Adenauers Westintegration in der Bewertung

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von _derEgge_, 17. Juni 2009.

Schlagworte:
  1. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Hi,
    ich habe für die Schule eine Arbeit über die Westintegration Adenauers zu verfassen und habe auch eigentlich alles bis auf das "Fazit", also eine Bewertung aus heutiger Sicht herausgearbeitet.Meine bisherigen Gedanken sind:
    Pro Westintegration: - Vertrauen in der Welt zurückerlangt
    z.B. Aussöhnung mit Frankreich, Israel
    - Frieden in einem geeinten Europa (Grundstein für Europa)
    - schnelle Souveränität der BRD
    - wirtchaftlicher Aufstieg Dtld. (Marshallplan, wirtschaftl.
    Verflechtung etc.)
    - freiheitlich demokatische Grundordnung gesichert
    (Grund und Menschenrechte)
    - keine wirkliche Alternative zur Westintegration
    (keine Zustimmung der Westmächte zu "Ostintegration" + nicht
    wirklich wünschenswert, Neutralisiertes Deutschland:
    wohl auch keine Zustimmung der Westmächte (siehe
    Stalin-Note) + Gefahr der "Sowjetisierung" + keine "echte"
    Souveränität)
    - Wiedervereinigung (nur) aus eigener Stärke bzw. Sowjetischer
    Schwäche (Adenauer. behält recht)
    - Sicherheitsgarantien gegen den Ostblock


    Contra Westintegration:
    - Zementierung der Teilung
    (keine rasche Wiedervereinigung)
    - Misstrauen der UdSSR
    - Im Kriegsfall Deutschland Schlachtfeld


    So wie man sehen kann sind es gerade bei "Contra" wenige und auch nicht unbedingt die besten Argumente, jedoch ist es schwer im Internet etwas zu der Bewertung der Westintegration zu finden (wider erwarten).
    Nun wär ich sehr froh, wenn ihr mir helfen könnt weitere Argumente für Pro und besonders für Contra zu finden und bei bisherigen Fehlern mir dort auch Verbesserungsvorschläge geben könntet.
    Schon mal im Vorraus vielen Dank!
    Gruß _derEgge_ :winke:

    PS: Sorry für die Auflistung der Argumente, als ich den Beitrag erstellte, waren sie noch in einer " Ordnung"
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2009
  2. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Im Falle Frankreichs war das wohl nötig, bei Israel sehe ich aber keinen Grund, warum hier die Westintegration wirklich notwendig gewesen wäre.
    Das gleiche gilt für den größeren Rest der Welt, wobei die Westintegration bei der Versöhnung mit dem Ostblock wohl hinderlich gewesen ist.
    Die Versöhnung war eine Folge der relativ friedlichen deutschen Außenpolitik, wie sie ja auch von der Weimarer Republik in Hinblick auf fast alle Staaten betrieben wurde. Also ich sehe mit Außnahme von Einzelfällen wie Frankreich keinen Zusammenhang.

    Die Souveränität sollten sie streichen. Da die BRD ein de facto Protektorat der Westmächte war, besaß sie auch keine tatsächliche Souveränität und daher auch keine wirkliche echte Alternative.

    Das bezweifele ich. Während der Marshallplan tatsächlich nur eine geringe Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung spielte, muss in betracht gezogen werden, das eine höhere wirtschaftliche Verflechtung mit dem Westen durch Mitgliedschaft in den Vorgängerorganisationen der EG einer höheren wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Ostblock im Wege stand.
    Finnland ist gutes Beispiel, dem eine Mitgliedschaft in den frühen europäischen Organisationen verwehrte, das aber sehr von seinen relativ engen (für eine nordische Nation) ökonomischen Beziehungen mit der Sowjetunion profitierte.

    Das glaub ich nicht. Nach dem Scheitern ihres eigenen totalitären Systems und dank des ökonomische Aufschwung von dem die große Mehrheit profitierte, bräuchten die Deutschen keine westlichen Überwacher, um Grund- und Menschenrechte zu respektieren, die schon in der Weimarer Republik verankert waren.

    Zumindest nicht ohne Respektierung der sowjetischen Interessen.
    Die sogenannte Wiedervereinigung war nur ohne eine sehr festgefahrene Blocksituation möglich zu der die Westintegration aber beitrug.

