Alkohol in der preußischen Armee

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von R.A., 14. November 2008.

  1. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Aktuell wird darüber gestritten, ob die Bundeswehr zu viel säuft:
    OSTSEE-ZEITUNG.DE Titelseite

    Natürlich wollen wir uns hier in tagespolitische Diskussionen dieser Art nicht einmischen.

    Persönlich war ich aber überrascht, daß die Rationen so niedrig sind: Maximal zwei Dosen Bier darf ein Bundeswehr-Soldat pro Tag konsumieren.
    Das liegt m. E. deutlich unter dem, was deutsche Männer dieses Alters im Schnitt konsumieren.

    Und es ist wohl auch deutlich weniger, was traditionell von Soldaten konsumiert wurde.
    Ich kenne aber nur konkrete Zahlen aus der englischen Navy, Trafalgar und andere ruhmreiche Siege waren ja nur möglich, weil die Mannschaft mit dem täglichen Half-Pint hochprozentigem Rum motiviert gehalten wurde.

    Wie war das eigentlich in deutschen Armeen früherer Zeiten?
    Hier mal als Beispiel (deswegen mal dieses Zeitalter für die Frage ausgesucht) die glorreichen Truppen des alten Fritz - ist überliefert, was die normalerweise an Bier etc. vertilgten?
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Wer sagt das? Ich kann mich an eine derartige Beschrænkung nicht erinnern. :D
    Ausgenommen war der Wachdienst - da musste man vøllig nuechtern sein.

    Gruss, muheijo
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Ich habe etwas interessantes gefunden, was ein Faktor der "Sauferei" hätte sein können.
    Ohne Worte...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. November 2008
  4. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Die Presse.
    Aber in Bezug auf die Auslandseinsätze - wer sich zu Hause in der Freizeit einen reintut, kann dies wohl fast beliebig tun.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Bei der NVA der DDR war Alkohol für Mannschaftsdienstgrade generell verboten. Da normale Wehrpflichtige nur selten nach Hause kamen, war es Usus sich beim Ausgang zu besaufen. Die Militärstreifen (heute Feldjäger) hatten immer tüchtig zu tun. Gab es Urlaub, kamen sie oft schon volltrunken daheim an, ich erinnere mich gut an überfüllte D-Züge mit etlichen Schnapsleichen in Uniform. Natürlich war der Erfindungsreichtum groß, den Stoff irgendwie in die Kaserne zu schmuggeln. Das Soldatenleben besteht bekanntlich zu 90% aus Langerweile und Frust, also kein Wunder.
    Eher könnte man die Nordsee trockenlegen...
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Ein beliebter Spruch der Pioniere: "Was nicht überbrückt werden kann, wird ausgetrunken...":prost:
     
  7. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Bei uns im Schiff (ich war bei der Marine) gab es einen Aushang ueber einen Bericht einer amerikanischen Fregatte im Krieg gegen England (1812?)
    Jedenfalls hatten die Unmengen an Rum u.æ. an Bord, und gingen auf Kaperfahrt nach England. Es wurde beschrieben, wie sie u.a. auch eine Whiskey-Destille in Schottland ueberfallen haben, wieviel Alkohol sie bei diversen Gefechten und Landgængen hinzunahmen...und dass sie, bei ihrer Ankunft zurueck in der Heimat exakt die gleiche Menge Wasser, die sie damals mitgenommen hatten, immer noch an Bord hatten, faul allerdings. :D

    Ob's stimmt kann ich leider nicht nachpruefen, da ich den Namen des Schiffes nicht mehr præsent habe.

    Gruss, muheijo
     
  9. Hamburger

    Hamburger Gesperrt

    Alkohol im Krieg hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Einerseits enthemmt er und andererseits hilft er, die unzähligen negativen Eindrücke, die auf den Soldaten einströmen, zu verdrängen.

    Ich glaube, daß auch in modernen Armeen das nach wie vor zutrifft und man deshalb auch deutsche Soldaten in einem islamischen Land, wie Afghanistan, nicht auf 0 Promille setzt.
     
  10. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Alkoholmissbrauch

    Das Leben in den Garnisonen des 18.Jahrhunderts zwischen Wachdienst und Exerzieren war von einer belastenden Eintönigkeit bestimmt. Der Genuss von Alkohol in den geselligen Runden der Schankbetriebe vertrieb nicht nur schlechte Gedanken und stärkte das Gemeinschaftsgefühl. Weil sich Spirituosen nach Erfindung des Destillation im 17.Jahrhundert schnell verbreiteten und Branntwein als billiges Getränk leicht zu erwerben war, tranken einfache Soldaten nicht nur das nahrhafte Bier, sondern zunehmend auch Branntwein, um ihren Kalorienbedarf zu decken. [Schnaps wurde in Berlin zum Getränk der Armen, Möller, Fürstenstaat oder Bürgernation, S. 236; in den Garnisonen hatten die Unteroffiziere alle Hände voll zu tun, den Alkoholmissbrauch zu minimieren, da sie selbst für mangelnde Aufsicht über Soldaten bestraft wurden, Mente, Erinnerungen, S.25]
    […]Durch die regelmäßige Ausgabe von Bier und Branntwein trug die Armee selbst dazu bei, dass Alkoholmissbräuche in einem solchen Maße vorkamen, dass 1751 sogar spezielle Befehle ausgegeben wurden mussten, um die Trinksucht einzudämmen. Soldaten kamen nicht nur betrunken zum Dienst und verhielten sich undiszipliniert in den Kasernen; beim Trinken entstanden auch Pläne für gemeinsame Straftaten. [...]

