28. Januar 814 - Todestag Karls des Großen

Er wird als Vater Europas bezeichnet (heutzutage!)
Nein, das ist nicht korrekt, die Bezeichnung Pater Europae stammt von einem Zeitgenossen, umstritten ist, ob es sich um den Mönch Angilbert handelte. Sie befindet sich in dem Gedicht Carolus Rex et Leo Papa.

Dank der Schweizer Zentralbibliothek habe ich den Titel im Gedicht des Angilbert auf S. 114 des Pariser Codex wieder gefunden.

Zentralbibliothek (in der Stiftsbibliothek St. Gallen) Zürich

Die e caudata ist allerdings sehr flüchtig... europę für europae muss man schon stark interpretieren.

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Ich bin immer noch nicht der Ansicht, dass ein Mangel an Schulbildung oder Lesen zu mehr Gewaltbereitschaft und -toleranz führt.
In meinem Beitrag habe ich ja auch nicht nur Schulbildung als einzigen Grund für höhere Gewaltbereitschaft angeführt. Das gesamte Umfeld eines mittelalterlichen Menschen war ja, durch den allgegenwärtigen Tod viel gewaltbereiter und die Hemmschwelle saß damals wohl auch noch ein ganzes Stück tiefer.
Außerdem ist ja nicht umstritten, dass beispielsweise Schulfächer wie Mathematik dem Aufbau eines logischen Denkvermögens mindestens sehr zuträglich sind, wenn sie es nicht sogar fast ausschließlich aufbauen. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen so etwas wie Schule oder Bildung (und Mathe) nie genossen haben, kann man nicht einfach sagen: Die sind genau so wie wir. Diese Menschen haben in fast allen Belangen völlig anders getickt und dazu hat wohl auch die Einstellung zur Gewalt gezählt.

Du darfst eines nicht vergessen: Heutzutage hat der Staat in vielen Staaten, darunter auch denen Mitteleuropas, ein Gewaltmonopol. Er sorgt einerseits in der Regel selbst dafür, dass Verbrechen geahndet werden (und überlässt das nicht den Opfern oder deren Angehörigen). Er stellt den Menschen auch staatlich reglementierte Mittel zur Verfügung, um ihr Recht zu suchen, wenn sie mit anderen im Streit sind (Zivilprozesse). Andererseits geht er aber auch gegen jene vor, die trotzdem das Recht selbst in die Hand nehmen wollen.
Und wir können von Glück reden, dass wir diese Rechtsstaatlichkeit haben!
Im Mittelalter gab es zwar Ansätze von Justiz, aber so etwas wie ein geschriebenes, verbindliches Gesetz oder Gleichheit vor selbigem für jedermann waren wohl erst ziemlich späte Errungenschaften. Sammlungen von Rechtstraditionen, wie den Sachsenspiegel, gab es zwar schon im Hochmittelalter, aber ein echtes, bindendes Gesetz sucht man wohl weitgehend vergeblich.
Das Rechtsgefühl der Menschen im Mittelalter wurde in erster Linie von Traditionen bestimmt. Wenn es also in einem Ort Tradition war, Diebe an der Dorfeiche aufzuknüpfen, empfanden die Leute dort diese Strafe als fair, weil ein solches Vergehen seit jeher so geahndet wurde. Die Traditionen waren aber von Landstrich zu Landstrich verschieden, deshalb ist es schwer, von einem einheitlichen Rechtsgefühl der mittelalterlichen Menschen reden zu wollen.
Genauso verhält es sich mit dem Rechtsgefühl wohl heute: Der eine findet eine Todesstrafe für Mörder (also eine spiegelnde Strafe) gerecht, der andere denkt, eine lebenslange Haftstrafe sei fair. Rechtsgefühl ist in erster Linie individuell.
Zu der Sache mit dem Saufen:
Ich denke, im Mittelalter war Saufen für breite Schichten der Bevölkerung der einzige erreichbare Luxus, außer fic*** und essen. Das deutsche Reinheitsgebot kam ja gerade daher, dass die Leute alles vergärten, was nicht niet- und nagelfest war und sich dabei oft selbst vergifteten. Ich denke, im Mittelalter war ein großer Teil der Gesellschaft Alkoholiker, und die, die es sich leisten konnten, wahrscheinlich sogar Spiegelsäufer, die versuchten ständig dicht zu bleiben. :)
 
