Amerikanischer Faschismus

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von PostmodernAtheist, 14. Oktober 2021 um 13:07 Uhr.

  1. Wie beliebt war eigentlich Hitler und der Faschismus in Amerika? Laut einem Artikel den ich gelesen habe größer als man denkt. Dann war es wohl doch ein radikal linker Schritt als Captain Amerika schließlich "dem alten Adolf" eine gezimmert hat.

    Hitler's Influence in the US Was Greater Than You May Think | Time

    Interessante parallele zu heute ist auch der Isolationismus.
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Es gab eine nicht zu unterschätzende Zahl bekennender Nationalsozialisten in den USA. Bsp:

    1939 Nazi rally at Madison Square Garden - Wikipedia

    Aber es waren mWn nicht genug, um Einfluss auf die US-Politik zu nehmen*. Das Problem beim Kriegseintritt der USA war, wie du sagst, eher die isolationistische Haltung, das Kriege in Übersee die USA nichts angehen, nicht die Sympathie für die Achsenmächte. Wobei der Krieg USA vs Deutschland zumindest technisch damit begann, dass Hitler den USA den Krieg erklärte... ;)

    * Also alleine, und in Fragen der Außenpolitik.
     
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  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Stellt sich die Frage, wie viel der Durschnittsamerikaner überhaupt über die realen Verhältnisse in Deutschland wusste. Wenn man sich anschaut, wie sehr sich das NS-Regime im Rahmen der Olympischen Spiele 1936 ins Zeug legte um der Welt Potemkin'sche Dörfer zu präsentieren, wahrscheinlich nicht all zu viel.

    Ansonsten entsprachen die Rasseideologischen Anschauungen der Nazis im Großen und ganzen ja ohnehin einer damals populären sozialdarwinistischen Strömung, die in den Staaten für sich genommen ja bereits vor den Nazis nicht nur Populär war, sondern spätestens seit der "Reconstruction Era" im Gefolge des Bürgerkrieges mit der Einfühung der "Rassentrennung" auch ein ganzen Stück Gesetzesrang erhalten hatte.

    Ansonsten erlebten eben auch die USA die Weltwirtschaftskrise in ab den 1920er Jahren, aber als ein Land, dass im Gegensatz zu den europäischen Gesellschaften bereits vorher ein klassisches Einwanderungsland war und auch im Zuge der Entwicklung um den Ersten Weltkrieg herum nochmal deutlichen Einwanderungsschub zu bearbeiten hatte, wobei sich Herkunft und andere Merkmale zunehmend von denen der klassischen Auswanderer in die USA unterschieden, insofern die Einwanderer im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nicht mehr vornehmlich englischsprachige Protestanten wurden, sonder neben den Deutschen Einwanderern auch zunehmend Armutsmigranten aus Italien und Osteuropa, in den letzten Jahres des Zarenregimes wegen der dortigen Übergriffe und Pogrome vor allem auch zunehmend jüdischer Individuen aus den Territorien des ehemaligen Zarenreiches dazu kamen, so wie noch einmal eine Welle von Einwanderer im Besonderen aus Osteuropa, die am Ende des 1. Weltkriegs, auf Grund der Wirren des russischen Bürgerkrieges etc. ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen hatten.
    In den 1920er und 1930er Jahren folgten dann noch von den jeweiligen Regimes verfolgte Personen aus Italien und Deutschland.

    Das zusammengenommen führte natürlich zu sozialen Spannungen und in der Bevölkerung zu einer zunehmenden Skepsis gegenüber weiteren Einwanderern.
    Das schlug sich natürlich in den Diskursen und der politischen Kultur wieder.
    So avancierte etwa der Kl-Klux-Klan, unter anderem dadurch, dass er reichlich Ressentiments gegen jüdische und katholische Einanderer schürte und parolierte in den 1920er Jahren zu einer regelrechten Massenorganisation:

    Ku-Klux-Klan – Wikipedia

    Hinsichtlich einer gewissen xenophoben, auf sozaildarwinistischen Sentiments basierenden Haltung stand ein guter Teil der US-Amerikanischen Bevölkerung damit mindestens mal teilen der rasseideologischen Politik Deutschlands geistig sicher nahe (allerdings ohne dass man Kenntnis von den konkreten Auswirkungen oder Zustimmung dazu wird voraussetzen können).

