16.6.1904 der Martello-Turm wird unsterblich

Diese Türme waren überhöhte Geschützplattformen quasi, 18. und frühes 19. Jh., sie waren an den Küsten verteilt - um manche herum wurden dann Forts gebaut (z.B. Fort Henry auf Jersey) - und natürlich sind sie dank Ulysses nicht aus der Weltliteratur wegzudenken.
So weit mir bekannt, gab es in Frankreich, Deutschland, Russland keine Martellotürme als Küstenschutz; sie sind halt very british
 
Diese Türme waren überhöhte Geschützplattformen quasi, 18. und frühes 19. Jh., sie waren an den Küsten verteilt - um manche herum wurden dann Forts gebaut (z.B. Fort Henry auf Jersey) - und natürlich sind sie dank Ulysses nicht aus der Weltliteratur wegzudenken.
So weit mir bekannt, gab es in Frankreich, Deutschland, Russland keine Martellotürme als Küstenschutz; sie sind halt very british
Danke Dir
Nun, in St. John, Nova Scotia, Can, steht noch eingut erhaltener Martello Turm. Mit etlichen Informationstafeln seiner Geschichte.
Wurde noch im 2.WK gebraucht. Bin drin gewesen. Irgenwann wurde er mal redundant. Kann mich noch erinnern, dass diese Bauweise aus Europa stammt.
 
Bewusstseinsstrom, innerer Monolog, labyrinthisches Erzählen, Sekundenstil - der große Knalleffekt der literarischen Moderne, Ulysses von James Joyce, spielt an diesem Tag. Und gleich zu Beginn des Romans wird sein anfänglicher Schauplatz unsterblich: der Martello Tower von Sandycove. Heute ist ein Joyce Museum im Kanonenturm.


Solche als Turm gestalteten Geschützplattformen des 18. und frühen 19. Jh. kann man auf Jersey und Guernsey einige finden.

Schwer zu sagen, ob die typisch britischen Martello Towers eine eigene Sorte Festungsbauten sind, denn isolierte Kanonentürme gab es schon als Küstenschutz, Piratenabwehr und Beobachtungswarte im 16. Jh. Ein schönes Beispiel für einen älteren solchen auf Mallorca:

Auch das Reduit bzw "Turmfort" Fort Engelsburg in Swinemünde hat Ähnlichkeit mit den Martellotürmen, ebenfalls die so genannten Malakofftürme im Festungsbau 19.Jh. bzw die russ. Artillerietürme (bei der Warschauer Zitadelle, Modlin Zitadelle)

...leider sind meine Fotos von Jersey zu groß um sie hier hochladen zu können. Grimmig der Kanonenturm im rechteckigen Fort Henry:
 

Die drei Franzosenschanzen (Borkum, Baltrum, Norderney) von 1711/12 waren auch solche Turmforts.
Screenshot_20250821-092138~2.jpg
 
Kurios, denn nach 1900 gebaut: ein paar "Nachfolger" der Martello-Türme sind die MG-Türme aus Stahlbeton der Festungszone Lötzen, masurische Seen, zwei- bis viergeschossige "Beton-Martellos" quasi.
Bildschirmfoto 2026-01-31 um 10.34.13.png

MG-Turm Eisenbahnbrücke und MG-Turm Chausseebrücke, beide zur Befestigungsgruppe Rudczanny gehörend, MG-Turm Guszianka, Gruppe Guszianka, alle drei 1900-05 gebaut.
einer dieser MG-Türme Gruppe Rudczanny:
Bildschirmfoto 2026-01-31 um 10.42.12.png


Nebenbei: wie Martellotürme wirken auch etliche der militärischen Eisenbahnbrückensicherungen des 19. Jhs, meist sehr dekorativ historistisch gestaltet (wie fantasievolle Ritterburgtürme) z.B. in Mainz Eisenbahnbrücke.
 
