30 Jahre Iran

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von pelzer, 1. März 2009.

  1. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Ende dieses Monats feiert der Iran den 30. Jahrestag der Revolution.
    Am 1. Februar 1979 kehrte damals Chomeini aus dem Exil nach Persien zurück. Nach bloss zwei Monaten in der Heimat gewann er die entscheidende Volksabstimmung und am 1. April 1979 rief er die „Islamische Republik Iran“ aus. Und ab dann festigte er zusehends seine Macht mit Repression und Säuberungen.

    Wie konnte es soweit kommen?
    Haben wir das alles einer fatalen Fehleinschätzung des Schahs und des Westens zu verdanken?


    Gruss Pelzer

    .
     
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  2. Hulda

    Hulda Gast

    Nicht vergessen werden darf, dass Chomeini im Exil stets betonte, nicht Machtstreben sei der Beweggrund seiner Rückkehr, sondern religiöses Studium...

    Das Schah- Regime wurde von der Bevölkerung teilweise als Tyrannei unter US- amerikanischem Diktat empfunden...

    Als Literatur zu dieser von @Pelzer aufgeworfenen hochinteressanten Fragestellung empfehle ich Hakakian, Roya: Bitterer Frühling, München 2008.
    Die Autorin beschreibt die Veränderungen im Iran als intellektuelle, jugendliche Augenzeugin.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. März 2009
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    aus: Monika Gronke: GESCHICHTE IRANS. Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. München 2003:

    Rezâ Khân:
    "Mit dem Rückhalt der von ihm modernisierten Armee herrschte
    Rezâ Schah als Despot, so daß das Parlament, das die Maßnahmen
    des Schahs formell absegnete, lediglich eine Art demokratischen
    Schein wahrte. Im Gegensatz zur Kâdschârenzeit, in der
    durchgreifende Reformen nur in geringer Zahl unternommen
    worden waren, war es Rezâ Schahs vordringliches Ziel, durch
    ein großangelegtes Modernisierungsprogramm – ähnlich wie es
    Atatürk, den er sehr bewunderte, in der Türkei in die Wege geleitet
    hatte – Iran zu einem fortschrittlichen säkularen Nationalstaat
    nach europäischem Vorbild zu machen. Nach seiner Inthronisierung
    bis zu seiner Abdankung im Jahr 1941 setzte der
    Schah die erste wirklich bedeutende Reihe wirksamer Reformen
    ins Werk und nahm den Ausbau einer funktionierenden Infrastruktur
    in Angriff:..."
    "Nutznießer der von Rezâ Schah unternommenen Modernisierung
    Irans waren die immer weiter anwachsende Beamtenschaft,
    die zur Überwachung des Staates gebraucht wurde, die
    neuen Unternehmer, die von der zunehmenden Industrialisierung
    profitierten, und die Großgrundbesitzer, da eine Bodenreform
    nicht stattfand und die Bestimmungen des neuen Zivilrechts
    durch Bestechung und persönliche Beziehungen unterlaufen
    wurden."
    "Rezâ Schah hielt es im Sinne einer starken Zentralgewalt für
    dringend geboten, die zahlreichen, oft mehr oder weniger unabhängigen
    und gut bewaffneten Nomadenstämme, rund ein Viertel
    der Gesamtbevölkerung, seßhaft zu machen, um sie so besser
    kontrollieren zu können. Nachdem seine Macht genügend gefestigt
    war, begann der Schah ab 1927 eine rigorose Politik der
    Seßhaftmachung der Nomaden, die gezwungen wurden, ihre
    Waffen abzugeben und sich in ihnen zugewiesenen – für die
    Viehhaltung oft gänzlich ungeeigneten – Gebieten anzusiedeln.
    Damit war den Herden der notwendige Wechsel zwischen Sommer-
    und Winterweide verwehrt, so daß viele Tiere starben.
    Zu dieser ökonomischen Katastrophe kamen gesundheitliche
    Nachteile durch die im Sommer häufig auftretenden Malariaerkrankungen,
    denen die Stämme sich früher durch ihre Wanderungen
    entzogen hatten. Regte sich Widerstand, griff das Militär
    mit aller Härte durch; Aufstände wurden gnadenlos niedergeschlagen,
    die meisten Stammesführer hingerichtet oder aus
    dem Land getrieben."

