Án Rafael: Kohlenbergbau da und dort

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von G. Agricola, 12. Januar 2005.

  1. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Rafael bemerkte:

    > Kobolde sind dennoch lustig...

    Ich weiß. Meine Bemerkung über Irland war auch streng auf den Bergbau bezogen (siehe letztes Buch in Agricola "De Re Metallica").

    Und Rafael stellte folgende Frage:

    > An Agricola:
    > Ich versuche, ohne dass ich irgendwie
    > eine Ahnung habe, ob man an folgenden
    > Plätzen damals überhaupt Bergwerke
    > betrieb, die Frage zu beantworten:

    1. Oberschlesien: Kattowitz?
    2. eine Stadt in Böhmen
    3. Ruhrgebiet: Essen, Düsseldorf

    Was meint "damals"? Im Mittelalter?

    Da der Bergbau auf Kohle (Braunkohle oder Steinkohle) und Eisen im Mittelalter i.a. meistens nicht zu den sog. Bergbau-Regalien gehörte, ist es schwer, genauere Angaben zu finden. Oft haben Bauern einfach nach Kohle gegraben. Es gibt Ausnahmen, wenn, wie z.B. im Siegerland, wo das Recht zur Gewinnung von Eisen eine Art von Grundeigentum war. Entsprechendes gilt oft auch für den Steinkohlenbergbau.

    Was die Steinkohlengewinnung an der Ruhr angeht, so wird diese AFAIK schon 1317 erwähnt und 1369 wurde der Fürstabtissin von Essen (?) von Karl IV. das Recht verliehen, Kohle abbauen zu lassen. Aber schau doch mal nach bei:

    http://www.blickpunktruhr.de/Info/kohle.html

    Schmiede der freien Reichsstadt Dortmund nutzen Kohle aus dem Muttental, nicht weit vom alten Bochum.

    Eine weitere Frage war:
    >
    > Da gab es doch was in östlicher Richtung
    > von uns mit dem heiligen Annaberg?...
    > Gibt es auch noch Tipps? *fleh*

    Annaberg?

    http://www.streifzuege-online.de/chronik/annaberg/jenisius/2/16jh9.htm

    Böhmen/Schlesien?

    http://ladekzdroj.w.interia.pl/kopalnia1.html

    In der Zeitschrift "Technikgeschichte" gibt es übrigens in Nr. 2/1999, S. 87 ff. einen interessanten Aufsatz von Gericke, Hans O.: "Die Verwendung von Koks bei der Erzverhuettung im mitteldeutschen Raum um 1584"

    Die beiden Wikipedias (Englisch und Deutsch) haben da auch einige Informationen über Bergbaugeschichte.

    Glückauf

    G. Agricola
     
  2. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Hallo Agricola,

    Ich danke Dir für die vielen Informationen, die meinen Horizont um einiges erweitern. Ich muss gestehen, dass ich mich, obwohl zwar Interesse da ist und jemand aus der Familie im Bergbau tätig ist, nicht viel mit der Geschichte des Bergbaus beschäftigt habe.

    Glückauf

    Rafael

    P.S: Kennst du vielleicht so etwas wie eine Entstehungsgeschichte zu dem Gruß "Glückauf"? Vielleicht steckt ja noch etwas interessantes hinter dem Augenscheinlichen.
     
  3. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    :kratz: Nein, leider weiß ich nicht genau, woher dieser Gruß stammt. Es gibt einige Theorien.

    Sagen wir mal so: Die Gelehrten sind sich (noch) nicht einig.

    Glückauf

    G. Agricola
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Bei Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten gibt es eine ganze Seite dazu.
    Das Wesentliche ist hier genannt:
    Der Text "Wache auff, der Steyer kömmt" im erzgebirgischen "Bergliederbüchlein", um 1700 in Freiberg in Sachsen gedruckt. Strophe 3. und 4. ähnlich schon als 11. und 12. Strophe des Liedes "Es soll ein Meidlein frü auf stan" in den "Bergreihen" I, Zwickau 1531 Text und Melodie aus dem Bergischen in Erk-Irmers "Deutschen Volksliedern" I 2, Berlin 1838. In Verbindung mit der Weise "Ich ging im Walde so für mich hin , sind die obigen Worte (ohne "beider Nacht") von Ludwig Erk in seiner "neuen sammlung deutscher Volkslieder" II 4/5, Berlin 1844, veröffentlicht
    http://www.google.de/search?q=cache...+auf+stan"+&num=20&hl=de&lr=&ie=UTF-8&strip=0
     
  5. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Ja, da hast Du recht, Mercy,

    das Bergliederbüchlein aus dem Jahre 1700 kenne ich, und über den "Bergreihen" habe ich auch schon gelesen. Aber über eine schlüssige Erklärung des Wortes "Glückauf" bin ich noch nicht gestolpert. Die Erklärung, die Bergleute (bisher) in ihrer Mehrzahl akzeptieren, scheint zu sein: Möge sich Dir das Glück auftun, nämlich das Glück, einen höffigen Gang aufzutun.