Wo habe ich dass denn auch behauptet? Ich habe lediglich die Behauptung aufgestellt, dass im Mittelalter kaum ein Mensch eine Schulbildung im heutigen Sinne genießen konnte. Wir alle sind durch unsere Bildung (sei es auch nur in Form von Lesen und Schreiben) seit Kindheit an geprägt und können uns das deshalb nicht vorstellen, wie ein aus heutiger Sicht ungebildeter Mensch des Mittelalters, auch Karl der Große, der ja bekanntlich Analphabet war, tickte.

Dafür, dass Karl der Große Analphabet war, hat er sich aber gut zu helfen gewußt:
Karl der Große : Wie ein Halb-Analphabet Europas Schrift erfand - Nachrichten Kultur - DIE WELT
Ist das nicht ein Zeichen von Intelligenz, dass man vorhandene Defizite erkennt und zu verbessern sucht?

Deswegen kann man sein Handeln auch NICHT mit heutigen Maßstäben messen, dass war schon alles, was ich ausdrücken wollte. Der Sinn meines Textes war nicht, die Gesellschaft des Mittelalters als dumm zu beleidigen, ....
Im Mittelalter gab es genauso eher friedliebende, für heutige Verhältnisse ganz "aushaltbare" Menschen, aber auf den Großteil werden meine Adjektive schon zutreffen. Wie denn auch sonst, ohne Infrastruktur, weitgehend ohne Bücher...
Das Rechtsgefühl ist durch die gesamtgesellschaftliche Bildung auf einem höheren Level schon anders geworden. Zum Beispiel findest du ja heute wohl niemanden mehr, der es fair finden würde, einen Mörder zu rädern, oder einem Dieb die Hände abzuhacken.
Im Mittelalter waren (auch solche) Strafen Gang und Gebe, da hat sich keiner was bei gedacht. Durch ihr Umfeld waren die Menschen einfach nicht mit uns heute vergleichbar. Deshalb sind auch die Taten Karls schwer bewertbar, denn objektiv muss man die Gesellschaft um ihn herum mit betrachten.

genau diese Objektivität vermisse ich. Irgendwie lesen sich Deine Beiträge - kurz zusammen gefasst - so: "Früher waren die Menschen alles Säufer, die sich prügelten, Spass an Gewalt hatten und keinerlei Moral oder Gerechtigkeitssinn hatten."

Es ist nun mal so, dass besondere Ereignisse (z.B. Gelage o.ä) eher erwähnt werden, als der stinknormale, oft ereignislose, langweilige Alltag. Das heißt aber nicht, dass Saufgelage den Alltag bestimmt haben!

In meinem Beitrag habe ich ja auch nicht nur Schulbildung als einzigen Grund für höhere Gewaltbereitschaft angeführt. Das gesamte Umfeld eines mittelalterlichen Menschen war ja, durch den allgegenwärtigen Tod viel gewaltbereiter und die Hemmschwelle saß damals wohl auch noch ein ganzes Stück tiefer.

ich persönlich kann zwischen Gewalttaten früherer Zeit und denen von heute keinerlei Unterschied erkennen. In dem Bereich scheint der Mensch lern-resistent zu sein.
Zu der Sache mit dem Saufen:
Ich denke, im Mittelalter war Saufen für breite Schichten der Bevölkerung der einzige erreichbare Luxus, außer fic*** und essen. Das deutsche Reinheitsgebot kam ja gerade daher, dass die Leute alles vergärten, was nicht niet- und nagelfest war und sich dabei oft selbst vergifteten. Ich denke, im Mittelalter war ein großer Teil der Gesellschaft Alkoholiker, und die, die es sich leisten konnten, wahrscheinlich sogar Spiegelsäufer, die versuchten ständig dicht zu bleiben.