    Dann darf man natürlich nicht vergessen, dass viele in den Staaten lebende Menschen erst in erster oder zweiter Generation in den USA lebten, es entsprechend auch relativ starke deutsch-amerikanische und italoamerikanische Communitys gab, deren Mitglieder vielleicht nicht unbedingt mit dem Faschismus etwas anfangen konnten, die aber sehr wohl noch familiäre und kulturelle Bindungen an Deutschland und Italien hatten und diese um politischer Fragen Willen nicht aufgeben wollten.

    Es gab auch einzelne dezidiert faschistische oder den italienischen Faschismus oder den NS imitierende Organisationen, wie etwa den "German-American Bund"( German American Bund - Wikipedia ), die sich konsequent hinter die Politik der entsprechenden Regimes stellten.
    Deren Mitgliederzahlen blieben aber überschaubar, im Besonderen auch, wenn man sie mit dem Ku-Klux-Klan in diesem Zeitabschnitt vergleicht.

    Insofern würde ich meinen, dezidierte Fans Hitlers und Mussolinis in den Vereinigten Staaten waren vorhanden, ihre Zahl aber überschaubar.
    Ansonsten hatten die USA ihre eigenen sozialen Probleme zu bewältigen, was zu xenophoben und rassistischen haltungen von erheblichen Teilen der Bevölkerung führte, die sich im Besonderen im Süden auch in die vorherigen Traditionen des Landes und seiner Rechtssetzung einfügten, aber man wird diese schwerlich als dezidirte Anhänger europäischer Spielarten des Faschismus oder des NS betrachten können, sondern die hatten schon die spezifisch US-Amerikanische Situation im Auge.


    Ich weiß nicht, ob man sinnvoller Weise von "Isolationismus" sprechen kann, weil das bedeutet hätte, sich strikt auf das eigene Land zu beschränken.
    Richtig ist sicherlich, dass die Offiziellen USA und diie Bevölkerung lange eine Aversion dagegen hatten in Europa irgendwelche Verpflichtungen zu übeernehmen und eine dauerhafte Präsenz dort zu unterhalten.
    In Lateinamerika und Ostasien (Philippinen, diverse Pazifikinseln), sieht das aber ganz anders aus. Das in den USA nicht viel Begeisterung für ein Engagement in Europa herrschte, mag an den entsprechenden Einwanderer-Communities liegen, derenn Mitglieder nicht unbedingt scharf darauf waren gegen Länder an die sie noch persönliche Bindungen welcher Art auch immer hatten, Krieg zu führen, es mag zum anderen Teil auch einfach damit zusammenhängen, dass jedenfalls vor 1938-1939, in machtpolitischer Hinsicht eigentlich Ostasien gegenüber Europa der dynamischere Raum war, von dem sich auch antizipieren ließ, dass hier eher als in Europa amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen würden.
    Japan begann seine Expansionspolitik 2 Jahre bevor Deutschland in Europa Krieg anzettelte und auch ein halbes Jahr, bevor es auch nur zur Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland gekommen war.

    Demgegenüber konnten Deutscherseits die Außenpolitischen Schritte, bis hin zum "Münchner Abkommen", dem Ausland noch als immerhin teilweise berechtigte Revisionspolitik ohne weiter gespannte Ziele verkauft werden, während Japan, bereits mehr oder minder im Besitz Koreas, der Mandschurei, so wie Formosas sich gerade anschickte, sein damit ohnehin schon beträchtliches Kolonialreich durch zugewinne in China nochmal massiv auszubauen und damit amerikanische Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen zu unterlaufen,