    So ist es.
    Wobei sie noch die Existenz der DDR und natürlich auch noch die erneute Militarisierung Deutschlands nennen sollten.
     
  3. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Ok vielleicht war die Westintegration nicht unbedingt dafür notwendig, aber kann man das Luxemburger Abkommen nicht auch als Teil der Westintegration sehen, bzw. als eine Bedingung für weitere Zugeständnisse an die BRD (letztendlich Souveränität).
    Hier hast du natürlich Recht, dann sagen wir Vertrauen in der westlichen Welt (oder Eingeschränkt auf die Nato-Staaten?) zurückerlangt, ok??;)
    Aber denkst du nicht, dass gewisse Vertragsgemeinschaften (Montanunion,EVG,WEU,NATO) im Zuge der Westintegration das Vertrauen in Deutschland gestärkt haben, also natürlich wie vorhin im Bezug auf Staaten, die mit diesen Verträgen etwas zu tun hatten??

    Ja ich meinte auch, dass durch die Westintegration eben relativ schnell die Souveränität der BRD erreicht wurde (Stichwort: Pariser Verträge).Und das es keine wirkliche Alternative zur Westbindung gab wegen der Obergewalt der Westmachte hatte ich ja auch erwähnt. Oder wie war es von Ihnen gemeint?Schließlich denke ich, dass diese früh erreichte Souveränität schon auf die Westintegration Adenauers zurückgeht und nicht "zwangsläufig so hätte kommen müssen".

    Zugegeben, bei dem Beispiel Finnland kann ich nicht mitreden.
    Aber eine wirtschaftliche Verflechtung mit dem Ostblock wäre doch wieder der Verflechtung mit dem Westen im Weg gestanden. Und ich denke mit einem industrialisierteren Westen lassen sich profitablere Geschäfte machen als mit dem Osten.

    Ok, so wars nicht unbedingt gemeint, aber ich geb dir Recht, das was ich geschrieben habe muss man wohl so auffassen. Ich meinte damit gar nicht, dass nun die benötigten Bewacher und Aufpasser vorhanden sind, sondern vielmehr ein Bekänntnis zu dem freiheitlich demokratischen Block.



    Auch hier meine Zustimmung, die Wiedervereinigung ist schließlich auch unter dem Stichpunkt Entspannungspolitik zu sehen. Allerdings finde ich, dass man schon irgendwo sagen kann, dass es ohne die desaströße wirtschaftliche Lage der Sowjetunion nicht zur WV gekommen wäre wobei, wie du sagst, deren Interessen entsprochen werden musste.



    Danke, immerhin zwei neue Argumente auf die man hätte kommen müssen.


    Wie du siehst versuch ich überall noch meine Gedanken zu verteidigen;)
     
  4. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Hallo,
    hat denn niemand mehr eine Stellungname oder Verbesserungsvorschläge/Ergänzungen mehr??? Ich will/muss zeitnah an meiner Arbeit weiterschreiben, will jedoch verständlicherweiße nichts Falsches aufnehmen.
    Und natürlich weiss ich auch, dass solches Pushen von Beiträgen absolut ungern gesehen wird, deshalb darf dieser Beitrag nach erfolgter Antwort natürlich gern gelöscht werden.

    Gruß _derEgge_
     
  5. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Gewiss hat die Westintegration das Vertrauen dieser Länder besser zurückgebracht als es eine andere Politik zu diesem Zeitpunkt tuen können.

    Nun ja, es bestanden (auch) nach den Pariser Verträge noch Einschränkungen der BRD-Souveränität, die erst viel später (1990) beendet wurden.
    Ob zu diesem frühen Zeitpunkt eine vollständige Souveränität in jedem Fall möglich gewesen wäre, ist fraglich.
    Japan, das weniger unter Druck und Beobachtung stand, wurde tatsächlich erst Anfang der Sechziger souverän.

    Nicht unbedingt.
    Obwohl Finnland eine Art unabhängiges Proektorat der UdSSR war und die Verflechtungen mit dieser für ein nicht-sozialistisches ziemlich hoch, waren westliche Staaten stets der Haupthandelspartner.
    Natürlich führte die Westintegration prizipiell zu einem höherem Handelsvolumen mit westlichen Nationen, aber sie war hier keine Vorraussetung für enge wirtscchatliche Verflechtung wie man an anderen neutralen europischen Staaten sieht.

