Aktion Reinhardt?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Petra_44, 15. November 2008.

  1. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Hallo,

    ich hätte eine Frage. Und zwar habe ich bis jetzt immer gedacht, dass der Ausdruck "Aktion Reinhardt" die systematische Verwertung aller materiellen Güter der getöteten Juden bezeichnet, also Kleidung, Wertsachen, Goldzähne, etc.

    Google meint aber etwas anderes. Anscheinend steht der Name "Aktion Reinhard(t)" generell für die Vernichtungsaktionen gegen die Juden.

    Was stimmt denn nun? Und falls die systematische Verwertung aller Besitztümer nicht "Aktion Reinhardt" hieß, wie nannte man das denn dann? Gab es einen Namen dafür? Wo könnte ich denn etwas über die Größenordnungen, Warenströme, etc. finden?

    Schöne Grüße

    Petra
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Im engeren Sinn bezieht sich "Aktion Reinhardt" auf die Vernichtung der polnischen Juden in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka.

    Die häufige Datierung des Befehls (wobei nach diversen Aussagen frühere - entsprechende - Vernichtungsbefehle bereits gegeben worden sind, insoweit also eine Überschneidung besteht) auf Juli 1942 ergibt sich aus Folgendem:

    Der Dienstkalender Himmlers weist den Besuch bei Globocnik in Lublin am 18.7.1942 aus, mit dem Hinweis auf Arad, Belzec, Sobibor, Treblinka. Verknüpfter Besprechungspunkt bezüglich der angeordneten Vernichtungsaktion in Polen war die Besiedlung von Lublin und Zamasc mit Volksdeutschen. Am 19.7.1942 in direkter Folge und auf Basis dieser Besprechung wurde dann dem Höheren SS-und Polizeiführer Krüger schriftlich der Befehl gegeben, die jüdische Bevölkerung im Generalgouvernement bis zum 31.12.1942 zu töten. Außer in Sammellagern sollte es danach keine Juden in Polen mehr geben.
    "Jede Durchbrechung dieser Regelung bedeutet eine Gefahr für die Ruhe und Ordnung des deutschen Gesamtinteressengebietes, einen Ansatzpunkt für die Widerstandsbewegung und einen moralischen und psychischen Seuchenherd"
    (Himmler an Krüger 19.7.1942, BArch NS 19/1757, Bl. 1 mit Übersendungsschreiben)

    Zwei Tage nach Himmlers Abreise (20.7.1942) aus Lublin begannen am 22.7.1942 die Transporte aus dem Warschauer Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka. Bis Anfang September wurden 310.000 der 380.000 Bewohner nach Treblinka transportiert und dort ermordet.
    (Wirth, S. 689).
    Aktion Reinhardt ? Wikipedia
    "In der Literatur wird das Datum des Auftrags an Globocnik mit Juli 1942 angegeben."

    Bei den Beschlagnahmen und Lagerungen handelt es sich nur um die letzte Phase der Aktion Reinhardt, nach Hillberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, S. 1015
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. November 2008
  3. Hulda

    Hulda Gast

    Vielleicht hilft Dir weiter, dass das Hauptquartier der Aktion Reinhard ein besonderes Lager in Lublin errichtete, "das dem Lager Majdanek angegliedert wurde, als Sammelstelle für alle Wertgegenstände, die von den Opfern in Treblinka, Sobibor und Belzek zurückgelassen worden waren." (Enzyklopädie des Holocaust, dt. Ausgabe hg. v. E. Jäckel et al., Bd.I, 1998, S.17)
     
  4. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Danke schon mal für die Antworten. Das ist aber noch nicht so ganz das, was ich suche. Dieses besondere Lager in Lublin sammelte ja offensichtlich nur die Wertgegenstände aus drei Lagern.

