Alleinherrschaft Stalins

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von verena, 24. März 2009.

  1. verena

    verena Neues Mitglied

    Kann mir bitte jemand sagen, ab wann man von Stalin als Diktator sprechen kann? (also eine Jahreszahl) Ich wurde bisher im Internet nicht fündig und auch meine Geschichtsbücher beschränken sich eher auf Details und Ablauf seiner Machtergreifung... kann man das überhaupt auf ein Jahr festlegen? Im gegensatz zum Kaiser oder Königtum gibts ja keine Krönung :) (super vergleich >.<)

    Ich warte mal ab was ihr dazu meint.

    LG
     
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  2. verena

    verena Neues Mitglied

    achso... ich hätte jetzt vielleicht auf 1929 getippt... aber schreibt mal was ihr dazu meint.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich würde auch 1929 sagen, wenn du eine genaue Jahreszahl brauchst. Wobei die Diktatur langsam aufgebaut (1924 bis 1929) wurde.

    Nach Lenins Tod bildete Stalin zunächst mit Sinowjew und Kamenew eine Troika gegen Trotzkij, den Lenin als Nachfolger favorisiert hatte. Es gelang Stalin, nach und nach alle seine Gegner auszuschalten: zunächst Trotzkij, danach Sinowjew und Kamenew, die sich der Opposition um Trotzkij angeschlossen hatten, und schliesslich Bucharin und Rykow. Bis etwa 1929 hatte er alle Gegner und oppositionellen Strömungen unterdrückt, die eigene Machtposition gefestigt und ein diktatorisches, autokratisches Regime errichtet.
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Es gibt unterschiedliche Angaben, ab wann Stalin Alleinherrscher war.
    - 1927. Kamenew und Sinowjew wurden 1926 aus der KP ausgeschlossen. (Dessen Initiator Grigori Ordschonikidse starb 1937 im Kreml angeblich an Herzinfarkt.) Trotzki wurde 1927 ausgeschlossen und 1929 ausgewiesen.
    - 1929. Bucharin wurde aus Politbüro entfernt.
    - 1939. Nach den Moskauer Schauprozessen von 1936-1938 wurden alle parteiinternen Widersacher oder angebliche Widersacher Stalinscher Politik liquidiert. Ab Dezember 1934 wurden "konterrevolutionäre" Parteigänger erschossen (Hintergrund Kirows Ermordung).
     
  5. verena

    verena Neues Mitglied

    Ich werde mir einfach mal die Zeitspanne merken. "Diktator" ist ja auch kein Amt sondern eher eine Bezeichnung/ein Titel.
     
  6. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Nach 1929 waren aber die kommenden Liquidierungen und Schauprozesse nur möglich, wenn es eine starke einseitige politische KP-Führung gab.
    Es kann also gut möglich sein, dass 1929 ein festes Datum sein könnte. 1934 erlebte Stalin eine "Wahlniederlage" auf dem 17. Parteitag der KP. Kirow bekam weniger Gegenstimmen als Stalin zur Wiederwahl ins ZK.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    zu einfach

    So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten.

    In der Folge des Angriffs der Wehrmacht auf Russland hat sich Stalin (depressiv?) auf seine Datscha zurück gezogen (vgl. Montefiori/Holl: Stalin).

    Eine Delegation des (Stavka oder Politbüro ich weiss es nciht mehr genau) soll in besucht haben. Als sie mit ihren PKW vorgefahren sind, hat Stalin wohl später berichtet, hat er befürchtet, sie würden kommen, um ihn zu verhaften.

    das Beispiel soll nur verdeutlichen, dass es auch in der Zeit der Stalinistischen Diktatur, keine "absolute" Machtposition gab auch nicht für Stalin.
     
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wenn du schon sagst dies sei zu einfach, dann müsste man das schon genauer herausarbeiten. Dabei sollte man zuerst den Begriff "absolut" definieren, dann das System un die Person Stalins.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Mir ging es lediglich um den Ausgangsbegriff "Alleinherrscher Stalin". Das Beispiel sollte nur einen Hinweis geben, dass das Machtgefüge einerseist stabil war und Stalin diktatorische Vollmachten hatte, die sicherlich im Sinne eines "Alleinherrschers" interpretiert werden konnten.

    Andererseits bot dieses "Unrechtssystem" aber auch immer die Möglichkeit des "Stärkeren", einen Diktator im Rahmen eines Putsches zu "entsorgen".