    Mohammed Rezâ Schah:
    "Angesichts der Schwäche des noch jungen Schahs bildete sich aus
    verschiedenen von Rezâ Schah unterdrückten Sozialrevolutionären
    Strömungen die kommunistische Tüdeh-Partei (persisch
    tüdeb, «Masse, Volk»); viele Nomadenstämme reorganisierten
    sich und nahmen ihre herkömmliche Lebensweise wieder auf,
    und auch der Klerus versuchte, sich wieder Einfluß zu verschaffen."
    "...Armee und Geheimdienst bildeten
    die Hauptstützen für Mohammed Rezâ, der sich nach dem
    Sturz Mosaddeghs immer mehr zu einem Despoten vom Schlage
    seines Vaters entwickelte, ohne jedoch dessen Tatkraft zu besitzen."
    "...schaltete der Schah 1963 die Opposition
    gewaltsam wieder aus. Damit waren nicht nur die demokratischen
    Strukturen beseitigt; auch die Idee der Demokratie
    hatte in Iran schweren Schaden erlitten, da der Westen das autokratische
    Regime des Schahs aus durchsichtigen machtpolitischen
    Gründen stützte. Der Schah selbst übernahm bereitwillig
    die Rolle einer wichtigen Mittelmacht, eines «Polizisten am
    Golf» zur Wahrung westlicher, vor allem amerikanischer, Interessen.
    1975 wurden die beiden noch zugelassenen Parteien, die
    ohnehin ein Schattendasein führten, aufgelöst und die Einheitspartei
    Rastachiz («Auferstehung») geschaffen, in der jeder erwachsene
    Staatsbürger Mitglied werden mußte."
    "Da im Zuge dieser ökonomischen Entwicklung
    aber auch die Grundnahrungsmittel teurer wurden und die Korruption
    zunahm, blieben soziale Spannungen auf die Dauer
    nicht aus."
    "...verstärkten Landflucht und zum weiteren Wachstum des städtischen
    Proletariats."
    "In den sechziger und siebziger Jahren entfremdete sich der
    Schah immer mehr von der eigenen Bevölkerung, ohne daß er
    dies wahrzunehmen schien."
    "Er übersah, daß nur ein Bruchteil der Bevölkerung
    vom Wirtschaftswachstum profitierte und daß er mit
    seiner Politik der Verwestlichung viele tief gläubige Iraner brüskierte,
    für die ihre Religion ein identitätsstiftender Faktor war.
    Andererseits verspielte er durch die vollständige innenpolitische
    Repression die Sympathien der westlich orientierten Iraner, die
    sich Fortschritt nicht ohne demokratische Freiheiten vorstellen
    konnten. Da die Möglichkeit politischer Mitbestimmung und
    der freien Äußerung regimekritischer Ansichten gänzlich fehlte,
    blieb die religiöse Opposition der einzige Weg, um Widerstand
    gegen die autokratische Herrschaft des Schahs zu artikulieren.
    Der schiitischen Geistlichkeit fiel damit wiederum ihre traditionelle
    Rolle zu, die Bevölkerung Irans gegen unislamische Einflüsse
    und eine despotische Regierung zu verteidigen.
    Die wirkliche Ursache der Islamischen Revolution war die
    politische, soziale und wirtschaftliche Krisensituation, in die
    der Schah sein Land gebracht hatte, doch trat zwangsläufig das
    religiöse Moment in den Vordergrund. Diese religiöse Legitimierung
    einer Revolution hat im westlichen Ausland, das die
    zunehmende Kluft zwischen Klerus und Schah ohnehin nicht
    wahrgenommen hatte, den Eindruck hervorgerufen, die Revolution
    sei nichts weiter als eine bewußte «Rückkehr ins Mittelalter
    » gewesen. Als der schwelende Protest 1978 auf breiter
    Front ausbrach, war die Revolution nicht mehr aufzuhalten."
     
  4. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Der Schah und seine Förderer im Westen haben mit Sicherheit den richtigen Zeitpunkt für die längst überfälligen Reformen verpasst. Er und seine Günstlinge lebten wie die Maden im Speck, während die Bevölkerung darbte. Und da war der Chomeini sicher eine typische Revolutionsfigur, die die Befreiung aus der Unterdrückung versprach. Das selbe haben aber auch die Kommunisten und die Demokraten versprochen. Warum aber hat dann die "Islamische Revolution" obsiegt?

    (...)

    Gruss Pelzer

    .
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. März 2009
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das Kuriose ist, der Umsturz passierte ganz kurz vor einem Staatsbesuch des Schahs in der DDR. Ein Interview zur Vorbereitung war bereits im "Neuen Deutschland" erschienen.

    Natürlich ging es der DDR in erster Linie um Öl, auch wenn man das nicht öffentlich ausposaunte...;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2009
  6. Brushian

    Brushian Gast

    Weil der gute Ayatollah auch die Mittelschicht überzeugen konnte, durch die Reihen hat er alle Menschen angesprochen.
    Viele dachten sich, dass er ihre Interessen vertreten würde, tatsächlich hat er aber danach kräftigst aufgeräumt.
     