    Unter welchem Suchbegriff könnte ich denn etwas über das gesamte Ausmaß dieser Bereicherung am Völkermord finden? Gibt es dazu überhaupt schon Literatur, oder wurde das noch nicht erforscht? Wo ist das Geld eigentlich abgeblieben? Das müssen ja Unsummen gewesen sein ...

    Hintergrund der Frage ist, dass ich für meine Übung in Wirtschaftsgeschichte ein Essay zu einem Thema meiner Wahl schreiben muss. Dieses Thema würde mich sehr interessieren, aber ich wüsste jetzt im Moment nicht, wie ich dazu Informationen finden sollte. Ich habe gedacht, dass ich einfach mal "Aktion Reinhardt" als Suchbegriff verwende und habe das durch google gejagt - aber das war offenbar nicht der richtige Suchbegriff. Hatte diese hemmungslose Verwertung aller materiellen Güter überhaupt einen Namen, oder muss ich mir da irgendwie behelfen?

    Schöne Grüße

    Petra
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wie gesagt, Hilberg schreibt einiges dazu ab S. 1013 ("Beschlagnahmungen").
    Das beschreibt aber nicht den gesamten Bereicherungsprozeß. Hierzu wäre neben den eigentlichen Enteignungen+Beschlagnahmungen auch der SS-Wirtschaftsbetrieb zu berücksichtigen, die rücksichtslose und lebensvernichtende Ausbeutung von Arbeitskraft in den KZ-Lagern, deren Wertschöpfung im Rüstungsbereich etc. dann weiterberechnet worden ist. Auch zu der SS-Wirtschaftsstruktur gibt es diverse Literatur.
     
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Im Abschlussbericht für den Reichsführer SS gab Globocnik den Gesamtwert der angefallenen und an die Deutsche Reichsbank abgelieferten Wertsachen (Edelsteine, Geld, Devisen) und abgenommene Habe (Uhren, Brillen usw.) mit rund 180 Mio. Reichsmark an.

    Der Betrag wurde aufgrund einer Abmachung mit dem Reichsfinanzministerium Himmlers Sonderkonto "R" gutgeschrieben. und von ihm für den Ausbau der SS, aber auch für Dotationen verwendet. Der Immobilienbesitz der Opfer diente z.T. zur Ansiedelung der aus den inzwischen eingegliederten westpolnischen Gebieten vertriebenen nichtjüdischen Bevölkerung.

    Quelle: Wolfgang Benz, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S.355

    Über die gesamte Bereicherung muss ich mal nachschauen ob ich da eine Zahl finde.
     
  7. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ich meine, Götz Aly hat sich mal daran versucht - ist aber auch nicht unkritisiert geblieben:

    Hitlers Volksstaat ? Wikipedia
     
  8. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Der Abschlussbericht ist nachzulesen unter Title: "Document 4024-PS: [Economic Development of Action Reinhardt], Part 01-09 [partial translation]", in Nazi Conspiracy an.

    @Floxx78: Zur Gesamtbeute aus dem "konsequentesten Massenraubmord der modernen Geschichte" schreibt Aly (S. 317):
    Einschließlich der im Deutschen Reich noch nach dem 1. September 1939 erzielten Arisierungsgewinne werden es zwischen 15 und 20 Milliarden Reichsmark sein gewesen sein, die aus Besitztümern der europäischen Jugen stammten und in Form von Geld in die deutsche Kriegskasse gelenkt wurden.
    Zur Möglichkeit einer genaueren Kalkulation verweist er auf die von Helen B. Junz (Where did all the money go? Pre-Nazi era wealth of European Jewry, 2002) erarbeiteten methodischen Grundlagen.
     
  9. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Ach du liebe Zeit. Da schmeckt mir ja der Tee nicht mehr. :fs: Kaputte Wecker und gebrauchte Scheren?

    Na jedenfalls vielen Dank für die Links. Ich werde mir das alles abspeichern und mir schon mal ein paar Quellen besorgen. Über Weihnachten habe ich dann Zeit für dieses Essay.

