Ab wann gab es abolutionistische Ideen?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Cécile, 21. November 2013.

  1. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    mich treibt im Moment die Frage um, ab wann abolutionistische Ideen in der Welt kursierten. Im späten 18.Jh. war das in Großbritannien ja schon eine mehr oder weniger einflussreiche Bewegung, die sich dort letztendlich auch politisch durchgesetzt hat, aber wie sah es im Rest Europas aus? Hat sich in Deutschland irgendwer Gedanken darüber gemacht unter welchen Bedingungen Luxusgüter wie Zucker, Kaffee etc. hergestellt wurden und wenn ja ab wann?

    Zu meinem Erstaunen las ich vor einiger Zeit in einer Zeitung von 1763 ein Plädoyer für die Rechte der Indianer, der Autor war der Meinung, dass die englischen Siedler viel eher als Wilde zu bezeichnen seien, weil sie den Ureinwohnnern ihr Land raubten und sich nicht an Abmachungen hielten. Natürlich, das ist was anderes, aber da scheint ein aufgeklärter Kopf über seinen europäischen Tellerrand hinaus gedacht zu haben.
    Klar da geht es nicht um Sklaverei aber es geht ja schon in die Richtung, dass Menschen ungeachtet ihrer Herkunft/Hautfarbe/Religion gewisse Rechte zugebilligt werden.

    Weiß jemand mehr dazu?

    Ich würd mich über jeden Hinweis freuen!

    Cécile
     
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  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielleicht wäre die Arbeit der deutschen Herrnhuter interessant, die offenbar selber die Sklaverei nicht anprangerten, aber wohl zu den verhältnismäßig wenigen Deutschen gehörten, die damals überhaupt mit einer größeren Anzahl an Sklaven in Berührung kamen: Neu-Herrnhut (Saint Thomas) ? Wikipedia)
    Es ist natürlich gut möglich, dass die Missionsarbeit auch von dänischer Seite rasch unterbunden worden wäre, wenn Kritik an der Sklaverei seitens der deutschen Missionare Nitschmann und Dober geübt worden wäre.
     
  4. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Es machten schon Deutsche mit der Sklaverei Erfahrungen

    Sklavenhandel: Auf Menschenjagd im Mittelmeer | ZEIT ONLINE
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Mehr als 50 Jahre früher machten Deutsche nicht nur Erfahrungen mit Sklaven, sondern stiegen selbst in den transatlantischen Handel mit Kolonialwaren, weißem und "Schwarzen Elfenbein" (Sklaven) Obwohl die kurbrandenburgische Flotte nur aus 28 Schiffen bestand, gründete Kurbrandenburg 1683 an der Guineaküste die Faktorei Großfriedrichsburg, die bis 1717 existierte, bis Brandenburg/Preußen sie an die Holländer verkaufte. Im Jahre 1791 gab es in westafrika 40 Faktoreien. Die Holländer besaßen 15, die Briten 14, während den Portugiesen und Dänen je vier gehörten und den Franzosen 3. In diesem Jahr verkauften die Briten 38.000 Sklaven, die Franzosen 20.000, die Portugiesen 10.000, die Holländer 4.000 und die Dänen 2500. Insgesamt wurden in diesem Jahr 1791 also 74.500 Sklaven in die Amerikas und in die Karibik verkauft. Von 1680-1786 verkauften englische Sklavenhändleraus Liverpool und Bristol 2.130000 Afrikaner 192 Schiffe dienten diesem Zweck, meist ältere Briggs.
     
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  6. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Kritik an der Behandlung der Indianer gab es schon wesentlich früher. Las Casas erreichte, dass Gesetze zur Behandlung der Indianer erlassen wurden und Karl V. ihre Versklavung verbot. Die Anordnungen konnten sich allerdings in der weit entfernten neuen Welt nicht durchsetzen. Schließlich wurden, allerdings erst nach über 100 Jahren die Schriften Las Casas als Beleidigung des Spaniertums verboten. Aber das kennt man ja...
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die frühesten Widerstände gegen die Sklaverei wurden, meines Wissens, bereits im 17. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen USA laut. Roger Williams, der Gründer von Rhode Island verbot sie ausdrücklich 1652 in seiner Kolonie und dieser Linie folgten Mennoniten und Teile der Quäker. Die amerikanischen Methodisten formulierten 1786 ein kirchliches Verbot, und in GB gewann Thomas Clarkson, einen Debatierwettbewerb zum Thema ob es rechtens ist, andere gegen ihren Willen zu versklaven. Zwei Jahre später gründete Clarkson gemeinsam mit Granville Sharp und einigen Quäkern die Gesellschaft zur abschaffung der Sklaverei (Society for Effecting the Abolition of the Slave Trade) Clarkson recherchierte in Hafenstädten Betroffene und Beteiligte und erhielt dabei Unterstützung durch Olaudah Equiano, einen ehemaligen Sklaven, der die Praktiken der Sklavenhändler selbst erlebt hatte. Clarkson gelang es die Unterstützung des Parlamentariers und Philantropen William Wilberforce zu gewinnen, so dass er noch die Abschaffung der Sklaverei erlebte. 1807 wurde der Handel 1833 die Sklaverei insgesamt in den britischen Kolonien abgeschafft. Frankreich schaffte sie während der Revolution 1791ab, doch führte sie Napoleon wieder ein, was zu einem geglückten Sklavenaufstand in Haiti führte. 1830 wurde sie endgültig in Frankreich 1848 in den französischen Kolonien abgeschafft. In den USA 1863 in den gebieten die sich noch in sezession befanden (nicht aber in Delaware, Missouri, Maryland und Kentucky, die als sklavenhaltende Staaten in der union geblieben waren, 1865 wurde sie durch Zusatzartikel 13, 14 und 15 in den USA abgeschafft. Auf Kuba endete die Sklaverei 1887 und in Brasilien 1888.
     
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