    Wenn man die späte Bereitschaft in Amerika registriert, etwas gegen Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien zu unternehmen, mag es sein, dass das weniger einer konsequent isolationistischen Haltung war, sondern es von diesen Voraussetzungen her zunächst mal bis 1939 nicht unsinnig gewesen wäre, in Japan eine größere akkute Bedrohung der eigenen Interessen zu sehen und sich liber zunächst damit auseinander setzen zu wollen.
    Wenn wir dann gleichsam noch sozialdarwinistische Sentiments in weiten Teilen der US-Amerikanischen Bevölkerung voraussetzen, dürfte die "Gelbe Gefahr" auch ein wesentlich einfacher zu vermittelndes Feindbild gewesen sein, als Deutschland und Italien, im Besonderen im Kreise der Deutsch-Amerinakischen und Italoamerikanischen Einwanderergesellschaften, in denen sich diese Länder nicht so einfach dämonisieren ließen und die demographisch ein hinreichendes Gewicht hatten, dass auf ihre Befindlichkeiten im hinblick auf Wahlen Rücksicht genommen werden musste.
    Man wird da schon, zumal die Nachrichtenwege ja deutlich langsamer waren als heute, unterstellen können, dass um die US-Bevölkerung für ein Engangement gegen Deutschland und Italien zu begeistern und nch den Erfahrungen des 1. Wetkriegs nochmal reichlich Mittel aufzuwenden, auf deren Rückerstattung man gegebenenfalls sehr lange warten würde und das im Angesicht der gerade erst einigermaßen überstandenen Wirtschaftskriese, es schon nötig gewesen sein wird, Deutschland in der Wahrnehumung der Bevölkerung mal zu einer mindestens so großen Bedrohung wie Japan werden zu lassen.
    Das wird vor der Niederlage Frankreichs und dem Überfall auf die Sowjetunion, so lange man Deutschland einigermaßen begrenzte revisionistische Ziele unterstellen konnte, schwerlich zu leisten gewesen sein, aber wenn man hinterfragen möchte, warum es so lange dauerte in Amerika annähernd die Bereitschaft zu erzeugen sich damit auseinanderzusetzen, wäre ein Erklärungsansatz, dass mindestens bis 1939, es aus amerikanischer Perspektive sinnvoller war, die Bedrohung der eigenen Interessen im Westen durch Japan am ehesten gegeben zu sehen und den eigentlichen Feind dort zu vermuten.
    In ähnlichem Sinne, wäre möglicherweise auch noch über die Sowjetunion nachzudenken, deren Verhältnis zu den USA im Gefolge des US-Amerikanischen Eingreifens in den russischen Bürgerkrieg, der damaligen Entsendung amerikanischer Intterventionskräfte nach Sibirien, der tendenziellen, wenn auch begrenzten Unterstützung der Entente und assoziierten Mächte für die "Weißen Armeen" und für Polen, so wie andersherum die Nichtanerkennung der russischen, durch kriegsbeedingte Kreditaufnahmen bei den USA aufgelaufenen Schulden des Zarenreiches auf der anderen Seite, seit den 1920er Jahren nicht unbedingt besonders herzlich war.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ein prominenter Sympathisant des NS war Charles Lindbergh. Er war als prominenter Flieger bei Besuchen in Deutschland sehr von Hermann Göring hofiert worden, der ihm das Großkreuz des Deutschen Adlerordens verliehen hatte. Nach einigen Besuchen in Deutschland war Lindbergh vom Dritten Reich recht angetan, und er gehörte bis 1941 zu den prominentesten Fürsprechern für einen isolationistischen Kurs der USA. 1941 hielt er eine berüchtigte Rede, in der er sich zur These verstieg, dass es nur drei Kriegstreiber gäbe: Die Briten, die Juden und die Regierung Roosevelt. Diese Rede brachte Lindbergh den Ruf ein, ein Antisemit und Sympathisant der Nazis zu sein. Als er sich für eine aktive Verwendung im Kriegseinsatz bewarb, wurde ihm das zunächst verweigert, wegen seiner politischen Einstellung.
    Charles Lindbergh – Wikipedia
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Faschistoide Haltungen / Einstellungen / Tendenzen (auch rassistische und antisemitische) im amerikanischen Militär hat Norman Mailer in seinem Roman über die Eroberung einer fiktiven, von japanischem Militär besetzten Insel im Zweiten Wektkrieg thematisiert.
     