    Am besten macht mit beiden Seiten viele Geschäfte.
    Ein großer Vorteil des Osthandels für Finnland war das die sowjetische Nachfrage beständig und nicht durch die Zyklen der Weltwirtschaft beeinflusst wurde, da die sowjetische Wirtschaft nicht Teil dieser war.
    Ein Vorteil der in Krisenzeiten natürlich hilfreich war und der Wirtschaft eine Puffer gibt.

    Sie meinen eine Art Loyalitätseid?
    Ich glaube eine vertaglich zu gesicherte Garantie hätte es auch getan, schließlich.

    Nun in den frühen Fünfzigern gab es die Stalin-Noten.
    Und in den Achtziger noch eine Zeit vor dem zusammenbruch des Ostblocks zeigte laut Henrik Müller auch die Sowjetunion Bereitschaft dazu.
    Für die Sowjetunion war nicht die Wiedervereinigung das Hauptproblem, sondern die Blockzugehörigkeit Deutschlands. Hier gab es erst eine Zustimmung zur NATO-Mitgliedschaft der vergrößerten BRD, als man der UdSSR zusicherte die NATO nicht weiter hinaus zu expandieren.
     
  6. IronDuke

    IronDuke Neues Mitglied

    Die eingangs vorgestellte Gliederung ist aus meiner Sicht mit allen Argumenten ausgezeichnet und sollte unbedingt in dieser Form beibehalten werden. Dass aus Deiner Sicht wenig "Contra"-Argumente vorhanden sind, ist nicht weiter problematisch: erstens gabe es möglicherweise (wahrscheinlich) keine anderen, zweitens haben die von Dir genannten Probleme es durchaus in sich gehabt. So wurde zum Beispiel der verbaute Weg zu einer schnellen deutschen Einheit von den Zeitgenossen intensiv diskutiert. Das kann man gerade an den Diskussionen zu den Stalin-Noten von 1952 ablesen.
    Meiner Meinung nach hast Du alles richtig erfasst, dies gilt insbesondere auch für die Fragwürdigkeit von Alternativen zur Westintegration für die damals keineswegs souveräne Bundesrepublik. Das Beispiel von kleineren und vergleichsweise bedeutungslosen Staaten wie Finland oder Österreich, die einen Weg der Neutralität gehen konnten, ist für die im Zentrum Europas gelegene Westhälfte Deutschlands, dessen Einwohnerzahl gut zehnmal so hoch ist, völlig ungeeignet. Weder Finland noch Österreich hatten für die Antagonisten im Kalten Krieg eine praktische Bedeutung. Bei Deutschland sah das von Anfang an anders aus (Stichwort Berlin-Krise).
    Eine persönliche Ergänzung meinerseits: ich habe einmal ein Referat mit einem ähnlichen Thema gehalten, dass auch ziemlich genau dieselben Argumente verwendete, wie Du sie eingangs genannt hast. Und ich bin damit "sehr gut" gefahren...
    Ich emphehle Dir daher, jetzt nicht krampfhaft neue "exotische" Argumente zu suchen, sondern lieber die vorhandenen Argumente auszuplanen, mit Leben zu füllen (z.B. durch Beispiele) und im übrigen auch die Präsentationstechnik bei dem Referat zu durchdenken, welche oft halbherzig vorbereitet wird. Ich meine damit solche Überlegungen wie zum Beispiel Einleitung am Anfang, Vorstellen der Gliederung, eigentlicher Inhalt, Kritische Betrachtung am Schluß, Zusammenfassung, aber auch immer einen Blick auf den Zeitansatz usw, usw. Dann sollte da eigentlich eine brauchbare Note drin sein.
     
  7. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Dem stimme ich weitgehend zu, auch wenn sie etwas übertreiben ("kleines" Finnland?).
    Ich wollte nur zeigen das es grundsätzlich gute Alternativen zur Westintegration gab, wenn die Westallierten hier eine freie Wahl erlaubt hätten.
    Aber da sie es nicht taten und vermutlich auch nie getan hätten, waren es leider rein nur theoretische Alternativen.