    Aber, wie gesagt, sicher ist das nicht, denn andere akzeptieren die Bedeutung: Möge Dir das Glück beschieden sein, wieder nach über Tage zu kommen.

    Glückauf

    G. Agricola

    PS: Zu den interessanten Befunden der Bergbau-Archäologie gehört die Tatsache, daß im frühen Mittelalter unter Bergleuten die Wurmkrankeiten und der Fußpilz sehr verbreitet waren.
     
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    die Wissenschaft hat festgestellt

    Art. GLÜCKAUF in Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten

    ,Glückauf!' ist das Grußwort der Bergleute. Es ist im Barockzeitalter entstanden und im Bereich des kursächsischen Bergwesens aufgekommen.
    ,Glück` spielt in einem von so viel Unglücksfällen und Katastrophen bedrohten Berufsstand begreiflicherweise eine große Rolle, zumal es auch auf das Fundglück` reicher Ausbeute ankommt. Gelegentlich wird sogar direkt vom ,Bergglück` gesprochen. Der Begriff ,Glück` kommt daher in vielen Grubennamen vor: wie z. B. ,Gottesglück`, Eisernes Glück`, ,Glückswarte`, Glückshoffnung` etc. Glücksrut` war im alten Bergbau die Bez. für die Wünschelrute, Glücksmännlein` ein Name für den Berggeist, der reiche Fundstätten zeigt.
    Auch der Wortbestandteil ,auf` ist bedeutsam und symbolisch im Sinne von ,Auftun`, Wieder nach oben kommen`, offen bleiben aber auch im Sinne eines Ansporns zur Arbeit: Auf, auf ihr Bergleut alle...` oder im Bergmannslied ,Glückauf, der Steiger kommt...`, als Weckruf für die Frühschicht etc. Vor allem aber liegt die Bdtg. des auf' im Sinne von ,empor` dem bergmännischen Lebensgefühl als Gegensatz zur Tiefe, als Rückkehr` nach oben, zu Tage, besonders nahe.
    Am frühesten ist der spätere Bergmannsgruß als höfischer Trinkspruch bezeugt. Die erste sichere Bezeugung, daß ,Glückauf` ein volksläufiger Bergmannsgruß ist, stammt von 1680, und zwar als Titel der Leipziger Diss. von Christian Meltzer. Schon im Titel macht sie der Autor zum Signum des erzgeb. Bergbaus. Im selben Jahr 1680 bezeugt der Freiberger Gottfried Junghans: „Glück auff! ist der Gruß, damit die Bergleute einander grüßen".
    Der Gruß hat über den Anwendungsbereich im Bergbau hinaus einen allg. glückwünschenden Charakter. Er kommt sogar auf Grabkreuzen von Bergleuten vor und bezieht sich dann auf den Auferstehungsglauben. Der Bergmannsgruß spielt darüber hinaus im weltlichen und geistlichen Brauchtum der Bergleute, als Inschrift auf Eingängen, auf Fahnen und Gedenkzeichen bis heute eine große Rolle, auch als Name von Vereinen.
    Aus dem bergmännischen Liedgut stammen die folgenden Beispiele:

    Walt's Gott, nun Bergmann bei und sing
    Glück auf! Dein Arbeit wohl geling.
    Glückauf ist unser Losungswort
    im düstern Gang und Schacht.
    Auf Glückauf, auf Glückauf!
    Wackre Bergleut kommt zu Hauf.
    So von Freud und Lust umgeben
    Wollen wir jetzt fröhlich leben,
    Singen unser froh Glückauf.

    Auch in Goethes Faust` kommt die Formel vor, und zwar im II. Teil während des Mummenschanzes, an dem auch Bergleute in Gestalt von Gnomen beteiligt sind:

    Aus vollen Adern schöpfen wir:
    Metalle stürzen wir zu Hauf
    Mit Gruß getrost: Glück auf! Glück auf!