was bitte hat das Reinheitsgebot (datiert auf ca. 1516) mit Karl dem Großen zu tun??
Du wirfst Begriffe in die Runde, die kaum im Zusammenhang mit dem Thema stehen. Das macht es für mich schwer, Deinen Ausführungen zu folgen.
 
Zum Thema Karl und Analphabet..
die lateinische Schrift vor Karl war nun mal zum Teil wegen der Verschnörkelungen etc an sich schon schlecht lesbar. Dann bildet das lateinische Alphabet eine niederdeutsche Sprache sehr unvollkommen ab. Dazu kommt die teilweise fehlende Wortrennung.
Wir sind alles keine Analphabeten, aber mit karolingischen Minuskeln hat wohl jeder Normalsterbliche große Schwierigkeiten, mit Texten davor noch mehr. Karl soll ja bis ans Lebensende versucht haben, Schreiben zu lernen. Nur hilft die Kenntnis der Buchstaben wenig, wenn je nach Zusammensetzung ein anderer Lautwert dahintersteht. UU= W, OU = au usw.
 
Zum Thema Karl und Analphabet..
die lateinische Schrift vor Karl war nun mal zum Teil wegen der Verschnörkelungen etc an sich schon schlecht lesbar.

Das ist nicht richtig. Wir reden hier nicht über Deutsche Kurrent, wie sie sich vom 15. bis zum 20. Jahrhundert entwickelt hat, sondern über die Unziale und Halbunziale, das sind (im Gegensatz zu den hochmittelalterlichen Frakturschriften) sehr gut lesbare Schriften. Wie im Übrigen auch die karolingische und postkarolingische Minuskel sehr leicht lesbare Schriften sind.

Dann bildet das lateinische Alphabet eine niederdeutsche Sprache sehr unvollkommen ab.
Dazu habe ich zwei Fragen:
1. Wie kommst du darauf?
2. Wer hat denn um 800 Niederdeutsch geschrieben?

Wir sind alles keine Analphabeten, aber mit karolingischen Minuskeln hat wohl jeder Normalsterbliche große Schwierigkeiten, mit Texten davor noch mehr.
Ich frage mich, ob du jemals eine Unziale, ein Halbunziale oder eine Minuskel gesehen hast. Wie kommst du zu so erstaunlichen Behauptungen?
 
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Diese Menschen haben in fast allen Belangen völlig anders getickt und dazu hat wohl auch die Einstellung zur Gewalt gezählt.

Du schilderst den Menschen des Mittelalters gerade so, als sei er ein Marsmensch. Ganz so ist es nicht, doch war das Mittelalter aus unserer heutigen Sicht eine sehr fremdartige Zeit. Menschliche Gefühle und Emotionen wie Liebe, Hass, Treue, Sehnsucht, Traurigkeit, Ekel, Verachtung, Freude oder Wut waren ebenso vorhanden wie heute. Allerdings waren die Möglichkeiten, das auszuleben, sehr verschieden. Je nachdem, welchem Stand und welcher Gesellschaftsschicht man angehörte, gab es sowohl im Positiven als auch Negativen Einschränkungen oder größere Freiheiten.

Die Formen der Unterdrückung machen wir uns heute kaum noch klar, denn Hörigkeit und Leibeigenschaft betrafen etwa 90% der Bevölkerung - sie lebte größtenteils auf dem Land, denn Städte, meistenteils nur wenige tausend Einwohner, waren noch dünn gesät.