    Für die UdSSR hatten Österreich und noch mehr das benachbarte Finnland als Pufferstaaten Relevanz, weshalb die Sowjets sogar in Finnland deutlichen Einfluss auf die Regierungsbildung nahmen.

    http://www.geschichtsforum.de/413353-post12.html
     
  8. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Danke erstmal an euch beide. Du, Großfürst Pavel, scheinst dich sehr gut auszukennen und deshalb werde ich meine Grundgedanken auch deinen Denkweisen anpassen, da mir das meiste doch schlüssig erscheint.
    Dennoch bin ich auch für die Zustimmung von IronDuke dankbar, da ich mich doch in meinen "Grundgedanken" bestätigt fühlen kann und sie eben nun bei der Ausformulierung um gewisse Einschränkungen von Großfürst Pavel ergänzen muss.
    Falls doch noch neue Argumente und Richtigstellungen, sowohl meiner Thesen, als auch Großfürst Pavels', schreibt die doch dennoch hier rein. Hab schließlich noch bis Montag Zeit mit der Arbeit und kleine Fehler korregieren, sowie Ergänzungen gehen immer.
    Gruß _derEgge_
     
  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Völlig richtig, auch Deine weiteren Ausführungen.

    Der Vergleich mit Finnland würde völlig in die Irre führen. Nicht nur war es politisch viel unwichtiger, sondern auch seine Volkswirtschaft deutlich kleiner. D.h. dort konnte der Ostblockhandel eine wichtige Rolle spielen, für Deutschland hätte dieser nie die Handelschancen im Westen auch nur annähernd ersetzen können.
     
  10. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Mann, solangsam verwirrt ihr mich. Wäre es doch schön, wenn alle in ihrer Meinung konform wären (würde es mir leichter machen ;) )
    Aber dann gäbs ja hier auch nichts zu diskutieren, was wohl auch schade wäre.
    Aber noch eine Bitte hätte ich: IronDuke hat mir erst klar gemacht, dass ich keinen wirklichen Einstieg habe.
    Ich dachte mir ein Zitat über die Westintegration wäre optimal, da ich dann später im Fazit noch einmal drauf eingehen kann, ob diese "Meinung" nun inwiefern richtig oder falsch war.
    Also so etwas nach dem Motto: "Adenauers Politik der Westintegration hat den Grundstein für dies und jenes gelegt, etc" . - Dr. Max Mustermann
    oder "Die Westintegration hat das Leid der Ostdeutschen vermehrt, da....."- Max Mustermann
    Ihr verteht, was ich meine??? Eben einfach eine Aussage, mit der man sich ausseinandersetzen kann und die einen netten Einstieg bildet.
    Leider finde ich selbst bei Google nichts wirkliches. "Zitat Westintegration", " Aussagen über Westintegration" " Meinung über..." sind wohl nicht die richtigen Schlagworte.
    Also, wenn jemand zufällig ein Zitat kennt oder sich bei Google nicht so diletantisch anstellt wie ich: Ich wäre dankbar dafür
    Gruß _derEgge_
     
  11. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Geschichte ist keine Naturwissenschaft - 2+2 ist (außer in George Orwells Roman) immer 4. Aber historische Ereignisse können von verschiedenen Leuten auch ganz verschieden bewertet oder sogar erklärt werden (vgl. Diskussion über das Maß der Schuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg).

    Konrad Adenauer: "In der Politik geht es nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten."

    Konrad Adenauer: "Wer Berlin zur Hauptstadt macht, schafft geistig ein neues Preußen."

    => auch die Wahl der Hauptstadt Bonn ist ein Aspekt der Westintegration.
     
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  12. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    So läuft das halt in Geisteswissenschaften fast nie.

    Du mußt Dich halt entscheiden, ob Du Deine ursprüngliche Gliederung (der Duke und ich ja zugestimmt haben) beibehältst oder auf Pavel umschwenkst.

    Ich halte seine Ansicht, für Deutschland hätte es zur Westbindung gute Alternativen gegeben, für völlig falsch. Finnland ist in keiner Weise vergleichbar. Und das ist m. W. auch die deutliche Mehrheitsmeinung in der Forschung.
    Wobei Letzteres in einer wissenschaftlichen Diskussion nur begrenzt wichtig ist (Wahrheit wird nicht per Abstimmung festgestellt), für einen Vortrag dieser Art aber schon.

