Absolutismustheorien

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Tanja, 6. April 2019.

  1. Tanja

    Tanja Gast

    Kann mir jemand mit leichten Worten die Absolutismustheorien (Bossuet, Hobbes, Bodin) erklären und inwiefern sie sich unterscheiden? Hab schon im Internet und auch in zahlreichen Büchern nachgeguckt aber noch immer nicht ganz verstanden.
    Ich hoffe mir kann jemand weiterhelfen
     
  2. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Der eigentliche Unterschied besteht zwischen den Theorien von Bodin und Bossuet einerseits und Hobbes andererseits.

    Bodin und ihm folgend Bossuet postulierten ein göttliches Recht des Königs auf sein Amt, das sog. Gottesgnadentum, d.h. der König ist nach dem Willens eines Gottes, in diesem Fall des Christengottes, in sein Amt eingesetzt und als Statthalter des Gottes dazu verpflichtet, das Wohl des Volkes im Auge zu haben. Die Idee ist uralt und stammt ursprünglich aus Mesopotamien. Im alten Ägypten gab es kein Gottesgnadentum, da der Pharao selbst als ein Gott (Horus) angesehen wurde.

    Der mutmaßliche Atheist Hobbes begründete die Souveränität des Königs mit einem ganz anderen Legitimationsmodell: Das Volk eines Staates schließt einen "Gesellschaftsvertrag", dem zufolge einem einzigen Mensch das Recht zugesprochen wird, absolute Macht über das Volk auszuüben, da anders der chaotische und selbstzerstörerische Naturzustand der Menschen nicht unter Kontrolle gebracht werden könne. Das Volk überträgt seine individuellen Rechte also auf einen Einzigen. Der Haken an der Sache: Hobbes zufolge hat das Volk nicht das Recht, einen Herrscher abzusetzen, der gegen die Interessen bzw. das Wohl des Volkes regiert. Sind einmal (per Vertrag) die Rechte aller auf den Einzigen übertragen, gibt es kein Zurück mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2019
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So wie du das hier schreibst, klingt das, als sei das eine durchgängig tradierte Idee. An verschiedenen Zeiten und Orten sind die Menschen von ganz allein auf die Idee gekommen, Herrschaft auf die eine oder andere Weise göttlich zu legitimieren. Auch die Inka legitimierten ihre Herrschaft über ihre Deszendenz von Sonne und Mond (Inti und Killa) (und damit von Wirakocha) und damit, dass deren Kinder Manco Kapac und Mama Ocllo, der erste Inka und die erste Coya, den Menschen die Zivilisation gebracht hätten. Das ist keine Idee, die an Mesopotamien angebunden wäre und von dort in die Welt diffundierte.
     
    flavius-sterius gefällt das.
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und das betrifft nicht nur Gottesgnadentum, sondern weitere verbreitete religiöse Motive .
    Selbst bei zeitlich-geographisch denkbaren (naheliegenderen) Fällen sind solche "Wurzeltheorien" hochumstritten.

    Ist Chan aber alles und mehrfach schon (seit Jahren) hier im Forum erläutert worden.
    Osiris-Mythos
    oder
    Penglase, Greek Myths and Mesopotamia:
    Osiris-Mythos
     

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