Abfallbewegungen im attischen Seebund

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Niron, 27. Januar 2020.

  1. Niron

    Niron Neues Mitglied

    Hallo allerseits,

    mich beschäftigt die Frage, wie unterschiedlich Athen im Laufe des ersten delisch-attischen Seebunds mit den Städten umgegangen ist, die aus dem Seebund abgefallen sind und wieder in den Seebund gezwungen wurden. Neben den üblichen Strafmaßnahmen Mauer schleifen, Schiffe abgeben und Kriegskosten bzw. Tributzahlungen leisten... was gab es da noch? Und welche Unterschiede gab es in der Behandlung der Städte durch Athen?

    Hat da jemand einen Einblick in dieses Thema und kann mir das beantworten?
    Ich wäre sehr dankbar dafür!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Niron
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Alle männliche Bürger umbringen und Frauen und Kinder in die Sklaverei verkaufen. So geschehen lt. Thukydides in Melos.

    Gegenbeispiel ist der Fall Mytilenes ein paar Jahre vorher. Gleicher Beschluss, der aber in letzter Sekunde von der Volksversammlung revidiert wurde.

    Große, wie man sieht. ;)

    Mir scheints hier va auf die Tagesform der Volksversammlung anzukommen. Deren Wankelmütigkeit wird ja oft als primäres Problem der direkten attischen Demokratie benannt.
     
  3. Parau

    Parau Neues Mitglied

    Um 450 etwa gibt es eine Zäsur in der Entwicklung des Seebundes. Athen herrscht dann mit eiserner Hand und der Reihe nach wurden in aufständischen Poleis Wehrbauern, Garnisonskommandanten etc. eingeführt um einen Aufstand zu verhindern. Auch wurde der Austritt für alle später durch ein Münzdekret erschwert (nur noch athen. Maaße und Münzen). Auch die kulturelle Bindung wurde verstärkt (Athena als Schutzgöttin des Bundes, Pan-Athensiches Fest), in Eleusis ein "National"-Heiligtum für den Seebund errichtet und ausgebaut...
    Also das beantwortet deine Frage ja nicht ganz, aber wegen einigen Aufständen vor der Zäsur, die eher mild "bestraft" wurden, wurden daraufhin alle anderen Mitgliedern enger und vor allem fester an Athen gebunden um Aufstände zu verhindern, also kann man glaube ich sagen, dass nach 450 Aufstände härter niedergeschlagen wurden als zuvor (Athen war ja auch im Krieg) aber wie schon oben erwähnt:
    Das spielt natürlich auch ein großer Faktor in der attischen Demokratie ala Zufallsprinzip.
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine weitere mögliche Folge eines gescheiterten Abfallversuchs war die zwangsweise Einführung der Demokratie. Die Athener zwangen keineswegs allen Bundesgenossen systematisch die Demokratie auf, es wurden durchaus auch oligarchische Systeme toleriert - bis sich die Oligarchen verdächtig verhielten oder gar offen abfielen. So geschehen im Fall von Samos: Als es zum Konflikt zwischen Samos und Milet kam und die Athener Samos maßregelten, führten sie dort die Demokratie ein. Als die Oligarchen gewaltsam an die Macht zurückkehrten, kam es zum offenen Krieg, der mit dem Üblichen endete: Schleifen der Mauern, Übergabe der Schiffe, Zahlung von Reparationen.

    Bei den "Strafmaßnahmen" spielte wohl auch eine Rolle, welche Interessen man im Rahmen der Bestrafung nebenbei durchsetzen wollte.
    Nehmen wir das Beispiel Thasos: Als die Athener den Aufstand (465-463) niederschlugen, wurden die Mauern niedergerissen, die Thasier mussten ihre Schiffe übergeben und Strafe und Tribut zahlen - und sie mussten ihre wertvollen Besitzungen (Handel und vor allem Bergbau) an der gegenüberliegenden thrakischen Küste abgeben. Die Athener machten sich damals, allerdings mit Rückschlägen, gerade im Raum Chalkidike und Thrakien breit, mit der (später erfolgten) Gründung von Amphipolis als Höhepunkt, was die Beziehungen zu Thasos belastet hatte.

    Es gab natürlich auch noch einen Mittelweg zwischen "Milde" und Niedermetzeln: Nach der Niederwerfung von Hestiaia auf Euboia wurden die Einwohner vertrieben und durch Kolonisten ersetzt.
     

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