Am öftesten zerstörte Stadt

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Nergal, 25. März 2010.

  1. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Inzwischen finde ich die Frage ganz gut, da man einiges über die Standortqualität und Siedlungskontinuitäten erfahren kann.
    Außerdem sollte für Archäologen interessant sein, wo man ganze Städte ausgraben kann, weil nicht wieder überbaut wurde oder wo man nur mit Glück eine Notgrabung in einer Baugrube machen kann.
    Wie oft wurde z.B. Köln teilzerstört? Und warum wurde Pompeji nicht wieder aufgebaut?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Weil es unter einer meterdicken Schicht Vulkanasche lag. In Herculaneum war's noch ein bisschen heftiger. Was man links und rechts dieser Gebäude sieht (die zum Komplex der Villa dei Papiri gehören), ist alles Vulkanasche:
    http://lh6.ggpht.com/_jFEMHN4w0rY/SF0JrXhT4BI/AAAAAAAAAQQ/q-uQ9O16t5w/2005_1210Image0023.JPG

    Wie gesagt, bei Pompei war's nicht ganz so extrem, aber reicht doch:
    http://farm2.static.flickr.com/1151/1053193230_8740cdc74d.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. März 2010
  3. Thomas Trauner

    Thomas Trauner Neues Mitglied

    Wenn es darum geht:
    dann fahr nach Petra in Jordanien. Nur einmal im 4.Jh. durch ein Erdbeben zerstört, das aber gründlich. Keine Überbauung seitdem....
    Kann man/frau lange diskutieren, warum nicht....

    Thomas
     
  4. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Interessant ist das für uns allemal, aber solche Großgrabungsprojekte sind in der heutigen Zeit fast nicht mehr zu finanzieren.
    Einige Bsp dafür sind:

    • Die Heuneburg
    • Manching
    • Waldgirmes
    • Hattuscha
    • Troja
    • uvm
    Ich kenne zumind. fast keine "Stadt" bzw. Siedlung die komplett ausgegraben wurde bzw. wo solche Unternehmungen geplant sind.
    Dafür sind auf der einen Seite die schwierige finanzielle Situation verantwortlich zu machen, ein weiterer und sehr wichtiger Punkt ist, dass man versucht für die nächsten Generationen von Archäologen die Fundorte zu erhalten um dann mit besserer Methodik noch mal heranzugehen.
    Außerdem muss man auch nicht mehr unbedingt alles ausgraben, dank moderne Zerstörungsfreier Prospektionen wie Geophysik.

    Dafür braucht es aber eigentlich keine kompletten Ausgrabungen, wenn denn eine gute Stratigraphie vorhanden ist.
    Außerdem bedient man sich auch hier mittlerweile vielfach naturwissenschaftlicher Methoden aus den Bereichen der Geographie (z.B. Geographische Informationssystem zur Beantwortung prähistorischer Raumnutzung z.B., Bodenkunde, Klimakunde), Biologie(z.B. Archäobotanik und -zoologie).
     
  5. Thomas Trauner

    Thomas Trauner Neues Mitglied

    Geist, da hast du völlig recht.
    Wenngleich doch Ausgrabungen trotzdem nötig erscheinen. Feinchronologie geht oft halt wirklich nur anhand von Strathigraphien.

    Wir haben z.b. in Petra die Fläche von zwei Häusern ergraben. Das Ergebnis war die erste Feinchronologie nabatäischer Keramik, vor allem weil wir "vorgeschichtlich" und nicht "klassisch archäologisch" vorgingen, sprich auch unter die ersten erkannten Laufhorizonte blickten.
    Oder man denke an die Schlangenfibel-Chronologie der Heuneburg. Kann man diskutieren, aber damit lagen, im Gegensatz zu den Grabfunden auch die ersten Stratigraphien für diesen Fibeltyp vor.
    (Was ja bekanntlich sehr hilft, andere (Teil)Grabungen zeitlich konkreter einzuordnen, quasi als "Leitfossilien")
    Großgrabungen braucht es jedoch nur für das Erfassen der Siedlungsfläche gottseidank nicht mehr.

    Wg. der "Rekorde".: Wenn mich nicht alles täuscht, gilt Damaskus als die am längsten durchgängig besiedelte Stadt.

    Thomas
     
  6. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Mitglied

    Nochmal zur generellen Frage von Siedlungsaufgabe eines Handelsstandortes: wichtig ist ja auch immer (egal ob Lieferant oder Handelsumschlagsplatz), wer mit was beliefert wird. Wenn der Handel stark von einem Rohstoff/Warengruppe abhängt, ist natürlich von Interesse an wen das verkauft wird, ob die Leute vielleicht platt gemacht werden.
    Wenn man niemanden mehr hat, ders kauft, macht Handelsumschlagplatz auch keinen Sinn ;)

    Und wieder konkreter: fällt jemandem von euch ein Handelsgut ein, das tatsächlich nur an so eine begrenzte Anzahl geliefert wurde?

    Meine erste Reaktion auf diese Frage war ein altkluger Kommentar zu mir selbst, dann bemerkte ich, dass ich von den wenigsten antiken Warengruppen alle (oder mehrere) (oder einige) Endpunkte kenne.

    Geht euch das anders?

    EDIT:
    z.B. Bernstein: klar, Ägypten, und vorher auf dem Weg das ganze Mittelmeergesocks... Aber schon was die heutigen Länder Spanien oder Frankreich angeht, fallen mir keine Städte ein, die auf der Handelsroute liegen. Naja, archäologische Vergleiche quer durch Europa waren nie etwas, was ich auswendig kann :(
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2011
  7. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich verstehe nicht so ganz, wie du das meinst. Wir suchen doch hier Städte, die oft zerstört und wiederaufgebaut wurden. Solche Siedlungsplätze müssen sich daher an attraktiven Standorten befunden haben, sonst wären sie nicht so begehrt und umkämpft gewesen und irgendwann wären die Bewohner endgültig geflohen und der Ort wäre "wüst" gefallen.
    Ein allgemeiner Handelsplatz ist meist nicht nur von einer Ware abhängig.
    Eine Siedlung an einem Salzlager z.B. wird wahrscheinlich aufgegeben, wenn der Bodenschatz erschöpft ist oder sich die Nachfrage ändert.
     
  8. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Mitglied

    Ich meinte ein richtiges Handelszentrum...
    Aber Du hast recht, mit der Frage von Verteilung von Handelsgütern bin ich vom Thema abgekommen, tut mir leid.
     

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