    Schöne Grüße

    Petra
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Etwas verwirrend ist die Datierung, die aus dem von jschmidt zitierten Dokument hervorgeht (4024-PS des IMT Nürnberg).

    Im link:
    Eingang 5.1.1944, Brief mit Anweisung Aktion Reinhardt 22.9.1943: abzuschließen bis 31.12.1943.

    Im Originaldokument mit der Fußnote (mit Hinweis auf Jahresverwechselung 1943-1944), Band XXXIV des IMT, dort auch der vollständige Abdruck des deutschen Dokuments:
    5.1.1943, Briefdatum und Abschlußdatum wie oben.

    Die Vermerke der Zusammenstellung stammen aus 1943, die Laufzeit der Aktion selbst wird mit 1.4.1942 bis 15.12.1943 angegeben, "Beilage 2".
    Ober habe ich erwähnt, dass die Aktion ursprünglich 1942 abgeschlossen gewesen sein sollte. Das wäre dann ein Datumsfehler, oder aber es wurde am 22.9.1943 auf 31.12.1943 verlängert. Der Abschlussbericht muss daher vom 5.1.1944 stammen.


    Jedenfalls wäre das Datum "22.9.1943" nicht als Anordnung der Aktion, sondern als Verlängerung bzw. Vorgabe eines verbindlichen Abschlusstermins seitens Himmler zu verstehen.

    Weiterhin wird die Aktion klar in 4 Teile zerlegt, die Deportation (also gemäß Sprachgebrauch 1943/44 die Ermordung) ist Grundlage der Aktion ("Teil A"), die wirtschaftliche Bereicherung nur die Folge, die anschließende deutsche Besiedlung der Plan.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    An dem Standort, dem "alten Flugplatz" Lublin und einer ehemaligen Fabrik, bestand formell ein Frauenkonzentrationslager (FKL). Noch am 7.7.1943 reichte die Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Lublin einen Rahmenantrag über die Errichtung eines FKL ein (das Lager bestand seit Februar 1942).

    Der Standort diente als zentrale Sammelstelle. Die Ansammlungen von geraubten Gegenständen der Deportierten (in die Vernichtungslager) wurden dann zum Teil als Erstausstattungen der Gebrauchsgegenstände der "Neokolonisten" verwendet.

    Wasser, Himmlers Raumplanung im Osten, Der Generalplan Ost in Polen 1940-1944, S. 88.
     
  12. mcneal_de

    mcneal_de Neues Mitglied

    Aktion Reinhardt

    Nachdem Reinhard Tristan Heydrich von tschechischen Fallschirmjägern auf offener Strasse in Prag zuerst schwer verletzt wurde und dann wenige Tage später im Krankenhaus an Blutvergiftung starb, war die Wut der Nazis fast grenzenlos, was man an der Tatsache ersehen konnte wie sie im besetzten Protektorat Böhmen und Mähren ihre Vergeltungsaktionen durchführten. Lidice, Lecarky sind nur ein trauriges Beispiel dafür.

    Himmler, so unwahrscheinlich das jetzt für viele klingen mag, war von Heydrich regelrecht in den Schatten gestellt worden, der fast alles, was den Holocaust betraf, an sich gerissen hatte. Wannseekonferenz, ausschliessliche Behandlung der Judenfrage durch die Gestapo, Referat IVB4, alleinige Einweisungbefugbnis in die Konzentrationslager und vieles mehr.

    Jetzt, nachdem Heydrich, der übrigens Hitler beerben wollte, sogar schon daran dachte, wenn Hitler im Russlandfeldzug weitere grosse Fehler machen sollte, diesen sogar absetzen wollte, war für Himmler der Weg wieder frei, so schalten und walten zu wollen, wie er es sich vorstellte.