    Das Argument zielt auch darauf ab, dass auch in "Diktaturen", mit einem deutlichen Machtzentrum, es auch immer rivalisierende "Nebenzentren" der Macht gibt. Dass Stalin gerade vor diesen Gruppen eine besondere Furcht hatte, zeigten ja die Säuberungen auch und besonders in den höheren Kadern der KP.
     
  10. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Man darf auch nicht vergessen, das Stalin seine Macht systematisch installierte. Als Lenin z.B. nach seinem ersten Schlaganfall Stalin im August 1922 zu sich einlud, nahm der einen Fotografen mit und ließ sich mit Lenin in günstigen Situationen ablichten. Da begann er schon die Legende, er sei Lenins engster Vertrauter gewesen, aufzubauen. Ruhig und umsichtig festigte er seine Macht und das brauchte seine Zeit. Deshalb ist es wohl auch schwierig, einen wirklich festen Zeitpunkt festzulegen, ab wann die Stalinistische Diktatur begann. Er hat sich die Macht langsam erschlichen.
    In einer Anwandlung von Offenheit, wie er sich seiner Opfer zu entledigen pflegte, soll er mal gesagt haben: "Das Opfer wählen, den Schlag umsichtig vorbereiten, seine unversöhnliche Rache stillen und anschließend einen langen Schlaf tun."
     
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  11. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied


    Hier eines der Bilder: http://www.deutschlanddokumente.de/Bilder/wmrLeninStalin.jpg

    Bemerkenswert ist, dass die Fotos im Nachhinein so bearbeitet wurden, dass Lenin in einer eher liegenden Position zu sehen ist - ein Beispiel für die Bedeutung der Fotomontage für die Propaganda der damaligen Zeit. Leider muss ich einen Verweis auf das bearbeitete Foto schuldig bleiben, werde ihn aber nachliefern, sobald mir die Quelle wieder einfällt.
     
  12. segula

    segula Gast

    Wenn ich eine Jahreszahl nennen soll, so würde ich als unumschränkten Regenten das Jahr 1939 nach den Säuberungsprozessen angeben. Erst als Stalin sich der der alten Kampfgarde um Lenin entledigt und sich mit anderen Revolutionären umgab, war er in der Lage als einzig übrig gebliebener erfahrener Kämpfer und Schüler Lenins das alleinige Sagen zu haben.
    Selbst Stalins Todfeind Trotzki wurde auf Geheiß Stalins später noch in Mexiko durch einen Agenten mit einem Eispickel ermordet.
    Wie taktisch Stalin dabei zuging um zu dieser Situation zu gelangen, zeigt das Beispiel der Ermordung des beliebten Leningrader Funktionärs Kirow. Nachdem dieser auf dem Parteitag mehr Stimmen als Stalin erhielt, und das Ergebnis zu gunsten Stalins gefälscht werden musste, wurde Kirow ermordet. Die Ermittlungen zur Aufklärung dieses Verbrechen leitete typischerweise Stalin. Aber es kam zu Merkwürdigkeiten: wichtige Zeugen verunglückten tötlich oder starben anderweitig. Stalin war ja an einem Konkurrenten nichts gelegen. Das alles kann man in Chrustschows Geheimrede nachlesen. Die ganze Aktion artete aus und endete in den Säuberungsprozessen.

    Irgendwie erinnert das an Nero, der Rom angezündet haben soll, um einen Grund zur Christenverfolgung zu haben.
    Die Wurzeln dieses Personenkults liegt meines Erachtens in der Jugendzeit Stalins, der eine gewisse Zeit in einem Priesterseminar lernte, bevor er zu den Bolschewiki übertrat und vom Seminar flog.
    Bei den Priestern lernte er die ganze Problematik der Gottes- und Reliquienverehrung kennen. Meisterhaft hat er dieses Wissen dann in die kommunistische Politik eingeflochten.
    Spätestens nach seinem Tod wurde Lenin zum Gott stilisiert. Er, Lenin war der Unantastbare und geistige und praktische Initiator der Revolution und der kommunistischen Gesellschaft. Er war der unumstrittene Volksgott, und man konnte ihn sehen, indem man ihn in ein Mausoleum legte.
    Und Stalin waltete als "Schüler Lenins", eine Rolle die ihn als eine Art Messias (Jesus?) erscheinen ließ. Dadurch wurden die Zeremonelle der Bolsch. Partei immer "religiöser".
    Man erinnere sich nur an die tragisch dramatischen Aufführungen, wenn so ein Funktionär beerdigt wurde: das hätte kein Pope besser gekonnt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. August 2009
  13. Alagoano