  7. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    aus: Monika Gronke: GESCHICHTE IRANS. Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. München 2003:

    "Traditionell ist die
    Zwölferschia daher unpolitisch, ja quietistisch gewesen, und
    auch die Geistlichen haben sich – von wenigen Ausnahmen
    abgesehen – von der Tagespolitik ferngehalten. Die Idee einer
    politisch aktiven Schia ist ein neues Phänomen und entspringt
    nicht dem gelehrten Gedankengut des Klerus, sondern wurde
    von iranischen Intellektuellen unter dem Eindruck der kulturellen
    Überfremdung und wirtschaftlichen Ausbeutung Irans
    entwickelt. Wegbereiter einer Revolutionsideologie, die eine
    ganze Generation junger Iraner ganz entscheidend prägten,
    waren Dschalâl Âl-e Ahmad (1923–1969) und sein Schüler Alî
    Scharî’atî (1933–1977).
    Waren bisher für die Mehrheit der iranischen Intellektuellen,
    gleich welcher Couleur, westliche Vorbilder maßgeblich geblieben,
    obgleich sich an deren Nutzen für Iran inzwischen Zweifel
    erhoben, gab Âl-e Ahmad den Anstoß, sich auf die eigenen kulturellen
    Werte zurückzubesinnen. Sein bekanntestes Werk
    Gharbzadegî (1952) wurde zum Schlüsselbegriff einer Weltanschauung,
    in der sich Linke und Islamisten im Kampf gegen die
    Despotie des Schahs und seine Willfährigkeit gegenüber dem
    Westen zusammenfanden."
    "Obwohl persönlich national
    gesinnt, sah Âl-e Ahmad doch in der Religion den einzigen vom
    westlichen Gift noch nicht befallenen kulturellen Wert, der nach
    wie vor für das Weltbild der breiten Masse der Iraner von überragender
    Bedeutung war."
    "...die die traditionell unpolitische
    Schia zu einer Revolutionsideologie transformierten, die
    gegensätzlichen oppositionellen Kräfte verbünden, denen allen
    der Kampf gegen den westlichen Imperialismus und der Haß
    auf den Schah als seines Werkzeugs gemeinsam war."
    "Zum Führer der Islamischen Revolution wurde der Ayatollah
    Rûhollâh Khomeyni..."
    "...im November 1964 ins Exil in die Türkei geschickt
    und"
    "...Tonbandkassetten
    mit seinen Reden, in denen er zum Sturz des Schahs
    aufrief, kursierten in großer Zahl, wurden durch ein gut funktionierendes
    Verbindungsnetzwerk religiöser Zirkel verbreitet
    und fanden in der iranischen Bevölkerung ein breites Echo."
    "Khomeyni gelang es, in Iran eine Massenprotestbewegung gegen
    die Diktatur des Schahs hervorzurufen, die – ähnlich wie in
    der Konstitutionellen Revolution – das ganze Spektrum höchst
    unterschiedlicher Oppositionsgruppen vereinte: Linke und
    Rechte, Liberale und Konservative, Intellektuelle, die Bäzäris,
    die radikalen und gemäßigten Gruppen der Geistlichkeit sowie
    die große Masse der verarmten ehemaligen Landbewohner in
    den Slums der Großstädte. Alle diese Gruppen hatten zwangsläufig
    sehr divergierende Vorstellungen von der Zukunft Irans
    nach dem von ihnen erhofften Sturz des Schahs. Khomeyni verstand
    es, den Eindruck zu vermitteln, daß er selbst nur eine Integrationsfigur
    sei und sich samt seinen Kollegen nach dem Erfolg
    der Revolution wieder in Moschee und Medrese zurückziehen
    werde, ohne eine Regierung anzustreben
    ."
    "Er versprach die Beibehaltung des Gesellschaftssystems,
    demokratische Freiheiten und die Gleichberechtigung von
    Mann und Frau. Das trug ihm breite Zustimmung, u.a. von den
    iranischen Frauen, ein. Vielfach handelte es sich bei ihnen um
    Angehörige liberaler oder linker Kreise, die sich eine künftige
    demokratische Entwicklung in Iran erhofften und das Tragen
    des Körperschleiers (Tschador) lediglich als ein Symbol des generellen
    Protestes gegen den Schah auffaßten
    . Der Nachsatz,
    den Khomeyni regelmäßig seinen Versprechungen anfügte, daß
    alles dies im Einklang mit dem Islam stehen müsse, fand anscheinend
    nicht die nötige Beachtung. Erst in einem fortgeschrittenen
    Stadium der Revolutionsbewegung forderte Khomeyni
    im Herbst 1978 offen die Errichtung einer Islamischen
    Republik."
    "Der eigentliche Auslöser..." "Zeitungsartikel in der von
    der Regierung kontrollierten Presse, in dem Khomeyni grob
    verunglimpft wurde."
    "Der Kreislauf von Massendemonstrationen,
    Zusammenstößen mit Polizei und Militär,
    gefolgt von neuen Demonstrationen, wiederholte sich vielfach"
    "Schon im März 1979 fand eine Volksbefragung über die Errichtung
    einer Islamischen Republik statt, die – wie vorhersehbar –
    mit etwa 97 Prozent der Stimmen gebilligt wurde."
    "Damit ging er weit über die der
    Geistlichkeit in der Verfassungsergänzung von 1907 zugestandene
    Kontrollfunktion für die Regierung hinaus und verlieh
    dem Anspruch, nur die Geistlichen könnten die legitimen Repräsentanten
    des verborgenen Imams sein, programmatischen
    Ausdruck. Die Einmündung der stellvertretenden Rolle der
    Geistlichkeit in die Ausübung der tatsächlichen politischen
    Herrschaft ist in der traditionellen Schia ebensowenig vorgesehen
    wie das Amt eines obersten geistlichen und politischen Führers
    vom Schlage Khomeynis. Beides ist qualitativ neu und revolutioniert
    die traditionelle Schia in einem Maße, daß sich unter
    konservativen Geistlichen noch lange hartnäckiger Widerstand
    gegen solche Neuerungen regte.
    In dem in der Verfassung festgeschriebenen Amt des obersten
    geistlichen und politischen Führers (persisch rahbar) Irans wurde
    Khomeyni durch die Volksabstimmung vom Dezember 1979
    bestätigt."
    "Schon kurze Zeit nach dem Umsturz traten die unterschiedlichen
    politischen Interessen der Gruppierungen, die gemeinsam
    die Revolution getragen hatten, wieder zutage. Es gelang Khomeyni
    jedoch, die gemäßigte, liberale und linke Opposition, die
    eine Machtübernahme der Geistlichkeit ablehnte, auszuschalten,
    andersdenkende liberale Geistliche kaltzustellen und seine
    Vorstellung eines Gottesstaates zu verwirklichen. Insbesondere
    die – 1965 als Widerstandsgruppe gegen den Schah gegründeten
    – Volksmudschahedin (persisch modschâhedin-e chalk), die wesentlichen
    Anteil am Sieg der Revolution gehabt hatten, führten
    Anfang der achtziger Jahre einen Guerillakrieg gegen die von
    Khomeyni aufgestellten Revolutionsgarden und verübten zahlreiche
    Anschläge."
    "Der Angriff des Iraks auf Iran im September
    1980,..." "erleichterte es der Regierung jedoch, verschärfte Repressionen
    im Inneren unter Berufung auf den äußeren Feind,
    gegen den alle Kräfte mobilisiert werden mußten, durchzusetzen."