    Nach dem Staatsbegräbnis von Heydrich, an der auch Hitler teilnahm und fast nicht fähig war richtig zu sprechen, war es von Himmler ein ausgezeichneter Schachzug die Vergeltungsaktionen und vorallem die vorantreibende Vernichtung der Juden den Namen "Aktion Reinhardt" zu geben. Er wollte aller Welt zeigen das er der Herr der SS war und niemanden mehr zu fürchten hatte.

    Es mag sich vielleicht für den einen oder anderen Leser seltsam anhören, doch Himmler gewann erst durch den Tod von Heydrich die wirkliche Macht über die Vernichtung der Juden. Seine Angst war vorbei und mit der Ernennung von Kaltenbrunner setzte er einen willfähigen Mann auf den Posten des Reichsicherheitshauptamtes, den er nicht zu fürchten hatte.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Aktion Reinhardt ist aber keine Vergeltungsaktion, sondern ein planmäßiger Völkermord in Zusammenhang mit Besiedlungsplänen für Osteuropa.

    Wieso denn sich "gerissen", was eine wie auch immer geartete Opposition Himmlers voraussetzt?
    Dazu würde ich um Belege bitten.

    Um Heydrich ranken sich eine Menge Mythen, so wie diese.

    Belege für diesen "Willen" Himmlers? Wohl keine.
    Der wichtigste Stolperstein lag außerhalb des SS-/SD-/ und Parteibereiches, nämlich in der Wehrmacht als Machtfaktor im Staat. Hier fand die Unterminierung statt, Waffen-SS/Generalität/Nationalsoz. Führungsoffiziere/Heimat- und Ersatzheer/Polizeiverbände/Zuständigkeit für den Rückraum im Osten hinter den sog. Heeresgruppengrenzen usw. usw. usw.

    Hört sich mehr als seltsam an.
    Paßt nicht mit Himmlers Rolle beim anlaufenden Genozid in der Sowjetunion ab Juni 1941 zusammen, wo er die treibende Kraft der vorbereitung darstellte und sich selbst vor Ort einschaltete.
     
  14. mcneal_de

    mcneal_de Neues Mitglied

    Es ist schon seltsam das sich viele nicht vorstellen können, das Himmler eine Zeitlang nicht der machtvolle Mann war, wie er gerne gesehen wird.

    Ich will nur mal als ein Beispiel folgende Tatsache geben, die Heydrich betreffen. Als der Krieg ausbrach hat Heydrich entgegen dem ausdrücklichen Wunsch von Himmler als Flieger aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen und wurde abgeschossen, brachte eine Zeitlang hinter den feindlichen Linien, bis er gerettet werden konnte.

    Zu den Treffen mit Hitler, benutzte er immer wieder seine eigene Maschine, ganz zum Unmut von Himmler.

    Entgegen der allgemeinen Sicherheitsvorschrift für Höhere und Hohe Polizeiführer fuhr Heydrich im offenen Wagen durch Prag, was letztendlich dazu führte, das ein Attentat auf ihn durchgeführt werden konnte.

    Heydrich starb nicht unmitelbar an den Folgen des Attentates, sondern an einer Blutvergiftung. Der Leibarzt von Hitler wurde hinzugezogen und nach dem Krieg auf den Patienten angesprochen lies er leise anklingen, das es nicht unbedingt erwünscht war, das Heydrich überleben sollte.

    Zwei Machtfaktoren werden immer wieder unterschätzt. Einmal die unumschränkte Führung Heydrichs, was den Holocaust betrifft und die des Chefs der Gestapo, Heinrich Müller. Beide Männer hatten kontinuierlich den Sicherheitsapparat auf die Person Heydrich aufgebaut und Himmler benötigte mehere Monate um in dem gesamten Wirrwar durchzublicken.

    Die schon lange geplanten Aktionen gegen die Juden, bekamen mit Absicht den Namen Reinhardt, um auch jene Männer, die fest zu Heydrich standen auf die Seite von Himmler zu ziehen.