    Alagoano Neues Mitglied

    "Soll wohl gesagt haben" kann man doch nicht akzeptieren. Das ist nichts.
    1924 wurde Stalin aufgrund meisterhafter Intrigen (u.a. Testament Lenins!) Generalsekretaer der Bolschewiki und war ab sofort Diktator. Dass er dann die eine Gruppe gegen die andere ausgespielt hat, diesen oder jenen sogar noch befoerdert, diente nur noch der Festigung seiner Diktatur, nicht der Errichtung derselben an sich.
    Ja, eigentlich war Stalin schon vor Lenins Tod seit dem Attentat der Kaplan der eigentliche Potentat, da er die Verbindung zu Lenin okkupiert hatte.
     
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Es fungieren auch Gerüchte, dass Stalin bei Lenins Tod etwas nachgeholfen hat.
     
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  15. Raquel Ibn Esra

    Raquel Ibn Esra Neues Mitglied

    Absolute Autokratie

    Robert Conquest nennt in seinem Buch "Der große Terror" das Februar/März-Plenum 1937 als Zeitpunkt, an dem Stalins Despotismus zur absoluten Autokratie wurde. Kamenew und Sinowjew sowie Pjatakow waren nach dem ersten bzw. zweiten Schauprozess hingerichtet worden, Ordshonokidze ermordet oder zum Selbstmord gezwungen, Trotzki war im Ausland, Tomski hatte sich selbst getötet und Bucharin und Rykow saßen bereits in der Ljubjanka. Der Weg war frei für die völlige Vernichtung der alten Oppositionellen. Mit der Aktion gegen Postyschew hatte er auch den ersten Schritt getan, um die Stellung jener Gruppe unter seinen Anhängern, die gehofft hatten, ihn aufzuhalten, zu untergraben und sie dann zu beseitigen.

    "Die entscheidende Veränderung zu diesem Zeitpunkt bestand darin, dass der letzte Rest von verfassungsmäßiger Verfahrensweise zu bewahren, gescheitert war." (Conquest) Jetzt musste Stalin keine Rücksicht mehr nehmen. Innerhalb von einem halben Jahr hatte sich die Lage grundlegend geändert. Im Herbst 1936 musste er noch viel argumentieren und Druck ausüben, um die Verhaftung und den Prozess potenzieller Rivalen durchzusetzen. Von nun an konnte er die Verhaftung seiner engsten Mitstreiter befehlen, ohne die Zustimmung von irgend jemandem einholen zu müssen. Er konnte zuschlagen, wann und wo er wollte, ohne dass es ein Rechtsmittel dagegen gab.

    Im Juni wurde dann die Elite des Oberkommandos der Roten Armee des Hochverrats beschuldigt. Am nächsten Tag schon verkündeten die Zeitungen, dass sie vor Gericht gestellt und hingerichtet worden seien.

    Anfang 1938 erfolgte eine zweite Verhaftungswelle unter hohen Offizieren ... usw. usf.
     
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  16. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ein paar Thesen und Gedanken zu einem komplexen und komplizierten Thema. Bei der Wahrnehmung einzelner Stränge der Historiographie drängt sich mir in letzter Zeit die Frage auf, in welcher Art die Interaktion von ideologischer Bewertung eines Themas ist und die damit zusammenhängende methodische Bearbeitung eines Gegenstands.

    Ausgelöst wurde es durch die Diskussion über die „Revision der Revision“ des Stalinismus.

    Es scheint derzeit einen zunehmenden Trend in der Historiographie zu geben, auf die Rekonstruktion von historischen Konstellationen im Rahmen eines kulturellen, kommunikativen Paradigmas (Schütz, Mead, Goffmann, Berger und Luckmann u.a.) abzustellen. Aktuell beispielsweise auch bei so unterschiedlichen Themen wie von Young: Japan`s Total Empire oder auch Neitzel & Welzer: Soldaten, zu finden.