    Wer sich literarisch dem Thema der revolutionären Tage widmen möchte, der kann sich mal James Clavell's (Shogun-Bestseller-Autor) historischen Roman Wirbelsturm anschauen, den er 1986 verfasste und der 1979 im ereignisreichem Iran jener Tage spielt.

    :winke:
     
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  8. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Und dieser Angriff des Iraks gegen den Iran wurde vom Westen gerne gesehen und auch tatkräftig unterstützt. Reagan und Rumsfeld hofierten ihrem Schützling Saddam Hussein. Und gegen Ende dieses Krieges beteiligten sich die USA-Streitkräfte auch ab und zu mal direkt und bombardierten iranische Einrichtungen...

    ...ein ganz übles Schmierentheater! :motz:


    Gruss Pelzer

    .
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2009
    1 Person gefällt das.
  9. Brushian

    Brushian Gast

    Khomeini schickte hunderttausende junger radikalisierter Leute als Kanonenfutter in den Tod gegen den Irak, beseitigte somit einen potenziellen Unruheherd der sich gegen ihn wenden konnte, verkaufte diese als Märtyrer und festigte sein Regime.

    Zumindest hat die UNO nicht mitgeholfen, wie in einigen Fällen in Afrika.
     
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist sicherlich richtig!

    Aber im ganzen islamischen Kosmos breitete sich damals eine neue Religiosität - und ein neuer Fundamentalismus - aus, und selbst gelungene Reformen hätten dem Schahregime auf Dauer kein Überleben gesichert.