    Quelle:
    Soldatenfrauen in Preussen; Beate Engelen S.96f
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Alkohol ein gängiges Mittel preußischer Werber war, um Fritzens Kanonenfutter zu rekrutieren.
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Dies trifft für die Grenztruppen der DDR nicht zu. Da Mangel an zuverlässigen Grenzsoldaten herrschte, bestand das Soldatenleben dort aus Wache und Schlaf. Durch die Unterbesetzung mussten zuverlässige Soldaten öfter raus auf Wache. Der Feind an der Grenze stand denn auch vor und hinter der Grenze. Die psychische Anspannung durch permanente Konzentration, Eintönigkeit und Dunkelheit während des Dienstes machte auf Dauer viele Soldaten während ihres Urlaubes zu Wracks.
     
  13. Caro1

    Caro1 Gast

    Ihr dürft die Verhältnisse damals-heute nicht vergleichen. Schon allein aus dem Grund, weil Trinkwasser nicht vorhanden war, bzw. das übliche Wasser mit Keimen und Unrat versetzt war. Noch um 1800 war es deshalb üblich zu jeder Speise, selbst zum Frühstück (?) Alkohol zu konsumieren. Deshalb übrigens auch die ulkige Werbung von Apollinaris, von wegen es gäbe kein vernünftiges Wasser und die Queen musste es aus Germany holen :D !

    Säfte waren ebenfalls nicht lange haltbar, damals und Möglichkeiten frische Früchte auszupressen, werden die Soldaten auch nicht gehabt haben.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Am 4./5. Februar 1814 lieferten sich Yorcks Truppen vor Chalons ein Gefecht mit den Franzosen. Der Magistrat der Stadt beschwerte sich später beim General, die Preußen hätten allein in dieser Nacht 57000 (!) Flaschen Champagner, den sie reichlich in den Kellern fanden, ausgetrunken.
    (Quelle: Memoiren Donnersmarck zit. in Die Befreiung 1813 1814 1815 p. 365f; Langewiesche & Brandt, Ebenhausen bei München 1923)
     
  15. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Der zweite preußische Einfall in die Bischofstadt Bamberg während des Siebenjährigen Krieges - 30. Mai bis 10. Juni 1758 | Zeitreisen

    Macht 6 Maß pro Tag + Schnaps, ohne das was sich die Soldaten nebenbei "verschafften". Prost...
     
  16. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Wie war eigentlich der Alkoholgehalt damaliger Biere? Stærker oder schwæcher als heute? (Der Geschmack tæt mich auch mal interessieren)

    Bei 6 Mass Bier kønnte ich kein Gewehr mehr halten...

    Gruss, muheijo
     
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Na ja, über den Tag verteilt...
    Es heißt immer, dass das Bier früher "dünner" war. Starkbiere gab es freilich immer schon. Vielleicht kamen die 6 Maß auch dadurch zustande, dass Bamberg ja schon immer eine "Biermetropole" war. Da langte man dann kräftig zu.
    Bamberger Bier - Bamberg, die wahre Hauptstadt des Bieres
     
  18. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Herzlichen Dank - Quellen dieser Art meinte ich.
    Denn hier wird klar, was als normaler täglicher Konsum galt - auch wenn ich vermute, daß die "Maß" hier nicht einen Liter meint.
     
  19. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Deutlich schwächer - es war ja auch (wegen der schlechten Wasserqualität) echtes Grundnahrungsmittel für alle Altersstufen.
    Ich erinnere mich da an ein holländisches Waisenhaus, in dem die monatliche Bierrechnung der größte Ausgabeposten war ...

    Ein einfaches Bier (das man heute eigentlich nirgendwo mehr kriegt) hatte nur 1-2% Alkoholgehalt.
    Nur die besseren Sorten (z. B. für den Export) hatten mehr Alkohol.
    Und dann gab es natürlich das Starkbier für die Fastenzeit.
     
  20. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Das ist zwar etwas off topic, aber nur um sich den Alkohlkonsum des Normalbürgers im 18.Jh. vorzustellen:
    In einem Buch aus den 1770ern wird der "Hausmutter" empfohlen, dem Gesinde zum Frühstück "einen Schluck Brantewein und ein Butterbrod" vorzusetzten, weil das am schnellsten geht und sie dann Kraft zum Arbeiten haben...
     

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