Und wir können von Glück reden, dass wir diese Rechtsstaatlichkeit haben!
Im Mittelalter gab es zwar Ansätze von Justiz, aber so etwas wie ein geschriebenes, verbindliches Gesetz oder Gleichheit vor selbigem für jedermann waren wohl erst ziemlich späte Errungenschaften. Sammlungen von Rechtstraditionen, wie den Sachsenspiegel, gab es zwar schon im Hochmittelalter, aber ein echtes, bindendes Gesetz sucht man wohl weitgehend vergeblich.

Natürlich gab es auch im Mittelalter überlieferte und aufgezeichnte Rechtsnormen, die bei den Gerichten angewendet wurden. Es herrschte die alte Vorstellung, dass das Recht als System zur Regelung des menschlichen Zusammenlebens eine vorgegebene überlieferte Ordnung ist, die durch ihr Alter Ansehen und Autorität erhalten hatte. In den reichsfürstlichen Territorien entwickelten sich seit dem 13. Jh. umfangreiche Rechtsaufzeichnungen und es gab Rechtsbücher, in denen das mündlich überlieferte hochmittelalterliche Recht niedergeschrieben wurde. Sachsenspiegel und Schwabenspiegel sind nur die bekanntesten.

Problematisch im Vergleich zur heutigen Rechtsprechung war die Prozess- und Beweisführung. Sie beruhte oft auf fragwürdigen Zeugenausssagen, Staatsanwälte oder Verteidiger waren unbekannt und in der Praxis zog ein Bauer vor Gericht gegen einen gesellschaftlich Höhergestellten meist den Kürzeren. Ferner gab es Folter und Gottesurteile zur Feststellung von Schuld und Unschuld, was für uns heute barbarisch ist. Eins allerdings steht fest: Es gab keine rechtsfreien Räume, denn alle Belange des menschlichen Miteinanders waren in irgendeiner Form geregelt.

Ich denke, im Mittelalter war Saufen für breite Schichten der Bevölkerung der einzige erreichbare Luxus, außer fic*** und essen. Das deutsche Reinheitsgebot kam ja gerade daher, dass die Leute alles vergärten, was nicht niet- und nagelfest war und sich dabei oft selbst vergifteten. Ich denke, im Mittelalter war ein großer Teil der Gesellschaft Alkoholiker, und die, die es sich leisten konnten, wahrscheinlich sogar Spiegelsäufer, die versuchten ständig dicht zu bleiben. :)

Es gibt keine Belege dafür, dass die Bauern oder Städter des Mittelalters exzessiver tranken, als das heute der Fall ist. Alltragsgetränk der Bauern war das Bier, das sie im Mittelalter für den täglichen Gebrauch vielfach selbst brauten. Angesichts der außerordentlich harten Arbeitsbedingungen höriger oder leibeigener Bauern ist es wenig wahrscheinlich, dass exzessives Trinken betrieben wurde.
 
was bitte hat das Reinheitsgebot (datiert auf ca. 1516) mit Karl dem Großen zu tun??
Du wirfst Begriffe in die Runde, die kaum im Zusammenhang mit dem Thema stehen. Das macht es für mich schwer, Deinen Ausführungen zu folgen.
Das deutsche Reinheitsgebot wurde von mir ja auch nicht im Zusammenhang mit Karl dem Großen, sondern mit dem Trinken im Mittelalter gebracht. :)