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Henry Ford schrieb den Schmöker "Der internationale Jude". Er soll Hitler, Himmler und andere Nazigrößen inspiriert haben. Die Fordwerke waren auch am Aufbau der Wehrmacht beteiligt. 1938 war Ford der erste Amerikaner der mit dem "Adlerschild des Deutschen Reiches" ausgezeichnet wurde.
     
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  7. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Philip Roth hat das als alternative Zeitlinie in seinem Roman "Verschwörung gegen Amerika" thematisiert:

    Amerika 1940. Charles Lindbergh, Fliegerheld und Faschistenfreund, verbucht bei den Präsidentschaftswahlen einen erdrutschartigen Sieg über Franklin D. Roosevelt. Unter den amerikanischen Juden breiten sich Furcht und Schrecken aus – auch bei der Familie Roth in Newark. Aus der Sicht des 8-jährigen Philip schildert der Autor, was passiert wäre, wenn ...
     
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke für die interessante Spur, der ich ein wenig nachgegangen bin.
    Ford schrieb den Schmöker nicht selbst, war aber der Produzent.
    1919 kaufte er die Zeitung „Dearborn Independet“ und führte sie zumindest als Marke fort. Produziert wurde die Wochenzeitschrift nun im Ford Traktorenwerk. (Das ist ja irre. Wollte man so eine Geschichte erfinden, man müsste blödeln.)
    Der Independent beginnt sofort eine antisemitische Kampagne, publiziert die „Protokolle der Weisen von Zion“ und beschwört eindringlich die Gefahr einer jüdischen Weltherrschaft.
    Der Independent ist nicht nur am Kiosk zu erhalten, er liegt verpflichtend bei den Ford-Händlern aus, und trägt bald den darüber liegenden Titel „The Ford International Weekly“.
    Aus den bisherigen Beiträgen des Ford'schen Propagandablattes entsteht Oktober 1920 „The International Jew“. Während in den USA nicht der Name Ford als Autor erscheint, wird in vielen Ländern auf dem Buchtitel „Henry Ford“ als Urheber dargestellt.
    Henry Ford, der amerikanische Volksheld der Tüchtigkeit und hohen Löhne, beendet ab 1922 die antisemitische Kampagne um sie ab 1924 - 1927 wieder aufzunehmen.
    Mit dem gleichen Tenor: Die Juden streben nach der Weltherrschaft. Der weiße Mann geht unter. Es bleiben womöglich nur Slawen, Neger und Juden übrig. Und wer dann die Herrschaft übernimmt ist ja wohl klar.
    1927, wird eine 1-Mio Klage gegen ihn erhoben wegen übler Nachrede. Die Summe ist für ihn nicht sehr erheblich, doch muss vom Model-T auf Model-A gewechselt werden. (Eine Kraftanstrengung vergleichbar mit VWs Wechsel vom Käfer zum Golf). Ford entschuldigt sich mit großer Presse.
    Mit dem Verlust des Vorteils als einziger eine Großserie verwirklichen zu können, achtet er nun verstärkt auf sein öffentliches Image in den USA.
    Was ihn nicht davon abhält 1938 die, von Dir genannte, Auszeichnung Hitlers anzunehmen. Dies an seinem 70. Geburtstag. Er ist der erst vierte Empfänger und findet sich dabei in der Gesellschaft von Mussolini.
    Ford wird auch nach dem 2. Weltkrieg ein übler Zeuge für das Machwerk der Ochrana „Die Protokolle der Weisen von Zion“ bleiben.
    (ich beziehe mich auf - David L. Lewis – The Publik Image of Henry Ford - Chapter 9)
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2021 um 00:32 Uhr
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  9. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich wusste nicht, dass Ford "nur" der Herausgeber und nicht der Autor dieses anti-semitischen Schinkens war. Danke für die Info.
    Das verstehe ich nicht. wiki listet eine ganze Reihe von Empfängern dieses Bembels auf. Ford ist demzufolge Nummer soundsoviel40. Mussolini finde ich gar nicht in dieser Liste.
     

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