    In diesem Kontext sind Analysen angesiedelt, die sich mit der Analyse der Sowjetunion beschäftigen, die ebenfalls auf dieses Paradigma abstellen und damit nicht nur neue Einsichten erzeugen, sondern auch die Frage einer Revision der Forschungsansätze aus dem Kontext des Kalten Krieges aufwerfen.

    Für diese methodisch neue Form der historischen Analyse der Sowjetunion können aktuell (seit den siebziger Jahren), so zumindest meine beschränkte Sichtweise, zwei zentrale Bereiche identifiziert werden. Zu einen betrifft es die stalinistischen Säuberungen der dreißiger Jahre im Rahmen einer „kulturellen Deutung“, ihre Dynamik und ihre Ursachen. In diesem Kontext sind beispielsweise die Arbeiten von Getty, Thurstone, Stites, Tucker und anderen angesiedelt. Und zum anderen betrifft es die Erklärung der sowjetischen Sicherheitspolitik von Lenin bis Gorbatschow im Rahmen des „Strategic Culture Paradigm“, auch die Periode vor dem Zweiten Weltkrieg, wie beispielsweise in den Arbeiten von Snyder, Heikka und den Beiträgen im Reader von Jacobsen deutlich wird (vgl. Links).

    Für beide Bereiche lassen sich mehr oder minder deutliche Konfrontationsmuster zu dem „traditionellen“ Interpretationsmuster, dessen Sichtweise m.E. noch stark durch den Kalten Krieg geprägt ist, finden.

    Erstaunlicherweise ist eine weitgehende Übereinstimmungen in der Bewertung der jeweiligen Bereiche vorhanden und auch von Seiten der sogenannten „Revisionisten“ (bezogen auf die stalinistischen Säuberungen) bzw. im Fall der Außenpolitische Doktrin der „Realisten“ werden keine Versuche einer Relativierung der stalinistischen Verbrechen oder seiner offensiven politischen Intentionen vorgenommen. Der zentrale Unterschied betrifft die methodische Sichtweise und damit die Offenlegung der Prozesse im Kreml.

    In diesem Sinne wird versucht, die Dynamik der damaligen historischen Situation zu rekonstruieren und Stalin, im Gegensatz beispielsweise zu Naimark oder Baberowski, nicht als isolierten, dämonischen Paranoiker zu präsentieren. Vielmehr Stalin, wie Getty es m.E. zutreffend formulierte, die Nomenklatura des Politbüros bzw. des Zentralkomitees prägte und beeinflußte und diese wiederum kollektiv Stalin prägten, wie beispielsweise auch dieser Prozess bei Chlevnjuk beschrieben. Verbunden ist damit nicht die Entlastung der Verantwortung von Stalin für viele Entscheidungen, allerdings wird für diese Periode!! die These von einer vollständigen Alleinherrschaft Stalins relativiert.

    Vor diesem Hintergrund ergeben sich gemeinsame Muster der Definition von „Sicherheit“ und ihrer Analyse. Sofern also das kulturelle Paradigma trägt, ergeben sich starke Beziehungen zwischen der individuellen Sicherheit, so wie Stalin sie für sich definierte, und der kollektiven Sicherheit, so wie sie die Nomenklatura, also im Wesentlichen die Protegés und Gefolgsleute Stalins, für sich individuell und als Gruppe definierten.

    In einem Akt der Universalisierung der individuellen Werte war diese zentrale politische Elite mit Beginn der dreißiger Jahre in der Lage, ihre spezifischen Sicherheitsinteressen als „Nationale Interessen“ der Sowjetunion zu definieren. Teils erleichtert durch die auf Lenin zurückgehende Interpretation der aggressiven Absichten der kapitalistischen Länder und wesentlich auch durch die zunehmende Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland.

    Aus der Definition des „Nationalen Interesses“ wird in einem weiteren Schritt der Universalisierung eine Definition der „“Nationalen Sicherheit“ vorgenommen und aus ihr die spezifischen Planungen im Rahmen der Außen- und Militärpolitik, der Fünfjahrespläne und auch im Rahmen der Inneren Sicherheit abgeleitet. Im Ergebnis folgte daraus eine defensive Außenpolitik in Kombination mit einer aggressiven Militärdoktrin und nach innen die Bekämpfung aller politischen Kräfte, die nicht eindeutig stalinistisch ausgerichtet waren oder sich strukturell auf einem anderen Kurs bewegten, wie der stalinistische „Modernisierungs- bzw. Industriealisierungskurs“ es vorgab. Und im „Holodomor“ ihren Anfang und den Säuberungen von 1937 ihren vorläufigen Höhepunkt fanden.