Irgendwie lesen sich Deine Beiträge - kurz zusammen gefasst - so: "Früher waren die Menschen alles Säufer, die sich prügelten, Spass an Gewalt hatten und keinerlei Moral oder Gerechtigkeitssinn hatten."
Da hast du sie aber ziemlich kurz zusammengefasst. :)
Ich bin mit meiner Bezeichnung des mittelalterlichen Menschen als dummer Säufer übers Ziel hinausgeschossen, muss ich zugeben. Aber woran willst du Moral festmachen? Ich habe nie von keiner Moral gesprochen, aber von einer anderen. Das Mittelalter ist so um 600 Jahre her, und in dieser Zeit hat sich gerade in unseren Moralvorstellungen viel geändert (durch Renaissance, Aufklärung..). Du kannst nicht einfach uns und die Menschen vor 1000 Jahren gleichsetzen.
Zum Gerechtigkeitssinn habe ich schon im Beitrag davor einiges geschrieben, also kann man mir bei besten Willen nicht vorwerfen, ich würde den mittelalterlichen Menschen fehlenden Gerechtigkeitssinn vorwerfen.
Also diese Aussage wird meinen Beiträgen hier nicht ganz gerecht.
Und nochmal zum Trinken:
Es gibt keine Belege dafür, dass die Bauern oder Städter des Mittelalters exzessiver tranken, als das heute der Fall ist. Alltragsgetränk der Bauern war das Bier, das sie im Mittelalter für den täglichen Gebrauch vielfach selbst brauten. Angesichts der außerordentlich harten Arbeitsbedingungen höriger oder leibeigener Bauern ist es wenig wahrscheinlich, dass exzessives Trinken betrieben wurde.
Im Mittelalter gab es kaum Quellen für einwandfreies Trinkwasser, deshalb war Dünnbier im Grunde genommen die Hauptflüssigkeitsquelle mindestens der Städter.
Wenn ich mindestens einen Liter Bier am Tag auf Dauer trinke, ist dass vielleicht nicht exessives Trinken, aber auf jeden Fall mehr als heute üblich.
 
Dafür, dass Karl der Große Analphabet war, hat er sich aber gut zu helfen gewußt:

Johannes Fried meint, das Karl durchaus lesen konnte. Nach seiner Interpretation war er auch - in mündlicher Form - an der Abfassung einiger Annalenwerke beteiligt bzw. Initiator oder gab die Tendenzen vor. Er führt zum Beispiel die Älteren Metzer Annalen entsprechend an. Fried glaubt weiter, dass Karl nicht bzw. wenig geschrieben habe, weil es ihm feinmotorische Schwierigkeiten bereitet habe (hier folgt er Einhards Darstellung, wie sie auch im Welt-Artikel zitiert wird). Natürlich sind die Details weitgehend spekulativ. Fest steht für mich, dass Karl ein gewisses Interesse an Schriftlichkeit in der Reichsverwaltung gehabt hat, und wenn er sich dabei von seinen Beratern nicht in Gänze düpieren lassen wollte, müsste er zumindest einige Lesekenntnisse gehabt haben.
 
Das ist nicht richtig. Wir reden hier nicht über Deutsche Kurrent, wie sie sich vom 15. bis zum 20. Jahrhundert entwickelt hat, sondern über die Unziale und Halbunziale, das sind (im Gegensatz zu den hochmittelalterlichen Frakturschriften) sehr gut lesbare Schriften. Wie im Übrigen auch die karolingische und postkarolingische Minuskel sehr leicht lesbare Schriften sind.

Die Schrift war aber zu Karls Zeiten sehr verwildert und schwierig zu lesen. Ja, es gab sogar "Schriftprovinzen", deren jeweiligen Erzeugnisse nicht überall einfach gelesen werden konnten. Die relativ gut zu lesende Unziale und Halbunziale ist ein paar Jahrhunderte früher zu datieren.

Ansonsten: Wer Jahr für Jahr gegen dieselben Gegner ins Feld zieht, und hauptsächlich dem Kleinen Krieg ins Auge sieht, der wird nicht nur verrohen, sondern auch ordentlich Hass entwickeln. Wenn wir uns ansehen, was im Irak und in Afghanistan alles vorgekommen ist, dann liegt das auch nicht an der Bildung. Hinzu kommt, dass heutzutage Nahkampf die Ausnahme ist, damals die Regel.
 