    Im übrigen halte ich eine Dämonisierung von Schah Reza Pahlevi nicht für gerechtfertigt. Der innere geheimpolizeiliche Terror, den man ihm vorwirft, ist heute eher noch schlimmer geworden, die Sittenpolizei, die alle unislamischen Regelverstöße brutasl ahndet, ist überall gegenwärtig. Und die Bevölkerung lebt heute nicht oder nur unwesentlich besser als zu Zeiten des Schah-Regimes.

    Alle Potentaten - sei es in Syrien, im Iran, in Libyen, in Ägypten oder in Saudi-Arabien - stützen ihre Macht ebenso wie der Schah auf Bajonette und Zwang und von einem demokratischen Regierungssystem kann nicht die Rede sein - genau das wird aber stets dem Schah vorgeworfen, während die Kritik an den heute herrschenden Regimes im Nahen Osten eher verhalten ist,

    Da wird mit zweierlei Maß gemessen und das ist auch ein wenig bigott. Reza Pahlewi war nicht besser - aber auch nicht schlechter - als die heutigen Machthaber, die - wie Hafiz al-Assad in Syrien - Familiendynastien inthronisiert haben, die wie feudale ungekrönte Herrscher regieren.
     
  11. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Das du mich richtig verstehst, ich will überhaupt nicht sagen, dass es zu Pahlewis Zeiten besser war. Ganz im Gegenteil, ich kann zu heute keinen markanten Unterschied erkennen. Heute wie damals leben die Günstlinge relativ gut und die grosse Mehrheit der Bevölkerung in eher bescheidenen Verhältnissen. Wobei ich immer wieder staune, wie locker das die einfachen Leute auf dem Lande sehen. Sie kümmern sich wenig bis gar nicht um die Anweisungen der Teokraten im fernen Teheran.

    Als damals Chomeini aus dem Exil zurück kam, war doch noch garn nicht sicher, dass er und seine Getreuen die Wahlen gewinnen. Die Demokraten und die Kommunisten waren anfangs vielleicht sogar stärker und besser organiesiert?


    Gruss Pelzer

    .
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dann haben wir uns ja im Prinzip richtig verstanden! :winke:

    Einen wesentlichen Unterschied mag es aber doch geben. Das theokratische islamische Mullah-System steht der Masse des Volks vielleicht (?) näher, als das westlichem Fortschritt und westlicher Denkungsart verpflichtete Regime des Schah, der sein Land unbedingt industrialisieren, säkularisieren von allen religiösen Banden befreien wollte. Zudem wurde in ersten Ansätzen ein modernes westlichrs Bildungssystem verwirklicht, das Mädchen eine gleichberechtigte Bildungschance bieten sollte.

    Das alles trug schließlich im Verbund mit einer brutalen Geheimpolizei entscheidend zum Sturz des Schah-Regimes bei, ganz abgesehen davon, dass man den heimlehrenden Ajatollah Chomeini wie einen Heilsbringer feierte und von seinem Regime Aufschwung und Prosperität erhoffte - wozu es leider nicht kam.

    Stattdessen auch hier Verfolgung von Regimegegnern, Unterdrückung einer säkularen Moderne und schließlich ein autoritäres theokratisches Regierungssystem.
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Moderatorenhinweis

    Liebe Forumsteilnehmer,

    so leid es uns tut, mußten wir soeben einige Beiträge in diesem Thread löschen, da die Grenze zu Diskussionen über aktuelle politische Thematiken überschritten worden ist.

    Zur Erinnerung:
    Von http://www.geschichtsforum.de/regeln.php

    In diesem Sinne

    Timotheus
    Moderator
     
  14. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    1. Einige Aspekte, die inzwischen von euch angesprochen wurden, und teilweise mit einem Fragezeichen versehen wurden, habe ich oben in den Zitaten schon zu erläutern versucht - falls ihr es überlesen haben solltet. :)

    2. Der Unterschied zu anderen Regimen im Nahen Osten muss auch in dem Potential des Landes gesehen werden: Wenn Assad genauso ein Diktator wie Mohammed Reza wäre, Mohammed Reza aber durch die Öl-Einnahmen eigentlich dem ganzen Lande Wohlstand und Prosperität hätte geben können, stattdessen aber das Geld z.B. in pompösen Feiern verschwendete, dann ist der Zorn der Massen auf Mohammed Reza, im Vergleich zu Assad sicher größer.

    3. Versuchen wir bei der Historie zu bleiben, nicht bei der Gegenwart? Wäre schade um das schöne Thema, wenn es deshalb geschlossen würde. :winke:


    EDIT: Timo war schneller... :D
     

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