    Bei den Zitaten: Die "Westbindung" ist ja kein einzelner Beschluß oder Vorgang gewesen, sondern bestand aus vielen Schritten über eine Reihe von Jahren. Ich weiß nicht (bzw. bezweifle es), ob die Akteure (insbesondere Adenauer) von Anfang an einen Begriff für diese Politik hatten, die hat sich ja erst entwickelt.

    Urteile/Zitate wie die von Dir erwarteten wird man daher wohl erst aus der Zeit danach finden. Am besten von einem der anerkannten Historiker / Politikwissenschaftler, dann bist Du auch wieder bei "Mehrheitsmeinung in der Forschung" auf der sicheren Seite.
     
  13. _derEgge_

    _derEgge_ Neues Mitglied

    Nun ja das ist mir schon bewusst. War auch eher spaßeshalber gesagt:)

    Warum Bonn Hauptstadt wurde, damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt. Ich glaube dir auch, dass es etw. mit der Westintegration zu tun hat, mein Problem dieses Zitat zu nehmen liegt darin, dass ich für meinen Vortrag nur 10(!!!) Minuten brauchen darf (Abi Präsentationsprüfung, BW ; der größte Schwachsinn hierfür 10min anzusetzen) und deshalb mich nicht noch zusätzlich mit der "Frage Bonn" ausseinandersetzen kann, da ich schon drauf und dran bin Sachen zu Streichen, obwohl sie mir wichtig vorkommen nur um annähernd auf die 10min zu kommen.
    Allerdings das erste Zitat finde ich gut, da man hier sagen kann er (Adenauer) hatte viel Widerstand von der Opposition bei der Westintegration aber im Prinzip (mMn) doch Recht behalten.
    In welchem Zusammenhang wurde denn das gesagt???

    Gruß _derEgge_

    Edith: ich glaube die Hilfe hier steigt mir zu Kopfe. Wenn der Wortlaut original ist müsste ich das ja schon selber finden und nicht dich die Arbeit machen zu lassen.

    Edith2: Hab sogar selber noch ein schönes gefunden, aber zum Bewerten, wie ich es will taugt es mir nicht so viel.
    "Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit.Wir wählen die Freiheit!" -Adenauer vor dem Bundestag zur Unterzeichnung der Pariser Verträge

    Edith3: Ich bin doch zu unfähig die Umstände des Zitats zu finden :gruml:.Bei meinem tollen Freund Google finde ich 1000x, dass das Zitat von Adenauer ist aber nicht 1x wann, wo, weshalb. Also wenn du es mir doch sagen könntest
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2009
  14. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Oder in anderen Worten, der Zweck heiligt die Mittel, wie auch bei der Adenauerischen Lösung der Hauptstadtfrage zu sehen war.

    Da Berlin als Hauptstadt der alten BRD nie wirklich in Betracht gezogen wurde, war die Wahl des rheinischen Bonns für die Westintegration nur indirekt relevant und zwar indem es die wichtige Rolle des rheinländischen Patrioten Adenauers bestätigt und seine Position stärkte.

    Ich bin ja vorbehaltslos der Meinung das grundsätzlich eine Westbindung ohne eine größere Änderung der Politik der Westmäche unumgänglich war.
    In diesem Fall besteht nur die Frage ob Adenauers Variante der Westbindung die bestmögliche war oder eine andere, in der die BRD eine noch gleichberechtigtere und eigenständingere Rolle spielen konnte, möglich gewesen wäre?

    Aber warum soll man nicht auch die Frage stellen und kurz diskutieren, ob theoretisch eine bessere oder gleich gute Alternative zur Westintegration möglich gewesem wäre, wenn es die Möglichkeit dazu gegeben hätte?
    Schließlich war die Westintegration primär eine Politik der Westallierten von der sie profitieren sollten, während sie für die Deutschen auch eindeutige Nachteile hatte.