Zum Thema Karl und Analphabet..
die lateinische Schrift vor Karl war nun mal zum Teil wegen der Verschnörkelungen etc an sich schon schlecht lesbar.
... sondern über die Unziale und Halbunziale, das sind (im Gegensatz zu den hochmittelalterlichen Frakturschriften) sehr gut lesbare Schriften. Wie im Übrigen auch die karolingische und postkarolingische Minuskel sehr leicht lesbare Schriften sind.
...
Ich frage mich, ob du jemals eine Unziale, ein Halbunziale oder eine Minuskel gesehen hast. Wie kommst du zu so erstaunlichen Behauptungen?

Die Schrift VOR Karl war nun tatsächlich wohl schwer lesbar.

Die karolingische Minuskel hingegen gilt als Vorläufer der heutigen Druckschrift.


Eine Merowinger-Urkunde und Benediktiner-Regeln in Minuskel als Vergleich im jpg-Anhang.
 

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Zum Thema Schriften/Lesbarkeit:

es ist ein wenig kompliziert, denn das Mittelalter hat grundsätzlich sehr viele Schriften hervorgebracht.

Die karolingische Minuskel ware eine ausgesprochene Buchschrift. Sie war ohne Frage sehr einflussreich, mit Auswirkung auf das Schriftbild bis hin zu heutigen Druckschriften.

Daneben gab es jedoch parallel zahlreiche weitere Schriften, die für die Urkunden verwendet wurden. Und mit dem späteren ausdifferenzierten Verwaltungsschriftgut (ab ca. 13. Jahrhundert) entwickelten sich wiederum eigene Schriften, unsere Schreibschriften . Der Vatikan als bedeutendster Urkundenaussteller verwendete sogar zu vielen Zeiten eigene Schriften, zum Beispiel im 9./10. Jahrhundert eine Schrift weitgehend ohne Rundungen und mit zahllosen Abkürzungen.

Daher würde ich die Minuskel nicht in eine Traditionslinie mit der erwähnten, sehr schwer lesbaren merowingischen Schrift stellen: letztere war wiederum eine Urkundenschrift.

Die Verwendung gleich mehrerer Schriften für dasselbe Alphabet ist ein Ergebnis der römischen Antike, und das Grundprinzip hat sich bis in jüngste Zeit kaum verändert: "schnelle" Handschriften für den Alltagsgebrauch, im Ursprung Wachstäfelchen etc., und Buchschriften mit höherer allgemeiner Lesbarkeit, als drittes noch die epigraphischen Schriften (steinerne Inschriften z.B.), die sich auch von den anderen Unterscheiden.

Vorbild der karolingischen Minuskel dürften Buchschriften wie aus diesem Beispiel gewesen sein:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Semionciale.jpg

... sicher nicht ganz so lesbar wie diese, aber eben doch deutlich leichter im Schriftbild als die gleichzeitige merowinigsche Urkundenschrift.
 
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Ich denke, im Mittelalter war ein großer Teil der Gesellschaft Alkoholiker, und die, die es sich leisten konnten, wahrscheinlich sogar Spiegelsäufer, die versuchten ständig dicht zu bleiben. :)
Diese These ist in der Tat etwas streitbar. Du hast vielleicht grundsätzlich damit recht, das im Mittelalter mehr gebechert wurde als heute, aber deshalb sind ja noch lang nicht alle Alkoholiker. :D