    Neu an dieser analytischen Sichtweise ist die „Entdämonisierung“ des Analysegegenstands, da die zentralen politischen Akteure im Rahmen ihrer subjektiven Wertehorizonte durchaus rationale Interessenvertretung betrieben haben. Das „Ernst“ nehmen der „subjektiven Welten“, in denen sich die Nomenklatura bewegte. Ohne dennoch die Distanz zu verlieren.

    Das letztlich ungeheuerliche Resultat ihrer Handlungen sollte man durch eine präzise Analyse offen legen und nicht durch die Anlehnung an das Vokabular der forensischen Psychiatrie. Verbrechen kann man beschreiben, indem man sie „transparent“ macht, wie Kogon es eindrucksvoll demonstriert hat.

    selektive Beispiele
    Jacobsen:
    Strategic power: USA/USSR - Carl G. Jacobsen, Ken Booth, David R. Jones - Google Bücher
    Heikka:
    http://www.bits.de/EURA/heikka.pdf
    Snyder:
    http://www.rand.org/pubs/reports/2005/R2154.pdf
    Getty
    The Road to Terror: Stalin and the Self-Destruction of the Bolsheviks, 1932-1939 - J. Arch Getty, Oleg V. Naumov, Benjamin Sher - Google Bücher
    Stites
    Revolutionary dreams: utopian vision and experimental life in the Russian ... - Richard Stites - Google Bücher
    Baberowski
    Der rote Terror: die Geschichte des Stalinismus - Jörg Baberowski - Google Bücher
    Naimark
    Stalin's genocides - Norman M. Naimark - Google Bücher
    Chlevnjuk
    Das Politbüro: Mechanismen der politischen Macht in der Sowjetunion der ... - Oleg V. Chlevnjuk - Google Bücher
    Kogon
    Der SS-Staat: das System der deutschen Konzentrationslager - Eugen Kogon - Google Bücher
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Februar 2012
    hatl und Der Korinther gefällt das.
  17. julius152

    julius152 Neues Mitglied

    Ich würde auch sagen, dass Stalin ab seiner Ernennung zum Generalsekretär der KPdSU als Diktator bezeichnet werden kann. Ich denke auch wenn Stalin so gut wie alle seine Feinde ab 1939 eliminiert hatte, war er doch schon vorher Alleinherrscher über den Machtapparat der KPdSU und damit Diktator. Jeder sog. Diktator hatte innerhalb seiner Leute irgendwo Feinde, sei es nun Mao, Stalin oder Hitler. Davon würde ich die Definition eines Diktators nicht ausmachen. Wenn eine Person an der Spitze einer totalitären und auf Personenkult ausgerichteten Struktur steht, spricht man von einem Diktator. Dies war bei Stalin ab 1922 der Fall, deswegen würde ich ihn ab diesem Zeitpunkt als Diktator einordnen.
     
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bedauerlicher Weise geht dieses mutige Statement zur "Diktatur" völlig am Problem vorbei. Und ich hätte mir auch nicht die Mühe des Beitrags gemacht, nur um festzustellen, dass Stalin eine Diktatur oder ein totalitäres Reegime etc. betrieb. Das wäre doch ein wenig trivial.

    Deine Äußerung dokumentiert aus meiner Sicht aber auch Unkenntnis über die unterschiedlichen Konflikte in der KP in den zwanziger und dreißiger Jahren. Sowohl im Zentrum als auch in der Beziehung zur Peripherie.

    Zudem ist mein Beitrag auch kein Vorschlag zur Klassifikation der Regierungsform der Sowjetunion gewesen. Vielmehr geht es primär und ausschließlich darum, wie sich kollektive Wertvorstellungen in den Spitzengliederungen der KPdSU herausgebildet haben.

    Und dieses kollektive Muster hat sich von Lenin, über Stalin, zu Chruschtschow und zur Brezhnv-Ära verändert. Und genau um diese Form der unterschiedlichen Mechanismen zur Konstruktion des Weltbilds der Nomenklatura geht es.

    Unter anderem in den Analysen zur Sicherheitspolitik.