    Daß Goethe sich dieser Grußformel in seiner Eigenschaft als Minister für das Bergbauwesen auch bei offiziellen Anlässen bediente, ist mehrfach bezeugt. Unmittelbar geläufig war der berufsständische Gruß auch den Bergbaustudenten Friedrich von Hardenberg (Novalis) und Theodor Körner.

    Lit.: G. Heilfurth: Glückauf! Geschichte, Bedeutung und Sozialkraft des Bergmannsgrußes (Essen 1958);
    ders.: Zur Innovation und Rezipierung eines Grußes. Am Beispiel des „Glück auf“, in: Miscellaneae. Festschrift K. C. Peeters (Antwerpen 1975), S. 315-326
     
  7. clemens

    clemens Premiummitglied

    hallo knappen,

    hier möchte ich einen kleinen 4zeiler ( aus dem harz ) einbringen den ich im buch "in plutos reich" von gustav koepper, ca. 1900 , gefunden habe :

    die kohle

    gott hat aus seiner gnad' gegeben,
    daß wir vom edeln bergwerk leben.
    drum ruf' mit uns der ganze hauf':
    glück auf! glück auf! glück auf! glück auf!
     
  8. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Toll, Mercy,

    Danke. Man kann doch auf seine alten Tage immer noch lernen. Darf ich Dir ein paar Bewertungspunkte geben?

    Ich werde mir den Text von G. Heilfurth besorgen.

    Glückauf

    G. Agricola
     
  9. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Danke Clemens,

    das Lied der Harzer Bergleute. Aber jetzt muß ich doch mal kräftig nachsehen, wo denn im Harz Kohle abgebaut wurde.;)

    Übrigens ein kleiner Tipp: In diesem Lied wird auch das "wachsende Erz" besungen. Mircea Eliade hat darüber ein paar interessante Bemerkungen gemacht, siehe "Schmiede und Alchimisten".

    Glückauf

    G. Agricola
     
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  10. clemens

    clemens Premiummitglied

    ha ha...

    da bin ich aufgesessen..


    durch deine bemerkung angeregt :"Aber jetzt muß ich doch mal kräftig nachsehen, wo denn im Harz Kohle abgebaut wurde.;)" , habe ich noch einmal nachgesehen ( harzer kohle ist auch mir eigentlich auch unbekannt! ) und sihe da - kohle ist die überschrift des 1.kapitels, die über den 4zeiler gesetzt wurde und mich zum mitabschreiben verleitete, gehört nicht zum lied!

    jetzt mit offeneren augen clemens
     
  11. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    In Zwickau und Umgebung wurde auch schon im Mittelalter Steinkohle abgebaut, jedenfalls dort wo die Kohleflöze an die Oberfläche stießen.
     
  12. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Ja, Andronikos,

    und in der Gegend von Wettin auch.

    Heute, wo der Steinkohlenbergbau in den östlichen Teilen Deutschlands eingestellt wurde, wird leider oft nicht beachtet, welche Rolle die Steinkohle dort bei Industrialisierung gespielt hat.

    Und, wie ich bereits erwähnte, wurde in Sachsen, nicht in England, der erste Koks (zur Verhüttung von Kupfererzen) hergestellt.

    Grüße

    G. Agricola
     
  13. von Trebra

    von Trebra Gesperrt

    Hallo Ihr!

    @ Rafael:

    Woher der Gruss "Glück auf" genau kommt, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Aber bei uns im Harz gab - oder gibt - es noch einen weiteren bergmännischen Gruss: "Fahren sie glücklich".

    Der Gruss "Fahren sie glücklich" wurde überwiegend einer höher gestellten Person (wie etwa einem Steiger und den höheren Beamtenrängen) entboten.


    @ Agricola:

    Kohle, also Steinkohle, wurde tatsächlich im Harz abgebaut. Ein sehr gutes Besucherbergwerk dazu gibt es in Ilfeld (Ostharz, Landkreis Northausen - Thüringen; Anfahrt über B 81 von Nordhausen nach Halberstadt, der Ortsteil von Ilfeld heisst Netzkater). Man kann dort auf einer Untertagetour die alten Abbaubereiche der Kohleförderung besichtigen. Übertage sind Fahrten mit der Grubenbahn möglich.

    Also: Fahrt glücklich und winterliche Grüsse aus dem Harz

    Matthias "von Trebra"
     

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