Johannes Fried meint, das Karl durchaus lesen konnte. Nach seiner Interpretation war er auch - in mündlicher Form - an der Abfassung einiger Annalenwerke beteiligt bzw. Initiator oder gab die Tendenzen vor. Er führt zum Beispiel die Älteren Metzer Annalen entsprechend an. Fried glaubt weiter, dass Karl nicht bzw. wenig geschrieben habe, weil es ihm feinmotorische Schwierigkeiten bereitet habe (hier folgt er Einhards Darstellung, wie sie auch im Welt-Artikel zitiert wird). Natürlich sind die Details weitgehend spekulativ. Fest steht für mich, dass Karl ein gewisses Interesse an Schriftlichkeit in der Reichsverwaltung gehabt hat, und wenn er sich dabei von seinen Beratern nicht in Gänze düpieren lassen wollte, müsste er zumindest einige Lesekenntnisse gehabt haben.
Oke. Interessante Sache, kannst du mir den Link oder was zu dem Buch mal senden? Würde ich mir eventuell bestellen, ist ja ein ganz neuer Ansatz. :)
Und mal ein wenig vom Thema weg: Schönes Profilbild, magst du Metroid? :)
 
Nun muß ich denn doch mal antworten....
"niederdeutesche Sprache" verbessere ich mal in " Vorläufer der niederdeutschen Sprachen" und ja, ich habe mir erlaubt , mich durch mehrere Abbilder von Texten aus der Zeit um 800 durchbeißen zu wollen. Ich bin kein Analphabet, allerdings im "mittelalterlichen Handschriften lesen" so ungeübt, wie die Mehrzahl der Bundesbürger.
Gut zu lesen ist ja relativ. Wenn ich mir vorstelle, das ein 50 Jähriger ohne Brille und ohne ausreichende Übung die weiteroben aufgeführten "Krähenfußabdrücke" entziffern soll, das wird nichts, das gibt ein Ratespiel.
 
Schade, dass dieses Jubiläum in der öffentlichen Debatte etwas ins Hintertreffen geriet (auch hier), gegenüber den natürlich auch politisch bedeutsameren beiden Weltkriegsjubiläen.

Am Wochenende habe ich auf jeden Fall die große Ausstellung "Karl der Große - Macht - Kunst - Vergessene Schätze" besucht, die in Aachen gezeigt wird. Wie es Mode ist in den letzten Jahren, sind es eigentlich drei Ausstellungen in einer, "Macht" im Aachener Rathaus, "Kunst" im Centre Charlemagne (quasi Stadtmuseum von Aachen) und "Vergessene Schätze" im Domschatz.

Rein ausstellungsdidaktisch bzw. -gestalterisch fällt mein Fazit etwas verhalten aus, aber dazu gleich mehr. Der Schwerpunkt liegt hier deutlich auf den diversen Einzelkunstwerken, mit denen sich zwei der drei Ausstellungen befassen ("Kunst" und "Vergessene Schätze"). Hier sind etliche spektakuläre und weltberühmte Gegenstände zu sehen, z.B. der Tassilokelch, zahlreiche Bibeln und andere Werke der Literatur und Buchkunst, mehrere Reichskleinodien, darunter die Stephansburse.
Etwas breiter ist die Ausstellung "Macht" angelegt, die sich im Rathaussaal befand, und die ich auch am gelungesten fand.
Im Grunde geht es hier um Karls Hofhaltung und seine Herrschaftsrepräsentation von den Zeiten als junger König bis zu seinem Tod. Es war die einzige der drei Ausstellungen, die viel erläuterndes Material, ein paar Filmchen (z.B. wie der Hofstaat umher reist) etc. beinhaltete. Am nettesten fand ich eine Ecke, wo wichtige Figuren des Hofes wie Comicfiguren gezeichnet wurden, mit (teils postmodernen) charakterisierenden Sprüchen. Auch das Fundmaterial ist hier etwas breiter, umfasst Waffen, Architekturteile etc.
Die beiden anderen Ausstellungen fand ich aber nicht so gelungen, davon abgesehen, dass es eben spektakuläre Funde gab.

Im Centre Charlemagne waren die Begleittexte nur äußerst knapp (muss dazu allerdings sagen, dass der Audio Guide vielleicht mehr bot, aber darauf verzichte ich grundsätzlich). Die Präsentation war äußerst trocken, wenn man mal von der Darstellung der Pfalz u.a. mit schönen CAD-Filmchen absieht. Dies gehört aber ohnehin zur Dauerausstellung.

