fälle von Blutrache in die 60000 Menschen verwickelt waren.
    Bei jugoslawischen Kommunisten in Bosnien war das Köpfen auch eine interessante Begebenheit, aufgrund der Probleme mit läufigen Tschetniks und Ustaschas.
    So wurde mal ein Kopf eines Waldläufers (flüchtige Tschetniks oder Ustaschas, nicht "Herr der Ringe") auf dem Pfahl einem Organ der KPJ übergeben.
    Die "Besa", ein Stillhalteabkommen für Rachepflichten, nimmt noch heute einen zentralen Platz unter den Albanern ein.
    Die Granate als Rachemittel wurde beispielsweise verboten, da sie nicht "direkt" sei, man muss beim Vollzug der Rache, dem Opfer vorher bescheid geben, sprich Stich und Schusswaffen, erwürgen ist auch O.K..
    Die Sippen und Stämme waren einander immer im Wettbewerb verpflichtet.
    Die Sippe der Klementi, ein Teil dieser Sippe soll montenegrinische Vorfahren haben, wird beispielsweise auf die von den Römern erbaute Burg Klementina zurückgeführt.
    Die Stammesgliederung geht so weit, dass heute noch ein Albaner aus dem und dem Ort nicht gleich eine Albanerin von dort und dort heiraten kann.
    Ein mazedonischer Albaner sollte keine Kosovarin heiraten, denn diese sind verschrien (...), da zu viel Kontakt mit Serben in ihrer Geschichte.
    Die Tosken im Süden haben auch immer Albanien beherrscht, bis auf die 5-jährige Amtszeit Sali Berishas, haben durchwegs nur diese den Staatskopf gebildet, Enver Hoxha war ja auch einer.
    Ich selber spreche kein großes Albanisch, kann dafür exzellent auf albanisch fluchen, jedoch soll sich einer aus dem tiefen Süden schwer mit einem Gegen aus dem Norden unterhalten können, dass haben mir schon einige bestätigt.
    Die Religion, wie Lynxxx erklärt hat, spielte ein große Rolle, selbst heute noch.
    Ein orthodoxer Toske (südlicher Albanerstamm) hat durchaus Sympathien für die Serben, trotz der tragischen Ereignisse in den Neunzigern.
    Die Tosken haben auch sehr wenig für ein von Gegen dominiertes Großalbanien übrig gehabt.
    Ich selber sprach mal mit einem aus Shkodra namens Vladimir, sein Sohn war mit einer Belgrader Serbin liiert.
    Jedoch sehen sich die Albaner trotz der Religion als Albaner, bei denen funktioniert es im Vergleich zu den Jugoslawen, ähmm ... ich meine natürlich Exjugoslawen, ganz gut.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21. April 2008

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