    Sie implizieren damit, das Finnland ein völlig unterschiedliches Land war mit dem Deutschland absolut keine Gemeinsamkeiten hatte. Aber das stimmt einfach nicht.
    Finnland war wie Deutschland und andere eine besiegte Nation und kämpfte mit ähnlichen Problemen (die Akzeptierung des Verlustes wichtiger Gebiete, die Integration der erheblichen Volksmasse aus den ehemaligen Ostgebieten, Reparationszahlungen, Präsenz fremder Truppen im Land).
    Natürlich ist die Vergleichmöglichkeit aufgrund anderer großer Unterschiede begrenzt, aber sie ist da und sollte nicht geleugnet werden.
    Wichtig ist Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich entsprechend zu berücksichtigen.
    In übrigen sind unter den besiegten Nationen des Krieges hierfür Österreich und Japan bessere Vergleichssubjekte als Finnland.
     
  15. iFlorian

    iFlorian Neues Mitglied

    Westintegration

    Hallo

    Da ich mich gerade über die Westintegration befasse , ist mir wichtig , in Erfahrung zu bringen , was eure Meinung ist , ob Adenauer mit seiner Westintegration ein Verräter an der deutschen Einheit oder Bewahrer der Freiheit Deutschlands gewesen war?
     
  16. iFlorian

    iFlorian Neues Mitglied

    Prinzipiell denke ich , dass er mehr zur Teilung beigetragen hat, Ihm war "das halbe Deutschland ganz" lieber, als ein Auseinandersetzungsprozess, von dem auch er nicht wußte wo das hinführt. Mit der Einführung der DM waren dann auch alle Bemühungen des SBZ erledigt, noch zu einem Gemeinsamen Weg mit gemeinsamer Verfasung zu kommen.
     
  17. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Was ist denn das für eine These, das Adenauer ein „Verräter“ an der deutschen Einheit gewesen sei.

    Schon im April 1950 hat der britische Hochkommissar Sir Ivone Kirkpatrick den Deutschen bedeutet, dass sie unmissverständlich für den Westen optieren sollen, denn ein verharren zwischen den Blöcken sein nicht akzeptabel. Der Beitritt zum Europarat, diese Frage stand im April 1950 auf der Tagesordnung, könne als Beweis für eine Option für den Westen gelten. Der britische Außenminister Bevin hatte als Gegenleistung angedeutet, dass die Außenpolitik der Bundesrepublik an die Bundesregierung übertragen werden könnte. (1) Im April 1951 wurden dann der Bundesrepublik auch der Aufbau eines diplomatischen Apparats im Ausland und die Errichtung eines eigenen Außenministeriums konzediert.

    Die Aufgabe bzw. Lockerung von Kontrollrechten der Alliierten ging mit der Bindung der Bundesrepublik an den Westen Hand in Hand. Die Westmächte wollten die Bundesrepublik in ihr System integrieren; genauso wie auch Japan. Die Bundesrepublik wurde gebraucht. Das dies seine Preis hat, war den Alliierten bewusst. Für die Bundesrepublik war dies der Weg, um eine Revision der bestehenden Verträge, beispielsweise des Besatzungsstatuts, zu erreichen. Schon im September 1951 stand die Ablösung des Besatzungsstatus auf der politischen Tagesordnung. Der nachfolgende Vertrag, der sogenannte Deutschlandvertrag, enthielt dann auch eine Bindungsklausel, die besagte, das auch ein ggf. wiedervereinigtes Deutschland Mitglied der EVG sein würde.

    Wichtig ist aber auch, dass die Bundesrepublik wirtschaftlichen Erfolg benötigte und hierbei ganz erheblich auf westeuropäische Zusammenarbeit und amerikanische Unterstützung angewiesen war. Schon der Vorgängerstaat, das Deutsche Reich, war sehr eng mit seinen Nachbarn in West-, Nord- und Südeuropa ökonomisch verflochten gewesen. Einen wesentlichen Teil seines Außenhandels wickelte es mit Ländern dieser Region ab. Allein auf Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und die Schweiz entfielen 1929 35,9% des Exports.

    Für Adenauer war die europäische Integration schlicht eine Notwendigkeit, weil sich nur so die „Erbfeindschaft“ mit Frankreich überwinden ließ und wirtschaftlicher Wohlstand Wirklichkeit werden würde. Er war Pragmatiker und frei von nationalen Pathos. Die zumindest temporäre Zementierung der Teilung Deutschlands wurde von ihm bewusst in Kauf genommen.

    (1) Blankenhorn, Verständnis und Verständigung, S.98
     
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