    Was den Ausspruch betrifft: "Wenn der Alte (Hitler) sich noch mehr Fehler erlaubt, dann wird er abgesetzt," wurde von Heydrich während eines Fechttuniers kurz vor dem Attentat ausgesprochen und wurde mehrmals bestätigt, auch wenn das ganz gerne unter den Tisch gekehrt wird.
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das ist ja alles schön und gut. Mich würden deine Quellen und die Sekundärliteratur interessieren.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Davon habe ich noch nie gehört.
    Heydrich war Marineoffizier, (bis er mit Schimpf und Schande davongejagt wurde.)
    Da will mir der Kampfflieger nicht dazu passen. Das sind doch Dinge zu deren Erlernung man Jahre braucht. Mag ja sein, dass er einen Flugschein hatte. Mag ja sein, dass er in einem Bomber mitfliegen durfte, aber alles weitere würde mich sehr wundern.

    Persönlichen Mut möchte ich ihm gerne zugestehen, er ist ja wohl seinen Attentätern nachgerannt und hat sie mit seiner Pistole beschossen. Im Freikorps war er auch. Die kritischen Aussagen zu Hitler waren in SS-Kreisen nicht unüblich.
    Mag alles sein, aber Kampfflieger...
     
  17. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Tante Wiki erwähnt so etwas:

    Reinhard Heydrich ? Wikipedia

    Wobei auch hier eine genaue Quellenangabe fehlt, da wird nur erwähnt das es dokumentiert sei, aber nicht wo und ob das Dokument noch vorhanden ist:

     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Soweit es die persönlichen Eskapaden diverser Führungspersonen im Dritten Reich angeht, ist das nichts Besonderes. Damit kann man Bücher füllen. Solche Beispiele, inkl. diverser Eigenmächtigkeiten, belegen keine Machtstrukturen.

    Zum behaupteten Verhältnis Himmler/Heydrich bzw. zur "Absetzung" Hitlers 1942 (die überhaupt nicht in den Kontext paßt, da die Rückschläge an der Ostfront kaum Hitler, sondern dem Heer angelastet wurden) wären nun Quellen angebracht.
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Dann war es anscheinend so.

    Zeigt aber auch klar, dass man bei den Jagdfliegern als Dilettant eher die Lachnummer abgibt.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich für die "Privatsphäre" der Nazigrößen eigentlich nie so interessiert habe.
    Werde ich zukünftig besser die Klappe halten.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu dieser Laufzeit der Zusammenstellung (ab 1.4.1942) und den Lagerungen noch ein detaillierter und längerer Hinweis, der sich bei Hohenstein, Wartheländisches Tagebuch aus den Jahren 1941/42, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 8, findet (S. 251-257). Die Niederschrift im Tagebuch bezieht sich ganz offensichtlich auf die Aktion Reinhardt in der Provinz.


    Hohenstein war Verwaltungsbeamter und in den sog. Wathegau abgeordnet. Während seines Urlaubs fanden dort im April 1942 in Poniatowec Deportationen von ca. 3000 Menschen statt, von denen ihm nach Rückkehr berichtet wurde. Die Menschen - soweit sie die 10-tägige Festsetzung überlebten - wurden anschließend nach den Zeugenaussagen nach Chelmno gebracht, was bereits als Vernichtungslager mit "Gasvergiftungsanlagen" bekannt war (der Informant bezeichnete dies als "Todesfracht").

    Sämtlicher Besitz der ca. 3000 Menschen wurde zunächst von der SS eine Weile gelagert und anschließend abtransportiert. Die Bestände waren während der Lagerung "völlig unkontrollierbar", große Teile wurden nach der Beschlagnahme entwendet, was zT völlig offen geschah und ebenfalls bekannt war.

    Mit den Vernichtungsaktionen konfrontiert, suchte Hohenstein um Rückversetzung in die Heimat nach. Das brachte ihm Kontakte zur Gestapo ein.
     

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