Insgesamt wurden im dt. Kaiserreich insgesamt nur 4 MG-Türme in Stahlbeton gebaut, alle vier bei Boyen/Lötzen/masur.Seen (das hat nichts mit den so genannten "Panzertürmen" zu tun)
 
Die ab #5 gezeigten Geschütztürme haben nur als Baukörper (Turm) Ähnlichkeit mit den Martellotürmen, wie umgekehrt diese Ähnlichkeit mit allerlei älteren und zeitgleichen (18./19.Jh.) Geschütztürmen haben. Das typische an den Martellos ist ihre Form in der Funktion als punktuelle Küstenbefestigung.
Trotzdem habe ich weitere/andere Geschütztürme einfach nur als Zusatzinfo erwähnt, darunter die vier kuriosen MG-Türme von 1900-05. Falls man nun denkt, eine turmförmige feste MG-Position sei eine mörderische Erfindung des dt. Kaiserreichs, so befindet man sich im Irrtum. Die Ehre der Erfindung des MG-Turms gebührt Frankreich. Ganze 201 MG-Türme "tourelles de mitrailleuses" wurden zwischen ab 1899 im eisernen Riegel installiert. Warum der dt. Festungsbau diese nicht kopierte/adaptierte, weiß ich nicht. Freilich ist die Wirkung dieselbe wie bei einer Vorfeld-, Zwischenraum- oder Grabenstreiche mit MG, insofern könnte das dt. Militär diese "Türme" für überwiegend unnötig gehalten haben (jedenfalls finden sich keine in den nachgerüsteten Forts/Zwischenwerken, in Gruppenbefestigungen nur ausnahmsweise (Lötzen))
 
Zuletzt bearbeitet:
wie Martellotürme wirken auch etliche der militärischen Eisenbahnbrückensicherungen des 19. Jhs
ein eigentümliches Beispiel:
diese Brücke bzw ihre "Martello"-Türme erhielten zwei Kaliber 15cm Panzertürme (!) offenbar wurde diese Brücke für immens wichtig gehalten, denn das dt. Kaiserreich insgesamt nur acht 15cm Panzertürme.
(zum Vergleich mit den häufigsten Panzertürmen: auf die vielen Festungen/Festungszonen verteilten sich bis 1918 insgesamt 82 15cm Haubitzen-Panzertürme und 58 10cm Kanonenpanzertürme)
 
Gibt es eine Erklärung dafür, dass man die Martellotürme um 1900 in englisch-deutschen Wörterbüchern und anderswo als «Lärmtürme» bezeichnete?

Beispiel: Handwörterbuch der englischen und deutschen sprache

Machten sie besonders viel Lärm?

Die Namensherleitungen für Martello bei Wiki können mich nicht recht überzeugen.
Den einzigen «Torre del Martello», den ich mit diesem Namen in Italien fand, steht in Portoferraio, Elba. Diesen hielte ich für geeignet, namensgebend gewesen zu sein, wenn ich denn wüsste, wie lange er schon so genannt wird. In Portoferraio steht ja auch noch ein „Forte Inglese“ als Erinnerung an die britische Anwesenheit zwischen 1796 und1802.
Zu einem Alarm schlagenden Hammer (ital. martello) für diesen Turm oder andere Küsten-Türme konnte ich nichts finden.
 
Zu einem Alarm schlagenden Hammer (ital. martello) für diesen Turm oder andere Küsten-Türme konnte ich nichts finden.
musikalisch martellato bedeutet hämmernd (nur nebenbei) und dann die Wendung "die Sturmglocken läuten", und Klöppel oder Hämmer läuteten die Glocken - das scheinen Indizien in diese Richtung zu sein.
ein paar Impressionen von Martellotürmen auf Jersey:
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Und hier noch ein weiterer, nach meiner Kenntnis sehr seltener "Nachfolger" des Martelloturms im Festungsbau des frühen 20. Jh., der Infanterieturm aus Beton:
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