    OT: Nebenbei ein Aspekt, der sehr ähnlich auch für das Dritte Reich thematisiert wird und eine Vielzahl von rivalisierenden Machtzentren kennt, obwohl auch Herr Hitler ein Diktator war, neben dem "Genossen-Diktator" Stalin.

    ps Und wenn man Politikwissenschaft studiert und sich für das Thema interessiert, dann würde ich zunächst eigentlich erwarten, dass Du Dich mit den dort vorgetragenen Argumenten - in den Links/Pdf - auseinandersetzt. Gerade weil es ein Thema ist, das gerne für politische Agitation mißbraucht wird, was Du ja ablehnst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2012
  19. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    In einem durchaus interessanten Artikel, stellt Tucker, Stalin in die Kontinuität des zaristischen Russland.

    Stalinismus vor dem Zweiten Weltkrieg - Elisabeth Müller-Lückner - Google Bücher

    Das betrifft zum einen die zentralistische, autokratische Stellung der Zaren, die dominante Stellung des Staates bei der Modernisierung Russlands, aber auch in Bezug zur "rückständigen" gesellschaftlichen und kulturellen Struktur Russlands (wie bei Figes hervorragend beschrieben). Und dem Druck, eine Modernisierung erfolgreich durchzuführen, um seiner Rolle als einer der großen, unabhängigen europäischen Mächte weiterhin gerecht zu werden.

    “Die” Tragödie eines Volkes: die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 - Orlando Figes - Google Bücher

    Vor diesem historischen Hintergrund initierte Stalin in den zwanziger und dreißiger Jahren einen Prozess, um seine Macht gegenüber den "alt-Bolschewiken" durchzusetzen und die Rolle der Partei zu beschränken. Das zielte im wesentlichen auf die Reduzierung der kollektiven Führung in den Spitzengliederungen ab.

    Einen Meilenstein in der Geschichte dieses Konflikts bildete der 17. Parteitag, der "Parteitag der Sieger", wie er genannt wurde.

    XVII. Parteitag der KPdSU ? Wikipedia

    Bei den Wahlen, die während des Parteitags stattfanden, zum ZK stimmten von den 1225 Delegierten lediglich 3 !!!!!! gegen Kirow und rund 270 Delegierte gegen Stalin.

    Der Hintergrund für diese massive Tendenz gegen Stalin, den Tucker referiert (S. 11), ist dass eine Gruppe prominenter Delegierter Stalin abwählen wollte von seinem Posten als Generalsekretär und stattdessen Kirow, den sehr populären Parteisekretär aus dem extrem prestigeträchtigen Leningrad / St. Petersburg an seiner zu wählen.

    Kirow wollte sich an dieser Aktion nicht beteiligen und Stalin erfuhr von der "Verschwörung". Noch im Dezember 1934 wurde Kirow in Leningrad, sehr wahrscheinlich auf Stalins Anordnung, ermordet.

    Und diese Ermordung bildetete den Ausgangspunkt für die anschließenden Verfolgungen und Schauprozesse, zunächst bis ca. Ende 1938.

    In der Folge wurden zu einem hohen Prozentsatz die Teilnehmer des "Parteitags der Sieger" zu den vorrangingen Opfern der Säuberungen. Und erst zu diesem Zeitpunkt gelang es Stalin seine Macht nachhaltig zu festigen, weitgehend ohne die Opposition der alten Bolschewiken zu fürchten.

    Relevant ist, dass die Aussage von Julius152 für die Zeit nach 1939 sicherlich deutlicher zutrifft, aber bis zu den Prozessen in 1937 war Stalin in seiner Position latent durchaus gefährdet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2012
  20. fioravanti

    fioravanti Neues Mitglied

    Eine sehr komische Frage. Niemand ist auf die Idee gekommen, dass Diktator soll Alleinherrscher sein, dh er soll Instrumente zur Macht haben. Ein Parteisekretär, sei es auch Generalsekretär ist keinesfalls Diktatorposten: alle Entscheidungen sollten im Politbüro getroffen werden. Auch Lenin war kein Alleinherrscher, wenigstens, nicht darum Alleinherrscher, weil er Generalsekretär der Partei war. Lenin war ausserdem der Vorsitzende des Allrussischen Exekutivkommittee, so etwas wie der Minister-Präsident. Kurzum, erst 1939, als Stalin zu Vorsitzenden des Obersten Sowjets der UdSSR wurde, kann die Rede von der Stalins Diktatur sein. Wenn überhaupt.
     

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