Bei der Ausstellung im Domschatz ging aus meiner Sicht das ganze Konzept schief. "Vergessene Schätze" sollte eigentlich darstellen, wie schon in Mittelalter und Neuzeit etliche Personen und Kreise, darunter z.B. Napoleon plus Günstlinge, gierig nach Karlsdevotionalia waren und so echte oder vermeintliche Hinterlassenschaften Karls im ganzen Reich verteilt wurden.
Die Ausstellung ging sogar regelrecht unter, weil die verschiedenen Leihexponate innerhalb der Dauerausstellung verteilt waren und sie nur durch unterschiedliche Erläuterungstafeln sich von den regulären Stücken unterschieden. Auch inhatlich scheiterte das Konzept, weil dann bei vielen Stücken nur kryptisch erläutert wurde, welchen Weg sie aus Aachen in die Welt nahmen. Ein Extrembeispiel ist hier etwa eine Urkunde, die im Stadtarchiv Aachen landete - und man sich nun fragen kann, was gerade diese als "Vergessenen Schatz" qualifiziert. Auch der Domschatz weist freilich nun spektakuläre und weltberühmte Kunstgegenstände wie z.B. die Karlsbüste aus dem 14. Jahrhundert auf: Karlsbüste ? Wikipedia

Aber die kann man natürlich auch so dort sehen. Trotz des Ausstellungsteils "Macht" hätte ich mir gewünscht, dass an einer Stelle das Reich der Karolinger noch etwas ausführlicher dargestellt werden würde.
Ich denke, dass die Schwächen durch die Wahl der Ausstellungsorte begünstigt wurden: zwar bietet die Lage den Vorteil, dass alle drei Ausstellungsteile fußläufig beieinader liegen, doch sind eventuell das Centre Charlemagne und der Domschatz etwas beengt für Sonderausstellungen dieses Kalibers. Im Rathaus war genug Platz, aber selbst hier wirkte alles etwas vollgestopft.

Die Ausstellungen ziehen übrigens reichlich Publikum, so dass man ab und an mal in einer Warteschlange steht. Ich war bisher nie auf einer historischen Ausstellung, die ein derart internationales Publikum anzog; natürlich zahlreiche Franzosen und Beneluxianer, aber auch Italiener, Spanier, Engländer...

Die geballte Menge an karolingischer Pracht und Kunst macht den Besuch (Schluss ist am 21.09.) natürlich lohnenswert, aber es gibt so einige Schwächen.
 
Ich habe vor einigen Jahren einen Aufsatz gelesen, in dem u. a. die Theorie vertreten wurde, dass es bis in die Neuzeit üblich war, Lesen und Schreiben getrennt zu unterrichten. (Leider habe ich den Aufsatz damals nur gelesen und nicht exzerpiert, daher kann ich heute keine konkreten Angaben dazu machen.) Jedenfalls wäre das, vorausgesetzt diese Theorie ist nicht gänzlicher Humbug, warum Menschen im Mittelalter vielleicht lesen, aber z. B. nicht schreiben konnte.
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Was Karl den Großen und seine Schreibkünste betrifft, haben wir seinerzeit in der Schule gelernt, dass er lesen konnte.

Er soll versucht haben, als Erwachsener noch schreiben zu lernen (angeblich nicht nur bei Wilhelm Busch), allerdings soll er damit nicht gerade sehr gute Fortschritte gemacht haben, was sie im Geschichtebuch damit begründet wurde, dass er einfach zu alt war (bzw. es für ihn zu spät war), als er damit begann. (Offensichtlich spielte hier die in dieser Zeit übliche pädagogische Vorstellung mit hinein, dass "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr".) Uns als Teenager hat das damals schon gefallen, mit so etwas konnten wir uns schon identifizieren. "Zwinkern"
 
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